Spielbericht Profis

Generalprobe geglückt

18.01.2012, 23:43 Uhr von:  Redaktion

Verhaltener Torjubel im TestkickOberhausen. Nicht gerade die Stadt, in der Milch und Honig fließen. Fragt man Frauen nach Oberhausen, erhält man vermutlich eine Antwort, die irgendetwas mit dem dort ansässigen Shoppingzentrum zu tun hat. Fragt man die Männer, erhält man mit Glück noch irgendetwas, das mit Rot-Weiß Oberhausen zu tun hat. Ansonsten bietet Oberhausen eben nicht mehr so viel. Sea Life, das Gasometer, ein „Museumsbahnsteig"... das war es dann auch schon. Trotzdem verschlug es die Borussia am Mittwoch zur Generalprobe bei kalten Temperaturen und Regenwetter in eben diese Stadt zu eben diesen Verein bei dem Mario Basler mittlerweile den ehemaligen Amateure-Trainer Theo Schneider abgelöst hat. Zu sehen gab es einen 4:0-Erfolg und teilweise auch ganz netten Fußball in einer insgesamt schönen Atmosphäre bei Flutlicht unter den Welldächern des Stadions Niederrhein.

Personalien

Roman Weidenfeller musste nach seiner Trainingseinheit am Mittwochmorgen doch noch passen und während sein Einsatz für das Spiel beim HSV am Sonntag alles andere als in Stein gemeißelt ist, vertraten ihn Johannes Focher (in Halbzeit Eins) und Zlatan Alomerovic (nach dem Seitenwechsel), da auch Mitch Langerak verletzungsbedingt fehlte. Einen Besuch wert? Das Stadion in OberhausenAnsonsten schien es zu Beginn so, dass sich das Lazarett des BVB weiter lichtet. Ilkay Gündogan saß nämlich wieder auf der Bank, Mario Götze fehlte jedoch aufgrund von Adduktorenproblemen. Ansonsten stellte man von Beginn an eine Mannschaft auf das Feld, die man mit minimalen Bedingungen auch zum Rückrunden-Auftakt erwarten dürfte. Die Viererkette war in der gewohnten Besetzung wieder zusammen, Kehl und Bender formten die Doppel-Sechs hinter Kagawa, Kuba und Großkreutz, vorne stürmte Lewandowski. Idealerweise ersetzen wir bis Sonntag Kuba durch Götze und Focher durch Weidenfeller und schon haben wir eine Borussia, die nahezu perfekt besetzt ist. Beim Gegner aus Oberhausen ist schon länger nicht mehr alles aus Gold und so liest sich auch die Aufstellung. Christopher Kullmann kennt der eingefleischte Dortmundfan, Torwart Michael Melka spielte in der Jugend beim BVB, dürfte für die meisten aber nur ein Begriff aus seinen Gladbacher oder Düsseldorfer Zeiten sein. Ansonsten überstrahlt der Trainer die Prominenz seiner Spieler.

Von Wellen und Underdogs

Größtenteils nicht großartig: das Dortmunder Publikum5.412 Zuschauer hatten sich zum Testkick eingefunden und wie bei Freundschaftsspielen so üblich glänzte der Dortmunder Anhang nicht unbedingt durch seinen Auftritt. Seien es nun die vom Erzrivalen aus GE übertragenen Gesänge auf den RWO, der ebenfalls in einem historisch negativ belasteten Jahr geboren wurde, LaOla-Wellen nach jedem Torerfolg oder das Feiern von Sommer-Neuzugang Marco Reus, teilweise war es schlicht und ergreifend peinlich. Ein Kompliment gibt es höchstens für den Gesang „Heimspiel in Essen", der uns doch ein Lächeln auf die Lippen zauberte. Vor dem Spiel fiel dem Schreiber dieses Berichts außerdem das Maskottchen von RWO auf. Ein Hund mit besagt negativ belasteter Rückennummer namens – und jetzt kommt der Wortwitz-Knaller – Underdog. Da sag doch mal jemand, in Oberhausen sei man nicht mehr kreativ. Für Verwirrung sorgte die hündische Variante von Emma übrigens auch beim Stadionsprecher, der den Anwesenden erklären wollte, warum das Spiel mit fünf Minuten Verzögerung beginnen würde. Spürbar abgelenkt vom vor ihm rumtanzenden Underdog reichte es aber nur für die Erklärung, dass noch zahlreiche Hunde vor dem Stadion stehen würden. Aber gut, kommen wir doch endlich zum Spiel.

Erste Hälfte

Dieses wusste nämlich gerade in der ersten Halbzeit und noch viel spezieller in der ersten Viertelstunde zu gefallen. So legte der BVB nämlich los wie die sprichwörtliche Feuerwehr. Nach vier Minuten legte Kuba den Ball schön auf rechts in den Lauf seines polnischen Kollegen Lukasz Piszczek, der mit seiner Flanke den Kopf von Großkreutz fand. Dieser entschied sich für eine weitere Ablage auf Lewandowski, der in Bedrängnis allerdings am Tor vorbei schob. Kevin G. fiel allerdings nicht nur durch seine neuen lilanen Schuhe auf, sondern auch durch seine Präsenz auf dem Platz. So war die Nummer 19 auch an der nächsten Aktion beteiligt, als er nach einem feinen Pass von Kagawa den Ball nicht mehr in die Mitte herein geben konnte. Etwas aus dem Nichts fiel dann nach zehn gespielten Minuten das erste Tor des Abends, als ein Schuss von Sebastian Kehl wohl leicht abgefälscht wurde und der Ball an Michael Melka vorbei ins Oberhausener Tor trudelte. Vier Minuten später wurde Robert Lewandowski von Marcel Schmelzer schön in Szene gesetzt und der Top-Torschütze der Borussia zeigte, dass er auch zur Rückrunde weiterhin in Form ist, indem er seine Verfolger abschüttelte und dann eiskalt zum 2:0 einnetzte. Musste verletzt raus: Lukasz PiszczekEs hat immer noch einen recht harten Beigeschmack, aber in dieser Form ist es für Lucas Barrios nahezu unmöglich, sich irgendwie in die Startformation zu spielen. So war Borussia zu diesem Zeitpunkt bereits auf einem guten Weg, das Testspiel schien ein vielversprechender und durchaus spaßiger Kick zu sein. Dies unterstrich auch Mats Hummels, der mit einem schönen Freistoß von der Strafraumgrenze auf sich aufmerksam machte. Immer mehr zeigt sich Hummels als Nachfolger von Nuri Sahin. Spieleröffner, Freistoß- und Elfmeterschütze, auch wenn der Schuss hier nur auf der Latte aufsetzte, ist die Entwicklung des ehemaligen Münchners immer noch unglaublich. In der Folge begann das Spiel allerdings langsam abzuflachen, eine Kuba-Ecke fand den Kopf von Hummels, dessen Kopfball allerdings nicht das Tor. Außerdem versuchte sich Großkreutz an einem von vielen Distanzschüssen an diesem Abend... müssen wohl die Folgen der neuen lilanen Schuhe sein. Aufhorchen musste man dann nur noch nach 37 Minuten, als Piszczek verletzt vom Platz musste. Für ihn kam Patrick Owomoyela, allerdings erst nach einer ausgiebigen Aufwärmphase, die dazu führte, dass der BVB zunächst mit zehn Mann weiter spielte. So gab es vor der Pause zunächst noch eine nette Kombination von Lewandowski und Großkreutz zu sehen, an deren Ende Kevin den Steilpass des Polen aber nicht mehr erreichen konnte. Kurz nachdem Owomoyela beeindruckend unter Beweis stellte, dass seine Flanken wohl keine wirkliche Konkurrenz für die Hereingaben von Piszczek sind, zappelte der Ball vor der Pause aber doch noch einmal zum 3:0 im Netz. Was war geschehen? Für die schwatzgelb-Schreiberlinge ging alles zu schnell, als Sven Bender auf einmal Torjäger-Qualitäten offenbarte und den Ball aus 20 Metern in die Maschen knallte. So ging es mit einer angenehmen 3:0-Führung in die Pause und auch das Spiel der Borussia wusste über weite Strecken zu gefallen. Wenn man nicht gerade Fotograf war, der am Spielfeldrand gegen den Regen ankämpfen musste, hätte man durchaus Spaß an diesem Abend haben können.

Zweite Hälfte

Gerade die zweiten 45 Minuten drückten dann aber doch aufs Gemüt, konnte man quasi spüren, wie das Spielniveau von Minute zu Minute weiter verflachte. Richtige Highlights gab es nur noch wenige, exemplarisch seien aber ein feiner Scherenkick von Sven Bender und ein weiterer von vielen Distanzschüssen des Kevin G. genannt. Unterhaltsamer war dann vielmehr die Wechseltaktik von Mario Basler, der nicht etwa – wie durchaus in solchen Freundschaftsspielen üblich – seine Mannschaft zur Pause gänzlich umkrempelte, sondern bis zur 56. Minute wartete. Dann aber machten sich gleich acht (!) Spieler auf den Weg zur Mittellinie und unter den verwunderten Gesichtsausdrücken der BVB-Spieler gab es dann eben doch die zahlreichen Wechsel, die aus RWO RWO II machten. Barrios freut sich über sein 4:0Fatih Duran hingegen konnte einem schon leidtun, wurde er als einziger noch nicht eingewechselt, sondern kam erst in der Schlussphase für zehn magere Minütchen zu seinem Einsatz. Baslers Wechseltaktik – oder irgendetwas völlig anderes – zeigte aber doch Wirkung, denn auf einmal waren sogar die Fans der Rot-Weißen zu hören. Ein völlig neues Feeling kam auf, als von der anderen Seite auf einmal skandiert wurde, dass die Dortmunder doch alle Zigeuner seien. Aber auch auf dem Platz drehte RWO II auf, war nach Chancen von Göcer, der an Alomerovic scheiterte, und einer Direktabnahme nach einer sehenswerten Flanke sogar näher am 1:3 als der BVB am 4:0. Deswegen beteiligte sich auch Jürgen Klopp am munteren Wechselspiel und brachte immerhin sechs Spieler, die noch für 25 Minuten die Gelegenheit hatten, sich auszuzeichnen. Nachdem das Dortmunder Publikum als Reaktion auf die Schmähgesänge der Oberhausener die wahnsinnig angebrachte Humba anstimmte, gab es das 4:0 aber doch noch zu sehen. Lucas Barrios meldete sich zurück und verwertete eine Hereingabe von Mohamed Zidan zum 4:0-Endstand. Den größeren Anteil an diesem Treffer trägt allerdings unser Pharao, der auf der rechten Seite geschickt wurde und uneigennützig in die Mitte spielte, wo Barrios schließlich nur noch ins leere Tor einschieben musste.

Was wissen wir nun?

Nach dem Abpfiff: Hummels und Barrios klatschen abTja, gute Frage. Oberhausen ist immer noch recht langweilig, Borussia aber definitiv bereit für die Rückrunde. Gerade die erste Halbzeit gibt genug Mut für das Auswärtsspiel in Hamburg, denn dort gab es teilweise eine engagierte, zielstrebige Borussia zu sehen. Einzig bezüglich des Personals gibt es nach der Abreise aus Oberhausen wohl mehr Fragen als auf der Hinreise. Für Roman Weidenfeller wird es wohl eng bis Sonntag, selbiges gilt für Mario Götze. Darüber hinaus wird man erst abwarten müssen, was für eine Diagnose Lukasz Piszczek erwartet. Aber dennoch ist das am Sonntag eigentlich alles egal. Schließlich freuen wir uns alle darauf, dass es dann endlich wieder losgeht und man nicht mehr zu Testspielen nach Oberhausen reisen muss.

Statistik

BVB: Focher (46. Alomerovic) - Piszczek (40. Owomoyela), Subotic, Hummels, Schmelzer (67. Löwe) - Bender (67. Gündogan), Kehl (46. Leitner) - Kuba (67. Le Tallec), Kagawa (67. Zidan), Großkreutz (67. Perisic) - Lewandowski (67. Barrios)
Tore: 0:1 Kehl (9.), 0:2 Lewandowksi (14.), 0:3 Bender (44.), 0:4 Barrios (82.)

Vanni, 18.01.2012

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