Spielbericht Amateure

Last-Minute-Sieg im Spitzenspiel

29.04.2012, 01:01 Uhr von:  Redaktion

Im Kampf um den Aufstieg in die dritte Liga haben die Amateure von Borussia Dortmund einen weiteren Sieg errungen. Bei feinstem Fußballwetter - Petrus hat uns überraschenderweise satte 26 Grad beschert - gewann die Zweitvertretung am heutigen Samstag gegen die Amateure der falschen Borussia aus Mönchengladbach verdient, wenn auch in allerletzter Minute, mit 1:0 durch ein Tor von Konstantin Fring. Am Freitag spielten die Sportfreunde aus Lotte bereits 2:0 gegen Bayer Leverkusen II, so dass die Ausgangslage für nächsten Samstag Spannung verheißen dürfte. Gewinnt Borussia an der Hafenstraße in Essen, dann ist der Platz an der Sonne der Tabelle errungen, und der Aufstieg liegt komplett in unserer Hand. Zudem wurde mit Gladbach der direkte Konkurrent geschlagen, die Fohlenelfzweitvertretung lag vor dem Spiel nur zwei Punkte hinter uns. Jetzt sind es schon fünf. Aussichten, passend zum Wetter: Schön.

David Wagner stellte im Vergleich zum 3:0-Sieg in Verl minimal um. Der wiedergenesene Kapitän Mario Vrancic nahm seine gewohnte Position im defensiven Mittelfeld ein, so dass Konstantin Fring wieder auf die rechte Seite wechselte. Marc Schnier nahm somit vorerst auf der Bank Platz. Im Tor spielte abermals Johannes Focher, der den Verein zum Ende der Saison bekanntlich verlassen wird. Dank der Parallelansetzung mit den Profis fand sich lediglich ein mauer Stimmungsblock ein. Über den Daumen gepeilt 12 Fans saßstanden in Block G, ausgestattet mit einer Mülltonne als Trommel, und feuerten unsere Jungs an. Es war also alles angerichtet für einen wunderschönen Fußballsamstag.

Erste Halbzeit: Gladbach drückt, Dortmund beißt sich ins Spiel.

So fing die Partie vor 575 Schönwetterzuschauern auch direkt mit Spiel, Spaß und vor allen Dingen Spannung an. Nach kaum vorhandenem Abtasten übernahmen direkt die Ponys aus dem Rheinland das Kommando. Spielzug um Spielzug rollte auf das Tor von Schlussmann Johannes Focher zu. In der Anfangsphase noch ohne dabei großartig gefährlich zu werden, was sich jedoch in der achten Minute ändert. Nach einem Eckball kommt ein Gladbacher Spieler frei zum Schuss, doch Focher pariert glänzend auf der Linie. Es sollte nicht der einzige Schuss sein, den der zum Saisonende wechselnde Torhüter heute parieren muss. Nur zwei Minuten, und einige Kombinationen der gut aufspielenden Gladbacher später, kommt Sascha Tobor für die falsche Borussia frei zum Schuss. Wieder muss Focher sein ganzes Können beweisen, und klärt den Ball zur Ecke. Es ist schon sehr gut, wenn man sich um die Torwartposition keine Gedanken machen muss. Borussias Amateure haben zwei sehr gute Männer ihrer Zunft zwischen den Torpfosten stehen.

Nach der Gladbacher Drangphase, die die kompletten ersten 20 Minuten überdauerte, kamen die echten Borussen besser ins Spiel. Sie fanden besser in die Zweikämpfe, und fingen nach und nach an, sich besser durch die Abwehr der Ponys zu spielen. Die erste wirklich nennenswerte Aktion in diesem Spiel war ein Steilpass auf Boyd, welcher aber im Abseits stand. Fahne oben. Das erste Mal von gefühlten drölfzigtausend solcher Situationen. Ob der Linienrichter mit Muskelkater aus der Fußballhauptstadt abgereist ist, ist nicht überliefert. Die Wahrscheinlichkeit ist an diesem Nachmittag aber hoch. "Ohne Schiri habt ihr keine Chance" hallte es nicht nur einmal von der Tribüne. Immerhin war diese Situation der Auftakt für einige sehr gute Angriffe unserer Borussen (die einzige wahren Borussen aus Dortmund). Es entwickelte sich ein Übergewicht, was sich dann auch irgendwann in Chancen niederschlug. Insbesondere Terrence Boyd sei hier hervorgehoben. Der US-Amerikaner hatte drei dicke Chancen, wovon er mindestens ein Ding hätte versenken müssen: Boyd kommt an der Strafraumkante an den Ball, der Gladbacher Torwart stürmt heraus, doch der gute Terrence versenkt den Ball leider nicht, was ihn sichtlich wurmte. So lief es dann auch bis zum Ende der ersten Halbzeit weiter. Die echte Borussia am Drücker, ohne das Tor zu erzielen. Aber es gibt ja noch 'ne weitere Halbzeit. 0:0 zum Pausentee.

Zweite Halbzeit: Willensstärke schlägt Finesse

Unverändert kamen die Spieler beider Borussias (wovon es nur eine wirklich gibt, nämlich die vom Borsigplatz) aus den Katakomben der Roten Erde zurück auf das Spielfeld. Wieder ging es ohne Abtasten mit dem Fuß auf dem Gaspedal für beide Mannschaften los. Man merkte, dass beide Mannschaften dieses Spiel gewinnen wollten. Die Gladbacher konnten uns immerhin von Platz zwei verdrängen, wir konnten uns wiederum von den Gladbachern absetzen. Dadurch entwickelte sich schon in der Anfangsphase der zweiten Halbzeit ein hochklassiges Spiel, welches sich jedoch fast durchweg im Mittelfeld abspielte. Man neutralisierte sich auf wirklich hohem Niveau. Zweiter gegen Dritter eben. So dauerte es bis zur 55. Minute, bis die erste nennenswerte Chance der zweiten Halbzeit aufkam - wieder für die falschen Borussen. Fabian Bäcker spielte eine hohe Flanke von links in den Strafraum, wo Platzek (nein, nicht der Politiker) zentral und frei zum Kopfball kommt. Leider für Platzek und zum Glück für Borussia (nicht den Ponys) brachte er aber nicht die notwendige Präzision mit um den Ball im Kasten von Johannes Focher unterzubringen. Drüber. Puuuh, durchatmen.

So langsam kristallisierte sich heraus, dass, wenn überhaupt, ein einziges Tor heute spielentscheidend sein könnte. Beide Abwehrreihen gaben sich kaum Blöße, bei Borussia sei noch das gut funktionierende defensive Mittelfeld um Mario Vrancic und Marvin Bakalorz zu erwähnen, das Zweikampf um Zweikampf gewann. Ein Offensivwechsel musste her. Für den heute nicht ganz so starken Jonas Hofmann wechselte David Wagner in der 57. Minute somit Marvin "Duckschi" Ducksch ein, welcher sich zuerst einmal positionsgetreu auf die rechte Seite orientierte. Das machte sich in einigen Vorwärtsbewegungen auch direkt bemerkbar, viele Angriffe liefen fortan über die rechte Seite in Richtung Blaswich und Pony-Tor, es fehlte aber an der Durchschlagskraft. Gladbach wirkte so langsam aber sicher etwas erschöpft, so dass unsere Borussia ab Mitte der zweiten Halbzeit deutlich besser im Spiel war. Fehlende Präzision, Innenverteidigung der Pferde, sowie überhastete Abschlüsse vermieden jedoch ein Tor. So flachte das Spiel dann bei guten Aktionen trotzdem ab. Klingt komisch - ist aber so. Dazu zerstörten einige Wechsel und viele (zumindest teilweise) fragwürdige Abseits- und Freistoßentscheidungen nun auch noch den Spielfluss. Kurz vor seinem Wechsel war Terrence Boyd noch einmal frei vor Torwart Blaswich, aber natürlich war es wieder mal Abseits. Hab ich anders gesehen. Ohne Schiri habt ihr keine Chance.

Ab der 80. Minute wurde dann noch mal eine Schippe Willen draufgepackt. Borussia rannte, Borussia wollte, Borussia probierte. Marvin Duksch wird geschickt, steht (überraschenderweise) nicht im Abseits, überlässt aber Marcel Halstenberg den Ball, der wiederum am Torwart scheitert. Alles stellte sich auf ein 0:0 ein. Wohl auch Gladbach, die zur Verwunderung vieler (zumindest die des Schreiberlings) einen Innenverteidiger für einen offensiven Mittelfeldspieler brachte. Zimmermann für Younes. Wieso auch noch mal alles auf Sieg setzen? Das machte daraufhin der Gegner. Nämlich wir. Nach feinem Pass durch das Mittelfeld auf die rechte Angriffsseite spielt sich Ducksch bis zur Grundlinie durch, spielt in die Mitte, wo Konstantin Fring goldrichtig steht und den Ball aus kürzester Distanz nur noch ins Tor tippen muss. 1:0, und das in der letzten Spielminute! Der Rest war grenzenloser Jubel. Die komplette Bank rennt im Kollektiv zum Torschützen und zum Vorbereiter. In dieser Mannschaft stimmt es einfach. Eine Bude, die regelrecht ins Tor "hineingewollt" wurde. Dafür liebt man den Fußball hier im Ruhrgebiet. Da es auch kaum Grund dazu gab ließ der Schiedsrichter kaum nachspielen, und pfiff das Spiel in der 92. Minute ab. Ein Sieg des Willens für unsere Zweite.

Ausblick

Nächsten Samstag spielt unsere Borussia auswärts an der Hafenstraße bei Rot-Weiß Essen. Für uns wird das Spiel das Letzte im alten Georg-Melches-Stadion sein. Ab der nächsten Saison spielen die Rot-Weißen bereits in der neuen Spielstätte. Das Spiel fängt bereits um 13:00 Uhr an, weshalb man sich durchaus überlegen könnte, dieses letzte Spiel dort noch einmal zu schauen. Wenn man schnell ist, schafft man es (theoretisch) sogar knapp zum Anstoß der Profis im Westfalenstadion. Da die Sportfreunde aus Lotte nächsten Samstag ihren spielfreien Tag haben, winkt hier die lang ersehnte Tabellenführung. Macht unseren Traum wahr, Jungs!

Stimmen zum Spiel

Mario Vrancic: Die ersten zwanzig Minuten waren wir nicht so gut, dann kamen wir besser ins Spiel. Es war ein offenes Spiel mit vielen Torchancen auf beiden Seiten. Ich denke die klareren Chancen hatten wir. Wir haben immer daran geglaubt. Überragend, in der 90. Minute das 1:0 zu machen. In der nächsten Woche spielen wir in Essen. Ich hoffe auf ein bisschen Unterstützung auch von Dortmunder Seite. Wir haben noch alles selbst in der Hand.

Terrence Boyd: Es war ein tolles Spiel. Es waren natürlich extreme Temperaturen auf einmal. Ich finde, dass beide Mannschaften gut gekämpft haben und man hat schon gesehen, dass wir nicht umsonst zweiter und dritter sind. Dass wir uns den Sieg geholt haben, das zeigt unsere Klasse. Jetzt sind wir unserem Traum ein Stückchen näher gekommen. Wir sind geduldig geblieben, hatten viele Chancen. Und harte Arbeit wird am Ende belohnt. Wir haben einfach die bessere Mentalität und es kommt nicht von ungefähr, dass wir wieder gewonnen haben.

Konstantin Fring: Es ist einfach überragend. Es ist ziemlich egal, ob ich das Tor gemacht habe oder nicht. Was wir in der ersten Halbzeit, abgesehen von der ersten viertel Stunde, gemacht haben - das war schon geil. Wir haben eine riesen Laufbereitschaft gezeigt, und umso toller ist es dann natürlich am Ende selbst das Tor zu machen und dann verdient mit drei Punkten dazustehen. Wir haben vorher gewusst, dass es kein einfaches Spiel wird. Die Gladbacher stehen zu recht da oben. Jetzt haben wir nächste Woche die Riesenchance, an Lotte vorbeizuziehen. Das muss unser Ziel sein. Jetzt heißt es in den letzten drei Spielen nur noch "Gas geben".

David Wagner: Wir haben ein richtig gutes Regionalligaspiel gesehen, von zwei richtig guten Mannschaften auf einem technisch sehr guten Niveau. Wer sich draußen mal in die Sonne gestellt hat, der weiß was das bedeutet da so Fußball zu spielen, wo ich vorgestern auf dem Trainingsplatz noch die Winterjacke an hatte. Es war eine Wahnsinns Energieleistung und ein verdienter Sieg, wenn auch glücklich weil das Tor so spät gefallen ist. Alles in Allem bin ich natürlich sehr sehr zufrieden mit dem, wie wir heute aufgetreten sind und wie wir dagegen gehalten haben. Das verdient schon allerhöchsten Respekt. Mönchengladbach hat für mich den Kader mit den besten Spielern. Ich denke, dass Lotte den Kader mit der meisten Erfahrung hat und dass wir den Kader mit der besten Mentalität haben.

Sven Demandt (Trainer BMG II): Wir sind natürlich alle schwer enttäuscht. Für uns war es die letzte Chance, noch mal ins Aufstiegsgeschehen einzugreifen. Ich kann meiner Mannschaft überhaupt keinen Vorwurf machen. Wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht in einem sehr guten Spiel, wo beide Mannschaften noch einmal alles reingeschmissen haben, was sie in dieser Saison ausgezeichnet hat. Ich glaube auch, dass wir vielleicht einen Tick mehr Möglichkeiten hatten, mehr Chancen, nichtsdestotrotz haben wir das Spiel durch die eine klare Aktion kurz vor Schluss verloren. Ich glaube, hätten wir immer so gespielt, dann hätten wir ein paar Punkte mehr. Wir haben es heute nicht verspielt. In Dortmund kann man verlieren.

Statistik

BVB II (4-2-3-1): Focher - Fring, Paurevic, Terzic, Halstenberg - Vrancic (79. Schnier), Bakalorz - Hofmann (57. Ducksch), Benatelli, Baykan - Boyd (75. Treude)

BMG II (4-4-2): Blaswich - Tobor (81. Bieler), Janeczek, Dams, Odenthal - Korb, Bastürk, Younes (88. Zimmermann), Dowidat - Platzek, Bäcker (79. Göttel)

Zuschauer: 575

Schiedsrichter: Benjamin Brand (Gerolzhofen)

Wiggy, 28.03+1.2012

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