Spielbericht Amateure

Von Hui zu Pfui in 90 Minuten

08.10.2012, 12:52 Uhr von:  Redaktion

Es ist zum Verrücktwerden. Auch im neunten Spiel hintereinander konnten die Amateure des BVB nicht gewinnen. Trotz guter erster Hälfte und guten Anfängen in der zweiten Hälfte war es dem Nachwuchs der Borussen nicht vergönnt, einen möglichen Dreier einzufahren. Dabei ging man sogar sehenswert in Führung, kassierte dann aber den Amateure-typischen unnötigen Gegentreffer, der dieses Mal unnötiger und kurioser kaum fallen konnte. Nach 90 Minuten bleibt wieder einmal nichts zählbares und die weitere Ernüchterung, dass der Sturm unserer Amateure nach wie vor nicht drittligatauglich ist.

Die Ausgangslage

Die Borussia aus Dortmund konnte personell fast schon wieder aus dem Vollen schöpfen. Abgesehen von den beiden Langzeitverletzten Marvin Ducksch und Erik Durm war nur Kerem Demirbay nicht einsatzfähig. Chris Löwe war mit den Profis unterwegs und verpasste so das Gastspiel gegen den bis 1990 noch FC Karl-Marx-Stadt benannten Chemnitzer FC. Im Gegensatz zur 0:1-Pleite in Münster setzte David Wagner auf Halstenberg, Hübner, Neuzugang Bajner sowie die Profi-Leihgabe Olli Kirch. Letzterer fand sich im defensiven Mittelfeld wieder, zur Überraschung vieler beackerte Marvin "Baka" Bakalorz diesmal die rechte Abwehrseite, hatte man dort doch Kirch erwartet. Vorab sei erwähnt: Dabei blieb er am Sonntag eher glücklos. Zur weiteren Überraschung der aufmerksamen Amateure-Gucker saß Kiyan Soltanpour wieder auf der Bank anstatt auf der Tribüne.

Der ehemalige DDR-Traditionsclub aus Chemnitz (man wurde einmal DDR-Meister und einmal DDR-Vizemeister) hingegen setzte auf Philipp Pentke im Tor, der den Vorzug zu Stefan Schmidt erhalten hatte. Ansonsten konnte einem keiner den Fußballsachverstand absprechen, wenn er keinen Spieler der Chemnitzer Aufstellung kannte. Einzig Pierre Le Beau könnte so manch aufmerksamen Amateure-Gucker aus Aue noch ein Begriff sein.

Erste Halbzeit - wie die Feuerwehr

Bei bestem Fußballwetter und einem zahlenmäßig ganz gutem Chemnitzer Anhang (Jeder mitgereiste Fan schien seinen eigenen Banner mitgebracht zu haben) ging es für die Mannschaften bei den Höllenglocken zum Einmarsch an den Anstoßkreis. Erwähnenswert sei noch, dass die Chemnitzer Fans sich bei dem Protest gegen den DFB nicht ausgrenzen wollten, und ein Plakat mit dem Spruch "Also wir finden den DFB ja ganz dufte" präsentierten. Wer seine Brille nicht zuhause vergessen hatte fand auf dem Plakat im Kleingedruckten eine Erklärung zum Thema "Spuren von Ironie". Die Ultras von die Amateure waren wahrscheinlich vollständig in Hannover bei den Profis anzutreffen, so dass sich in Block H nur ein paar noch vom Frühschoppen angetrunkene Aushilfs-Einheizer einfanden. Das hörte man spätestens dann, als in der 2. Minute Lieder gegen Blau-Weiß angestimmt wurde. Blöde Parallelansetzungen.

Nach dem Anstoß dann direkt das gewohnte Bild unserer Amateure der ersten Minute: Wille, fußballerische Klasse, taktische Finesse, Entschlossenheit und Sicherheit. Das sah wie schon in der vorherigen Woche eher so aus, als wäre Borussia in den oberen Regionen der Tabelle anzusiedeln, nicht aber auf dem allerletzten Platz mit nichtmal zwei Hand voll Punkten: Der Ball lief flüssig und Chemnitzer Angriffe wurden direkt mit Tempogegenstößen beantwortet. So hatten Erna und Onkel Paul vor mir noch nichtmals Platz genommen, als der Ball für den BVB bereits im Netz zappelte: Einen Freistoß der Chemnitzer beantworteten die Borussen direkt mit einem Gegenangriff, bis Leo Bittencourt gefoult wurde. Der Freistoß wurde direkt geklärt, gelangte aber wieder zu Bittencourt, der Fußballtennis mit dem neuen Ungarn Balint Bajner spielte. 2-3 Doppelpässe, Kopfball - Tor. Das sah in der Chemnitzer Abwehr nicht unbedingt optimal aus, bei Toren für uns ist das aber egal. Drin ist drin, Tor ist Tor, Borussia führt in der 5. Minute durch unseren Neuzugang Balint Bajner.

Doch wie man es schon kennt, wenn man 1:0 führt, sollte auch diese Führung nicht ewig währen: Nach einer extrem kuriosen Situation der Marke "Der Schiedsrichter ist wohl doch nicht Luft" fällt sieben Minuten später in der 12. Minute der Ausgleich durch den Chemnitzer Anton Fink. In der Vorwärtsbewegung schnappt sich Bakalorz den Ball, will einen simplen Pass spielen, aber leider steht der Schiedsrichter genau im Weg. Und zwar so, dass ein Chemnitzer den Ball direkt in den Raum zu eben jenem Anton Fink spielen kann, der in dem Moment als Gegenspieler nur noch Zlatan Alomerovic vor sich hat. Eine kleine Antäuschung - und der Ball zappelt im Netz (12. Minute). Bitter und unnötig, und die Erkenntnis, dass ein Schiedsrichter, so man ihn denn anspielt, doch kein Hologramm ist. Absicht wollen wir Herrn Ostheimer in Schwarz aber auch nach Betrachtung seines Namens nicht unterstellen.

Wer aber dachte, dass die Zweitvertretung der Borussia nun den Fuß vom Gas nimmt: Weit gefehlt. Es wurde weiter Gas gegeben und geackert. Viele Aktionen wurden aber durch eine etwas seltsame Linie des Schiedsrichters unterbunden. Nach einem klaren Foul an Bittencourt wurde weitergespielt, bei einem Minizupfer von Kirch kurz danach gab es aber Freistoß für Chemnitz. Verhältnismäßigkeit? Fehlanzeige. Bei einer Aktion lag er jedoch goldrichtig: Als der Chemnitzer Josip Landeka auf der linken Seite freigespielt wird und frei vor Alomerovic auftaucht und eine etwas lächerlich anmutende Schwalbe schinden wollte. Als der Chemnitzer Anhang schon ob der vermeintlichen Elfers jubelte, zeigte Ostheimer dem Chemnitzer gelb und entschied auf Freistoß für Borussia. Puh! Nachdem Chemnitz, wieder in Person von Landeka, dann bei einem 40-Meter Freistoß Alomerovic prüfte ging es dann zum wohlverdienten Pausentee. Als Fazit kann man durchaus sagen, dass Borussia hier noch besser als Chemnitz war. Doch dann folgte die zweite Halbzeit.

Zweite Halbzeit - Fußball zum Abgewöhnen

Hatte man vor dem Pausentee noch daran geglaubt, dass unsere Jungs eine realistische Chance haben, drei Punkte wie Balsam auf die geschundene Amateure-Seele zu bekommen, der wurde nach dem Wechsel eines Besseren belehrt. David Wagner wechselte zum Wiederanpfiff Koray Günter für den nicht immer auf der Höhe agierenden Florian Hübner ein und scheinbar den Spielwitz aus. Es folgte ein Fehlpassfestival par excellence und ein durch die eher durchwachsenene Schiedsrichterleistung mehr oder weniger zerpfiffener Spielfluss. Schade eigentlich, denn Chemnitz, selbst durch eine vier Spiele andauernde Serie gezeichnet, hatte eigentlich durchaus immer wieder Lücken im Spiel offenbart. Da die Offensive jedoch ganz besonders in der zweiten Halbzeit immer wieder an der Strafraumkante aufhörte. Da fehlt einfach ein Stürmer bzw eine gut aufgelegte Offensivreihe im Mittelfeld. Die einzigen Szenen, die gefährlich geworden wären, sind teils berechtigt, teils aber auch unberechtigt wegen Abseits abgepfiffen worden.

Als sich die Borussia passtechnisch wieder einigermaßen gefangen hatte, wurde Chemnitz wieder mutiger. So kombinierten sie sich immer wieder bis in den Dortmunder Strafraum, und so waren es teils dem Unvermögen (54. Minute), dem Willen, einen Elfmeter zu schinden (ebenfalls 54. Minute) oder Zlatan Alomerovic (60. Minute) und auch dem starken Koray Günter zu verdanken, dass es zu diesem Zeitpunkt noch 1:1 stand. Wie Alomerovic den Ball von Christoph Buchner aus fünf Metern noch wegfausten und klären konnte wird wohl für immer sein Geheimnis bleiben.

Zwei weitere Abseitsentscheidungen gegen Borussia weiter, von denen mindestens eine nicht richtig war (zumindest wenn man dem Heim-"Mob" glauben schenken darf) dann der Knock-Out: Ein Chemnitzer Spieler wird auf der linken Seite nichtmals halbherzig angegriffen und kann völlig unbekümmert und in aller Ruhe in die Mitte flanken. Der mitgelaufene David Jansen hatte dabei keine Mühe, den fälligen Ball im Tor unterzubringen (75. Minute). Erneute Ernüchterung. Selbst die fast schon sensationelle Einwechslung des eher auf dem Abstellgleis stehenden Kiyan Soltanpour (für Konstantin Fring) brachte keine Besserung. Borussia, fortan mit zwei Stürmern spielend, versuchte bis ins letzte Drittel auch erfolgreich zu kombinieren, es fehlte aber, wieder einmal, der letzte Pass in die Spitze. Das war Fußball der Marke "Mit dem Kopf durch die Wand". Mal wird der besser postierte Mitspieler beim Fernschuss nicht gefunden, mal steht die Abwehr der Chemnitzer aber auch einfach gut. In der 86. Minute wurde es noch einmal heikel, als Anton Fink alleine auf den Schlussmann der Borussen zuläuft, dieser sich aber nicht beirren lässt, und den Ball in bester Torwart-Manier klärt (86. Minute).

Die darauf folgenden Ecken (vier an der Zahl) für Chemnitz gehörten dabei schon zur Marke "Kurios": Um Zeit zu schinden führte der CFC diese jeweils kurz aus, wo Baykan und Soltanpour die Bälle direkt an der Eckfahne erobern wollten. Dreimal schafften es die Chemnitzer, die Borussen anzuspielen, so dass es wieder Ecke gab, bei der man sich natürlich wieder Zeit ließ. Dank der etwas zu kurzen Nachspielzeit von zwei Minuten passierte hier auch nichts mehr. Die Dortmunder versuchten sich in Person von Koray Günter noch in ein paar langen Bällen, die aber alle in der Abwehr landeten. So endete dieses Spiel in der 92. Minute mit der frustrierenden 1:2 Niederlage.

Fazit

Was will man zu diesem Spiel groß noch sagen, eigentlich könnte ich hier das Fazit des Münster-Spiels kopieren und einfügen, sind es doch häufig die selben Spielverläufe. Borussia Dortmund wie immer bemüht, aber glücklos. In der Offensive fehlt weiterhin die Durchschlagskraft. Jedoch aber muss man nicht einmal der größte Optimist sein, um zu glauben, dass der Knoten bei den Amateuren irgendwann einmal platzen könnte. Der Fußball, der gespielt wird, ist normalerweise keiner, den man in den unteren Tabellenregionan ansiedeln würde. Es benötigt dringend einer Serie, die sich nicht unbedingt um "sieglose Spiele" dreht. Man kann davon ausgehen, dass David Wagner da sicherlich die richtigen Worte finden wird.

Ausblick

Auch die Amateure werden durch die Länderspielpause geplagt, da es ja auch einige Drittligaspieler geben soll, die in Nationalmannschaften unterwegs sind. Daher geht es auch für die Zweitvertretung von Borussia Dortmund erst in zwei Wochen weiter. Leider als Parallelansetzung zum Revierderby gegen die unsäglichen Blauen. Es geht zum Auswärtsspiel nach Darmstadt, wo man wahrscheinlich nicht mit viel Unterstützung rechnen kann. Parallelansetzungen sind einfach blöd und überflüssig. Bei der Spielplangestaltung könnte man durchaus etwas Rücksicht auf solche Begebenheiten nehmen, will man doch (angeblich) schließlich Stimmung in den Stadien und keine Friedhofsstimmung. Der SV Darmstadt steht aktuell auf dem 17. Platz, die Chancen dürften also durchaus da sein, dort endlich wieder etwas Zählbares mitzunehmen. In der Frühe der Saison will man noch nicht zwangsweise von "Siegen müssen" reden, jedoch aber sollte da schon ein Auswärtssieg her, um den Anschluss an das rettende Ufer nicht zu verlieren.

Die Stimmen der Trainer folgen in Kürze.

Statistik

Borussia Dortmund II (4-2-3-1): Alomerovic - Halstenberg, Hübner (46. Günter), Meißner, Bakalorz - Kirch, Fring - Bittencourt, Benatelli, Hofmann (65. Baykan) - Bajner

Chemnitzer FC (4-2-3-1): Pentke - Le Beau, Wilke, Bankert, Buchner - Mrowiec, Hörnig - Kegel (69. Semmer), Pfeffer, Landeka - Fink

Wiggy, 08.10.2012

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