Spielbericht Amateure

Hochsicherheitsspiel mit besserem Ende für die Amas

21.03.2012, 09:41 Uhr von:  Redaktion

Auch am Dienstag konnte wieder gejubelt werdenMittlerweile wissen wir alle, wer eine von zwei Mannschaften ist, die am 12. Mai nach Berlin fährt. Wir alle haben gezittert, gebangt und am Ende gefeiert, einige tun es sicherlich immer noch. Doch um all das soll es in diesem Bericht hier gar nicht gehen, denn vor dem DFB-Pokalfinalisten spielten auch noch die Amateure. Zur besten und passenden Anstoßzeit um 18.30 Uhr versammelte man sich in der Roten Erde. Um direkt im Anschluss noch den Einzug ins Finale verfolgen zu können, wurde das Spiel extra um 30 Minuten vorgezogen und auch wenn dies nur wenige Fans in die Kampfbahn locken konnte, hat es sich am Ende gelohnt, denn die Elf von David Wagner fuhr nach dem 3:3 in Düsseldorf wieder einen Sieg ein und bleibt durch die zeitgleiche Schlappe von Spitzenreiter Lotte in Köln auf Tuchfühlung zur Tabellenspitze. Mit 3:0 wurde am Ende der Wuppertaler SV, allerdings deutlich unter Wert, geschlagen.

Wenige Zuschauer, viel Bewachung

Rote Erde, Flutlicht, keine Parallelspielzeit, eine Erfolgsserie der Amas. Dies alles reichte nicht, um mehr als 493 Zuschauer aus ihrem Heim raus zu locken und so war die Atmosphäre doch recht gewöhnungsbedürftig. „Wuppertal Asozial" (O-Ton) hatte schließlich um die 100 Ultras selbst mit nach Dortmund gebracht, was dazu führte, dass das Spiel am Ende nicht wirklich als gefühltes Heimspiel ausgetragen wurde. Unpassend war auch das Sicherheitsaufgebot, das wohl durch die Ausschreitungen beim Wuppertaler Auswärtsspiel in Essen noch einmal aufgestockt wurde. David Wagner musste auf mehrere Spieler verzichtenSo war eine komplette Hundertschaft in der roten Erde verteilt, 20 Ordner sicherten den Gäste-Sitzplatzbereich und bei den Stehern gab es sogar eine Eins-zu-Eins-Betreuung für jeden der mitgebrachten Ultras. Für den Fall eines Pyro-Einsatzes standen zahlreiche Löscheimer bereit, doch am Ende kam es natürlich so wie häufig: Viel Aufwand, große Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, reflektiv aber keine Notwendigkeit. Aber es hätte ja auch anders kommen können... vielleicht... man weiß ja nie.

Beim Einzug zur gewohnten Krachmacher-Musik bestand die Unterstützung für den BVB aus einer Hand voll noch nicht in den Stimmbruch gekommen angehenden Ultras, die dann aber in der Halbzeit wohl auch schon ins Bett mussten, zumindest gab es in der zweiten Hälfte nichts mehr aus ihren Goldkehlen zu hören. Auf der anderen Seite begrüßten uns die Ultras mit einem freundlichen „Tod und Hass dem BVB" und forderten kurze Zeit darauf den Ausschluss der Amateure aus der Liga. Nunja. Sportlich musste David Wagner erneut auf mehrere Spieler verzichten, Verstärkung von den Profis konnte er aus bekannten Gründen auch nicht erwarten. Einzig Chris Löwe stand im Aufgebot und verstärkte die linke Abwehrseite, auf der nicht gefüllten Bank saßen mit Tim Kübel und Marvin Ducksch zwei potentielle Jugendspieler.

Wuppertal drückt, der BVB arbeitet sich ins Spiel

Gerade in der ersten Halbzeit sahen die anwesenden Zuschauer und Ex-Amas-Coach Theo Schneider ein munteres Spiel mit zahlreichen Torchancen und einem Übergewicht auf Seiten des WSV, auch wenn Terrence Boyd bereits nach zwei Minuten die Führung auf dem Kopf hatte, die Freistoßflanke aber nur noch an den rechten Pfosten lenken konnte. Auf der anderen Seite versuchte sich der ingesamt starke Marcel Landers an einer Hereingabe in die Mitte, wo glücklicherweise die Vorwärtsbewegung rund um Regionalliga-Toptorschütze Christian Knappmann, der bereits 18 Treffer auf seinem Konto hat, im Abseits stand. In der Folge drängte der Tabellenachte mehr und mehr. Kampmanns Kopfball landete nur auf der Oberkante der Latte (11.), der heute glänzend aufgelegte Zlatan Alomerovic parierte gegen Quotschalla und Fleßers vergab die Nachschuss-Chance aus aussichtsreicher Position (17.). Boyd sorgte nach zwanzig Minuten nur für einen Warnschuss, während Landers die beste Chance der ersten Hälfte vergab. Archivbild: Jonas HofmannQuotschalla hatte ihn von der linken Seite mustergültig bedient, freistehend geriet der Mittelfeldspieler allerdings in Rückenlage und manövrierte den Ball so über das Dortmunder Gehäuse (22.). Schließlich blockte Alomerovic noch einen Kopfstoß nach einem Wuppertaler Eckball (31.) und der BVB fand endlich besser ins Spiel. Die Wuppertaler Angriffsbemühungen endeten nicht mehr so konsequent in echten Torchancen wie zuvor und auf der anderen Seite erkämpften sich unsere Amateure potentielle Möglichkeiten. So landete eine lange Flanke von Mario Vrancic zwar nicht bei Terrence Boyd, dafür aber fast im Tor (34.) und Rico Benatelli hatte zwei Mal die Chance, aus viel versprechender Position abzuschließen, vertendelte den Ball aber jeweils nach einsatzreichen Vorlagen von Baykan (36.) und Vrancic (43.). So ging es mit einem torlosen Unentschieden, das sich aber keinesfalls so anfühlte, in die Pause. Beide Seiten hätten sich am Ende nicht über ein Gegentor beklagen können, auch wenn die Gäste die klareren und zielstrebigeren Torchancen auf ihrem Konto verbuchen konnten. Atmosphärisch untermalt wurde die Schlussphase der ersten 45 Minuten übrigens von der Tetris-Melodie, vorgetragen von den Wuppertalern Ultras, stets unter ständiger Beobachtung und Videoaufnahme der Polizei, die sogar auf Pferden an der Roten Erde vorbeiritt. Es ist immer schön zu wissen, dass unsere Steuergelder sinnvoll investiert werden.

Boyd trifft, Vrancic entscheidet

Die zweite Hälfte begann dann genauso wie die erste: mit einem attackierenden WSV. Hier konnte sich die Borussia erneut bei Zlatan Alomerovic bedanken, der zunächst gegen einen Kopfball von Knappmann keine Probleme hatte (50.), dann aber richtig von Maciej Zieba geprüft wurde, der den Dortmunder Schlussmann zu einer starken Parade zwang (52.). Und wie das spätere goldene Tor bei den Profis fällt auch wohl das 1:0 für die Amateure in die Kategorie „ein wenig glücklich, aber nicht gänzlich unverdient". Und ähnlich kurios war es auch noch. Auf der linken Seite des Strafraums fand eine Baykan-Schlanke (Neologismus by Kai Dittmann) Terrence Boyd, der den Ball am heraus stürmenden Schlussmann Semmler vorbei spitzelte. Wieder in der Torschützenliste: Terrence BoydMitten ins Wuppertaler Herz, mitten in die Dortmunder Glückseligkeit (57.). Als man dann nach 63 Minuten den potentiellen Ausgleich beobachtete stand Quotschalla bei der Hereingabe von der linken Seite wohl doch im Abseits – die letzte gute Offensivaktion der Wuppertaler. Und auch 600 Sekunden später stand der Schiedsrichter wieder im Mittelpunkt. Daniel Flottmann, der bis dato recht unauffällig auf der Gäste-Sechs agierte, stieg Konstatin Fring nach einem Zweikampf auf den Fuß, der Schiedsrichter aus Bremen wertete es als Nachtreten – ob korrekt oder nicht wird wohl nie final aufgelöst werden können – und stellte Flottmann mit der roten Karte vom Platz. Spätestens jetzt deutete schon einiges auf einen Sieg der Borussia hin, die das Spiel mehr und mehr in den Griff bekam, den Sack allerdings erst in der Schlussphase zumachte. Zuvor versuchte sich Jonas Hofmann noch an einem Heber über den gegnerischen Torwart, allerdings auch vorbei am gegnerischen Tor (74.) und Fring zwang Semmler zu einer guten Parade (79.). Es folgten die drei Minuten von Mario Vrancic, der nicht nur einen Strafstoß heraus holte, sondern ihn schließlich auch direkt sicher zum 2:0 unter die Latte knallte (88.). In der Nachspielzeit verwandelte er schließlich auch noch gefuchst einen Freistoß aus eigentlich unmöglicher Position, der Ball lag nur wenige Meter vom Eckball-Halbkreis entfernt. Durchaus gewollt, wie er später anmerkte (90.).

Ein weiterer Freudentag in schwarz und gelb also, auch wenn heraus gestellt werden muss, dass das deutliche Ergebnis den Spielverlauf nicht würdig repräsentiert. Der BVB hätte sich nicht beklagen dürfen, wenn er bereits mit einem Rückstand in die Kabine gegangen wäre. Dennoch arbeitete sich die Wagner-Elf mit jeder Minute mehr in dieses Spiel, sodass ein unverdienter Sieg auch anders aussieht. Mit dem nun neunten ungeschlagenen Spiel in Serie befindet sich Borussia jetzt nur noch sechs Punkte hinter der Tabellenspitze und weist dabei noch ein Spiel weniger auf als Tabellenführer Lotte. Dieser stolperte wie erwähnt bei Fortuna Köln – dem nächsten Gegner der Amateure am kommenden Samstag um 14 Uhr. Hoffentlich dann auch mit mehr Zuspruch der eigenen Fans. Dieses Mal gibt es kein anschließendes Pokalspiel als Ausrede und die Profis spielen erst einen Tag später. Also gilt einmal mehr der Aufruf „Alle in die Rote Erde", die Amateure hätten es sich nicht nur aufgrund der starken jüngsten Leistungen mehr als nur verdient.

Stimmen

Mario Vrancic: „Wir wollten die Null halten. Das war mal wieder unser Ziel. Dass es dann am Ende 3:0 ausgeht, ist umso besser. Ich denke, am Anfang der zweiten Halbzeit hatten wir etwas Probleme, weil Wuppertal Druck gemacht hat, aber ansonsten war es am Ende verdient, Hier gegen Verl: Mario Vrancicweil wir am Ende nicht nachgelassen haben und auf das zweite und dritte Tor gegangen sind. Ich hatte bisher so eine kleine Torkrise, aber jetzt hat es ja geklappt, direkt zweimal. Beim zweiten Tor habe ich gesehen, dass der Torwart an der Fünf-Meter-Linie steht und mir gedacht ‚Schieß einfach mal drauf, ist eh die letzte Aktion' und dann war es ein Tor."

Terrence Boyd: „Wir haben es clever gespielt und unsere Chancen in der zweiten Halbzeit genutzt. Wir hatten ein paar Szenen, wo wir unachtsam waren, aber da war Zlatan dann auch da, wir haben es uns auf jeden Fall verdient."

Zlatan Alomerovic: „Die Wuppertaler haben eine sehr groß gewachsene Mannschaft und das wussten wir. Wir wollten Standards vermeiden. Das ist uns auch in der ersten Halbzeit gut gelungen, aber ganz kann man die auch nicht aus dem Spiel nehmen. Ich denke, im Großen und Ganzen haben wir das gut gemacht. In der zweiten Halbzeit waren wir durch das Tor ein bisschen unruhig und haben zum Ende hin noch einen guten Konter gesetzt, dann war das Spiel eigentlich gelaufen. Der Trainer hat einen Kader mit der sportlichen Leitung aufgestellt und wir sind alle Regionalliga-tauglich, da kann man sich nicht beschweren, alles ist gut."

Die Stimmen der Trainer Hans-Günter Bruns und David Wagner auf der Pressekonferenz:

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Statistik

Borussia Dortmund II: Alomerovic – Schnier (89. Gasecki), Terzic, Paurevic, Löwe (58. Unzola) – Vrancic, Fring – Hofmann, Benatelli, Baykan (81. Duksch) – Boyd

Wuppertaler SV: Semmler – El-Hammouchi, Schlieter, Moosmayer, Flottmann – Fleßers, Haas (70. Abelski) – Landers (83. Zimmermann), Quotschalla, Zieba (76. Baltes) – Knappmann

Tore: 1:0 Boyd (57.), 2:0 Vrancic (88./Foulelfmeter), 3:0 Vrancic (90.)

Schiedsrichter: Daniel Riehl (Bremen)

Zuschauer: 493

Vanni, 21.03.2012


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