Warmlaufen

Retorten- gegen Rekordmannschaft: Ein sportlicher Vergleich

11.03.2011, 07:47 Uhr von:  Redaktion

Lewandowski vs. Compper und RudyNach dem Heimsieg gegen den 1. FC Köln steht am 26. Spieltag nun die Partie gegen Hoffenheim aus dem Kraichgau an. Ein weiterer Sieg wäre ein weiterer Schritt hin zur Deutschen Meisterschaft, nebenbei würde der ein oder andere Rekord wackeln. Doch Vorsicht: Schon das Hinspiel gegen die Mannschaft von Marco Pezzaiuoli konnte nicht gewonnen werden, damals hieß der Trainer des kommenden Gegners beim 1:1-Unentschieden in letzter Minute noch Ralf Rangnick.

Über das Konstrukt im Kraichgau wurde in den vergangenen Wochen, Monaten und Jahren genug geschrieben. Berechtigte Kritik an diesem Verein und seinem Mäzen gibt es von vielen Seiten und auch die letzten Vorberichte auf schwatzgelb.de haben sich durchaus informativ, aber auch mit einer Portion beißendem Witz mit den Blau-Weißen beschäftigt. Dieses Mal soll der Fokus bei Hoffenheim verstärkt auf das Geschehen auf dem Platz gelenkt werden.

Klarer Negativtrend

Bei der TSG läuft es sportlich alles andere als rund. Einen Tag nach der deprimierenden 0-2-Niederlage gegen das Ligaschlusslicht aus Gladbach zitierte TSG-Manager Ernst Tanner seinen Coach Pezzaiuoli und dessen Trainerstab zu sich. Auch wenn Tanner „noch nicht von einer Krisensitzung" sprechen wollte, erkennt er die momentane Schieflage: „Es ist in der Tat so, dass wir in den letzten Wochen einen klaren Salihovic gegen den DefenderNegativ-Trend haben." Dietmar Hopp drückte sich noch deutlicher aus, indem er das Fehlen von Leidenschaft und Kampf anprangerte. Nur ein Punkt aus den letzten vier Spielen sprechen eine deutliche Sprache, die Abstiegszone rückt näher. Tabellenplatz neun ist die schlechteste Platzierung der Saison. Tendenz absteigend, denn in der Rückrundentabelle belegt der Dorfklub gar den 15. Rang.

In der derzeitigen Verfassung ist ein Sieg des BVB über seinen kommenden Gegner nicht unwahrscheinlich. Doch dafür muss Jürgen Klopp sein Team bestens auf die Hoffenheimer Elf einstellen. Im Vordergrund stehen Fragen nach der Taktik des neuen Trainers, nach Schwächen und auch nach Stärken der Mannschaft aus der Provinz.

Offensiv variables 4-3-3

Trainer Pezzaiuolo lässt seine Mannschaft in einem 4-3-3 agieren, wobei gerade Mittelfeldspieler und Stürmer relativ variabel agieren. In den letzten Partien gab es kaum einmal große Veränderungen in der Startaufstellung, auch bei personellen Wechseln wird am System festgehalten.

Im Sturm agieren zumeist Babel, Vukcevic und Ibisevic. Der zuletzt von den Zuschauern geforderte Isländer Sigurdsson, immerhin bester Torschütze der Hoffenheimer, konnte seine Chance in der Partie gegen Gladbach nicht nutzen. kicker-Note 6 und eine frühe Auswechslung bezeugen das. Ibisevic, der dafür gewichen war, hat demnach wieder eine gute Chance, zur Startelf zu gehören. Boris Vukcevic wird wie gewohnt auf dem rechten Flügel beginnen, während sich besonders Babel und Ibisevic die Aufgaben im Sturmzentrum und auf der linken Außenbahn teilen werden.

Das Drei-Mann-Mittelfeld besteht aus der eher defensiv orientierten Leihgabe Alaba in Rangnick und Rudyder Mitte sowie aus Salihovic (links) und Rudy (rechts). Gerade der beste Scorer der TSG, Sejad Salihovic (5 Tore, 8 Vorlagen) zieht immer wieder in die Mitte und versucht den Stürmern mit zielgenauen Anspielen den Torerfolg zu ermöglichen. Auch die Standards des Linksfußes aus Bosnien-Herzegowina – seien sie indirekt oder direkt - sind häufig gefährlich. Sebastian Rudy, aus der erfolgreichen Jugendarbeit des VfB-Stuttgart entsprungen, ist anders als Salihovic Typ robuster Mittelfeldspieler, der viel Defensivarbeit verrichtet, aber eroberte Bälle auch schnell vor den gegnerischen Straufraum tragen soll. Zudem ist er mit seiner Kopfballstärke und seinem Durchsetzungsvermögen durchaus torgefährlich (1 Tor, 6 Assists).

Balance zwischen Defensive und Offensive

Das offensive Spiel funktioniert ordentlich, das belegen 41 Treffer und damit Platz fünf in dieser Tabelle. Der Weggang von Demba Ba stellt sportlich jedoch durchaus eine Schwächung dar. Ob der vom FC Liverpool gekommene Ryan Babel den Stürmer aus dem Senegal eins zu eins ersetzen kann, muss sich noch zeigen. Was Balance zwischen Defensive und Offensive und vor allem das Umschaltverhalten zurück in die eigene Hälfte betrifft, fehlt es der Mannschaft an Automatismen. Mit 37 Gegentreffern liegt man ligaintern nur auf Platz zehn, auch der Wechsel von Luiz Gustavo zum Rekordmeister wirkt destabilisierend.

Ein Blick auf die letzten drei Partien gegen Gladbach, Mainz und Köln zeigt, dass Hoffenheim zwar häufig über die Außenbahnen spielt - nämlich mit durchschnittlich 25 Hereingaben so häufig wie der BVB - Durchschlagskraft und Präzision aber viel niedriger sind. Zum Vergleich: Beim BVB kam in den Spielen gegen St. Pauli, Bayern München und Köln jede dritte Flanke an, bei Hoffenheim nur jede sechste. Auch wenn ein Vergleich mit der besten Da Silva nach TraumtorMannschaft der Liga natürlich immer ein bisschen unfair ist, auch in der Torschuss-Statistik hinken die Hoffenheimer ihrem kommenden Gegner deutlich hinterher. Durchschnittlich 13 Abschlüsse in den letzten drei Partien stehen 22 des BVB gegenüber. Zudem ist die Mannschaft von Mäzen Dietmar Hopp nicht sehr zweikampfstark. In der laufenden Saison unterlag man in dieser Statistik häufig und war die nach der Zweikämpfquote unterlegene Mannschaft.

Dennoch sind die Hoffenheimer schwer zu schlagen: Die Mannschaft aus dem Kraichgau hat bereits neun Mal Remis gespielt, was Ligabestwert ist! Und auch acht Niederlagen sind nach 25 Spieltagen nicht so schlecht. Das Hinspiel endete demnach getreu der Statistik dank eines Traumtores von Antonio da Silva Unentschieden, 1:1.

Einsatz von Hummels und Barrios auf der Kippe

Um den Gegner vom Samstag also zu besiegen, sollte der BVB vor allem wieder seine Fähigkeiten beim schnellen Umschalten abrufen, das könnte die Heimmannschaft vor Probleme stellen. Zu der statistisch nicht sattelfest wirkenden Defensive kommt eine gewisse Fluktuation in der Innenverteidigung hinzu. Compper, Jaissle, Vorsah und Simunic versuchten sich an der Aufgabe, für eine feste Formation scheint sich Pezzaiuoli aber noch nicht entschieden zu haben. Im Gegensatz zum eingespielten BVB-Duo Subotic und Hummels/Santana müssen sich Jaissle und Compper, die am Samstag wohl beginnen werden, noch besser aufeinander abstimmen.

Beim BVB gibt es keine großen Veränderungen. Bei Mats Hummels steht ein Einsatz auf der Kippe, der eingeklemmte Nerv im Rücken sorgt weiterhin für Probleme in der Bauchmuskulatur. Für den Nationalspieler wird wohl wieder Felipe Santana von Beginn spielen. Unterstützung erhält er dabei von allen Seiten: „Felipe ist mit 100 % sicherlich stärker als ich mit 90 %“, glaubt auch Hummels. Dank seinen guten Leistungen mag man Mats da auf jeden Fall glauben. Auch Lucas Barrios, Stürmer in vorderster Front, wackelt und musste beim Donnerstagstraining wegen anhaltenden Wadenproblemen aussetzen. Kuba käme als Ersatz für den Paraguayer in Frage, Lewandowski würde dann in die Spitze rücken.

So könnte im Vergleich zum Heimspiel gegen die Karnevalself aus Köln eine veränderte Elf auf dem Platz stehen. Mit einem Sieg würde der BVB den 12. Auswärtssieg dieser Saison erlangen, die Meisterschaft wird langsam nur noch eine Frage der Zeit. Zu konstant und spielfreudig spielt das Team von Jürgen Klopp, zu groß ist der Vorsprung auf Verfolger Nummer eins, Bayer Leverkusen. Die Dortmund-Fans dürfen sich am Wochenende wieder auf eine Vollgas-Veranstaltung freuen. Was dabei herausspringen wird, wird sich zeigen.

Statistik

Aufstellungen

Gegen Hopp

Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels (Santana), Schmelzer - Bender, Sahin - Götze, Lewandowski, Großkreutz - Barrios (Kuba).

Auf der Bank: Langerak - Dede, Santana, da Silva, Feulner, Kehl, Kuba, Le Tallec, Stiepermann.

Hoffenheim: Starke – Beck, Jaissle, Commper, Ibertsberger – Rudy, Alaba, Salihovic –Vukcevic, Ibisevic (Sigurdsson), Babel

Auf der Bank: Haas (Tor), Vorsah, Braafheid, Vestergaard, Roberto Firmino, Sigurdsson

Schiedsrichter: Dr. Drees aus Münster-Sarmsheim

Gelbsperre droht: Weidenfeller, Lewandowski (beide 4)
Gesamtbilanz:1 Sieg, 3 Unentschieden, 1 Niederlage (5:7 Tore)
in Hoffenheim: 1 Sieg, 1 Niederlage (3:5 Tore)

Daniel R., 11.03.2011

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