Warmlaufen

Bericht aus Mainz - Mittwoch, der Matchplanverlust

23.09.2011, 16:36 Uhr von:  Redaktion
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Kurz vor seinem Ableben steht Macbeth da und sinniert noch ein letztes Mal über das Leben. Es ist bedeutungslos, von einem Dummkopf erzählt. Er erwartet die letzte Silbe auf seinem Lebensblatt. Er hat alles verloren, was ihm dereinst die Welt bedeutete und als der Wald sich bewegt, ist es vorbei. Da lässt er sich nicht täuschen.

Thomas Tuchel, so hört man hinter vorgehaltener Hand, hat noch lange nicht alles verloren. Aber trotzdem, das besagen bislang unbestätigte Gerüchte aus informierten Kreisen, steht er dieser Tage vor dem Abgrund. Am Mittwoch dieser Woche hörte man zu später Stunde einen Wutschrei, der sich quer durch das Land zu einem Donnerhall entwickelte. Was war passiert?

„Ich habe Fußball heute und Sie können eine alternative von Borussia Dortmund am Samstag“, lautete der Barrios-Eintrag in das Lebensarchiv. Für Tuchel war das zu viel. Seit Wochen bereits hatte er sich an seinem Matchplan versucht, diese Meldung jedoch, das wurde dem tüchtigen Fußballlehrer schnell klar, könnte diesen Matchplan über den Haufen werfen. Es folgte der Wutschrei, der sich quer durch das Land zu einem Donnerhall entwickelte. Das war passiert!

Aber wo war der Matchplan und was stand drauf? Seit einiger Zeit gibt es bei schwatzgelb.de ein Ermittlerduo. Wir haben die beiden Spürnasen mit einem gut gefüllten Spesenkonto losgeschickt. Ihr Auftrag: Findet den Matchplan! Sie haben in Mülltonnen gewühlt, an Autobahnraststätten Befragungen durchgeführt und waren erfolgreich. Ihr Bericht:

Bericht aus Mainz – Mittwoch, Matchplanverlust:

Der Fairplaypreis-Gewinner 2010/2011 kramt nochmal die Pläne der vergangenen Saison hervor. Die revolutionäre Eierschuss Strategie zur Überwindung der Dortmunder Abseitsfalle war letztlich aufgegangen und hatte einen wohlverdienten Auswärtspunkt beschert. Doch in dieser Spielzeit war schon so manch ausgeklügelter Matchplan durchkreutzt worden. Was wenn Klopp seine Spieler mit Suspensorien ausstatten würde? Dann würde der Plan nicht nur fehlgehen, sondern man liefe den Westfalen am Ende noch ins offene Messer.

Tuchels knuffige Karnevalistencombo hat ihr Domizil vom heimeligen Bruchweg in die Parkplatz Arena an der Autobahn verlegt und damit nach langer, harter Aufbauarbeit einen weiteren Schritt in Richtung Bundesliga-Establishment getan. Sicher nicht unverdient dieser Erfolg, da auf eigenem Mist gewachsen und nicht fremdbestimmt. Doch mit dem Bau der Autobahnraststätte hat man auch ein Stück der eigenen Individualität zugunsten der Massenkompatibilität aufgegeben. Erstaunlicherweise sind die Parkplätze für die anrollenden Massen bei der Planung unter den Tisch gefallen. Doch was interessieren den Dortmunder Mob schon fehlende Parkplätze, wenn man den magischen Buchstaben W, E und T folgen kann, um zum dazugehörigen Klo zu gelangen, um es erneut zu besudeln?

Und jetzt auch noch Barrios, der Panther, die Alternative! Die Angst im Mainzer Umfeld ist allerorten wahrnehmbar. Sollte das Überraschungsmoment in der Schlussphase diesmal tatsächlich auf Seiten des Gegners liegen? Überhaupt schwer abzuschätzen, welche Formation die Tremonen in die Schlacht schicken würden. Ist der blonde, bayuwarische Landsknecht Bender wieder an ihrer Seite? Oder würde Schubser Kehl, der alte Veteran diesmal seinen Weg aufs Schlachtfeld unversperrt vorfinden?

Das war die Ausgangslage und wir fanden den Matchplan. Ein wertloses Stück verzweifelter Bleistiftzeichnungen sich bewegender Fußballspieler. Ende!

Klar war also nur, dass die Ermittler im Erfolg wieder einmal versagt hatten. Was bleiben uns noch für Möglichkeiten, diesen Vorbericht und vielleicht sogar diese Saison zu retten? Der Verantwortung als Fanorgan sind wir uns bewusst. Wir stoßen Dinge an und lassen sie dann rollen. In der Redaktion herrscht momentan ein einzigartiger Konsens: Woanders rollen Köpfe und bei uns nur die gute Laune. Wie würden die Spieler mit Kritik umgehen? Und wieso ist Peter Neururer auf einmal bei den Amateuren im Gespräch? Dieser Tage ist alles verworren, doch der morgige Samstag wird erste Aufklärung liefern. In Mainz. An der Autobahn.

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Machen wir es kurz: Geht raus! Spielt Fußball! Erinnert Euch! Und vergesst 2010/2011! 2011/2012 läuft bereits. In Mainz starten wir noch einmal. Und zwar durch!

Matchplanverlierer: H. Müller - Bungert, Svensson, Noveski, Pospech - Polanski, Soto - Risse, Ivanschitz, Choupo-Moting - Allagui

Durchstarter: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Löwe - S. Bender, Kehl - M. Götze, Kagawa, Perisic - Lewandowski

steph, web, 23.09.2011

Noch ein Vorbericht!

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