Warmlaufen

Und dann war da noch Mainz

18.03.2011, 09:09 Uhr von:  Redaktion

3 Punkte im Hinspiel für SchwatzgelbAls am 19.09.2010 die Straßen der Stadt in den schönsten Farben der Welt gefärbt waren und eine euphorisierte Masse in Richtung Rabenloh zog, die Derbysieger mit Bengalos und Böllern und niemals enden wollenden Fangesängen empfing und die Helden es sich nicht nehmen ließen, daraus ihren ganz eigenen Triumphzug zu machen, nachdem sie mit den Fans verschmolzen waren, begann diese Spielzeit erst richtig.

Die Mannschaft eilte von Sieg zu Sieg, wir Fans passten unsere Wirklichkeit mit Erstaunen der tatsächlichen Wirklichkeit an, zu schnell überrollten uns die Ereignisse. Damit konnte man gut fünf Jahre nach Molsiris und gerade einmal 28 Monate nach Doll nicht rechnen. Auch nach der Winterpause machten die "Young Guns" einfach weiter und die Krisen, die uns von vermeintlichen Aufholjägern angedichtet wurden, saßen wir nicht einmal aus, diese Krisen existieren einfach nicht.

In dieser Woche nun überschlugen sich die Ereignisse: Molsiris jährte sich zum sechsten Male, Sven Bender arbeitete weiter an seinem Mythos als unzerstörbarer Roboter mit einem schwarzgelben Herz, Mats Hummels entschied sich gegen das große Geld und für die Gemeinschaft, der sich Marcel Schmelzer schon länger ausdrücklich angeschlossen hatte. Er verbot seinem Berater laut Informationen der Süddeutschen Zeitung ernsthafte Verhandlungen mit anderen Clubs. Am Borsigplatz strickten derweilen in die Jahre gekommene BVB-Fans an einem Riesenschal und ein Stück weiter östlich rief sich der unsägliche Kuno mit seinem Sidekick Maze, dem Labyrinth, schmerzhaft in Erinnerung. Sein Iglu soll im Mai auf dem Friedensplatz wieder aufgebaut werden. Ein Monument der kommerziellen Entfremdung von jedweder Realität, die Kuno und Maze jedoch tags drauf ohnehin schon wieder überholte. Aus Sicherheitsgründen, so hörte man, wird die Meisterfeier nicht auf dem Friedensplatz, sondern eher auf der B1 stattfinden. Wer die Loveparade dort unverletzt überstanden hat, darf nun also auch in schwarzgelben Meisterfarben über den Dortmunder Prachtboulevard schlendern und das Iglu der Schlagerikone bestaunen.

Doch fernab der desolaten weltpolitischen Lage, dem skurrilen Bundesligaalltag mit seinen Trainerwirren und der herrlichen Schmierenkomödie unserer westlichen Nachbarn mit der Fortsetzungskomödie um IM Felix, wühlte die Nachricht vom Dede-Abschied die Fangemeinde auf. Nach 13 Jahren wird die Vereinslegende sich im Mai von der Strobelallee verabschieden und noch einmal eine neue Herausforderung suchen. In bewegenden Interviews versucht Dede uns seit Dienstag auf das anstehende Ende einer der romantischsten Liebesbeziehungen der Vereinsgeschichte vorzubereiten. Natürlich ist das ein schwerer Schlag für jeden Fußballromantiker, aber irgendwann ist es an der Zeit, Abschied zu nehmen. Die Tür wird für unsere #17 immer geöffnet bleiben. Dede wird sich in die Reihe der größten Dortmunder Spieler einreihen und soll nun mit seiner zweiten Meisterschaft verabschiedet werden.

Da sind wir bei dem großen Knackpunkt. Bei noch acht ausstehenden Meisterschaftspielen dieser unvergesslichen Spielzeit - darunter fünf Heimspielen – beträgt unser aktueller Vorsprung auf den einzig verbliebenen Verfolger Leverkusen neun Punkte. Sollte Leverkusen fortan jedes Spiel gewinnen, fehlen uns noch 15 Punkte, die wir zum Beispiel in den Heimspielen einfahren könnten. Dafür jedoch dürfen wir die Spiele nicht vergessen. In all den Nebengeräuschen der vergangenen Woche laufen wir Gefahr, den Blick auf das Wesentliche, das nächste Spiel!, zu verlieren. Dereinst im Herbst 2010 war dies unsere große Stärke. Die verschworene Gemeinschaft aus Team und Fans richtete den Blick nur auf den nächsten Gegner, ob er nun Paris, Köln, Hamburg, Bremen oder München hieß. Doch nachdem wir Fans am Anfang unsere Träume kaum an die Entwicklung anpassen konnten, lassen wir ihnen nun freien Lauf und erwarten nichts anderes als den Titel.

Damit zum Spiel: Am morgigen Samstag zur Topspielzeit gastieren die Bruchweg Boys um Thomas „Matchplan“ Tuchel im Westfalenstadion. Der Tabellenfünfte aus Mainz verzeichnete in dieser Saison bereits neun Auswärtssiege und musste sich in nur vier Gastspielen dem Gegner geschlagen geben. Mit dem wiedererstarkten André Schürrle setzt der FSV alles daran, in der nächsten Saison europäisch zu spielen. Momentan liegen sie nur einen Punkt vor den aufstrebenden Nürnbergern, die es an diesem Wochenende daheim mit Bremen zu tun bekommen. Die Tuchel-Truppe läuft also durchaus Gefahr, erstmals seit langer Zeit seinen Platz unter den ersten fünf Mannschaften der Tabelle zu verlieren. Sie werden sich nicht kampflos geschlagen geben. Im Tor müssen die Mainzer auf Wetklo setzen, der mit seinem kapitalen Bock gegen Leverkusen die 0:1-Heimniederlage einleitete. Doch steht sein Auftritt im Westfalenstadion unter einem durchaus günstigen Stern. Bisher verdienten sich die Torhüter im schönsten Stadion der Welt durch die Bank Bestnoten. Der kicker weist einen Notenschnitt von 2,25 aus, während die Torhüter bei den Gastspielen in München nur mit 3,62 benotet wurden. Ob dies ausschließlich an überragenden Torwartleistungen oder der latenten Abschlußschwäche der Dortmunder Sturmreihen liegt, darüber darf durchaus diskutiert werden. Mainz also reist mit der Empfehlung der drittbesten Auswärtsmannschaft an.

Kuba wäre mal wieder eine OptionSie treffen dabei auf das heimstärkste Team der Liga. Einen Sieg vorausgesetzt, setzen wir uns auch dort wieder an die Spitze, die bislang mit einem Spiel mehr von München (29 Punkte) und Hannover (28 Punkte, Heimspiel gegen Hoppenheim) gehalten wird. Dabei kann Übungsleiter K wieder auf Mats Hummels zurückgreifen, der in den vergangenen Wochen mit einem eingeklemmten Nerv im Rücken außer Gefecht gesetzt war. Für ihn wird Tele Santana nach drei ausgezeichneten Heimspielen (Derby, Pauli, Köln) und einem durchschnittlichen Auswärtsspiel (Hoppenheim) wieder auf der Bank Platz nehmen müssen. Sven „The Offender“ Bender scheint alle Naturgesetze außer Kraft gesetzt zu haben, er wird auf seiner Position im defensiven Mittefeld dem großen Nuri aller Voraussicht nach den Rücken freihalten und die Mainzer mit seiner Anwesenheit zur Verzweiflung bringen. Unklar hingegen bleibt die Besetzung der 10er-Position. Bekommt Lewandowski eine weitere Chance auf der für ihn so ungeliebten Position und kann er dort an seine Leistung gegen Köln anschließen, oder aber setzt Klopp auf den leicht kriselnden Götze, der zentral hinter den Spitzen sicher besser aufgehoben ist? Dies würde auf der rechten Seite Platz für den stets traurig wirkenden Polen Kuba machen, der mit seiner Schnelligkeit gegen Fuchs sicher keine schlechte Alternative wäre. Auf der linken Seite dürfen wir mit dem bewährten Duo Schmelzer/Großkreutz rechnen und vorne werden wir schnell sehen, ob Barrios endlich mal wieder einen Sahnetag erwischt hat.

Wir sollten nicht vergessen, dass wir noch lange nicht durch sind und dass die Mannschaft auch am Samstag unsere Unterstützung brauchen wird. Wir alle wollen Dede am 14.05. mit der Meisterschale verabschieden, sollten uns aber jetzt darüber noch keine Gedanken machen. Am Samstag müssen drei Punkte her, damit der große Traum nicht doch noch einmal in Gefahr gerät.

Die Südtribüne in Aktion beim letzten Heimspiel gegen KölnProjekt 14.05.: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer – Bender, Sahin – Kuba, Götze, Großkreutz – Barrios
Bruchweg Boys: Wetklo – Bungert, Svensson, Noveski, Fuchs – Polanski, Fathi, Soto – Ivanschitz – Risse, Schürrle
Anstoß: 18.30 Uhr
Zuschauer: Ausverkauft (400 Gästekarten werden an den Tageskarten erhältlich sein)
Anreise: Die derzeit beste Liveband des Landes, die Beatsteaks, nehmen nach dem Spiel unter Mithilfe hoffentlich zahlreicher euphorisierter Borussia-Fans die seit längerer Zeit ausverkaufte Westfalenhalle I auseinander, in Halle III blödelt Paul Panzer vor sich hin und bereits vor dem Spiel toben sich die Kreativen auf der Creativa in den Hallen IV bis VIII aus. Dazu gibt es eine Vollsperrung der A40 im Bochumer Stadtgebiet. Eine Anreise mit Bus + Bahn wird von Vereinsseite dringend empfohlen.

steph, 18.03.2011

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