Warmlaufen

Dembowski in geheimer Mission

01.04.2011, 13:10 Uhr von:  Redaktion

Der Himmel über dem Maschsee glich einer gebrauchten Mullbinde, langsam begann sie zu tropfen. Dembowski stand am betonierten Ufer, hinter ihm baute sich düster ein Wellness-Spa auf. Er war sich nicht sicher, was ihn hier erwarten würde. Durch die graue Brühe konnte er eine blonde Frau ausmachen, die behebend auf ihn zuschritt. Sie trug einen braunen Mantel, um ihren Hals war ein roter Schal geschlungen. Sie musste die 40 bereits überschritten hatte, war jedoch nicht unattraktiv. „Dembowski?“ Er stockte. Die Stimme kam ihm bekannt vor. Es klickte. Dembowski war nervös, diese Stimme, ja diese Frau, kannte er bislang nur aus dem Fernsehen. „Ja.“ „Lindholm, mein Name. Wollen wir etwas trinken gehen?“

Dembowski verschlug es die Sprache. Was war hier los? „Edgar? Ist Edgar immer noch bei Martin?“, ihm fiel keine vernünftige Antwort ein. Lindholm schaute ihn entgeistert an und bewegte ihren Mund. Doch Dembowskis Gedanken kreisten längst um den ermordeten Kevin Faber und den armen Ben Nenbrook. "Wissen Sie, die halbe Nationalmannschaft ist angeblich schwul, einschließlich Trainerstab. Das ist doch schon so eine Art Volkssport, das zu verbreiten.“ Diese wenigen Worte waren das Ende seiner Nationalmannschaftambitionen gewesen. „Ich finde es schade und ärgerlich, dass die Prominenz der Nationalelf missbraucht wird, um irgendein Thema zu entwickeln oder einen Scherz zu machen... Das sehe ich immer auch als einen Angriff auf meine Familie - die Familie der Nationalelf. Und das ärgert mich.“ Die Antwort von Bierhoff war unmissverständlich gewesen. „Dembowski???“ „Ja.“ „Wollen wir einen Kaffee trinken? Ich brauche ihre Hilfe!“

So schlenderten sie in das nahegelegene Restaurant. Lindholm schilderte ihre vergangenen Heldentaten und ihr Engagement gegen Homophobie im Fußball. Ihre Ausführungen fanden kein Ende. „Verdammt,“ fuhr Dembowski ihr in die Parade „verdammt, hören Sie endlich auf damit. Dafür bin ich nicht aus Dortmund angereist. Können Sie sich überhaupt vorstellen, wie viel Überwindung mich das gekostet hat. Ich warte seit Tagen auf Bestelleingänge, der Typ aus Hamburg macht mir Druck und der verdammte Frühling kostet mich die letzten Nerven. Zum Glück regnet es hier, zum Glück hat sich der verschissene Frühling für einen Tag verzogen. Kommen Sie endlich zu Potte, oder ich bin schneller weg als Martin.“ Diese Frau kostete ihn wertvolle Zeit. Was, wenn sich jetzt eine Bestellung ergeben würde?

„Ok, ok! Ich habe verstanden. Sie wollen Fakten. Die kann ich ihnen liefern. Man hat mir gesagt, dass sie der beste Mann sind, der uns in Dortmund zur Verfügung steht. Hören Sie zu….“ Lindholm schilderte Dembowski in einem langen, blumigen, aber fachkundlichen Monolog die Sachlage. Die Worte Pakistan, Islamistenführer und Bombe fielen und Dembowski die Kinnlade runter. Was sollte das? Damit war nicht zu spaßen, seine Ermittlungen hingegen in den letzten Jahren von wenig Erfolg gekrönt. Nicht umsonst war er in den Fängen der Meisterschalmafia und in den Krallen von Reiser gelandet. Er konnte keine Erfolge vorweisen. Was wollte Lindholm wirklich? „Sie müssen einfach Augen und Ohren offen halten, mal unverbindlich am Trainingsgelände vorbeischauen und ermitteln! Das können sie doch, oder?“ „Ja, ja, ja. Das kann ich, das ist meine Profession.“ „Ich melde mich, die Rechnung hier übernehme ich.“

Zurück in Dortmund, die Sonne schien. Dembowski verschanzte sich wieder in seiner Wohnung, am Telefon führte er nun einige Gespräche. Am Abend machte er sich auf den Weg in die Kneipe, auf ein Bier beim Länderspiel. Die Dortmunder Jungspunde würden es schon vermasseln, dachte er sich. Reiser, Koslowski und Schulze waren schon bei den Kurzen angelangt. Ihm war so überhaupt nicht danach, widerwillig machte er sich über das Herrengedeck her, noch jammerte die Jukebox. „Was zum Teufel denken die sich dabei? Chesney Hawkes. „I am the one and only“. Das ist ja nicht zu Unrecht in Vergessenheit geraten. Schieb noch einmal einen rüber, Schulze. Ich ertrage das alles nicht mehr.“ Noch bevor Schulze überhaupt reagieren konnte, stand Dembowski an der Jukebox. „I’d like to thank the guy that made my baby fall in love with me…“ Der gute alte Barry Mann hatte diesmal die Frage auf die Antwort, nach der sie alle suchten.

„Das müsst ihr Euch vorstellen. Da meldet sich jemand, schickt mich nach Hannover und dort am Maschsee steht die Lindholm. Was sie mir erzählt, das bleibt natürlich unter Euch, hat echte Sprengwirkungen. Wir müssen etwas verhindern. Etwas Schlimmeres verhindern! Reiser, das geht hier vor allen Dingen an Dich. Du bekommst ne große Story, bis dahin aber Ruhe bewahren!“ Dembowski kippte das dritte Gedeck hinunter, erzählte von den Bomben, die Zeit verstrich. Barry Mann hatte ausgesungen und Hummels und Bender waren am Ball vorbeigestolpert. „Das gibt ne Fünf – für Bender, Hummels, Schmelzer und Götze. Nicht zu ertragen. Die denken wohl auch, die Welt liegt ihnen zu Füßen. Noch nichts, noch überhaupt nichts haben sie gewonnen“. Reiser war jetzt ganz in seinem Element. Dembowski schüttelte den Kopf. „Der Spacken hat schon wieder alles vergessen, auch nicht schlimm,“ murmelte er und zu Koslowski und Schulze gewandt: „Der Typ ist fertig. Der Typ war schon immer fertig. Wir liefern ihm einfach die Story, bis dahin kann er weiter seine Fünfen verteilen. Koslowski, ihr müsst raus zum Trainingsgelände. Ich pack das einfach nicht. Der Frühling macht mich fertig! Uniform an und mal beim Coach nachfragen, vielleicht weiß der was?“ Ein paar Stunden später hatte Dembowski den Weg nach Hause gefunden, Chuck Prophet sang „You did.“ Er brauchte dringend etwas Schlaf.

„Der Coach will nichts sagen.“ Koslowski hatte seinen Auftrag wohl ein wenig zu ernst genommen und war bereits am Morgen raus aufs Trainingsgelände. Dembowski wischte sich den Schlaf aus den Augen, sein Kopf explodierte, es war 10.37 Uhr. Doch Koslowski legte am anderen Ende der Leitung erst los. „Der Coach sagte mir folgendes: „Perfektion im Fußball ist erstrebenswert, aber nicht machbar.“ Was fang ich damit an? Sonst war nicht viel los. Der traurige Pole und der Serbe, der sich für einen Holländer hält, waren nicht dabei. Der Rest trainierte eifrig, nur der Australier spurtete über den Platz. Auch da hatte der Coach natürlich ne Erklärung für: „Der läuft jetzt jeden Tag 40 Bahnen im Sprint. Als kleine Wiedergutmachung.“ Sonst wußte aber niemand, wovon ich überhaupt rede.“ Dembowski schmiss das Handy gegen die Wand. Konnten die nicht einmal vernünftig ermitteln, hier ging es schon längst nicht mehr um den siebten Titel der Dortmunder Borussia. Es ging um hier um eine verdammte Bombe.

Dembowski machte sich einen Kaffee und bewunderte das alte Werbeplakat in der Küche. „Wer Tabak sät, will Ernte rauchen.“ Er steckte sich eine an, fuhr den Computer hoch. Irgendwo würde es schon Hinweise geben. Im BVB-Forum war die Bombe noch nicht geplatzt. Der Boris Rupert des Forums konnte hingegen bereits mit einer Statistik aufwarten:


Die 'Hannover verliert!'-Statistik (BVB)

walter09, Letzter Halt vor Blauland, Freitag, 01. April 2011, 10:38 (vor 57 Minuten)

Klopp hat noch nie mit dem BVB gegen Hannover verloren - 2 Siege 3 Unentschieden
Slomka hat noch nie als Trainer von Hannover gegen den BVB gewonnen - 2 Niederlagen

Ausgehend von folgenden Aufstellungen (Quelle: bvb.de, leicht verändert):

Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic*, Hummels, Schmelzer - Bender, Sahin - Lewandowski, Götze, Großkreutz - Barrios.
(fett= Spieler hat noch nie verloren gegen Hannover, kursiv= Positive Gesamtbilanz des Spielers gegen Hannover) *Spielt Santana für Subotic, keine Veränderung.

Hannover 96: Fromlowitz - Cherundolo, Haggui, Pogatetz, Schulz - Schmiedebach, Pinto - Stindl, Rausch - Ya Konan, Abdellaoue.
(fett= Spieler hat noch nie gegen den BVB gewonnen, kursiv= Negative Gesamtbilanz des Spielers gegen BVB)

Nur Christian Schulz hat eine positive Bilanz gegen den BVB durch seine Bremer Zeit. Sieben Borussen ohne 96-Niederlage, gegen sieben 96er ohne BVB-Sieg.

Keine Heimniederlage unter Gräfe als Schiri (5 Siege, 1 Unentschieden)

Aktive-Torschützen-Statistik: 2:1 für den BVB
BVB (Großkreutz, Subotic)), H96 (Cherundulo)

Beruhigend. Immerhin. Diese Statistik war verdammt beruhigend. „Krallt Euch die Schale“, knallte es ihm von allen Ecken entgegen. Die Menschen waren guter Dinge. Dembowski musste sie beschützen, ihren Traum noch ein wenig aufrecht erhalten. Lindholm brauchte endlich konkrete Ergebnisse. Er rief Ritchie an. „Auf Dich habe ich gewartet. Neulich bot ein Typ mir einen Deal an….“ Das reichte Dembowski. „Lindholm.“ „Es handelt sich um Attrappen. Der Typ wohnt in Krefeld und ist morgen in einem Kölner Hotel.“ „Guter Job! Guter Job, Dembowski!“ Lindholm war außer sich vor Freude. „Die müssen jetzt nichts mehr tun.“ Dembowski machte sich eine Flasche auf und rief Reiser an. „Wir treffen uns gegen Mitternacht an der Flora. Bring nen Fotografen mit…“

Die Meisterbande: Weidenfeller - Piszczek, Subotic (Santana), Hummels, Schmelzer - Bender, Sahin - Kuba (Lewandowski), Götze, Großkreutz - Barrios.

Die Maschsee-Bande: Fromlowitz (Zieler) - Cherundolo, Haggui, Pogatetz, Schulz - Schmiedebach, Pinto - Stindl (Schlaudraff), Rausch - Ya Konan, Abdellaoue.

Das Wetter: Dembowskis größter Albtraum. Sonnig bis zum Abwinken, 23 Grad.

Der Anstoß: 15.30 Uhr

Die Sicherheitslage: Der Sprengstoffanschlag konnte vereitelt werden, die Polizeipräsenz um das Westfalenstadion wird erhöht. Laut BVB-Pressesprecher Josef Schneck besteht kein Grund zur Sorge.

Die Zuschauer: Ein ausverkauftes Westfalenstadion will nur eins: 7x „Entscheidend ist auf dem Platz für die 7. Meisterschaft“. Lasst es krachen. Ob auf der Süd, in den Ecken, auf der West und auf der Ost. Wir sind der 12. Mann.

Der Schiedsrichter: Manuel Gräfe (Berlin)

Die Punkte: Bleiben in Dortmund

dembowski, 01.04.2011

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