Spielbericht Profis

Der BVB marschiert weiter - tut uns echt total leid...

09.02.2012, 08:34 Uhr von:  Redaktion

Sorry KSVSorry Kiel! Tut uns echt leid, aber euer Pokaltraum musste leider enden. Sorry dass ihr gegen die formstärkste Mannschaft Deutschlands antreten musstet. Wir entschuldigen uns in aller Form dafür, dass unsere Jungs auch gegen euch fast in Bestbesetzung angetreten sind und auch Dienstag abends auf durchgefrorenem Boden einfach weiter Bock auf Fußball hatten. Sorry dass der BVB nicht wie so oft in der Vergangenheit gegen unterklassige Gegner hochnäsig ins Spiel gegangen ist. Entschuldigt bitte, dass das Spiel schon nach einer guten Viertelstunde vorentschieden war und ihr auch in der Folgezeit absolut chancenlos geblieben seid. Wirklich bedauerlich, dass eure Gegentorlos-Serie ein Ende finden musste und ihr mit einem 0:4 aus dem Wettbewerb verabschiedet wurdet, dass noch deutlich höher hätte ausfallen müssen.

Festtag in der Fußballprovinz

Bereits mittags machte man sich aus der Fußballhauptstadt auf zur nördlichen Peripherie der Republik. Deutlich zu früh, wie sich herausstellen sollte, aber wer kann schon voraus ahnen, dass man ohne jede Schwierigkeit oder sonstige besondere Vorkommnisse bis Kiel durchkommen würde. So konnte man sich ausgiebig der Rekapitulation erster autosexueller Erfahrungen widmen, das Gewicht von Wasser und Eis vergleichen und ähnlich geistreiche Busgespräche führen. Als das Ziel dann schon vor Augen lag, wurde uns von den Freunden und Helfern noch eine Gratisstadtrundfahrt spendiert. Denn obwohl das Stadion schon zu sehen war, hielt man es für nötig uns einmal rund um Kiel zu schicken. Man will ja schließlich seine Sehenswürdigkeiten auch präsentieren, wenn man schon mal Gäste aus der großen Stadt hat. Das sollte nicht der einzige Nachweis der Inkompetenz der örtlichen Ordnungshüter bleiben. So wurde der direkte Weg zu den Bussen nach dem Spiel mit einer Wagenkolonne versperrt, die an die Trecks der ersten Siedler Amerikas erinnerte. Jede Lücke wurde resolut abgesperrt und zur Abfuhr gab es auch noch gute Sprüche wie: „Deine Füße sind ja sowieso eingefroren, da hilft ein wenig Laufen“ zu hören. Aber wie langweilig wäre doch eine völlig problemlose Auswärtsfahrt ohne die lustigen Schikanen der Ordnungsmacht. Bitte lasst euch auch weiterhin stets etwas Neues einfallen, wir werden doch so gerne überrascht.

Das Kieler Holstein StadionIm Stadion war alles für den Pokalfesttag vorbereitet. Die Flutlichtmasten schmückten große DFB-Pokaltafeln und erinnerten an den Aufwand, den man betrieben hatte, um dieses Stadion fernsehtauglich herzurichten. Sogar eine Videoanzeigetafel hatte man (scheinbar provisorisch) installiert. Daneben deutete ein deutlich älteres Modell an, was hier sonst so geboten wird: „Home“ „Away“ „Downs“ etc. naja ist ja auch irgendwie ne Art von Fußball.

Ein solches Publikum sieht man sonst auch eher bei Testspielen. Man trug den neuerworbenen Schal oder das „Pokalschreck“ Shirt spazieren, bewaffnete sich mit Klatschpappen und sah dem anstehenden Pokalfight weitgehend euphorisch entgegen. Man kann nur für Holstein Kiel hoffen, dass wenigstens ein gewisser Prozentsatz der neuerdings Begeisterten auch im Alltag weiter zu der Mannschaft steht. Zu begeistern wusste auch das Kieler Maskottchen „Stolle der Storch“, der ein ähnliches Kultpotential wie der Grotifant hat.

Der allseits befürchtete Acker machte von außen betrachtet übrigens einen ganz manierlichen Eindruck. Der Rasen präsentierte sich nach Wochen unter dem Klimazelt zwar mit leichtem Braunton und die Nahtstellen zwischen den neu verlegten Rasenbahnen traten deutlich hervor. Insgesamt sah das aber gut bespielbar aus, womit die neue Lieblingsausrede der Bayern schon mal flach fiel. Musste man das Spiel halt einfach gewinnen. Der Boden war allerdings teilweise durchgefroren so dass die Dortmunder auf Multinoppenschuhe setzten, was manchmal eine eingeschränkte Standfestigkeit zur Folge haben sollte. Jürgen Klopp sollte später am Abend trotz gewonnenen und ohne Verletzte überstandenen Spiels seinem Unmut über die Platzverhältnisse freien Lauf lassen.

Choreo von THE UNITYZum Einlauf der Mannschaften wollte man sich auf Kieler Seite nicht lumpen lassen und präsentierte neben Cheerleadern in Matrosenkostümen auch eine kleine Choreo in den Vereinsfarben Blau Weiß Rot. Leider wurde die Choreo viel zu früh gestartet und als die Mannschaften dann kamen wollte sich die Blockfahne nicht erneut komplett ausrollen lassen, was den Eindruck doch etwas trübte. Der Gästeblock präsentierte geschlossen schwarzgelbe Seidenschals, was ein schönes, einheitliches Bild ergab. Zudem zündete Kiel bereits vor dem Spiel hinter dem Stadion ein Feuerwerk. Scheinbar hatte man schon eine Vorahnung, wie die Partie ausgehen würde.

Erste Halbzeit – Vorentscheidung

Die Schilderung der Spielszenen wird sich an dieser Stelle auf die Highlights beschränken. Der überwiegende Teil der Leser dürfte das Spiel ohnehin schon im Stadion oder vor dem TV verfolgt haben und dabei auch noch eine deutlich bessere Sicht als der Verfasser dieser Zeilen gehabt haben, der die Partie wegen Überfüllung des Pressebereichs direkt hinter der Eckfahne betrachten musste.

Das Heimpublikum präsentierte sich feierwillig. Man fieberte der nächsten Sensation entgegen. Auch das von der Mannschaft nach der Auslosung vorgetragene Lied beherrschte man fehlerfrei und gab es fast öfter zum Besten als Anfeuerungsrufe für das eigene Team. Aber das ist man als Dortmunder auf dem Dorf kaum anders gewöhnt und der Medienaufruhr um die Gesänge der Kieler Spieler wurde an Peinlichkeit nur durch das anschließende Entschuldigungsvideo übertroffen.

Torjubel zum 0-1Spielerisch hatte der BVB von Beginn an das Heft in der Hand. Das war auch kaum anders zu erwarten gewesen, schließlich hatte Klopp bis auf Weidenfeller, Großkreutz und die verletzten Bender und Götze seine aktuelle Bestbesetzung auf den Rasen geschickt. Kiel versuchte mit einer rustikalen Gangart dagegen zu halten, nach 7 Minuten zeigten sie dann auch erstmals, dass sie mit schnellen Kontern durchaus gefährlich sein können. Langerak konnten sie aber nicht in Schwierigkeiten bringen. Währenddessen hüpfte der Gästeblock sich warm.

Nach 11 Minuten erhielt die Euphorie der Kieler einen ersten schweren Dämpfer. Eine Flanke von Piszczek segelte an Freund und Feind vorbei, doch Ivan Perisic brachte den Ball mit einem artistischen Fallrückzieher eher unfreiwillig so vor das Tor, dass der instinktiv richtig stehende Lewandowski nur noch den Fuß in den Ball halten musste. Das Heimpublikum fühlte sich nun erstmals benachteiligt und monierte eine nicht gegebene Abseitsposition.

Kiel versuchte nun mehr mitzuspielen, kam aber weiter nicht gefährlich vors Tor und nur Minuten später folgte der nächste Tiefschlag. Kehl spielte einen raumöffnenden Pass auf Piszczek, der den Ball klug auf Kagawa zurücklegte. Der kleine Japaner ließ sich nicht zweimal bitten und so hatte sich die weite Anreise auch für die zahlreichen Journalisten aus Fernost gelohnt. Kurz darauf verpasste er allerdings die wohl endgültige Entscheidung, als er nach einem weiten Abschlag von Langerak frei auf den Torwart zulief und den Ball über diesen hinweg aber auch neben das Tor lupfte.

Kieler Angriffsversuche wurden weiter ohne Probleme von Langerak entschärft, Leitner versuchte es nach ein paar Ecken erfolglos mit Fernschüssen und so ging es mit einer mehr als verdienten 2:0 Führung für den BVB in die Pause.

2. Halbzeit – Die Sensation blieb aus

Kagawa im ZweikampfDas Spiel ließ nun deutlich nach. Kiel versuchte ziemlich erfolglos etwas mehr für die Offensive zu tun und der BVB trat vorne nur noch mit Standardsituationen in Erscheinung. Nach zahlreichen ungefährlichen Ecken und Freistößen wollte Klopp nochmal einen Impuls setzen und brachte Barrios und Großkreutz für Lewandowski und Blaszczykowski. Es dauerte gut 10 Minuten, bis das Wirkung zeigte. Barrios verwandelte eine Flanke von Perisic zum entscheidenden 3:0 für den BVB. Jeder sah nun ein, dass die Sache gelaufen war und der Gästeblock präsentierte ein Banner im Trend des neuen Entschuldigungswahn: „Sorry KSV XXXsöhne“.

Als dann alles schon den Schlusspfiff herbeisehnte, hatte Jensen im Tor der Störche noch einen Aussetzer. Er nahm einen Rückpass mit der Hand auf und so gab es indirekten Freistoß für den BVB aus 6 Metern. Kevin tippte den Ball an und Perisic schlenzte ihn an der unsortierten Kieler 11 Mann Mauer vorbei ins lange Eck. Damit hatte das Ergebnis nun auch einen standesgemäßen Abstand. Kurz vor dem Schlusspfiff hätte Kehl fast noch weiter erhöht, doch sein Kopfball nach Flanke von Piszczek strich knapp am Kasten vorbei.

Dann wollte man nur noch zurück in den Bus, um die eingefrorenen Füße aufzutauen und die Heimreise in die Bierstadt anzutreten, doch da hatten ja die örtlichen Ordnungshüter einen anderen Plan. Dieser Bericht ist der Beleg dafür, dass wir es trotz Schikane geschafft haben.

Statistik

Holstein Kiel: Jensen - Herrmann, Berzel, Jürgensen, Poggenberg - Kazior, Müller - Chahed, Sykora, Lindner - Heider

Borussia Dortmund: Langerak - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Leitner, Kehl - Kuba, Kagawa, Perisic – Lewandowski

Einwechselungen: 80. Sachs für Chahed, 83. Wulff für Heider, 86. Wetter für Lindner - 69. Großkreutz und Barrios für Kuba und Lewandowski, 82. Gündogan für Kagawa

Tore: 0:1 Lewandowski (11., Perisic), 0:2 Kagawa (18., Piszczek), 0:3 Barrios (80., Perisic), 0:4 Perisic (87., Großkreutz)

Eckstöße: 4:8

Schiedsrichter: Zwayer (Berlin),

Gelbe Karten: keine

Zuschauer: 11.522 (ausverkauft)

Web 08.02.2012


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