Warmlaufen

Und es darf nicht enden...

01.11.2011, 08:09 Uhr von:  Redaktion

Für Götze und Co. geht es heute um allesGriechenland und damit die Euro-Währung sind vorläufig gerettet. Und zum CL-Spiel in der westfälischen Metropole steht auch kein Generalstreik auf dem Programm. Diese Faktoren sollen in den folgenden Zeilen zum Heimspiel gegen Piräus also keine Rolle mehr spielen. Und dass der BVB in der letzten Woche auch wieder einen Europapokal-Sieg gegen die SG Dynamo aus Dresden eingefahren hat, ignorieren wir ebenfalls. Denn die innere Überzeugung fehlt irgendwie, dass die UEFA den zwei zu null Erfolg offiziell anerkennt und in die Gruppenkonstellation einfließen lässt. Was bleibt, ist also die Gewissheit seit nunmehr über acht Jahren (seit dem 1:0 in Mailand am 18.03.2003) ohne Sieg im elitärsten aller Vereinswettbewerbe sein Clubdasein fristen zu müssen.

Während man nach der deftigen 0:3 Schlappe in Marseille schockartige Zustände aus den Gesichtern der schwatzgelben Fangemeinde ablesen konnte, waren die Reaktionen nach der Pleite in Griechenland kaum noch zu deuten – Sprachlosigkeit und Resignation sagen dennoch eine Menge aus. Hatte die sportliche Leistung in den ersten beiden Gruppenspielen noch gestimmt, versagte die Mannschaft geschlossen im Hexenkessel von Piräus. Selbstbewusst kämpferischen Ansagen im Vorfeld folgte die totale Hilflosigkeit auf dem Platz. Champions League ist halt Champions League und ist zurzeit halt doof. So schreiben wir also den 1. November und der nie für möglich gehaltene Fall des frühen Ausscheidens könnte schon nach den 90 anstehenden Minuten Realität werden. Und nicht nur das, bei einer Niederlage wäre auch der letzte Platz schon fast sicher und würde somit das internationale Ende auf allen Ebenen bedeuten. Der dritte Gruppenplatz und die damit verbundene Qualifikation für die Euro-League käme den Gourmets unter den Eventfans wahrscheinlich auch unpassend für den Deutschen Meister vor, wäre aber für alle anderen trotzdem eine tolle Sache. Ganz nach dem Motto: Hauptsache Europa geht weiter!

Ivan Perisic könnte wieder in die Startelf rotierenDamit sind wir aber auch schon beim Thema, nämlich der eigenen Erwartungshaltung, bezogen auf Mannschaft, Offizielle und Fans der Dortmunder Borussia. Es war der Sommer 2011, die Meisterschaft war bereits Geschichte und man konzentrierte sich auf die kommenden Aufgaben. Ein zusätzlicher Wettbewerb namens Champions League stand auf dem Saisonprogramm, die große Bühne des Fußballs breitete sich vor uns aus. Ein denkbar schlechter Koeffizient und die langjährige Abstinenz ließen uns schon vor der Auslosung vor den ganz großen Namen des Geschäfts als mögliche Gruppengegner zittern. Aber was heißt eigentlich zittern, die Vorfreude war einfach nur riesig. Als dann alle vier Plastikkugeln aufgeschraubt waren und auf dem Bildschirm unter dem dicken F die Namen Arsenal London, Olympique Marseille, Olympiakos Piräus und Borussia Dortmund zu lesen waren, steckten viele die Köpfe zusammen und fachsimpelten bis die Ohren qualmten. Heraus kam dabei die verbreitete Expertise, dass ein Weiterkommen für den BVB mehr als nur realistisch sei. Ganz spurlos ging diese einhellige Meinung sicherlich auch an den Spielern nicht vorbei, vertrat man doch eine ähnliche Auffassung. Verstecken musste man sich als Deutscher Meister und spielerisch stärkste Mannschaft der Bundesliga wahrlich nicht.

Doch jetzt, einige Wochen später scheint es fast so, als würde der Meister nicht den hohen internationalen Ansprüchen genügen. Und das, obwohl in der letzten Saison sogar die Respektsbekundungen aus dem Ausland nicht zu kurz kamen. Selbst in Spanien sahen angesehene Sportreporter der täglich erscheinenden „Marca“ den BVB als Geheimfavoriten auf den CL-Titel. Diese Leute fühlen sich nun jedoch alles andere als bestätigt. Aber wer glaubt, dass der BVB wegen der eher dürftigen Leistungen ein schlechtes Bild auf die Bundesliga oder sich selbst wirft, der täuscht sich extrem. Zuerst einmal, Dortmund hat Leitner (r.), hier gegen Hajnal, könnte neu ins Team kommenals bestes Team der vergangenen Spielzeit keine Verpflichtung gegenüber der Bundesliga nun auch international für Furore sorgen zu müssen, und was den Verein selbst angeht, so wird das Bild, das man nach außen hin vertritt wohl kaum in negativem Sinne beschädigt werden. Denn Fußballbegeisterte und Journalisten im Ausland werden weiterhin wahrnehmen, dass der BVB in der Bundesliga weiterhin ganz oben anklopft und die bisherigen Champions League Auftritte nicht durchweg schlecht waren. Eine neuerliche Einschätzung des spanischen Kollegen von der „Marca“ könnte also wie folgt lauten:

„Si, Borussia Dortmund es immer noch un bueno equipo. Pero sie müssen langsam wieder gewinnen contra otros equipos. Es importante para Weiterkommen. Und con jugadors como Götze y Hummels sie sind muy spielstark. En el Bundesliga sie können auch wieder campeon werden. Una victoria contra Piräus es Pflicht. Por eso ich tippe 3:0!“

Klingt nach sinnlosem Geplapper, bringt im Endeffekt die Situation aber einwandfrei auf den Punkt. Es ist nicht einfach, und die Gegner können leider auch ganz gut Fußball spielen, was man nicht zuletzt in der Hafenstadt Piräus am eigenen Leib erfahren musste. Aber zumindest gibt es nun keine Ausreden mehr, es ist ein Punkte-oder-Scheiße-Spiel, dessen Ausgang aber trotzdem keinen größeren Einfluss auf die weitere Entwicklung unserer jungen Mannschaft haben sollte. Wir wissen, was sie können und sie wissen es auch. Darum können wir diesen Weg nur gemeinsam weiter gehen, in guten wie auch in schlechten Zeiten. Mit Vorfreude auf diese komische und dennoch faszinierende Melodie, die am Dienstag um ca. 20.40 Uhr im Westfalenstadion eingespielt wird, sollten wir versuchen uns an folgende drei Punkte, als eine Art Marschroute, zu halten:

Zusammen Piräus schlagenLasst uns alle gemeinsam auf das Spiel gegen Piräus konzentrieren und nicht schon zwei Schritte weiterdenken (nur so viel: Es ist noch alles drin!). Lasst uns gemeinsam das Westfalenstadion in einen Hexenkessel verwandeln und den Ball ins Tor von Piräus brüllen. Lasst uns gemeinsam den ersten Champions-League Sieg einer Dortmunder Mannschaft feiern, die ihn sich in der letzten Saison mehr als nur verdient hat!

Aus der Theoriekiste:

Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Bender, Kehl - Götze, Kagawa, Perisic - Lewandowski

Olympiakos Piräus: Costanzo - Torosidis, Mellberg, A. Papadopoulos, Marcano - Orbaiz, Modesto - Mirallas, Ibagaza, Holebas - Djebbour

Schiedsrichter: Bezborodov (Russland). Assistenten: Golubev, Semenov (beide Russland)

Zuschauer: bis auf 350 Restkarten ist der Hexenkessel voll

Wetter: vollkommen egal, solange wir dat Ding gewinnen

Tim, 01.11.2011

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