Warmlaufen

Duell der Enttäuschten

17.09.2011, 13:20 Uhr von:  Redaktion

Subotic gegen Hannois Goalgetter schlechthinNach der gelungenen Rückkehr in die Elite des europäischen Fußballs steht am Wochenende wieder der harte Alltag in der Bundesliga an. Durch die eher mäßige Bilanz aus den ersten Saisonspielen scheint das Spiel am Sonntag bei Hannover 96 richtungsweisend zu werden, und gerade jetzt steht der BVB vor erheblichen personellen Problemen. Neben dem langzeitverletzten Lucas Barrios (der allerdings in der kommenden Woche glücklicherweise wieder ins reguläre Mannschaftstraining einsteigt) und den noch für eine Partie gesperrten Sebastian Kehl und Mario Götze meldete sich nach dem Arsenal-Spiel nun auch noch Sven Bender mit einem Faserriss in der Hüfte ab.

Man darf gespannt sein, wie Jürgen Klopp mit der Vakanz im Mittelfeld umgeht; waren doch gerade Bender und Götze die einzigen Lichtblicke in den letzten Wochen. Besonders interessant ist die Situation auf der Doppelsechs: Gegen Hertha konnten weder Neuzugang Ilkay Gündogan noch Altmeister Toni da Silva neben Sven Bender überzeugen, und wohl als Konsequenz daraus kamen beide in der Champions League nicht zum Einsatz. Ironie der Geschichte könnte sein, dass genau dieses Duo in Hannover auf dem Platz steht, da die natürliche dritte Variante Moritz Leitner für Trainer Klopp offenbar noch kein gehobenes Bundesliganiveau verkörpert. Eher theoretischer Natur scheinen die Alternativen Mats Hummels bzw. Kevin Großkreutz neben Gündogan oder da Silva zu sein: Klopps Unbehagen, die trotz mancher Unzulänglichkeiten in den letzten Wochen immer noch relativ stabile Innenverteidigung auseinanderzureißen, ist bekannt, und zuletzt in Hoffenheim war der Dortmunder Jung auf der Sechs eine komplette Fehlbesetzung.

Götze wird noch ein Spiel fehlenEtwas eindeutiger dürfte die Angelegenheit in der offensiven Dreierkette aussehen. Nicht nur wegen Götzes Fehlen sollte Shinji Kagawa zentral gesetzt sein, denn schon gegen Arsenal wusste der kleine Japaner durchaus zu überzeugen, wenn auch die Torgefährlichkeit aus der letzten Hinrunde noch verschollen zu sein scheint. Auf den Außenbahnen läuft es auf ein Zwei-aus-Drei hinaus: Neben der enttäuschenden Achse Großkreutz/Blaszczykowski vom letzten Samstag drängt sich Ivan Perisic für sein Startdebüt auf. Schon vor dem Traumtor gegen Arsenal war deutlich zu erkennen, dass der Kroate ziemlich gut weiß, wo die gegnerische Bude steht. Ein ähnlich fulminanter Auftritt wie in der letzten Viertelstunde am Dienstag würde uns angesichts des Tabellenstands gut zu Gesicht stehen. Denn auch ohne eine neue Wundersaison zu erwarten, hat ein Deutscher Meister natürlich das Zeug zu höheren Weihen als dem grauen Mittelfeld.

Unter Zugzwang hat sich der BVB in der letzten Woche selbst gebracht. Zur Länderspielpause mit sieben Punkten aus vier Spielen ziemlich im Soll, kam die Heimpleite gegen Hertha BSC zur Unzeit. Will man nicht bereits frühzeitig den Anschluss an die erweiterte Tabellenspitze verlieren, sind vier Zähler aus den beiden unangenehmen Auswärtsspielen in Hannover und Mainz nun fast schon das Minimum. Dabei spricht nicht nur die personelle Situation gegen die Borussia, auch die Statistik weiß nicht viel Positives zu vermelden. Kein Auswärtssieg mehr seit dem glorreichen 3:1 in München Ende Februar, oder anders gesagt: Zwei Punkte und ein kümmerliches Tor bei sechs Auftritten in der Fremde. Die nackten Zahlen verschleiern die Wirklichkeit zwar ein wenig, da unzählige Aluminiumtreffer und andere Großchancen nicht in ihr auftauchen, aber von der Souveränität aus der letzten Hinrunde ist trotzdem nicht mehr viel zu erkennen. Wird also Zeit, ein paar Erinnerungen an glorreiche Auswärtsspiele wieder aufzufrischen.

Ivan Perisic wird erstmal in der Startelf stehenEin Lichtblick ist da, dass auch der Gastgeber am Sonntag weder aus dem Vollen schöpfen kann noch mit allzu breiter Brust auftreten dürfte. Nach dem starken Saisonauftakt mit zwei Siegen gleich zu Beginn und dem aus Dortmunder Sicht ebenfalls sehr erfreulichen Europapokalerfolg gegen den FC Sevilla schwächelte auch 96 zuletzt. Nur zwei Punkte aus drei Bundesligaspielen und ein enttäuschendes 0:0 gegen Standard Lüttich in der Europa League wirken wahrlich nicht furchteinflößend. Dazu fallen mit Christian Schulz und Mo Abdellaoue zwei Stützen der Niedersachen aus, so dass der ersehnte Auswärtssieg vielleicht doch im Bereich des Möglichen liegt. Es muss ja nicht immer ein 0:4 wie in der letzten Saison sein. Ein 0:1 reicht auch.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Hannover 96: Zieler – Cherundolo, Haggui, Pogatetz, Pander – Schmiedebach, Pinto – Stindl, Rausch – Schlaudraff, Ya Konan

Borussia Dortmund: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer – da Silva, Gündogan – Kuba, Kagawa, Perisic (Großkreutz) – Lewandowski

Schiedsrichter: Gagelmann – Anklam, Thielert – Wingenbach

Scherben, 17.09.2011

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