Warmlaufen

Leichte Derbykost

03.02.2011, 12:42 Uhr von:  Redaktion

videowürfelZu Tisch, zu Tisch – es ist angerichtet. Wo normalerweise Freitags nur Fisch auf den Tisch kommt, fährt die DFL groß auf und serviert uns das Derby. Gott sei Dank hat sich herausgestellt, dass dieses Spiel bei Dunkelheit und Anfahrten während des normalen Berufsverkehres doch gar nicht so gefährlich ist und so gibt's für uns ein echtes Flutlicht-Dinner. Während wir Borussen uns diese Saison von einer Feinkostmahlzeit zu der nächsten schlemmen, sind unsere blauen Freunde leider schon seit längerem auf Radikaldiät gesetzt worden. Wer hätte auch anderes erwartet, wenn man einen Fitness-Guru namens Magath die Kochlöffel schwingen lässt.

Und so hat der bekennende Schlankheitsfanatiker das Blaukraut in allen Bereichen auf Schonkost gesetzt. Sein Rezept für eine Verschlankungskur ohne Jojo-Effekt (Jojo – das Ding, das nach dem Untensein wieder nach oben kommt, Anm. d. Red.):

1. Schlanker werden in der Spitze: Ein revolutionäres Konzept in der Shape-Your-Body-Bewegung. Man darf ruhig breit sein, es kommt nur auf die richtigen Stellen an. Die richtige Stelle hat der Felix dann auch spontan im Kader ausgemacht. Satte 33 Spieler umfasst der selbige – oder in harter GE-Währung: 66 Medizinbälle, die geschleppt werden wollen. Dazu gehört unter anderem kalorien- und talentarme Rohkost mit wohlklingenden Namen wie Pliatsikas, Gavranovic oder Escudero.

Dafür achtet der Felix umso mehr auf die schlanke Linie, wenn es um die Führungsebene geht. Trainer, Manager und Vorstandssprecher in Personalunion. Das Führungsäquivalent zur Nulldiät. Drumherum als Beiwerk noch Peter Peters und Horst Heldt, die im Prinzip die Funktion eines Salatblattes beim Schnitzel haben. Braucht keiner wirklich und geht meist ungenutzt wieder zurück.

sahin2. Gesunde Ernährung: Naturprodukte sind in und gesund. Sogar Besseresser Metzelder hat anscheinend seine Vorliebe dafür entdeckt und sich spontan zwei Eier zugelegt, statt mit einem bösen, bösen Schnupfen das Derby von der heimischen Couch aus zu verfolgen. Der Felix wird es mit Wohlwollen registriert haben.

3. Fit bis ins hohe Alter: Fitness ist nicht nur eine Sache für junge Leute. Um den Beweis anzutreten, hat Magath mittlerweile regelmäßig mittwochs einen Seniorensportkurs eingerichtet. Damit sich Schober, Metzelder, Sarpei und Raul nicht ganz alleine fühlen, hat er mit Charisteas und Karimi zwei weitere Ü-30-Kicker verpflichtet. Hier geht Magath auch völlig neue Wege und verzichtet auf die liebgewonnen Medizinbälle. Stattdessen dürfen die betagten Herren 5-Kilogramm-Eimer Mobilat tragen. Wer zuerst den Berg hoch ist, darf seinen behalten.

4. Genussverzicht: Wer nicht genießt, sündigt weniger und bleibt in Form. Nach diesem Motto hat Magath eine Mannschaft aufgebaut, die in vielen Spielen Fußball in einer derart abgespeckten Version spielt, dass es schon an fußballerische Askese grenzt. Eine in der Wissenschaft durchaus umstrittene Methode, die von den Probanden in der Folge häufig sogar mit Pfiffen und Unmutsäußerungen bedacht wird. Manche Leute wissen eben nicht, was gut für sie ist.

bender5. Je radikaler der Start, desto langanhaltender der Erfolg: Der Ansatz ist ebenso simpel wie einleuchtend und genial. Zu Beginn der Entschlackungskur wird alles, was in Versuchung führen könnte, entsorgt. Vor diesem Hintergrund plünderte Magath radikal alle verbliebenen Bargeldreserven und sorgte dafür, dass diätgefährdende Versuchungen in Zukunft außerhalb der finanziellen Reichweite liegen. Man muss die Leute eben zu ihrem Glück zwingen.

6. Das Punkteprinzip: Zugegeben, eine Idee, die nicht aus dem Hause Magath stammt und schon von zahllosen Weight-Watcher-Kunden praktiziert wird. Jede Mahlzeit wird mit Punkten bewertet und am Ende der Saison darf eine vorher festgesetzte Gesamtpunktzahl (in diesem Fall 40 Punkte) nicht überschritten sein. Dabei darf durchaus variiert werden, so dass man aktuell daran arbeitet, die im Herbst zuviel eingefahrenen Punkte wieder auszugleichen. Zum Vergleich: In Gelsenkirchen nimmt man gerade einmal die Hälfte der Punkte eines ausgewachsenen Dortmunders zu sich.

Wie gut Magaths Programm ankommt, sieht man schon daran, dass diese Bewegung von den Anhängern total verinnerlicht wurde und aus ihrer Mitte bereits eigene Ideen entwickelt und Impulse gesetzt werden. Hoch im Trend liegt derzeitig das Prinzip „fleischlos glücklich". Da Obst und Gemüse gesunde Vitame enthalten, während Fleisch dick und träge macht, hat man dort spontan einen Selbstzerfleischungsprozess in Gang gebracht. Noch arbeitet man an Feinheiten, aber sollte dieser Ansatz mehr als 9.000 Befürworter finden, ist sogar angedacht, extra eine größere Informationsveranstaltung zu diesem Thema zu veranstalten.

Und in Dortmund? Hier werden Augen und Magen ein ums andere Mal mit Sahnepässen von 3-Sterne-Koch Sahin verwöhnt, Deftiges fährt Beikoch Manni Bender auf, und von den Servicekräften im Offensivbereich gibt's sowieso immer einen Nachschlag. Soviel Völlerei kann auf Dauer nicht gesund sein, und spätestens Mitte Mai werden wir das alle mit Übelkeit und Kopfschmerzen bezahlen.

Der Gelsenkichener kann sich glücklich schätzen, davon verschont zu bleiben. Küchenmeister „Schmalhans" Magath sei Dank.

Die Jungs von der Dortmunder Feinkostabteilung:

Weidenfeller – Schmelzer, Santana, Hummels, Pisczcek – Bender, Sahin – Großkreutz, Götze, Kuba – Barrios

Die blaue Fußball-light–Mannschaft:

Neuer, - ?, ?, ?, ? - ?, ? - ?, ? - Raul, Huntelaar
(solange das staatliche Glücksspielmonopol noch nicht endgültig geklärt ist, können wir leider keine weitergehenden Vermutungen über die gegnerische Aufstellung anstellen)

Das Restaurant öffnet Freitagabend seine Pforten, serviert wird ab 20.30 Uhr.

Bewertet wird das Menü vom bekannten Restaurantritiker Michael Weiner. Ihm assistieren die Herren Grudzinski und Glindemann. Sollte Herrn Weiner das Gericht auf den Magen schlagen, steht mit Herr Wingenbach Ersatz parat.

Redaktion, 03.02.2011

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