Warmlaufen

09 noch skurrilere Arten, Gegentore zu kriegen

30.09.2011, 11:05 Uhr von:  Redaktion

abpfiff

Wir BVB-Fans haben eine Menge Humor. Und deswegen können wir auch herzlich über Jürgen Klopps Plan schmunzeln, mit slapstickartigen Abwehrpatzern die Liga spannender zu machen, als sie in der letzten Saison war. Die gesamte Sommerpause trainierten die BVB-Abwehrspieler Ausrutscher, Fehlpässe, Querschläger und Luftlöcher. Das führt jetzt zum ersten Bundesligasieg des FC Augsburg. Mit 0:9 unterliegt der Meister dem Aufsteiger. Und am Ende weiß niemand so recht, wieso eigentlich. Ein Spielbericht.

Es geht los wie immer. Borussia Dortmund spielt munter nach vorn und der Gegner - ist doch egal, wie er heißt, inzwischen kennt ja schon ganz Europa die Taktik, wie man gegen den BVB spielen sollte, nämlich am besten gar nicht – steht mit zwei Vierer-Reihen vor der eigenen Abwehr. Die beiden Stürmer Rafael und Mölders bilden etwa zehn Meter vor der Mittellinie eine Doppel-Sechs. In diesem Falle heißt der Gegner FC Augsburg. Und der weiß gar nicht, warum er nicht schon nach zwanzig Minuten zweistellig zurück liegt. Das Eckenverhältnis beträgt 13:0, insgesamt 45 Mal schoss der BVB aufs gegnerische Tor, 23 Mal rettete der Pfosten, acht Mal die Latte, vier Bälle wurden im letzten Moment von der Linie gekratzt, davon zwei von Spielern im schwarzgelben Trikot. Roman Weidenfeller hatte zu diesem Zeitpunkt schon die Hälfte der „11Freunde" durchgelesen, die er sich in weiser Voraussicht diesmal mit in den Kasten genommen hat.

Doch dann diese Minute 21: Mario Götze treibt den Ball nach vorne, lässt vier Gegner aussteigen und zieht vom 16er aus ab, der Ball knallt mit voller Wucht an die Latte und fliegt in einer elipsenartigen Bahn Richtung Mittellinie. Dort steht Sven Bender und will den Ball mit voller Wucht wieder in den Strafraum der Augsburger befördern. Er nimmt Maß, trifft den Ball aber nur mit dem Schienbein, worauf der seine Flugbahn nicht ändert und nun auf Roman Weidenfellers Kasten zufliegt. Neven Subotic rennt nach hinten. Da geht sein Schnürsenkel auf, er tritt mit dem anderen Schuh aufs Schuhband, gerät ins Straucheln. Subotic fällt, der Ball tickt just in diesem Moment auf seinen Kopf und der Flugkopfball senkt sich über den am eigenen 16er auf den Rückpass wartenden Weidenfeller ins Netz des BVB. Der Aufsteiger führt mit 1:0.

Anstoß des BVB, Robert Lewandowski spielt den Ball zurück auf Mats Hummels, der nimmt ihn schulmäßig an und spielt per Hacke auf seinen Torwart. Aber Roman Weidenfeller schlägt gerade am Pfosten das Gras unter seinen Stollenschuhen ab, der Ball kullert ins Netz. 2:0 für Augsburg.

Goetze30. Minute: Kevin Großkreutz und Marcel Schmelzer spielen sich auf der linken Offensivseite die Bälle hin und her, die Augsburger hecheln hinterher. Schmelzer flankt in den Strafraum, trifft dabei den Hinterkopf eines Augsburger Abwehrspielers, der Ball fliegt Richtung Mittellinie. In diesem Moment setzt die Bewässerungsanlage in der Mitte des Platzes ein, die dort postierten BVB-Spieler kriegen die verschiedenen Wassersträhle direkt ins Gesicht, sind erst mal etwas desorientiert. Sascha Mölders rennt hinterher und erwischt den Ball kurz hinter der Mittellinie. Die BVB-Abwehrreihe schüttelt sich noch und wischt sich das Wasser aus den Augen, als der Augsburger Stürmer gerade abziehen will, den Ball aber nicht voll trifft. Neven Subotic will die Kugel weggrätschen, rutscht aber durch den inzwischen glitschigen Platz ins Leere, Mölders rennt weiter, erwischt die Kugel am 16er. Sein Schuss landet am rechten Innenpfosten, dann am linken Innenpfosten und wieder raus. Schmelzer ist inzwischen bei seinem Torwart, Weidenfeller will den Ball gerade per lockerem Schuss klären, als der Dortmunder Linksverteidiger reingrätscht und den Klärungsversuch seines Schlussmannes ins eigene Netz abfälscht. 3:0.
In der Folgezeit folgen wütende Angriffe des BVB. Die Schussstatistik steht inzwischen bei 62:0. Mario Götze führt gerade Ecke Nummer 34 aus. Er spielt sie kurz auf Lukasz Piszczek. Der spielt zurück auf Ilkay Gündogan. Der Neu-Dortmunder sieht lediglich zehn Augsburger vor sich und versucht es mit einem hohen Ball in den Augsburger Strafraum, trifft aber einen etwas zu tief fliegenden Militärhubschrauber, so dass der Ball in Richtung Dortmunder Strafraum abgelenkt wird. Shinji Kagawa als letzter Mann nimmt den Ball an der Mittellinie auf und sieht nur wütend brüllende Augsburger auf sich zu rennen. Der Japaner legt den Rückwärtsgang ein und rennt mit der Kugel Richtung Roman Weidenfeller, um den Ball in den eigenen Reihen zu halten. Als Kagawa gerade ins Seitenaus klären will, knallt er mit dem ihm zur Hilfe eilenden Dortmunder Torwart zusammen und die Kugel kullert ins leere Tor. 4:0 für den FC Augsburg.

Halbzeit.

Augsburg Trainer Jos Luhukay scheint die Taktik für die zweite Hälfte geändert zu haben. Nun spielt der Aufsteiger mit zwei Fünfer-Reihen vor Torwart Simon Jentzsch, um die knappe Führung über die Zeit zu retten.

WeidenfellerBis zur 62. Minute versucht der BVB alles, um den Anschluss herzustellen. Doch mehr als elf Pfostenschüsse und zwei Lattenknaller springen nicht heraus. Einmal wird der völlig desorientiert am Boden liegende Simon Jentzsch angeschossen, von dort geht der Ball an den Pfosten, Robert Lewandowski will nun lupfen, tritt aber in den Rasen, woraufhin sein Schuh ins Netz fliegt und der Ball aus zwei Metern über das Tor der Augsburger ins Fangnetz der Südtribüne fliegt.

Minute 67: Glastransport über den Rasen des Westfalenstadions. Kevin Großkreutz hatte in der Halbzeit aus Wut eine Tür zu hart zugesperrt, woraufhin das Glas splitterte. Die BVB-Verantwortlichen riefen sofort den Notdienst der Glaserei Peter Peiler an. Durch ein Missverständnis mit den Ordnern tragen die beiden Angestellten der Dortmunder Glaserei die neue Tür direkt über die Mittellinie in Richtung Katakomben. In diesem Moment rollt ein Konter der Augsburger. Nando Rafael umdribbelt die Glaser, Neven Subotic dagegen will direkt durch die beiden Angestellten durchrennen und knallt gegen die blank geputzte große Glasscheibe. Rafael hat nun freie Bahn, rennt mutterseelenallein auf Roman Weidenfeller zu. Den ersten Schuss wehrt der Dortmunder Goalie noch ab, aber der Ball knallt direkt gegen Rafaels Gesicht und von dort in den BVB-Kasten. 5:0 für Augsburg.

Minute 75: Wie beim Handball spielt der BVB den Ball um den Augsburger Strafraum mit zehn defensiv agierenden Augsburgern darin. Mario Götze sucht die Lücke, meint sie zu finden, doch ein Augsburger kriegt ein Bein dazwischen und wehrt den Ball in Richtung Mittellinie ab. Dort steht Sven Bender als letzter Mann und will den Ball aufnehmen. Doch in diesem Moment rutscht ihm die Hose bis in die Knöchel und er kommt nur noch mit Trippelschritten vorwärts. Sascha Mölders erkennt die Situation und erwischt den Ball vor dem Dortmunder Sechser. Der Augsburger Stürmer nimmt den Ball auf und hat freie Bahn bis zum BVB-Strafraum. 20 Meter vor dem Tor kommt er ins Straucheln, tritt auf den Ball, fällt hin, die Kugel fliegt steil in die Luft und landet auf der Hacke von Mölders, von wo sie über den herauseilenden Weidenfeller ins Tor fliegt. 6:0.

Minute 82: Nun folgt der Klassiker, der normalerweise in Halbzeit 1 passiert. Die Augsburger schaffen es zum ersten Mal, einen vernünftigen Angriff hinzukriegen. Neven Subotic will klären, rutscht aus und der eingewechselte Edmond Kapllani sieht nur noch Roman Weidenfeller vor sich und zieht ab. 7:0 für den Aufsteiger.
Minute 87: Die BVB-Spieler rennen nun mit alle Mann nach vorne. Ecke Nummer 52: Marcel Schmelzer zieht von links rein, Simon Jentzsch klärt den Ball über die Latte. Die Dortmunder stellen sich zu einer weiteren Ecke auf. Jentzsch dagegen nimmt einen Ball der Balljungen und macht frech einen langen Abstoß. Der Schiedsrichter ist von dieser Frechheit so beeindruckt und entzückt, dass er nachträglich auf Abstoß entscheidet. Der eingewechselte Torsten Oehrl schaltet am schnellsten und erwischt den Ball kurz hinter der Mittellinie. Von dort zieht er per Volleyschuss ab und der Ball fliegt etwa 50 Meter, knallt von der Unterlatte ins Dortmunder Tor. 8:0 für den FC Augsburg.

HummelsMinute 88: Sebastian Kehl nimmt nach dem Anstoß die Kugel und rennt Richtung Dortmunder Kasten, Mats Hummels will ihm den Ball abnehmen, aber der Dortmunder Kapitän lässt ihn per Übersteiger ins Leere laufen. Nun versucht Neven Subotic einen letzten Klärungsversuch, aber Kehl umspielt ihn spielerisch leicht. Am Fünfer fragt Roman Weidenfeller seinen Kumpel, was er denn nun vorhabe. Sebastian Kehl grinst und fragt: „Kannst du dich noch daran erinnern, dass ich mal mit dir gewettet habe, dass du irgendwann mal 09 Gegentore in einem Spiel kriegst und du dagegen gehalten hast?" Weidenfeller nickt. „Ich glaub, ich hab gewonnen!", sagt Kehl und knallt den Ball ins Dortmunder Tor. 9:0.

Nun hat Jürgen Klopp die Schnauze voll und wechselt bei einem Eckenverhältnis von 64:0 und einer Schussstatistik von 75:4 alle elf Dortmunder Spieler aus. Eine halbe Stunde nach Abpfiff fällt den Augsburgern der Regelverstoß auf und sie legen Protest beim DFB ein. Sie bekommen Recht und das Spiel wird mit 3:0 für den FC Augsburg gewertet. Am Ende der Saison wird Borussia Dortmund erneut Meister, weil es ein um fünf Tore besseres Torverhältnis als der Vizemeister hat. Der FC Augsburg steigt ab, wegen seines um ein Tor schlechteren Torverhältnisses.

So haben sie gespielt, bzw. wollen sie spielen:

Borussia Dortmund:
Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Kehl, S. Bender - M. Götze, Kagawa, Großkreutz – Lewandowski

FC Augsburg:
Jentzsch - Hosogai, Möhrle, Sankoh, de Jong - Brinkmann, Callsen-Bracker - Gogia, Baier, Bellinghausen – Mölders

Schiedsrichter: Babak Rafati (damit wäre die Passage mit dem Schiedsrichter gar nicht mal so utopisch)

P.S.: Der Text ist reine Satire und will sich nicht über die Dortmunder Spieler lustig machen. Was in dieser Saison bisher so auf dem Platz passiert ist, ist schlicht unfassbar, trotzdem kann keinem BVB-Spieler bisher auch nur ein Vorwurf gemacht werden.

DvB, 29.09.2011

Noch ein Vorbericht!

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