Spielbericht Profis

Ein HB-Männchen sieht gelb

25.11.2012, 17:08 Uhr von:  Redaktion

Thomas Tuchel war nach dem Spiel bedientNach der Gala in Amsterdam folgt der Alltag in der Liga. Keinen interessiert der Sieg einer Todesgruppe, satte neun Punkte steht Borussia hinter den Bayern und das auch noch auf dem vierten Platz. Das Programm habe er umstellen müssen, sagte Trainer Jürgen Klopp: „Du kommst am Abend aus Amsterdam nach Hause, voller Euphorie, am nächsten Mittag geht es nach Mainz. Wenn du dann eine Fußballsitzung machst, kannst du auch gleich den Kopf auf den Tisch hauen.“ Und dennoch versprühte das Spiel so viel Glamour, dass man sich vor Promis im Stadion kaum noch retten konnte.

Wir sind in Mainz und schreiben den 13. Spieltag der Saison 2012/13. Borussia Dortmund ist zu Gast, beide Vereine sind freundschaftlich verbunden und pflegen bei jeder Begegnung einen engen Kontakt. Auf Seite der Fans ist diese Beziehung nicht ganz angekommen. Die Mainzer Seite sieht gerne auf zum BVB und verfolgt die Geschicke ihres „großen Bruders“ mit einigem Wohlwollen, auf Dortmunder Seite sieht man sich so eher gar nicht in dieser Rolle und reibt sich an so manchen Begleitumständen, die Spiele in Mainz mit sich bringen.

Angefangen bei den Polizeikesseln, die einem vor dem alten Stadion regelmäßig die Laune schon vor dem meist undankbaren Spiel versauten, über das neue Stadion mitten in der Pampa bis hin zu einer knuffigen Fanszene, die wohl selbst einer Tracht Prügel noch schunkelnd und kalauernd etwas abgewinnen könnte – da kommt dem knorrigen Westfalen die Erbsensuppe doch glatt wieder zu den Ohren raus.

Stadionsprecher Klaus Hafner mit JKZu allem Überfluss hatte vor zwei Wochen auch noch die fünfte Jahreszeit begonnen und das Mainzer Stadionsprecher-Original Klaus Hafner aufs Neue seine karnevalistische Leidenschaft entdeckt. Der Dortmunder Anhang musste also wieder einmal stark bleiben und die sympathische Seite der Mainzer gewähren lassen.

„Als nächstes begrüßen wir jemanden, dessen Stadion hier ganz in der Nähe liegt, aber viel kleiner ist als das des FSV Mainz Null-Fünf. Karl-Kardinal Lehmann!“ Tusch.

„Wir haben 80 Millionen Bundestrainer, doch nur einer ist es wirklich: Herzlich willkommen, Jogi Löw!“ Tusch. Gellendes Pfeifkonzert.

„Wir begrüßen auch alle Sehbehinderten und Rollis hier im Bruchwegstadion. Har har har, natürlich in der Koohfaas Arena!“ Tusch.

„Als vierte Offizielle mit dabei ist heute Bibiana Steinhaus – und das ist gut, die weiß wie’s geht. Hoa hoa hoa!“ Tusch.

Leider nicht begrüßt wurde ein Rosinenpicker aus Washington D.C., der sich wieder einmal für ein Saisonhighlight nach Deutschland verirrt hatte. Er wäre über einen schönen Kalauer sicherlich erquickt gewesen.

Allerhöchstens Standard: Die Mainter FankurveDoch kommen wir zum Spielerischen. Kampfmaschine Sven Bender, unter der Woche hatte er seinen Gegenspieler mit seiner Nase schwer am Ellenbogen verletzt, betrat den Platz ohne Maske. Zuhause geblieben war hingegen Kapitän Sebastian Kehl, der ebenfalls nach einem Nasenbeinbruch und einer Kapselreizung seine vollständige Leistungsfähigkeit noch nicht wieder erlangt hatte. Aus der Mannschaft herausrotiert und für seine weiten Laufwege mit einer Ruhepause belohnt wurde Kevin Großkreutz, der sich eine richtig gute Partie aus der ersten Reihe ansehen durfte. Für ein Spiel im VIP-Bereich entschieden hatte sich Jan Kirchhoff, der nebst drei weiteren Hamburg-Verlierern keinen Platz in der Mainzer Startaufstellung finden konnte.

Diese Umstellung machte sich dann auch gleich bezahlt. Elkin Sotos butterweicher Heber aus dem Mittelfeld landete knapp vor dem Dortmunder Strafraum, die schwarzgelb gekleideten Herrschaften schienen überrascht und Marco Caligiuri hellwach – ohne den Ball zu stoppen entdeckte er die Lücke und hämmerte das Leder mit einem linken Pfund in den rechten Torwinkel. Ilkay Gündogan und Neven Subotic zogen den Kürzeren gegen Soto, Mats Hummels kam zu spät gegen Caligiuri, Lukasz Piszczek konnte nicht mehr eingreifen und Roman Weidenfeller den unhaltbaren Schuss nicht parieren – es haperte ganz offensichtlich an der Feinabstimmung.

Doch Borussia schien mit dieser Situation gut zurechtzukommen. Gerade einmal zwei Minuten nach dem Gegentreffer ging es über die rechte Seite nach vorne: Piszczek passte entlang der Linie, Mario Götze ließ abtropfen, Kuba marschierte und spielte zum durchgestarteten Götze in den Strafraum – der kam aber leider nicht mehr an den Ball. Nur Wimpernschläge später brachte sich Robert Lewandowski ins Offensivspiel ein – öffnender Querpass auf Götze, dessen Abgabe auf den zwischenzeitlich durchgestarteten Lewandowski ebenfalls zu schlampig ausfiel. Mainz versteckte sich keineswegs, zeigte sich aber anfällig bei Doppelpässen – das Dortmunder Horn zum Angriff war geblasen.

Torjubel zum 1:1In der 11. Minute hatte sich Schiedsrichter Knut Kircher dabei von seiner großzügigen Seite gezeigt. Radoslav Zabavnik nutzte Lewandowksi mehr als nur deutlich zum Auflehnen, trotz Ballgewinns der Mainzer ließ er das Spiel jedoch weiterlaufen – denn zwischenzeitlich hatte Borussia den Ball schon wieder zurückerobert. Bis an die Eckfahne ging es über Marcel Schmelzer, der sich gegen zwei Gegenspieler durchsetzte und Marco Reus mustergültig anspielte – Reus nahm Maß und schoss aufs Tor, Lewandowski bekam noch irgendwie die Hacke dran und das nächste Traumtor war geschossen. Was ein Ding!

Mainz geriet nach der Anfangsviertelstunde zunehmend ins Hintertreffen, konnte mit dem Gegentreffer viel schlechter umgehen als der BVB zuvor mit dem 0:1. Einige gute Torchancen hätten in dieser Phase für Borussia herausspringen können, doch scheiterten die Versuche meist an Nachlässigkeit oder Ungenauigkeit im entscheidenden Moment.

Während Klopp mit seinen Spielern schimpfte und sie forderte aufforderte, konzentrierter zu Werke zu gehen, hatte die Stunde des Thomas Tuchel geschlagen. Nach gerade einmal 22 Minuten war er vollends bedient und hüpfte herum wie ein HB-Männchen. Es sah auf eine unfreiwillige Art ziemlich lustig aus, wie die hagere Gestalt im blauen Longsleeve wild gestikulierte. Durch die Gegend schrie. Umherfuchtelte. Seine Spieler zum Rapport bestellte. Sie nach Strich und Faden zusammenschiss. Die ganze Bank zum Aufwärmen schickte. Kurz vor einem Herzinfarkt dann doch innehielt und sich alleine auf seine Bank setzte.

Gündogan muss verletzt rausOffensichtlich hatte er seinen Spielern aber ausreichend Angst eingejagt. Andres Ivanschitz setzte gegen den etwas zu leichtfertigen Hummels nach und eroberte den Ball, Nicolai Müller setzte den Sprint an und ließ Subotic keine Chance, hinterherzukommen – ein strammer Schuss vom rechten Strafraumeck nur knapp am linken Pfosten vorbei. Weidenfeller hätte auch hier keine Chance gehabt, es blieb beim Glück im Unglück. Leider kein Glück hatte Gündogan, der von Nikolce Noveski einen Tritt auf den Fuß abbekam und mit dem Verdacht auf eine schwere Prellung ausgewechselt werden musste. Klopp nutzte die Behandlungspause für ein kurzes Gespräch mit Kuba, Tuchel machte gleich drei seiner Spieler zur Schnecke – als Bender nach Wiederanpfiff einen Zwischensprint ansetzte und Caligiuri den vor der Nase wegschoss, gab es ein lautes „Ganz stark!“ von Klopp und einen geplatzten Hals beim HB-Männchen.

Doch Mainz nutzte diese Phase, um wieder ins Spiel zu kommen. Borussia stand noch immer zu zehnt auf dem Platz und suchte nach ihrer Struktur, die Rheinhessen machten das Spiel plötzlich schnell und agierten engagierter, aggressiver und bissiger. Eine schöne Kombination führte dabei fast zum erneuten Führungstreffer: Soto nach vorne auf Caligiuiri, Caligiuri zur Seitenlinie zum frei stehenden Zabavnik, Zabavnik mit dem Zuckerpass mitten ins Herz der Dortmunder Innenverteidigung – die erste Bewährungsprobe für Weidenfeller, der gegen Ivanschitz aus kürzester Distanz klären kann.

Auch das zweite Tor erzielte Robert LewandowskiUnd weiter ging es im Programm: Götze forderte einen Freistoß am linken Strafraumeck der Mainzer, Kircher ließ das Spiel aber weiterlaufen. Die Hausherren überbrückten das Spielfeld schnell, Ivanschitz ging vorbei an Subotic vorbei schoss auf Weidenfellers Kasten – wieder einmal knapp links vorbei. Doch in der direkten Gegenbewegung kam die nächste Großchance für den BVB: Bender mit dem Ballgewinn im Mittelfeld, ein scharfer Pass von Götze, eine sensationelle Ballannahme von Lewandowksi, der den Ball nicht nur nicht verstolpert, sondern sich auch noch auf den eigenen Schlappen nach vorne legt, ein lässiger Heber über den herauseilenden Wetklo mitten hinein ins Glück. 2:1 für den BVB!

Noch schnell vor der Pause den Sack zumachen, war das Motto bei Borussia. Viel Unruhe und Stückwerk dominierte nun das Mainzer Spiel, das Publikum pfiff sich die Seele aus dem Leib und der Gästeblock versuchte sich erstmals nennenswert darin, die Mainzer Fans zu übertönen – in dieser emotionalen Phase wurde Piszczek direkt vor Klopp rüde attackiert, ein verhängnisvoller Fehler. Klopp regte sich tierisch über das unnötige Foul auf, Tuchel war wieder einmal hart am Mann und es entbrannte ein Wortgefecht zwischen den beiden Trainern. Bibiana Steinhaus (Merke: Die weiß, wie’s geht…) versuchte sich in der Beruhigung der beiden Streithähne, bis Klopp als Klügerer nachgab und genervt gegenüber Tuchel abwinkte.

Halbzeit. Ein Sponsor hieß uns willkommen beim Deutschen Meister, schließlich habe der BVB ja den halben FSV Mainz 05 gekauft und nur deshalb die Titel gewonnen. Tusch.

Kuba stand wieder in der StartelfIn der zweiten Halbzeit kamen Marcel Risse für Caligiuri und Borussia Dortmund gefährlich vors Mainzer Tor. Immer wieder ging es über Kuba, der nur mit viel Körpereinsatz zu stoppen war, den agilen Lewandowksi und Götze, unser Zauberfüßchen mit dem Hang zu langen Solos. Angeschoben wurde die Offensivmaschine vom glänzend aufgelegten Schmelzer, der gleich mehrere Standards von der rechten Seite schoss und sämtliche Freistöße ordentlich vors gegnerische Tor brachte. Wer schimpft eigentlich darüber, dass wir keinen Schützen für die Standards von rechts haben?

Reus sorgte mit seinen Defensiv-Aktivitäten in dieser Phase für Hingucker – Risse hatte sich gegen Bender und Kuba durchgesetzt, tunnelte Leitner und stand frei vor dem Tor, als plötzlich Reus die Grätsche ansetzte und den Ball aus dem eigenen Strafraum beförderte. Piszczek setzte sich abgeklärt gegen den körperbetont vorgehenden Müller zur Wehr und Hummels entdeckte nach einigen Problemen im ersten Durchgang plötzlich seine Qualitäten in der Spieleröffnung wieder – Borussia profitierte nun immer deutlicher vom Mainzer Kräfteverschleiß.

Ein Beispiel lieferte die 57. Minute. Drei Borussen und drei Mainzer stritten sich an der linken Mainzer Ecke um den Ball, Reus rutschte aus und der Ball landet bei Ivanschitz. Reus aber sprang auf, marschierte hinterher und setzte zur ballerobernden Grätsche an – ohne Foul kam Reus zur Chance, das war bärenstark.

Moritz Leitner ersetze Ilkay GündoganBorussia beherrschte das Spiel nun in weiten Teilen nach Belieben, den Hausherren fehlte die Kraft zum Gegenhalten – Querpässe und einige Chance des BVB trafen auf Konter des FSV Mainz, das Spiel blieb knapp und steuerte dennoch auf einen ungefährdeten schwarzgelben Sieg zu. Auf den Tribünen sah das Bild eher anders aus – der Mainzer Hintertorblock überzeugte ohne zu überragen, während man den Gästeblock mit einer wohl unterdurchschnittlichen Sangesleistung nur selten vernehmen konnte.

Es war Zeit für die nächste Durchsage: Satte 34.000 Zuschauer erlebten das sich nun deutlich verflachende Spiel in der restlos ausverkauften Kuhfuß Arena. Und die Freunde der denglischen Sprachverhunzung fragten sich ganz ungeniert: Wenn man den Namen eines Stadions nicht aussprechen kann – wie wäre es dann mit einem deutschen Namen?

Die letzten 20 Minuten lebte das Spiel vor allem von Nickligkeiten. Die kaputten Mainzer kamen nicht mehr hinterher, griffen immer wieder zum taktischen Foul und sammelten dafür gelbe Karten. Dennoch kam Borussia zu guten Chancen: Götze, Lewandowksi und Reus in der 69. Und 70., Lewandowksi nach einem Freistoß aus dem Mittelkreis in der 81. und Hummels per Kopf nach einer Ecke in der 84. Minute – richtig zwingend war davon nichts mehr, dennoch wäre ein 3:1 nicht unverdient gewesen. Kurz vor Schluss durften sich Weidenfeller und Schmelzer noch einmal mit guten Abwehraktionen auszeichnen, bis Kircher ein Einsehen hatte und dem Treiben ein Ende setzte. Borussia gewann 2:1, Spieler und Trainer waren glücklich. Die Mainzer waren mit dem Ergebnis einverstanden und froh, sich gut präsentiert zu haben.

Die Welle nach Spielende vor der GästekurveNur einer hatte nach Spielende die Schnauze voll – das einstige HB-Männchen Thomas Tuchel. Er hatte Aschermittwoch.

Die Fotostrecke zum Spiel gibt es wie gehabt auf unserer BVB-Fotoseite unter diesem Link.

Statistik

Mainz: Wetklo - Pospech, Svensson, Noveski, Zabavnik - Baumgartlinger, Soto - Müller, Ivanschitz, M. Caligiuri - Szalai

Wechsel: Risse für Caligiuri (46.), Rukavytsya für Ivanschitz (64.), Klasnic für Müller (85.)

Gelbe Karten: Szalai, Zabavnik, Müller, Svensson

BVB: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Gündogan, Bender - Kuba, Götze, Reus - Lewandowski

Wechsel: Leitner für Gündogan (34.), Großkreutz für Kuba (73.), Perisic für Götze (83.)

Guter Auftritt vom GästeanhangGelbe Karten: -

Tore:
1:0 Caligiuri (4.)
1:1 Reus/Lewandowski (11.)
1:2 Lewandowski (43.)

Noten

Weidenfeller: Wie so oft kaum gefordert, dann aber zur Stelle. Beim 1:0 machtlos, bei den Torschüssen von Müller und Ivanschitz ebenfalls. Kaum Gelegenheit, sich zu präsentieren. Note 3.

Piszczek: Hinten stark, setzte aber vor allem offensive Akzente. Note 2,5.

Hummels: Größere Probleme in der ersten Halbzeit, seine Fehler führten zu guten Chancen der Mainzer. In der zweiten Halbzeit deutlich stärker, dann vor allem als Antreiber im Spiel nach vorne. Note 3.

Subotic: Mit Abstand zweikampfstärkster Mann auf dem Platz, hatte die meisten Ballkontakte. Stand sicher, ansonsten aber wenig auffällig. Note 3.Subotic: Mit Abstand zweikampfstärkster Mann auf dem Platz, hatte die meisten Ballkontakte. Stand sicher, ansonsten aber wenig auffällig. Note 3.

Schmelzer: Zwei bis drei leichte Schwächen in der Defensive, dafür aber auch eine Reihe starker Aktionen. Im Spiel nach vorne ein sehr belebendes Element, bereitete den Ausgleich super vor und fiel durch gute (demnächst hoffentlich sehr gute) Standards auf. Note 2.

Gündogan: Machte ein ordentliches Spiel bis zu seiner verletzungsbedingten Auswechslung, war aber deutlich von einer Spitzenleistung entfernt. Sah beim Gegentreffer unglücklich aus. Note 3,5. Gute Besserung, Ilkay!

Leitner: Hatte die unangenehme Aufgabe, mitten in der stärksten Mainzer Phase auf den Platz zu kommen. Fand mit zunehmender Spieldauer aber gut in die Partie und zeigte, dass auf ihn Verlass ist. Note 3.

Bender: Toller Ballgewinn vor dem 2:1, solide Arbeitsleistung. Für den Kampfschweineinsatz nach der erlittenen Verletzung gibt es noch eine Notenstufe Bonus, macht Note 2.

Kuba: Klasse Partie mit wichtigen Akzenten. Mit ihm macht das Spiel auf rechts einfach riesigen Spaß. Note 2,5.

Götze: Gute Partie, aber nicht immer konzentriert genug. Wenn er sich die unnötigen Dribblings abgewöhnt und die entscheidenden Pässe noch häufiger anbringt, darf er sich bald zurecht als Superstar bezeichnen. Bis dahin muss er mit Note 2,5 Vorlieb nehmen.Götze: Gute Partie, aber nicht immer konzentriert genug. Wenn er sich die unnötigen Dribblings abgewöhnt und die entscheidenden Pässe noch häufiger anbringt, darf er sich bald zurecht als Superstar bezeichnen. Bis dahin muss er mit Note 2,5 Vorlieb nehmen.

Reus: Tolle Vorarbeit/toller Abschluss zum 1:1, beherzte Rettungstaten und eine wundervolle Grätsche in der eigenen Defensive. Note 2.

Lewandowski: Ungeheuer agil und bemüht, ein (zwei) klasse Tor(e) und super im Zusammenspiel mit Götze. Forderte oft den Ball und schien den Spaß zurückgewonnen zu haben, der ihm zu Saisonbeginn noch abging. Mit dem vierten Doppelpack in wenigen Tagen in Bombenverfassung. Note 2.

Stimmen:

Robert Lewandowski: „Ich war noch dran.“

Marco Reus: „Keine Ahnung, ist mir auch scheißegal.“

Marco Reus: „Keine Ahnung, ist mir auch scheißegal.“Aki Watzke: „Es gibt gar nicht so viele Hüte, wie man sie vor dieser Mannschaft ziehen muss. Das war heute eine unfassbare Willensleistung mit vollem Einsatz über 90 Minuten. Es zahlt sich eben aus, nicht sofort in Panik zu verfallen, wenn es mal nicht ganz so gut läuft oder man eine etwas schwächere Phase hat. Wir sind immer ruhig geblieben und haben konzentriert weiter gearbeitet, belohnt wurden wir dafür mit unfassbar guten Leistungen unserer Mannschaft.“

Thomas Tuchel: „Wir haben uns einige gute und sehr gut Chancen erarbeitet, aber leider nicht genutzt. Unser Ziel war es, wenigstens die Zweikampfstatistik zu gewinnen, das haben wir aber leider auch nicht geschafft.“

Jürgen Klopp: „Wir haben schwer ins Spiel gefunden, waren noch ein bisschen müde. An der Anfangsphase und dem 0:1 hatten wir sicher auch unsere Aktien dran. Es war wie schon im letzten Jahr ein enges Spiel, diesmal war der Sieg aber definitiv verdienter. Ich wiederhole es gebetsmühlenartig und sage es immer wieder: Wir sind nicht der FC Bayern und können unsere Gegner nicht im Vorbeilaufen abschießen. Das kommt vielleicht einmal die Saison vor, möglicherweise zweimal – der Regelfall ist aber der, dass jede Partie, jeder Sieg ein schweres Stück Arbeit für uns ist. Das hat man in Augsburg gesehen, genauso wie gegen Fürth und heute hier in Mainz. Was wir hier heute geleistet haben, war ein Mentalitätsmonster.“

Auf die Frage, woran er die Mentalitätsfrage festmache:

Klopp und Tuchel vor dem Spiel im InterviewJürgen Klopp: „Wir haben in Amsterdam ein sensationelles Spiel abgeliefert. Ganz Europa hat uns gefeiert, die europäische Presse liegt uns zu Füßen. Nicht, dass wir diese Zeitungen gelesen hätten, aber zwangsläufig bekommt man das schon irgendwie mit. Du kommst also am Abend aus Amsterdam nach Hause, voller Euphorie, am nächsten Mittag geht es nach Mainz. Wenn du dann eine Fußballsitzung machst, kannst du auch gleich den Kopf auf den Tisch hauen. Da musst du das Programm umstellen, irgendetwas anderes machen. Und dann erwartet dich noch ein Gegner, der um jeden Zentimeter kämpft und dagegen hält, dich auf den harten Boden der Realität zurückholen will. Dieses Spiel anzunehmen und sich so stark zu präsentieren, ist eine Mentalitätsfrage. Meine Mannschaft hat heute gezeigt, dass sie einen super Charakter hat.“

Auf die Frage, wie beide Trainer angesichts der jüngsten Diskussionen mit Frau Steinhaus zurechtgekommen seien:

Jürgen Klopp: Gut.

Thomas Tuchel: Bei mir auch.

Auf die Frage, wie er die Kritik von Lutz-Michael Fröhlich aufgenommen habe, dass sich junge Sportler lieber andere Vorbilder nehmen sollten:

Nach dem Spiel hatte jedoch nur JK Grund zur FreudeJürgen Klopp: "In dieser Frage steckt schon wieder eine Interpretation drin. Hat er das denn so gesagt? Es ist mittlerweile leider üblich, dass wir mit irgendwelchen Satzteilen und Ausschnitten konfrontiert werden, auf die wir dann unbedingt einen passenden Kommentar haben sollen. Ich weiß noch immer nicht, aus welchem Zusammenhang diese Aussage stammt – war es eine Nebenbemerkung, weil man ihn darauf angesprochen hat, oder war es ein ganzes Interview, das sich nur um mich drehte? Ich kann also gar nicht genau sagen, was ich davon halte. Trotzdem war ich natürlich geschockt und auch betroffen, als ich das zum ersten Mal gelesen habe. Es ist sehr unangenehm, wenn der eigene Name mit so etwas in Verbindung gebracht wird. Natürlich habe ich meine Vorfälle gehabt, das hat jeder gesehen. Nun scheint Herr Fröhlich offensichtlich nicht ganz zufrieden zu sein, wie ich mit dieser Situation im Nachhinein umgegangen bin, es war ihm vielleicht nicht genug Buße auf meiner Seite. Ob man das nun unbedingt öffentlich aussprechen muss, wenn man sich zuvor nicht ein einziges Mal persönlich unterhalten hat? Ich finde das falsch und halte dieses Vorgehen nicht für besonders vorbildlich.“

SSC, 25.11.2012

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