Spielbericht Amateure

Sensation! Amateure dürfen spielen

22.02.2012, 23:14 Uhr von:  Redaktion

Matchwinner unter sichUnd sie haben sogar gewonnen. Auch wenn sie hinterher nicht wussten, warum und wie überhaupt. Bis auf einen schweren Fehler war BVB-Torwart Alomerovic heute nämlich einfach nicht zu bezwingen und so gab es letztlich einen glücklichen 2:1-Sieg gegen die Amateure aus Kaiserslautern. Das in der Hinrunde oft fehlende Glück bei den Heimpartien war heute im Übermaß vorhanden.

Es ist tatsächlich wahr geworden. Die Amateure unserer glorreichen Borussia durften am Mittwochabend ihr zweites Pflichtspiel 2012 absolvieren. Vor schon vier Wochen siegte man im Auftaktspiel bei Leverkusen II mit 2:1 und das heute mit Profis (Gündogan, Löwe, Owomoyela) verstärkte Team von Trainer David Wagner wollte gegen den Gast aus der Pfalz natürlich weiter in der Erfolgsspur bleiben. Im Sturm konnte Wagner dabei auf den rechtzeitig wieder spielbereiten Terrence Boyd bauen, der im Fernduell mit seinem Pendant auf Pfälzer Seite, Andrew Wooten, um Klinsis Gunst für die Zukunft der amerikanischen Nationalmannschaft kämpft.

Anscheinend nutzte der BVB die spielfreie Zeit, um total wirksames Marketing zu erlernen. Jedenfalls liefen die Akteure zu Spielbeginn zu einer martialischen Hymne ein, die bei der spärlichen Zuschauerbeteiligung von lediglich 570 zahlenden Besuchern eher zum Fremdschämen anregte. Ersatz-Stadionsprecher Boris Rupert verlas den Aufstellungsbogen und das Schiri-Team (mal wieder mit unserem Freund Franz Bokop an der Seitenlinie, der seinen Wert „ein BVB-Spiel pro Wochenende“ konsequent einzuhalten scheint) gab den Spielball fürs erste Amateure-Heimspiel in 2012 endlich frei.

Alomerovic überragend

Gedenken an Gandalf von den DES'99Und vor gespenstischer Kulisse, die auch daher rührte, als dass die UvdA aufgrund eines schwer verletzten Kollegen (Spruchband: „Kämpfen, Gandalf! Deine Freunde stehen dir bei.“) auf jegliche Unterstützung heute verzichteten, gingen unsere Amateure bereits mit der ersten Gelegenheit in Führung. Zunächst scheiterte Boyd noch mit seinem Versuch, doch Baykan staubte ab und brachte den Ball im leeren Tor unter. Guter Heimspielauftakt also! Nur zwei Minuten später wollte sich jedoch Wooten auf der Gegenseite in Erinnerung bringen und lief Paurevic davon. BVB-Torwart Alomerovic, der tendenziell etwas zu „kräftig“ wirkt, nutzte diese Stärke jedoch aus und blieb im Duell einfach so lange stehen, bis er angeschossen wurde. Und auch nach fünfzehn Minuten wehrte er mit einer herrlichen Flugparade einen gefährlichen Schuss Zucks ab. Hat ihm das Trainingslager mit den Profis noch einmal eine Extraportion Milch und Selbstbewusstsein gegeben?

Memo: Es stand ja noch ein vierter BVB-Profi auf dem Feld. Der oft vergessene Marvin Bakalorz, der jedoch heute mit einer Energieleistung einen klar berechtigten Foulelfmeter zugesprochen bekam. Torjäger Boyd ließ sich nicht zweimal bitten und verdoppelte bereits nach zwanzig Minuten die Führung. Das Hinspielergebnis war also bereits zu diesem frühen Zeitpunkt egalisiert und für die Gäste aus der Pfalz kam es noch schlimmer. Denn nachdem Torwart Knaller eine harmlose Flanke nicht abfangen konnte, stürzte er unglücklich und musste für Chris Keilmann ausgetauscht werden. Und auch danach wurde nur noch deutlicher, dass Fortuna ihr Feriendomizil nicht unbedingt in der Pfalz hat. Wieder war es Zuck, der den Ball per Gewaltschuss an den Pfosten setzte (28.). Die Defensive und insbesondere die Viererkette. der Borussen wirkte nach der langen Spielpause und vielleicht auch wegen der hälftigen Profi-Unterstützung noch nicht ganz sattelfest.

Baykan bejubelt den FührungstrefferZum Slapstick wurde es dann endgültig, als sich nach einer eigenen Ecke Baykan und Löwe am Mittelkreis über den Haufen rannten und Freyer freie Bahn hatte (36.). Wieder blieb aber Alomerovic einfach stehen und zog den Fuß gerade noch rechtzeitig raus, um erneut fantastisch zu retten. Bei dieser Leistung heute besteht in Zukunft eigentlich kein Grund, den regelmäßigen Torwartrechsel weiter fortzuführen. Dass kurz danach Lautern noch ein Tor erzielte, was aber wohl zu Recht aberkannt wurde, passte zum bisherigen Spielverlauf wie die Faust aufs Auge. Wobei auch den Borussen ein Abstauber-Tor durch Paurevic in der Nachspielzeit der ersten Hälfte von Linienrichter Bokop aberkannt wurde. Die drei Profi-Leihgaben verdienten sich in dieser Halbzeit bestenfalls das Prädikat „unauffällig“.

Gündogan bestenfalls unauffällig

Für den enttäuschenden Gündogan kam zur Halbzeit Benatelli für die zentrale Kreativposition, dafür rückte Vrancic eine Position nach hinten. Und auch auf der Torwartposition gab es beim BVB einen Wechsel. Der überragende Alomerovic blieb in der Kabine und dafür kam der unsichere Kantonist rein. Denn eine völlig harmlose Ecke ließ er einfach fallen und Wooten sagte dreimal Danke. Der total unnötige, aber durchaus verdiente Anschluss für die Gäste. Dann passierte erst einmal nicht mehr viel, doch hatte der FCK das Spiel nun vermehrt im Griff und kam in der 70. Minute im Anschlus an eine Ecke zu einer riesigen Kopfballchance durch die Säule E (leider konnte man nämlich nicht einsehen, wer der Gästespieler mit dieser Gelegenheit war), die Alomerovic aber wiedereinmal fantastisch abwehren konnte.

Alomerovic überzeugte trotz seinen PatzerDer BVB schwamm nun mehr und mehr. Wieder ein Fehler in der Verteidigung, wieder Zuck, wieder Alomerovic per Fußabwehr. Es schien inzwischen so, als ob Alomerovic seinen schweren Fehler nur deshalb beging, um allen Zuschauern noch so etwas wie Spannung anbieten zu können. Diese hätte nach 83 Minuten vorbei sein können, wenn Hofmann seinen selbst eingeleiteten Konter nach herrlichem Absatzkick des eingewechselten Dukschs nicht am linken Pfosten vollendet hätte. Und eben dieser Duksch hatte ebenfalls die Chance zur Entscheidung, als er in der Lauterer Hälfte Keilmann umspielte, doch in zwei Versuchen das Ziel verfehlte.

So blieb es letztlich bei einem glücklichen Sieg und es bleibt zu hoffen, dass das nächste Spiel nicht wieder einen Monat auf sich warten lässt. Der planmäßig nächste Kick findet am Sonntag in direkter Nähe zum heutigen Gast in Idar-Oberstein statt. Natürlich parallel zu den Profis, denn die wilden Horden aus Dortmund haben ja sicher seit Monaten nichts anderes im Sinn, als dieses malerische Städtchen in Schutt und Asche legen zu wollen...

Stimmen zum Spiel

Mario Vrancic: Auf diesem Platz haben wir das Bestmögliche getan. Es war ein Arbeitssieg und wir haben heute insbesondere Kampf und Leidenschaft gezeigt.

David Wagner konnte nicht immer zufrieden seinPatrick Owomoyela: Mit dem Ergebnis können wir sicher zufrieden sein. Für beide Mannschaften war es sicher nicht einfach bei diesen Bedingungen. Für mich persönlich war es sicher anders als sonst. Viel ruhiger, zumal heute auch wegen einem verunglückten Fan. Aber war auch in Ordnung so.

Alois Schwartz (Trainer FCK): Kompliment an alle Akteure, denn der Boden hattemir regulären Spielverhältnissen nichts zu tun. Und je länger das Spiel ging, desto mehr ging auch die Kraft zu Ende. Wenn man in einem Spiel auswärts viermal alleine auf den Torwart zuläuft, dann ist das schon bitter. Mindestens einen Punkt hätten wir verdient gehabt, aber so bleiben die Punkte hier und wir fahren ohne Punkte nach Hause.

David Wagner: Bezüglich der Bodenverhältnisse und des Spielverlaufs kann ich mich dem Alois nur anschließen. Alles in allem war es ein hochverdient unverdienter Sieg. Wir haben schlecht verteidigt und so viele Chancen zugelassen wie in den letzten zehn Spielen nicht. Zlatan hat uns absolut im Spiel gehalten und heute mit Abstand sein bestes Spiel für uns gemacht.

Daten zum Spiel

BVB II (4-2-3-1): Alomerovic – Fring, Paurevic, Owomoyela, Löwe – Gündogan (46. Benatelli), Bakalorz – Hofmann, Vrancic, Baykan (58. Duksch) – Boyd (74. Halstenberg)

Ordnungsschelle von Vrancic für Torschützen BoydFCK II (4-2-3-1): Knaller (27. Keilmann) – Rizzuto, Modica, Orban, Heintz – Linsmayer, Himmel – Zuck, Freyer (68. Pfrengle), Saiti (79. Grammel)– Wooten

Tore: 1:0 Baykan (8., Rechtsschuss, Vorarbeit Boyd), 2:0 Boyd (20., RS, Foulelfmeter, Linsmayer an Bakalorz), 2:1 Wooten (52., LS, ohn Vorarbeit)

SR: Bandurski (Essen)

Zuschauer: 570

Chancen: 5:8

Ecken: 5:10

Gelbe Karten: Bakalorz (42., erhöhter Ellbogeneinsatz), Vrancic (64., Foulspiel) – Linsmayer (60., taktisches Foulspiel), Himmel (74., taktisches Foulspiel), Rizzuto (86., übertriebener Körpereinsatz)

Malte D., 22.02.2012


Unterstütze uns mit steady