Unsa Senf

Leere und Stolz

01.04.2012, 19:09 Uhr von:  Redaktion

Torjubel im Block Drölf nach dem 4-3Ich bin gerade vor zwei Minuten nach Hause gekommen und sitze nun noch in komplett voller Montur und Schuhen vor dem PC. Eigentlich sehe ich vor lauter Bierflecken an meiner Brille nichts. Meine Haare sind komplett nass, riechen aber nicht wie üblich nach Pfirsich-Shampoo. Meine Klamotten sind eingesaut, meine Stimme ist weg und ich fühle mich... seltsam!

Komischerweise bin ich überhaupt nicht sauer oder wütend und - ja - auch irgendwie nicht enttäuscht. Es ist eher eine Kombination aus Leere und unbändigem Stolz, denn das, was ich heute erlebt habe, dürfen viele Fans von anderen Mannschaften eben nicht erleben.

Wie wir heute das Stadion gerockt haben, das war unglaublich, galaktisch, superkalifragilistikexpialigetisch - nein, dafür müsste eigentlich noch ein Wort erfunden werden. Wie die Mannschaft nach dem 2:3 nach vorne gepeitscht worden ist, das war einfach wunderbar; und umso wunderbarer war es, wie viel Rückgrat, Mut und Glauben die Jungs haben, dass sie dann noch das Spiel wieder komplett drehen.

Bei dem 4:3 sind wir auf der Süd alle in kollektiver Glückseligkeit ausgerastet. Ich habe mich, glaube ich, noch nie so gefühlt. Umarmungen, Küsse, Haare verstrubeln von links, rechts und von vorne und hinten und von oben eine Bierdusche, mit der jeder Wirt ein Fass hätte füllen können. Pure Ekstase! Hätte ich noch ein Bier gehabt, hätte ich es mir wahrscheinlich selbst über den Kopf gegossen.

Fassungslosigkeit bei Piszczek, Barrios und LewandowskiUnd ja... ich glaube das 4:3 gehört zu drei Vierteln den Fans und das bisschen Rest von mir aus Ivan Perisic. Das Stadion ist eine Macht, die wir viel zu selten in dieser Form einsetzen. Wir können Spiele mitentscheiden! Jeder, der heute im Stadion war, wird das gesehen haben, und jeder sollte sich verdammt noch mal in die Pflicht nehmen, genau dasselbe im vielleicht alles entscheidenden Spiel gegen den Rivalen aus München wieder aus sich herauszuholen.

Ich empfinde das 4:4 merkwürdigerweise nicht als Schlag ins Gesicht. Es ist schade, aber wenn man mit so viel Mut nach vorne spielt, kann so etwas in einer absolut hektischen Schlussphase einfach passieren, denn auch für die Spieler müssen die letzten Minuten innerlich ein Ausnahmezustand gewesen sein. Wir haben das Spiel nicht mit diesem Tor „verloren“, sondern mit den zwei Toren bis zum 2:2.

Aber für mich war es heute viel wichtiger zu sehen, dass die Jungs an sich glauben. Selbst wenn sie ein 2:0 aus der Hand geben, tun sie es noch und können wieder zurückkommen. Daran kann auch das bescheuerte Gegentor in der Nachspielzeit nicht rütteln.

Wenn Hummels nach dem 3:3 vor der Süd steht, wartend auf eine Ecke, sich zu den Fans dreht, um sie noch mehr anzuheizen, dann weiß ich, dass da genau die richtigen Jungs auf dem Platz stehen. Im Nachhinein letztlich egal, ob dabei ein Sieg, ein Unentschieden oder irgendwann auch mal wieder eine Niederlage herauskommt. Die Jungs brennen für uns und wir für sie!

Applaus für die KurveUnd ich lege mich fest: Vorhin im Stadion, beim Stand von 3:3, habe ich gesagt: „Wenn wir jetzt noch eine Bude machen, dann werden wir Deutscher Meister.“ Und ich glaube trotz des Gegentores so fest daran wie nie zuvor. Wir können jeden schlagen, wir können jederzeit zurückkommen. Nur das Pech in Form von Lattenschüssen, plötzlich unbesiegbaren Keepern, die extra vor dem Spiel gegen den Tabellenführer noch ein Bad in Obelix‘ Zaubertrank genommen haben, besiegen wir vielleicht nicht (immer).

Ach ja… Tabellenführer sind wir übrigens immer noch. Auch am Sonntag! Und wer kann nach diesem Spiel heute Abend überhaupt voraussehen, was noch passiert? Das ist Fußball – deswegen lieben wir es!

Vielen Dank Jungs für ein wunderbares, nervenzerreißendes, bombastisches Spiel. Da ist man stolz, Borussin zu sein!

Steffi, 01.04.2012

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