Unsa Senf

Bundesweite Fanproteste gegen DFL-Sicherheitskonzept geplant

15.11.2012, 13:41 Uhr von:  Redaktion

Gegen das umstrittene DFL-Konzeptpapier „Sicheres Stadionerlebnis" wird es im Vorfeld der Ligaversammlung am 12. Dezember zu bundesweiten und ligaübergreifenden Fanproteste kommen. Fans aller Couleur sollen dabei ausdrücklich mit ins Boot genommen werden. Über diese gemeinsame Initiative zahlreicher Fanszenen in Deutschland haben die Dortmunder Gruppen The Unity, Jubos und Desperados am gestrigen Mittwochabend in der „Kaktus Farm" rund 60 BVB-Fanclubvertreter informiert. Außerdem: Weil unser BVB leider selbst darüber schweigt, wie er zu den einzelnen abzustimmenden Maßnahmen des Konzeptpapiers steht, sollen die Einwände und Forderungen von Fanseite gegenüber den Vertretern Borussia Dortmunds erneuert werden.

Schweigen im Block und eine Demo für den Erhalt der Fankultur

Am Rande des jüngsten Fangipfels in Berlin haben sich die Fanszenen bundesweit auf spür- und hörbare Protestmaßnahmen geeinigt, um eine flächendeckende mediale Aufmerksamkeit zu generieren. Ab dem 14. Spieltag rufen sie Anhänger aller Vereine dazu auf, die jeweils ersten zwölf Minuten und zwölf Sekunden der Partien schweigend im Block zu verfolgen und erst danach richtig Gas zu geben. Diese Aktionen sollen den Verantwortlichen aus der Politik sowie von Verbänden und Vereinen deutlich vor Augen führen, welch gewaltige Sprengkraft für unsere hiesige Fankultur die geplanten Repressionen bergen, über die die Ligaversammlung am 12. Dezember – nach unseren Informationen einzeln und nicht im Paket – abstimmt (Link: Konzeptpapier „Sicheres Stadionerlebnis").

Höhepunkt der Proteste, zumindest auf Dortmunder Boden, ist eine Demo für den Erhalt der Fankultur am 8. Dezember. Vor dem Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg sollen Heim- und Gästefans gemeinsam, farbenfroh und lautstark durch die Stadt ziehen, die genaue Route wird noch erarbeitet. Es lohnt sich, den Termin bereits jetzt rot im Kalender anzustreichen! Ähnliche Aktionen sind an diesem Spieltag übrigens in den Zweitligastädten Duisburg, Köln und Paderborn geplant.

Unter den schwarz-gelben Fanclubvertretern in der „Kaktus Farm" herrschte am Mittwochabend große Einigkeit über diese Schritte, wenn auch gerade das Schweigen zu Beginn dreier Partien keinem BVB-Fan auf der Nord-, West-, Ost- oder Südtribüne leicht fallen werden. Dennoch ist man aufgrund der gut vernetzten Dortmunder Fanszene überzeugt, eine breite Masse für die gemeinsamen Proteste gewinnen zu können. Bereits am Samstag vor dem Heimspiel gegen Fürth werden die Besucher des Westfalenstadions mit Info-Flyern versorgt.

Neuer Druck auf die BVB-Vereinsführung

Während Vereine wie Union Berlin, der Hamburger SV, Eintracht Frankfurt, Hertha BSC und der 1. FC Köln – um nur ein paar zu nennen – das Konzept „Sicheres Stadionerlebnis" der DFL aktiv kritisieren und zum Teil auch Gegenentwürfe erarbeitet haben, hüllt sich Borussia Dortmund weiterhin in Schweigen. Die Verantwortlichen möchten keine Wasserstandsmeldung darüber abgeben, wie sie konkret zu den diskutierten Repressionen stehen, was unter uns BVB-Fans ein unangenehmes Gefühl der Unsicherheit zur Folge hat.

Zwar machten insgesamt zwölf Dortmunder Fanlcubs, Ultra-Gruppierungen und Fanzines ihre erheblichen Bedenken bereits in einem gemeinsamen Gespräch mit DFL-Präsident Dr. Reinhard Rauball und Dr. Christian Hockenjos, der Borussia Dortmund in der „Kommission Sicherheit" vertritt, deutlich (siehe Stellungnahme vom 31. Oktober). Doch seitdem ruht der Dialog. Die 60 Fans in der „Kaktus Farm" waren sich deshalb einig, die Einwände, Forderungen und Verbesserungsvorschläge gegenüber unserem Verein nun mit Nachdruck zu erneuern, um dem unbefriedigenden Status quo entgegen zu wirken.

Update, 14.00 Uhr: Soeben hat die DFL in einer Pressemitteilung weitere Schritte zum Thema Sicherheit unter Einbeziehung der Rückmeldungen der Klubs sowie verschiedenster Fanorganisationen innerhalb der AG Fanbelange angekündigt. Den Vereinen solle nun ein "erweiterter Maßnahmenkatalog" vorgelegt werden, über das bis zum 22. November vor Ort beraten werden könne. Ein Automatismus, wonach Fan-Gruppierungen in ihrer Gesamtheit bei Fehlverhalten einzelner bestraft werden, soll laut der DFL ebenso wenig Inhalt des neuen Papiers sein wie statuarische "Vollkontrollen". Auch ein kurzfristiges Treffen mit diversen Fanvertretern sei geplant.

Malte S., 15.11.2012

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