Spielbericht Amateure

Wir müssen leider draußen bleiben

29.08.2012, 00:44 Uhr von:  Redaktion

Ratlosigkeit bei Marcel HalstenbergAuch wenn ein großer Teil der mitgereisten KSC-Fans nach einem versuchten Stadionsturm das Spiel auf Anweisung der Polizei nicht mehr verfolgen durfte, gewannen die Gäste aus Baden letztlich problemlos mit 3:0. Unsere Amateure erlitten dagegen ihre dritte Niederlage in Folge und finden sich nun endgültig in den Tiefen der Dritten Liga wieder.

Ein echtes Kellerduell zu einem frühen Zeitpunkt der Saison stand am Dienstagabend in der Roten Erde an. Der überraschend schwach gestartete Absteiger KSC kaschierte seine Formkrise jedoch unlängst durch den Pokalsieg gegen den HSV vor anderthalb Wochen, während unser BVB letzten Samstag mit einer ernüchternden 0:3-Niederlage vom Bieberer Berg aus Offenbach zurückkehrte. Das Ziel für beide Mannschaften vor dieser Partie war demnach auch klar: Die Abstiegsregion etwas verlassen und den Gegner die Kellertreppe weiter hinunter schubsen.

Langerak und Bittencourt dabei

Beim BVB sollten dabei auch zwei Profis mithelfen, um dieses Unterfangen zu bewerkstelligen: Bittencourt und der gegen Saarbrücken fehlerhafte Langerak halfen aus. Ansonsten rotierte Trainer Wagner Talent Koray Günter wie angekündigt für den etatmäßigen Kapitän Hübner rein. Hofmann war nach seiner Verletzung wieder fit und auch der bisher recht überzeugende Demirbay fand sich wieder in der Anfangself. Auf Seiten des KSC konnte Calhanoglu, um den es in der Sommerpause ja einen riesigen Transfer-Hype gab, nicht mitwirken. Am Ende entschied er sich für den HSV, wo er aber erst nächste Saison auflaufen soll. Dafür konnte er ihn halt diese Saison noch schön aus dem Pokal kicken. Jedenfalls verletzte er sich gestern beim Training und musste für das Spiel passen. Weitere bekannte Namen in den Reihen der Badener waren unter anderem: Dirk Orlishausen, Ex-Borusse Daniel Gordon (call him „Gordi") und Ex-U21-Nationalstürmer Rouwen Hennings. Delron Buckley, BVB-Spieler des Jahrhunderts, hat Baden ja leider auch schon wieder verlassen.

Ein wenig Action auf baadischTypische Internet-Gerüchte gingen von 3.000 KSC-Fans in der Roten Erde aus. Gut, leicht verfehlte Prognose. Am Ende dürften sich inklusive Sitzer und Steher bedeutend weniger mitreisende Anhänger im zweitschönsten Stadion Deutschlands ausgebreitet haben. Exklusive derjenigen, die das Stadion auf Anweisung der Polizei nicht betreten durften. Dazu später mehr. Und auch die schwatzgelbe Anhängerschaft war wieder „zahlreich und lautstark" (in memoriam Uli Behle) vertreten. Es war also alles angerichtet für ein spannendes Spiel, welches von Schiedsrichter Karl Valentin hoffentlich ernsthaft und weniger humorig geleitet werden sollte. Bisher dachte ich immer nur, dass dieser Schiri eine Marketing-Aktivität des DFB ist. Schön, dass dieser Mythos nun auch endlich mal Realität in Dortmund wurde.

Bambule und Randale

Die Ouvertüre zu dieser Partie lieferten dann etwa zehn Minuten vor Anpfiff Dortmunder und Karlsruher Fans in Anführungsstrichen auf Höhe der Körnig-Halle, die zudem die Argumentationskraft einiger weniger Ordner sowie der Schutzzäune auf der Gegengerade austesten wollten. Fünf Minuten später hatte die anwesende Staatsmacht dann auch ihr Skatturnier beendet und fuhr in geballter Montur auf sowie die ekelhaft blau-weißen Fahrzeuge vor. Um diese ganzen Auseinandersetzungen korrekt bewerten zu können, fehlt mir Kenntnis über die Ereignisse hinter der Gegengerade. Unseren Informationen zufolge wollten KSC-Ultras das Stadion stürmen und sich mit Borussen-Fans prügeln. Während des Spiels kesselte die Polizei diese Leute dann hinter der Gegengerade ein. Positiv anzumerken ist, dass die UvdA bis auf ganz vereinzelte Ausnahmen ihre Plätze auf der Haupttribüne nicht verließen und kein Interesse an einer Beteiligung an den Auseinandersetzungen demonstrierten. Andererseits stürmten vorher auch etwa 35 Borussen das Stadion, um unmittelbar anschließend Richtung Gegengerade und Ecke Körnig-Halle zu laufen, wo sie sich nicht gerade passiv an den folgenden Auseinandersetzungen beteiligten. Was letztlich der entscheidende Auslöser für all diese Ereignisse war, konnten wir aus unserer Perspektive nicht definitiv beurteilen. Inzwischen fuhr Marvin Ducksch im Rollstuhl von der Tartanbahn. Gute Besserung von dieser Stelle! Wenigstens durfte er seine Kindheitsträume ausleben und endlich mal ganz viel Kranken-, Polizei- und Feuerwehrwagen aus nächster Nähe angucken, die inzwischen rund um die Rote Erde drapiert worden sind.

Gut aufgelegt: Block HMarc Hornschuh las dann wieder den nervigen Text vor, den letztes Wochenende jeder Mannschaftskapitän deklamieren durfte. Besonders kurios wirken diese Worte dann, wenn man sich die Minuten vor dem Spiel vergegenwärtigt. Wir schalten um zum Sport? Von wegen: Denn nach 13 Minuten ging es wieder hinter der Karlsruher Gerade ab. Diese Gerade war ob der fehlenden Fans sehr leise. Zynisch fomuliert: Die Lautesten standen ja auch noch draußen, da die Ultras des KSC das Stadion nicht betreten durften. Bitter beziehungsweise schön doof an einem Dienstagabend nach so vielen Kilometern auf der Bahn oder Schiene. Dafür waren die UvdA gut dabei und sorgten zumindest gesanglich für eine klare Überlegenheit. Auf dem Feld passierte weiter wenig oder wie es ein Johannes B. Kerner formulieren würde: „Die Spieler waren sichtlich geschockt von den schlimmen Bildern abseits des Stadions."

Nach 24 Minuten hat sich KSC-Stürmer Hennings einigermaßen erholt von diesen ganzen „Taliban der 3.Liga" und setzte sich gut gegen die gesamte BVB-Abwehr durch, verzog aber aus spitzem Winkel dann doch recht deutlich. Davor und danach testeten Demirbay sowie Hofmann Gästetorwart Orlishausen lediglich mit Distanzschüssen. Fazit: Die Handschuhe haften, die Frisur sitzt. Euer Dirk! Weitere zehn Minuten später hat Krebs für die Gäste die Führung aus halblinker Position auf dem Fuß, aber Meißner klärt mit einer sensationellen Grätsche gerade noch zur Ecke. Die erste richtige Chance des Spiels nach einer halben Stunde.

Inzwischen war Halbzeit und die ersten Infos hinsichtlich der Ereignisse vor dem Spiel sickerten durch. So berichtete der WDR, dass im Zuge der Auseinandersetzungen 30 Personen verletzt worden sind, die meisten davon durch Pfefferspray. Die Ruhr-Nachrichten sprachen jedoch nur von sieben Verletzten. Wer bietet mehr oder weniger? Offizielle Stellungnahme: Außerhalb des Stadions wurden durch den Einsatz von Pfefferspray sieben Menschen verletzt. Auch mit Pfeffer waren die lokalen Mettbrötchen im Presseraum. Ob der ebenfalls anwesende Neven Subotic sich diese schmecken ließ, ist nicht überliefert worden. Karl Valentin war alles egal und pfiff nach einem kurzen Aphorismus zur Lockerung die zweite Hälfte an. Vielleicht verlagerte sich das Interesse ja jetzt mal von außerhalb des Stadions auf den grünen Rasen.

KSC mag es flott

Erik Durm war oft auf sich allein gestelltUnd bereits nach fünf Minuten erhörten uns die Akteure. Nur leider die falsche Seite in Weiß. Ein herrlicher Pass aus dem Mittelfeld (leider konnten wir aufgrund der Säule D nicht erkennen, wer der Absender war) erreichte Hennings, der sich vor Langerak lange Zeit ließ und ihn schlussendlich ausspielte. Viel zu einfach wurde die BVB-Abwehr hier mit einer Aktion ausgehebelt. Und nur drei weitere Minuten später sorgte van der Biezen für den Doppelschlag. Alibaz bedient über rechts Hennings, dessen Kopfball an den linken Pfosten geht. Van der Biezen in der Mitte reagiert am schnellsten und schiebt zum 2:0 ein. Auch hier fehlte für die passive BVB-Abwehr inklusive des erneut unglücklichen Langerak nur noch die Kinobestuhlung nebst Popcorn.

Und nun lief alles gegen unsere Borussia. Alibaz schlägt nach 62 Minuten eine Freistoßflanke von der linken Seite in den Strafraum. Kategorie: Segelsport. Denn kein Borusse fühlt sich bemüßigt, das Leder zu klären, sodass ganz am Ende wieder van der Biezen richtig steht und Langerak mit einem Schuss aus Nahdistanz nicht den Hauch einer Chance lässt. In zehn Minuten war hier das Spiel komplett entschieden und man fühlte sich als Borusse an das 3:1 im Januar letzten Jahres in Leverkusen erinnert.

Der starke Vorbereiter, Selcuk Alibaz, versuchte nach 75 Minuten es dann auch einmal, sich in die Torschützenliste einzutragen. Wieder reichte ein KSC-Pass, um die gesamte BVB-Abwehr zu düpieren. Man konnte inzwischen echt froh sein, dass Calhanoglu nicht mitmachen konnte. Zumindest hielt Langerak dieses Mal im 1:1 gegen Alibaz den Ball fest. Der Ball gefiel ihm dann nicht mehr und er reklamierte dessen schlechten Zustand, indem er ihn aus dem Spielfeld beförderte, nachdem er den Schiedsrichter um Unterbrechung des Spiels gebeten hatte. Valentin sah das anders, holte sich die Kugel wieder und setzte das Spiel mit Schiedsrichterball fort. Regelkunde für Fortgeschrittene.

Durm noch zu schwach

Mitch Langerak kann es nicht fassen und musste dreimal hinter sich greifenWenn man solche Ereignisse beschreiben muss, ist nicht mehr viel los mit Fußball auf dem Platz. Die letzten Minuten spielte der KSC recht solide runter und dem BVB fiel offensiv weiterhin nichts mehr ein. Insbesondere Stoßstürmer Erik Durm wirkte bestenfalls bemüht und verlor viele Bälle bereits bei der Annahme. Es wird spannend zu beobachten sein, ob unsere Zweite bis zur Winterpause ihr Glück nach der schweren Verletzung Duckschs wirklich nur mit eben Durm und Soltanpour versuchen möchte. Nachlegen erwünscht!

Unsere Amas haben ihr nächstes Spiel am nächsten Samstag bei RW Erfurt im Steigerwaldstadion, einem weiteren Kellerkind. Dann wird sich zeigen, ob unsere Schwatzgelben den Abwärtstrend unterbrechen können oder erneut Aufbauhilfe für einen angeschlagenen Gegner leisten werden. Der BVB II ist endgültig auf dem Boden der Realität, die Zuschauer aus Dortmund und Karlsruhe hoffentlich alle problemlos wieder zu Hause angekommen.

Stimmen zum Spiel

BVB-Kapitän Marc Hornschuh: Wir sind eigentlich ganz gut reingekommen in das Spiel und haben dann in der Viertelstunde vor der Halbzeit auch den Druck erhöht. In der Halbzeit haben wir uns vorgenommen, so auch weiter zu machen, aber dann gerieten wir in Rückstand. Und gegen solch eine Abwehr ist es dann schwer, wieder zurückzukommen. Wir müssen das Spiel jetzt analysieren und dann gucken, dass wir es in Erfurt wieder besser machen. Denn nach unseren drei Niederlagen dürfen wir jetzt nicht den Anschluss verlieren. Wir müssen hoffen, dass es wieder besser wird.

Die Stimmen der Trainer auf der Pressekonferenz

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Daten zum Spiel

Leo Bittencourt machte sein erstes Amas-PflichtspielBVB II (4-2-3-1): Langerak – Honschuh, Günter, Meißner, Halstenberg – Bakalorz, Demirbay – Hofmann, Benatelli (70. Treude), Bittencourt – Durm

KSC: (4-4-2): Orlishausen – Klingmann, Gordon, Mauersberger, Kempe – Alibaz (82. Schiek), Varnhagen, Peitz (46. Kern), Krebs – van der Biezen (70. Soriano), Hennings

Tore: 0:1 Hennings (52., Linksschuss, Vorarbeit - Säule D im Weg!), 0:2 van der Biezen (55., Rechtsschuss, Hennings), 0:3 van der Biezen (62., Rechtsschuss, Alibaz)

Zuschauer: 3.130 (nicht mitgezählt: Stadionstürmer, KSC-Ultras, Würstchenverkäufer)

Schiedsrichter: Karl Valentin (Taufkirchen)

Chancen: 1:5

Ecken: 4:6

Gelbe Karte: Bakalorz (86., Frustfoul)

Malte D., 28.8.2012


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