Spielbericht Profis

Tage wie dieser

04.03.2012, 12:48 Uhr von:  Redaktion

Ein Tag, wie gemalt: Derby in der Roten Erde, Flutlicht-Heimspiel vor ausverkauftem Haus und eine kleinlaute Konkurrenz, die weder kann noch will. Borussia auf dem Weg zum Ziel! Doch der Reihe nach: Bereits in den Mittagsstunden zog es rekordverdächtige 7.500 Borussen in die altehrwürdige Rote Erde, um sich – den Spielplan-Machern und Sicherheitskräften sei Dank – warm zu singen und die Stimmbänder mit dem ein oder anderen Pils zu ölen (mehr dazu lest ihr in unserem Derby-Spielbericht hier).

Der Derbysieg, Teil eins von insgesamt 180 Minuten Borussia, läutete einen dieser Tage ein, der den Fußball so liebenswert macht und ließ die Massen vergnügt in die umliegenden Kneipen strömen, um der Konkurrenz aus München und Gelsenkirchen auf die Füße zu schauen. Es war allerdings auch einer dieser Tage, an denen man aufpassen muss, nicht übermütig zu werden. Denn besagte Konkurrenz legte sich mächtig auf die Fresse, während man selbst Spieltag für Spieltag durch die Liga wirbelt. Fernglaswürdige sieben Punkte auf das Bajuwarenvolk und ganze elf auf die abgeschlagenen Blauen wurden dem BVB vor dem Spiel gegen Mainz in Aussicht gestellt. Wahnsinn!

Apropos Mainz: Gegen die Tuchel-Truppe fing alles an. Piszczeks holpriger Aufsetzer in der letzten Minute läutete eine atemberaubende Serie von 17 Spielen ohne Niederlage ein (Stand: 3. März 2012). Ende offen. Und damit rauf auf den Platz!

Erste Halbzeit

Bereits vor Anpfiff wurde Punkt eins der Tagesordnung souverän abgehandelt und der erste Spieler des Gegners, in diesem Fall Mohamed Zidan, zum Flennen gebracht. Im weiteren Spielverlauf sollte auch noch Christian Wetklo folgen, doch dazu später mehr. Bleibt nur noch zu sagen: Danke, Mo für dreieinhalb sympathische Jahre in Dortmund. Auch, wenn es zuletzt nicht einfach war, wirst du immer Teil der glorreichen Meistermannschaft 2010/2011 sein. Die Mainzelmännchen zogen ihrerseits eine nette Choreo im Gästeblock hoch und huldigten mit der polnischen Nationalflagge – leider falsch herum – dem derzeit famos aufspielenden Trio Piszczek, Kuba und Lewandowski auf ihre Art und Weise. Echt knuddelig.

Die Sympathiebekundungen aus Rheinland-Pfalz sollten ihre Wirkung nicht verfehlen. Denn in der 09. Minute war es ausgerechnet unser Rechtsverteidiger, der eine starke Hereingabe in den Mainzer Strafraum lieferte, an der Kevin nur knapp vorbei rauschte – der Wachmacher für die Süd! Und dann, 17 Zeigerumdrehungen später: Klasse Pass von Gündogan Richtung Kagawa, der wiederum auf Kuba ablegte, sodass der Pole den Ball ungehindert und trocken in die Maschen hauen konnte. 1:0 und das Westfalenstadion platzte erstmals an diesem Abend aus allen Nähten: „Deutscher Meister steh' auf", Wechselgesang und das ganze ohrenbetäubend laut – pure Gänsehaut!

Die Mainzer hingegen, lediglich mit 2.900 Mann in die Bierhauptstadt gereist, boten im Norden ausschließlich Einheitsbrei: Spielunbezogene Lethargie und eine niedrige Mitmachquote sorgten über 90 Minuten dafür, dass die – vergleichsweise laute – Trommel im Gästeblock nur ein einziges Mal übertönt wurde. Das 1:0 war dann aufgrund der Dortmunder Feldüberlegenheit und trotz weniger Mainzer Torchancen ein verdientes Ergebnis, mit dem beide Teams in die Halbzeit gingen.

Zweite Halbzeit

Zu Beginn des zweiten Durchgangs präsentierte der Gästeanhang ein bemerkenswertes Banner: „Ultras KL zeigt endlich Gesicht, gegen Nazis seid ihr in der Pflicht – HKM", womit der Mainzer Fanclub Handkäsmafia die rassistischen Beleidigungen einiger Lautern-Fans in Richtung des FCK-Profis Itay Shechter nach dem Derby in der vergangenen Woche kritisierte. Für Unmut sorgte hingegen Christian Wetklo, vielen Borussen nach dem letzten Heimspiel gegen Mainz ohnehin noch in unangenehmer Erinnerung. Denn der FSV-Keeper blauen Blutes erzürnte durch sein Gebaren einmal mehr das Westfalenstadion und wurde dafür mit lautstarken Pfeifkonzerten bedacht.

Dafür half er tatkräftig mit, die Vorentscheidung zu verhindern. Denn unsere Borussen drückten fortan auf das zweite Tor. Erst scheiterte Lewandowski freistehend (50.), dann fand Kagawa (oder wie das Sportstudio ihn nennt: „Ka-gaua") nach wunderschönem Dribbling keinen Abschluss (51.), bevor Verteidiger Noveski seine langen Stelzen im letzten Moment in Lewandowskis Schuss warf (52.). Christian Wetklo veranlasste das offenbar dazu, weiter an seinem Image als Neuer II. zu arbeiten und spielte Kagawa den Ball in bester Manu-Manier ganz ungezwungen in die Füße. Der quirlige Japaner allerdings haute den Ball drüber. Sämtliche Chancen auf das entscheidende 2:0 also vergeben.

So kam es, dass die Mainzer nun mutig auf Angriff setzten, um die Nachlässigkeiten in der Dortmunder Defensive zu bestrafen. Und als ausgerechnet Pharao Zidan die Kugel in Minute 74 zum Ausgleich einschob, fühlte sich manch einer erneut an das letzte Heimspiel gegen die Mainzelmännchen erinnert. Der Tag, der bisher so wunderbar verlaufen war, stand plötzlich auf der Kippe. Doch die Menschen im Westfalenstadion zeigten ein perfektes Gespür für die neue Situation, erhoben sich von ihren Sitzen und machten mächtig Dampf. Auch die zielstrebigen Jungs auf dem Platz schalteten blitzschnell. Keine drei Minuten waren seit dem Gegentreffer vergangen, als Kagawa die Kugel nach Piszczeks Vorarbeit zwar nicht in Wetklos Gesicht, dafür aber mit Karacho in die Maschen haute – 2:1, das Westfalenstadion im Freudentaumel! Die Mainzer Spieler hatten sich, anders als ihr Anhang auf der Tribüne, zwar noch nicht aufgegeben, brachten es jedoch nicht fertig, den BVB in der Schlussviertelstunde noch einmal in Gefahr zu bringen.

Fazit

Es scheint, als sei Borussia Dortmund aktuell der Inbegriff des viel beschworenen Siegergens. BVB marschiert, BVB geht ran und erarbeitet sich ein ansehnliches Punktepolster für die „Wochen der Wahrheit" zwischen dem 30. und 32. Spieltag. Weiter, immer weiter!

Noten

Roman Weidenfeller: Wurde kaum geprüft, war ein sicherer Rückhalt und beim Gegentor machtlos. Note 2,5

Lukasz Piszczek: Bärenstark, was der Junge aktuell vorne und hinten leistet. Bereitete den Siegtreffer und weitere gute Chancen vor, grätschte nur vor dem 1:1 vorbei. Note 1,5

Neven Subotic: Ließ sich vor dem Ausgleich von Mo ausdribbeln, war sonst aber fehlerlos. Note 2,5

Mats Hummels: Defensiv mit wenig Nachlässigkeiten, offensiv ohne große Akzente aber sicher. Note 2

Marcel Schmelzer: In der Verteidigung ohne große Makel, konnte Szalai allerdings vor dem Ausgleich nicht am Flanken hindern. Vorne läuft bei ihm aktuell leider sehr wenig zusammen. Auch gegen den FSV kam er nur auf eine gute Flanke kurz nach dem 2:1. Note 3,5

Sven Bender: Ohne Maske, dafür mit Auge. Unauffällig, souverän und wichtig. Note 2,5

Ilkay Gündogan: Der Junge macht sich. Überwiegend gutes Zweikampfverhalten und vor dem 1:0 mit einem klasse Pass auf Kagawa. Das Spiel verschleppt er längst nicht mehr, wie noch zu seinen Anfangszeiten im schwatzgelben Trikot. Note 2

Kuba: Krönte seinen Aufwärtstrend der letzten Wochen mit seinem trockenen Schuss zum wichtigen 1:0. Einfach schön anzusehen, was er im Moment spielt. Note 2

Kagawa Shinji: Belebt das Spiel stets mit seinem kreativen Moment und ist nach Götzes Ausfall erst recht unglaublich wichtig für unser Spiel geworden. Bereitete das 1:0 vor und brachte mit seinem Siegtreffer die Erlösung. Note 1,5

Kevin Großkreutz: Unauffällig und fehlerlos. Rutschte in der 09. Minute an einer Hereingabe von Piszczek knapp vorbei und konnte im Spiel nach vorne sonst wenig Akzente setzen. Note 3

Robert Lewandowski: Heute mal ohne Treffer. Chancen, die größten in den Minuten 50 und 52, waren allerdings da. Weiterhin mit einer ganz starken Ballkontrolle. Note 3

Perisic, da Silva und Uwe ohne Note.

Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Bender, Gündogan – Kuba (72. Perisic), Kagawa (80. da Silva), Großkreutz (90. Owomoyela) – Lewandowski.

FSV Mainz 05: Wetklo - Zabavnik, Bungert, Noveski, Fathi (59. Szalai) - Caligiuri, Polanski (59. Baumgartlinger), Soto, Müller - Zidan, Choupo-Moting (80. Ujah).

Tore: 1:0 Kuba (26., Kagawa), 1:1 Zidan (74., Szalai), 2:1 Kagawa (77., Piszczek).

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Malte S., 03+1.03.2012

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