Warmlaufen

Borussia Dortmund proudly presents

13.05.2011, 12:09 Uhr von:  Redaktion

den deutschen Fußballmeister der Bundesligasaison 2010/2011. Ja, liebe Leser – dat sind wir. Und genau deshalb gibt's am Samstag auch die Schale überreicht vom DFL-Präses Dr. Reinhard Rauball. Der sich damit als Oberhaupt aller schwatzgelben quasi die Schüssel selbst in die Hand drückt. Gibt unangenehmere Jobs zu erledigen. Wenn man all das Gerede der letzten Tage über marodierende Horden aus dem barbarischen Hessen und über bereits realisiertes oder nur gerüchteweise bestehendes Interesse anderer Klubs an unseren Spielern ausblendet, dann man sogar auf den verrückten Gedanken kommen, dass so eine Meisterschaft durchaus auch ihre positiven Seiten hat. Schließlich heißt es nichts anderes, als das man über 34 Spieltage hinweg die beste Mannschaft im Profifußball war.

Das klingt eigentlich furchtbar nüchtern und sachlich, steckt in unserem Falle doch viel mehr dahinter. Die Mannschaft hat vor allem in der Hinrunde die restliche Liga nach Strich und Faden dominiert. Und sie hat uns Fans teilweise atemberaubend schönen Fußball geboten. Nur die älteren Semester unter uns werden wohl mit Fug und Recht behaupten können, dass sie schon eine ähnliche Kombination aus Leidenschaft, Kampfesmut und Eleganz von unserer Borussia gesehen haben. So soll dieser Vorbericht weniger dazu dienen, auf das für uns bedeutungslose Spiel gegen Eintracht Frankfurt einzuheißen, sondern eine nahezu perfekte Saison würdigen. Hier mal die schönsten Szenen der Saison als Collage aus unseren Spielberichten. Lesen, Augen schließen und genießen:

BVB– VfL Wolfsburg:
„Ich hatte so viel Zeit nachzudenken. Erst wollte ich den Ball raus auf Kevin spielen, dann hab ich gedacht: Probiere es doch mal von hier". Gedacht, getan, getroffen. In der 50. Minute zimmert Sahin den Ball aus 29m in den Winkel.

BVB – Lautern:
Nur fünf Minuten nach der Hereinnahme spielte Kuba einen Pass in die Mitte, Barrios ließ die Kugel durch und setzte Lewandowski auf diese Weise mustergültig in Szene, sodass der freistehend nur noch einzuschieben brauchte. Machte er aber nicht, sondern lupfte stattdessen den Ball über Sippel hinweg. Das Ergebnis war dasselbe: Der vierte Torjubel an diesem Abend.

Pauli – BVB:
Zwei Minuten später wurde dann der Verlauf eine bisschen auf den Kopf gestellt. Der bärenstarke Barrios setzt klasse dem Ball nach, spielt einen Zuckerpass auf Götze, der rechts durch ist und den Ball in den Rücken der Abwehr auf Kagawa legt und der kleine Japaner knallt den Ball sicher in die Maschen.

BVB – Bayern:
Hummels geht jetzt auch mit nach vorne, eine schöne Kombination über Kagawa landet an der Hand von Demichelis. Freistoß aus halbrechter Position. „Nuri! Nuri! Nuri" schallt es nun durchs Stadion. Der Angesprochene legt sich den Ball zurecht, nimmt Maß und versenkt den Freistoß aus 24 Metern im Tor. Pure Ekstase. Innerhalb von wenigen Minuten singt das Stadion das komplette Liederbuch durch.

BVB – Hoffenheim:
Verwundert rieb sich so manch einer im Stadion die Augen, als der eingewechselte Antonio da Silva sich den Ball zurecht knutschte und dann an die richtige Stelle legte, um mit einem wunderschönen Schuss in den Winkel den 1:1 Endstand zu erzielen. Eigentlich hatte jeder den Freistoßexperten Sahin erwartet, doch da Silva war es, der das Westfalenstadion zum Beben brachte.

Mainz – BVB:
In der 26. Minute machte es Götze dann besser. Von seinen Gegenspielern kaum beachtet wuselte sich unser Jüngster durch das defensive Mittelfeld und spitzelte seinem Gegenspieler an der linken Strafraumecke den Ball davon – wie bereits wenige Augenblicke zuvor zog er nach innen in Richtung Elfmeterpunkt, vernaschte die gesamte Mainzer Abwehr mit Leichtigkeit und schob den Ball zum 0:1 in die Maschen. Die Mainzer Fans verstummten und wurden immer leiser, der Gästeblock drehte nun endgültig bis zum Anschlag auf.

Hannover – BVB:
Fünf Hannoveraner gegen zwei Dortmunder. Was Lewandwoski dann machte, war ganz große Fußballkunst. Mit der Hacke direkt weiter in den Strafraum, Kuba war mitgelaufen und in glänzender Schussposition. Diese Chance konnte erneut Fromlowitz klären, aber in der Zwischenzeit hatte sich Lewandwoski anscheinend sein rechtes Bein abgeschraubt und schoß den Abpraller volley aus einer Höhe, bei der Kagawa Schwierigkeiten gehabt hätte, mit dem Kopf dran zu kommen, ins leere Tor. Damit war der Deckel endgültig drauf.

BVB – HSV:
Die Stimmung war für einige Minuten nicht mehr zu toppen: „Kagawa Shinji", „Pippi Langstrumpf", „Borussia BVB". Und die Leistung der Borussen war ebenfalls viel mehr als nur „gut". Sie spielten weiter und weiter nach vorne. Und schließlich das 2:0 in der 73. Minute. Mario Götze spielte/schoss an den zweiten Pfosten. Dorthin, wo Großkreutz stand. Und wie er den Ball auf Lucas Barrios abgelegt hat, das war im Gesamtbild dieses wunderbaren Spielzuges schon – geil – anzusehen.

Freiburg – BVB:
Und es kam sogar noch besser. Wenige Minuten später der eingewechselte da Silva mit einem genialen Pass in die Tiefe ans Strafraumeck. Baumann kommt raus, aber der durchgestartete Lewandowski bringt die Fußspitze zuerst an den Ball. Der Ball rollt Richtung Elfmeterpunkt, der Kuba hinterherhechelnde Freiburger winkt schon ab und bleibt resigniert stehen, während er den Ball locker ins Tor schiebt. Und wieder rockt der Block... Stopp... irgendwas stimmt da nicht. Spulen wir mal zurück. (Belassen wir es bei dieser Darstellung)

Leverkusen – BVB:
Es folgte ein Gedächtnistorjubel. Großkreutz rennt in die Kurve, alle rasten im positiven Sinne aus. Und kaum hatte sich Großkreutz vom Torjubel erholt, schießt er den Ball wieder über die Linie. Diesmal nach Kopfball-Vorarbeit von Lewandowski und wiederum einem Fehler von Manuel Friedrich. Jetzt muss sich Großkreutz beim Jubel zurück halten, sonst fliegt er vom Platz. Ganz anders der Gästeblock. Die 10 000 Dortmunder konnten das Alles noch gar nicht fassen, da stand es nach dem Tor von Mario Götze auch schon 3:0. Unglaublich.

Bayern – BVB:
Die Bayern jubelten und sahen es jedenfalls so kommen, doch Nuri Sahin hatte anderes vor. Nach einer Balleroberung leitete er einen schnellen Konter ein, Barrios behauptete den Ball und spielte Götze fein an. Götze wiederum wurde gut abgeschirmt und kam nicht in Einschussposition, sah aber den herbeigeeilten Sahin und legte ihm den Ball vorbildlich auf. Sahin nutzte die Gelegenheit furztrocken und lenkte den Ball aus 25 Metern unhaltbar links unten ins Eck – die erneute Führung mit der ganz richtigen Antwort!

BVB – Hannover:
Bevor sich aber überhaupt Nervosität breit machen kann, schnappt sich Götze auf der linken Seite den Ball und zieht parallel zum Strafraum in Richtung Mitte, die rechte Seite ist verwaist, vor Götze stehen vier Hannoveraner, Götze legt den Schalter um, biegt links ab und rennt auf die grünweiße Mauer zu. In einer einzigen Bewegung vernascht Götze die gesamte 96er-Abwehr. Was ein Dribbling! Der verzweifelte Abwehrversuch von Haggui und Götzes Fuß lenken den Ball unhaltbar für Fromlowitz in die Maschen. 1-1 und der mächtige Westfalenstadion-Roar will einfach nicht mehr abebben. Super-Mario zieht sein Trikot hoch, dort erscheint ein Shirt mit dem Aufdruck „17 – DEDE". Wie entfesselt stürmt Götze in Richtung Süd und umarmt den ewigen Dortmunder.

BVB – Nürnberg:
In der 37. Spielminute war es dann Piszczek der von einem verunglückten Nürnberger Rettungsversuch profitierte, seine Flanke landet bei Barrios, der jedoch den Kopfball frei vorm Tor, wenige Zentimeter am Tor vorbei ins Aus köpfte. Kurz vor der Halbzeit war es dann soweit, Mats Hummels mit einem langen Ball auf Lewandowski, der gewinnt das Duell gegen den etwas zu spät kommenden Pinola, und lupft das Leder über Schäfer vorbei ins Tor zum 2:0.

Als unser Stadionsprecher Norbert Dickel in der 82. Minute dann durchsagte, dass Köln auf 2:0 erhöht habe, war es für die Meisten klar, wir werden heute Deutscher Meister! Leverkusen hätte bei einem Sieg von uns ebenfalls einen Sieg benötigt, um das Titelrennen weiterhin offen zu gestalten.

Und wie am Ende jeder Saison gibt es auch diesmal diese Momente, in denen gestandene Männer sich Tränchen entweder wegwischen, oder ihnen einfach freien Lauf lassen. Unten auf dem Platz und oben auf den Tribünen. Dieses Mal verabschiedet der BVB drei Spieler, die jeder auf ihre Weise dem Verein etwas ganz Besonderes gegeben haben.

Danke, Florian. Dafür, dass du auch in dunklen Stunden den Glauben erhalten hast, dass noch aufrechte Spieler auf dem Platz stehen, denen Borussia mehr bedeutet als ein Gehaltsscheck. Und für deine Geduld mit und die Nähe zu uns Fans.

Danke, Dede. Für 13 Jahre Treue und Leidenschaft. Wer hätte damals gedacht, dass es einmal so endet? Als Dortmunder Legende.

Danke, Nuri. Vergessen wir das Ende. Du hast uns gezeigt, wie schön und elegant Fußball sein kann. Und uns als Kopf und Lenker einen der schönsten Titel geschenkt.

Ihr habt den BVB verändert und Eure Spuren beim tollsten Verein der Welt hinterlassen.

Aufstellungen:

Elf Meister auf Dortmunder Seite gegen elf vermutliche Zweitligisten bei den Hessen.

Sascha, 12.05.2011

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