Warmlaufen

Wieder mal in Düsseldorf

19.12.2011, 23:01 Uhr von:  Redaktion

Düsseldorf, 14.03.2005. Und der Rest der Geschichte ist schnell erzählt, wie auch jedem bestens bekannt. Begriffe wie Molsiris, Finanz-Kollaps, Anlegerentscheidung und Lizenzentzug bestimmten den vokabularen Alltag der schwarzgelben Fangemeinde in diesen Tagen. Heute, fast sieben Jahre nach diesem für den Verein so wichtigen Datum, kehrt der BVB-Tross zurück in die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt. Doch die Situation hat sich geändert, und das nicht zu knapp.

Anleger können sich ihres Geldes sicher sein und die Fans wieder ruhig einschlafen. Auf dem Rasen spielt (!) eine Mannschaft Fußball, die sich bundesweiten Respekt erworben und das Wort Furore eigens geprägt hat. Der BVB ist wieder da und das wahrscheinlich besser denn je. Dass morgen der Blick aber wieder mal nach Düsseldorf geht, hat nicht den Aufstieg der Fortunen als Grund (zumindest noch nicht). Es ist Pokal. Und da schrillen im Umfeld der Borussia die Alarmglocken. Nicht wegen Geldmangels oder gierigem Führungspersonal, auch nicht wegen einer zerrütteten Mannschaft oder Abstiegsängsten. Es wurde ja schon gesagt, es ist halt Pokal.

Noch größer wird die Angst, wenn man bedenkt, dass das Los der Dortmunder Borussia ein Auswärtsspiel bei einer unterklassigen Mannschaft beschert hat. Wie war das noch gleich? Braunschweig, Osnabrück, Offenbach – um damit nur in der jüngeren Vergangenheit zu bleiben. Wolfsburg II bleibt hier völlig unerwähnt. Doch wäre es fatal, wenn man dieses Mal, so kurz vor Weihnachten, sagen würde, die Vorzeichen hätten sich geändert? Vielleicht. Vielleicht ja aber auch nicht. Der deutsche Meister reist nach Düsseldorf. Und er reist in das Marken-Mode-Label-Stadion zu seinem letzten Spiel eines überragenden Fabeljahres. Die Bundesliga 2011 jedenfalls hat der Meister würdig beendet, nun wartet die Krönung im Pokal. Es wäre doch schön, wenn man der jüngeren Generation die Furcht vor diesem Wettbewerb nehmen könnte. In den nächsten Jahren sollen Kinder nicht mit von Angstschweiß feuchten Stirnen vor ihren Eltern stehen und sagen: „Mami, Papi. Müssen wir diese Saison noch im Pokal spielen?"

Vielmehr sollte jede KO-Runde, egal wo und gegen wen, Lust machen auf tollen Fußball des BVB und die Chance irgendwann mal wieder zum Endspiel nach Berlin reisen zu können. UNSER GANZES LEBEN – UNSER GANZER STOLZ. Zu großartig sind einfach die Erinnerungen an Finalpartien mit Dortmunder Beteiligung (wahrscheinlich ja gerade, weil es davon nicht allzu viele gab). Außerdem ist der Redaktion zu Ohren gekommen, dass die Hauptstadt einen Engpass zu beklagen hat. Denn in einem fünf Kilometer Radius um das Olympiastadion gibt es kaum noch Bananen in den Discountern. Wenn die Mitarbeiter ihre Kunden eventuell noch bis Mai hinhalten können, werden die BVB-Fans Abhilfe schaffen – mit Sicherheit.

Jetzt aber nochmal kurz zurück zum Spiel. Sportlich betrachtet kann und darf es keine zwei Meinungen über die Favoritenrolle geben. Der Zweite der ersten Liga (und seit Sonntag auch, und das völlig verdient, die Mannschaft des Jahres 2011) ist zu Gast beim Tabellenführer des Unterhauses. Zugegeben, die Fortuna spielt einen überragenden Ball in dieser Spielzeit, aber nicht zuletzt am Wochenende gegen die Weltmacht Paderborn wurden Schwächen, vor allem in der Defensive, deutlich. Trotzdem ist man gewarnt. Die Spieler laufen so ein wenig auf dem Zahnfleisch und die Winterpause kommt direkt im Anschluss an dieses Spiel zur richtigen Zeit.

Konzentration ist gefragt und noch einmal so abgeklärte 90 Minuten wie jüngst im Breisgau. Leider spitzt sich die personelle Situation arg zu und mit Santana und Schmelzer fallen zwei der letzten übrig gebliebenen Defensivsäulen verletzungsbedingt aus. Subotic' Ankündigung bei einem Tele-Ausfall in die Startelf zurückkehren zu wolllen, wird wohl nicht in die Tat umgesetzt. Viel mehr wird Owomoyela sein Debüt als Innenverteiger geben und die Aufgabe sicherlich mit Bravour meistern, seinem überragenden Kopfballspiel sei Dank. Respekt sollte auf jeden Fall jeder vor dieser Düsseldorfer Mannschaft und auch dem kompletten Umfeld haben, aber Angst nicht. Man kann sich einfach nur freuen, auf einen stimmungsvollen Jahresabschluss und nach dem Spiel hoffentlich dann auch mal wieder auf eine Viertelfinal-Pokalauslosung mit Dortmunder Beteilgung.
Ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk für uns und unseren geliebten Ballspielverein! Und auch wenn es nervt, ein mittlerweile klischeehafter Leitsatz darf an dieser Stelle nicht fehlen: Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin (hoffentlich mal wieder, bitte Jungs!).

Fortuna Düsseldorf: Ratajczak - Levels, Lukimya, Langeneke (Juanan), van den Bergh - Bodzek - Beister, Lambertz, Fink - Bröker (Ilsö), Rösler
Auf der Bank: Krauss - Weber, Dum, Kruse, Juanan, Ilsö, Jovanovic
Fraglich: Langeneke
Es fehlen: Almer (Mittelhandbruch), Aouadhi (Zehenbruch), Schwadorf (Knieverletzung)

Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Owomyela, Hummels, Löwe - Gündogan, Kehl - Kuba, Kagawa, Großkreutz - Lewandowski
Auf der Bank: Langerak - Löwe, Hornschuh, da Silva, Perisic, Barrios, Zidan
Es fehlen: Santana (Teilabriss des Außenbandes im Sprunggelenk), Götze (Faserriss), Leitner (Rippenbruch), Bender (doppelter Kieferbruch), Subotic (Mittelgesichtsbruch), Koch (Kreuzbandriss), Zidan (erkrankt)

Schiedsrichter: Manuel Gräfe (Berlin)

Assistenten: Markus Häcker, Bastian Dankert

Vierter Offizieller: Christian Dingert

Tim, 19.12.2011

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