Warmlaufen

Geliebter Dietmar

27.01.2012, 19:56 Uhr von:  Redaktion

Am Samstag ist es wieder soweit. Die Winterpause hört endlich auch im Dortmunder Stadtgebiet auf und das Westfalenstadion öffnet seine Tore zum ersten Heimspiel der Rückrunde. Der Start ist, das kann man nicht anders sagen, mit einem 5:1 Auswärtssieg in Hamburg perfekt geglückt. Da aber, bis auf die Mannschaft mit dem qualitativ besten Kader wo gibt, auch die Konkurrenz fleißig dreifach gepunktet hat, muss weiter nachgelegt werden. Und das ausgerechnet gegen einen Gegner, der uns dummerweise nicht so liegt und uns immer wieder Punkte gekostet hat.

Die TSG Hoffenheim aus dem Jahr, in dem in Kalrsruhe auch der Verein für deutsche Schäferhunde gegründet wurde. Das hat zwar überhaupt nichts miteinander zu tun, aber vielleicht hilft Euch dieses Wissen irgendwann mal, wenn Ihr bei „Wer wird Millionär" sitzt. Hoffenheim? Da war doch was. Achja, die Schallaffäre aus dem Hinspiel. Ein übereifriger Hausmeister und sein heldenhafter Einzelkampf gegen Anti-Hopp-Gesänge. Viel wurde darüber geschrieben, gesagt und berichtet. Nur den Hausmeistern wurde kein Gehör geschenkt. An dieser Stelle wollen wir das nachholen, in dem wir einen offenen Brief der Facility-Management-Gewerkschaft (FMG) veröffentlichen:

Geliebter Dietmar,

mit Sorge und Trauer beobachten wir, was in Deinem glorreichen Reich passiert. Was ist nur geschehen, dass im gelobten Kraichgau die märchenhafte Geschichte des symphatischen Underdogs ins Stocken geraten ist? Ja, böse Zungen malen schon das Menetekel des drohenden Untergangs an die Wand.

Dabei fing doch alles so himmlisch an. Zu Deiner Geburt, geliebter Dietmar, bildeten die Wolken die Buchstaben S, A und P am Himmel und aus allen Quellen Baden-Württembergs sprudelten Geldfontänen. Was Du anpacktest, wurde zu Gold. In Deiner Jugend warst Du der einzige Schüler in der Geschichte der Sinsheimer Volksschule, der bei den Bundesjugendspielen gleich zwei Ehrenurkunden erhielt. Und das, obwohl Du nur beim Weitsprung teilgenommen hast. Der Marke von 16,34 Meter wird noch heute in der Schulchronik gehuldigt. Und später dann, während alle anderen Computerprogrammierer noch mit Nullen und Einsen hantierten, hast Du die Zwei erfunden und Deinem Unternehmen Weltruhm gebracht. Alles was Du anpacktest wurde natürlich ein großer Erfolg. So konntest auch nur Du -und nur Du allein, geliebter Dietmar- einen Fußballclub aus der badischen Kreisklasse in die Bundesliga führen. Unsere Bewunderung und Liebe für Dich wuchs ins Unermessliche.

Und heute? Wo sind all die regionalen Talente hin, mit denen Du die Fußballwelt im Sturm erobert hast? All die Spieler aus dem Umkreis. Aus Hoffenheim-Senegal, aus dem Vorort Brasilianisch-Sinsheim, aus Zuzenhausen-Nigeria. Geflüchtet sind sie, weil ihnen das Vertrauen in den geliebten Dietmar abhanden gekommen ist. Dabei hast Du alles für sie getan. Du hast ihnen zu Glück und Wohlstand verholfen. Du hast unzähligen Hohn und Spott für sie auf Dich geladen. Nur damit sie ihren Traum des Profifußballs leben können. Undankbares Pack. Jetzt musst Du Deine Mannschaft schon mit 13-jährigen Spielern aus dem fernen Berlin auffüllen. Aber wir glauben an Dich und vertrauen Dir. Die jetzige Lage ist nur ein kleines Tief und später dann, wenn Deinen Jugendspielern mal Barthaare wachsen, wirst Du die TSG aus der Oberliga wieder ganz nach vorne führen.

Also gräme Dich nicht, geliebter Dietmar. Noch immer liegen die Löwen und Adler Dir zu Füßen und huldigen Dir in Deinen heiligen (Sport-)hallen. Und auf uns kannst Du immer zählen. Wir stehen hinter Dir in Deinem Kampf gegen den Pöbel und die Neider. Wir Hausmeister sind zutiefst beeindruckt, wie Du unserem Kameraden, der für Dich sein Trommelfell opern wollte, den Rücken gestärkt hast in dieser Hetzkamapgne. So kennen wir Dich, oh Laureus-Preisträger. Du bist immer für dein Volk da und schenkst ihm Deine Liebe und deine Hingabe. Wir vergessen dir Das nie und so bitten wir dich, in unseren Chor einzustimmen:

Hausmeister holt die Fanfare,
auf zum Akkustik-Gefecht.
Die Instandhaltungsbrigade,
erkämpft des Dietmars Recht.

Zu erwähnen bleibt noch, dass auch in Hoffenheim fleißig boykottiert wird. Im Rahmen der Kampagne „Keine zweihundert Kilometer für ein Auswärtsspiel" protestieren viele der TSG Fans gegen die ihrer Meinung nach dürftigen sportlichen Leistung und weite Anfahrtswege zu einem Auswärtsspiel. Bis auf ca. 1.100 „Streikbrecher" wird man deshalb das Spiel zuhause auf der Couch verfolgen. Oder währenddessen den Rasen mähen. Oder Oma Gertrud zum Kuchenessen einladen. Der Kreativität sind da keine Grenzen gesetzt. Beeindruckend, wie geschlossen die Hoffenheimer Fanschar diesen Boykott durchzieht und so rufen auch wir ins ferne Sinsheim ein aufmunterndes „Bleibt doch zuhause" zu.

Hörsturz Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Bender, Kehl - Kuba, Kagawa, Großkreutz - Lewandowski
Auf der Bank: Langerak - Löwe, Owomoyela, Santana, da Silva, Gündogan, Leitner, Perisic, Barrios, Zidan

Hausmeister-Auswahlteam: Starke - Beck, Williams, Vestergaard, Braafheid - Rudy, Salihovic - Mlapa, Roberto Firmino, Johnson - Babel
Auf der Bank: Haas - Strobl, Gyau, Kaiser, Vukcevic, Weis, Wieser, Musona, Schipplock

Schiedsrichter: Knut Kircher (Rottendorf). Assistenten: Robert Kempter, Stefan Lupp. Vierter Offizieller: Frederick Assmuth

Sascha, 27.01.2012

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