Unsa Senf

Topspielzuschlag gegen Frankfurt

12.04.2011, 20:57 Uhr von:  Redaktion

Auf seiner Homepage wirbt der BVB stolz mit der überwältigenden Teilnahme an der Verlosungsaktion für Eintrittskarten zum letzten Spiel der Saison gegen Eintracht Frankfurt. 396.064 Fans würden gerne live im Stadion dabei sein, wenn (hoffentlich) Präsident Dr. Rauball die Meisterschale an Sebastian Kehl übergibt. Zusätzlich zu den knapp 51.000 Dauerkartenbesitzern, die ihr Ticket eh schon sicher haben. Ein gewaltiger Andrang, der Borussia offensichtlich dazu bewogen hat, das Spiel gegen die Eintracht zum Topspiel auszuflüstern und 20 % Zuschlag auf die Kartenpreise zu verlangen.

Über die generelle Berechtigung von Topspielzuschlägen kann man geteilter Meinung sein. Sie treffen gelegentliche Besucher und lassen Dauerkartenbesitzer außen vor. Die wiederum haben ihre Eintrittskarten schon erheblich vorfinanziert. Sie nutzen das rege Interesse an einem Spiel wirtschaftlich aus, andererseits hat der BVB auch in Spielen, in denen nur ein kleiner Gästeanhang angereist ist, ein zusätzliches Kontingent vergünstigter Stehplatzkarten im eigentlichen Gästebereich zur Verfügung gestellt. Man muss und wird diese singuläre Preiserhöhung nicht gut finden, kann den Vereinen aber grundsätzlich nicht absprechen, bei den Leuten, die extra bei diesen besonderen Spielen dabei sein wollen, einen Preis ausrufen zu dürfen, der die Nachfrage nach diesen Tickets stärker widerspiegelt.

Aber wie so oft, der Ton macht die Musik. Und im Falle des Heimspiels gegen Eintracht Frankfurt war es nur ein sehr leiser, kaum wahrnehmbarer Ton. Verlosungsmodus, sowie Zwischen- und Endstände der eingegangenen Kartenwünsche wurden groß auf der Homepage verkündet. In keinem einzigen Text findet sich allerdings ein Hinweis auf die Einstufung als Topspiel und den damit verbundenen Zuschlag. Das findet man dann ein wenig versteckt im Bereich Stadionplan. Und laut User „Fundament-Olli", der ansonsten immer ein Auge auf die Ticketsituation beim BVB hat, auch dort erst irgendwann im Zeitraum nach dem 15.03. Dem Tag, an dem das Bestellformular online gestellt wurde.

Nun kann man einwenden, dass sich jeder doch im Vorfeld erkundigen sollte, in welchen Preisregionen die einzelnen Ticketkategorien liegen. Wenn jedoch angesichts eines zu erwartenden „Runs" auf Tickets ein erhobener Topspielzuschlag still und leise irgendwo an allgemeiner Stelle aufgelistet wird und im dazugehörigen Bestellformular nur grob gewünschte Preisbereiche abgefragt werden, erweckt man den Eindruck, dass man eigentlich gar nicht möchte, dass das groß zum Thema wird. Man spekuliert einfach darauf, dass die Leute zuerst ihre Ticketbenachrichtigung erhalten und vor lauter Freude, bei dem Spiel dabei sein zu dürfen, anstandslos zahlen. Das ist, freundlich ausgedrückt, nicht die feine, englische Art. Im Ruhrpott findet man da noch andere Umschreibungen, die deutlicher werden.

Kann man über derartige Topspielzuschläge für Heimfans noch diskutieren, stellen sie für Gästefans einfach eine unfaire Ungleichbehandlung dar. Je mehr Gästefans ein Verein mitbringt und somit für eine fußballtypische Stadionatmosphäre sorgt, desto eher laufen die Anhänger Gefahr, für ihre Fahrt tiefer als andere in die Tasche greifen zu müssen. Topspielzuschläge ziehen eben nur, wenn das Stadion auch garantiert voll sein wird. Besonders schwer haben es die Fans des FC Bayern München, die fast überall dafür extra zahlen müssen, dass jeder dabei sein will, wenn man die Bayern schlägt. Auch wir Dortmunder sind mit unserem überdurchschnittlich großen Gästemob gerne dabei. Dagegen dürften beispielsweise die „reisefreudigen" Wolfsburger einen Topspielzuschlag eher vom Hörensagen kennen. Eine enorme Ungerechtigkeit und Ungleichbehandlung zwischen den Gästefans deutschlandweit.

Im Falle des Zuschlags für die Fans von Eintracht Frankfurt nimmt es geradezu groteske Züge an. Die können nichts dafür, dass wir in diesem Spiel die Schale überreicht bekommen können und jeder dabei sein will, sollen dafür aber kräftig zahlen. Und das als Fan eines potentiellen Abstiegskandidaten, während die Fans von Hannover 96 beim Spiel des Tabellendritten beim Tabellenführer, einem im Wortsinn richtigen Topspiel, normale Ticketpreise zahlen durften. Im für sie bittersten Falle erleben sie neben der Meisterfeier auch ihren Abstieg und müssen dafür tiefer in die Tasche greifen als Fans anderer Vereine.

Topspielzuschläge für Gästefans sind überproportional unfair und deshalb umgehend abzuschaffen. Auch eine zentrale Forderung der „Kein Zwanni"-Aktion, die hier in Dortmund ihren Ursprung hatte. Und die auch im Derbyboykott dankenswerterweise Unterstützung durch den BVB hatte, indem die zurückgegebenen Karten nicht wieder in den freien Verkauf gingen. Es wäre wünschenswert, wenn hier nicht nur A sondern auch B gesagt werden würde und der Verein ligaweit mit gutem Beispiel in Sachen faires Ticketing voran gehen würde, in dem er zumindest die Fans von Eintracht Frankfurt von den Zuschlägen ausnimmt. Es wäre ein Signal – und würde nebenbei auch zumindest ein wenig des faden Beigeschmacks in der Angelegenheit nehmen.

Sascha, 12.04.2011

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