Warmlaufen

Auf nach Marseille

27.09.2011, 13:46 Uhr von:  Redaktion

Treffpunkt am Strand in MarseilleSeit der Auslosung der Champions League Gruppenphase wissen zumindest wir Borussen, dass Lother Matthäus doch zu etwas gut ist. Was unter Mithilfe von Losfee Matthäus am Ende auf dem Tisch lag, war schon eine ziemlich geile Gruppe für unsere Borussia. Die Rückkehr in die Gruppenphase wurde uns Fans mit interessanten Gegnern und Städten versüßt. Während bei Arsenal vor allem der sportliche Aspekt und die englische Hauptstadt zu Punkten wissen, ist es bei Piräus sicherlich die Stadt Athen und die fanatischen Fans. In Marseille weiß man hingegen garnicht genau, was am geilsten ist. Der französische Vizemeister lädt uns in die zweitgrößte französische Stadt an die Mittelmeerküste ein. Marseille beherbergt den größten französischen Hafen und das größte französische Vereinsstadion. Auf Grund der Umbauphase für die EM passen allerdings zur Zeit nur rund 40000 Zuschauer in das Stade Vélodrome. Das ist ziemlich schade, denn das Stade Vélodrome ist ein interessantes Stadion, dessen Stil man nicht überall zu sehen bekommt.

Gasse in MarseilleMarseille ist geprägt von einer multikulturellen Gesellschaft, die sich auch im Stadion wiederspiegelt. Die beiden Fantribünen werden von den hiesigen Ultra Gruppen geprägt. Beachtenswert sind vor allem die beiden alten und großen Gruppen der Virage Sud: Commando Ultra und South Winners. Beide Gruppen haben dem Vernehmen nach um die 5000 Mitglieder und international einen sehr guten Ruf. Auf der Virage Nord tummeln sich die Gruppen MTP 94, Dodgers, Fanatics und Yankee Norde. Die Bedeutung der Gruppen wird einem bei kurzer Internetrecherche klar. Für Deutschland ungewöhnlich ist, dass die Gruppen zuständig sind für den Verkauf der Tickets für ihre Tribünen. Auf jeden Fall dürfen wir uns auf deutlich lebhaftere und interessantere Fans freuen, als Arsenal sie mitgebracht hatte. Die Fanszene steht generell im Ruf antirassistisch und antifaschistisch zu sein. In der Historie galten daher die Spiele gegen Paris Saint Germain als absolute Risikospiele.

Sportlich steht einem mit Marseille eine anspruchsvolle Aufgabe bevor. Als französischer Vizemeister ist definitiv Potential vorhanden, doch zur Zeit schwächelt Olympique in der Ligue 1. Nach acht Spielen hat OM erst sieben Punkte eingesammelt und findet sich somit auf dem dreizehnten Tabellenplatz ein. Dennoch sollte man Marseille nicht auf die leichte Schulter nehmen, die Mannschaft ist erfahren und steht naturgemäß auch unter Druck. Wenn man in einer solch ausgeglichenen Gruppe weiter kommen möchte, muss man seine Heimspiele eigentlich gewinnen. Insofern hängt der BVB schon ein wenig hinterher. Doch noch gibt es Möglichkeiten, dies zu korrigieren. Der Auftakt gegen Arsenal war, bis auf die Chancenverwertung, auf jeden Fall schon einmal vielversprechend. Und gegen den designierten Gruppenersten (denn wir wollen und werden doch weiterhin tiefstapeln) fühlt sich so ein Punkt zum Start ja auch richtig gut an.

Irgendwas wichtigesNach dem Sieg in Mainz können unsere Borussen sich nun in Ruhe auf das Spiel in Marseille vorbereiten. Zusätzlich kam auch Lucas Barrios auf seine ersten Minuten in dieser Saison und ist somit zumindest wohl wieder ab der 70. eine mögliche Alternative. Ansonsten fällt vor allem die Verletzung von Schmelzer schwer ins Gewicht, obwohl Chris Löwe diese Situation bis jetzt immer ganz anständig gelöst hat. Überraschungen in der Startelf von Borussia sind nicht zu erwarten. Beim Stichwort Startelf (was das wohl auf französisch heißt?) schaut man auf die Namen der Marseillais und... Und man haut sich nicht gerade vor lauter Angst selbst vom Hocker.

Ganz nüchtern betrachtet kann man konstatieren, dass Olympique nichts Überragendes zu bieten hat, was das Spielermaterial angeht. Namen der Marke Drogba, Ribery oder Nasri, die in der Vergangenheit eine nicht unerhebliche Rolle spielten, tauchen im aktuellen Kader nicht mehr auf. Fußballliebhabern mit dem Blick für ausländische Ligen (oder vielen Praxisstunden an der Konsole) sagen Gonzalez, Remy und Valbuena vielleicht ja was. Wahrscheinlich ist es sogar der Mann auf der Bank, der den Meisten ein Begriff sein dürfte. Didier Deschamps war ein Held der französischen Weltmeistertruppe von '98 und hat als Spieler so ziemlich alles gewonnen, was es im Fußball zu gewinnen gibt. Auch als Trainer gibt er eine gute Figur ab und konnte auf seinen drei Stationen durchaus erfolgreich arbeiten (Champions-League-Finalist mit Monaco, italienischer Serie B-Meister mit Juventus und französischer Meister mit Marseille). Jetzt kann jeder selbst beuteilen, wie gut es für unseren Gruppengegner ist, dass der Mann an der Seitenlinie sozusagen der Star des Teams ist. Und trotzdem ist man gewarnt, denn Marseille hat nicht nur das erste durchaus unangenehme Spiel in Piräus gewonnen, sondern auch in den letzten Jahren so manchen Favoriten daheim geärgert. Die Situation jedenfalls ist gefährlich für den BVB.

Treffpunkt am Strand in MarseilleAber böse Geister sind nun genug an die frische Tapete gepinselt, denn was bringt denn das ganze Gerede über Gegner und Ausgangssituationen. Nichts. Im Endeffekt zählt nur eins (bzw. auch noch zwei oder drei andere Sachen): Es ist Mittwoch, das Flutlicht ist an, die Anstoßzeit lautet 20.45 Uhr, kurz vor Anpfiff wird so eine komische Hymne gespielt, es befinden sich 11 Borussen auf dem Platz und jeder ist heiß auf den ersten CL-Auswärtssieg seit gefühlten 20 Jahren und dem damit verbundenen, großen Schritt Richtung Achtelfinale!

Sonstiges

Fans: Der BVB veröffentlichte zwei Fansinfos [I & II] zur Situation vor Ort. Bemerkenswert ist, dass den BVB Fans nahezu alles erlaubt wurde. Das gibt es so nicht mehr häufig in Europa und ist ein Vertrauensvorschuss, den man anerkennen sollte. The Unity ruft zu einem gemeinsamen Marsch vom Strand aus auf. Treffpunkt ist die Statue de David ab 16 Uhr. Das Fanprojekt und die Fanbeauftragten werden in Marseille vor Ort sein. Den BVB Fans wurden rund 2000 Tickets zur Verfügung gestellt.

Touristisches: Einen kleinen Überblick gibt Wikitravel. Ansonsten gibt es noch weitere Internetangebote. Die Fanbeauftragten weisen allerdings daraufhin, dass BVB Fans bitte den Nordteil der Stadt und die Kneipen rund um das Stadion meiden sollen.

Stadion: Stade Vélodrome (60031 Plätze, wegen Umbau z.Z. rund 40000)

Wetter: Uns haben soeben die ersten Bilder erreicht. Scheint nicht so schlecht zu sein.

mrg, tim, 26.09.2011

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