Stimmungsbericht

Meisterfeier am Big Apple

05.05.2011, 17:25 Uhr von:  Redaktion

Meisterfeier am Big AppleNun kann man durchaus sagen, dass all diejenigen, die an diesem denkwürdigen Samstag, den 30.04.2011, nicht in Dortmund waren, etwas verpasst haben. Das mag wohl auch so sein. Trotzdem haben alle anderen Borussen sicherlich den Tag auch mehr als nur genossen und die Schale dementsprechend gefeiert. So auch ein paar Unentwegte, die nichtsahnend vor Wochen einen Trip nach New York gebucht hatten. Da war man also. Fernab des Westfalenstadions. Fernab der Meisterfeier. Nach der verlorenen Partie gegen Gladbach konnten sich viele im Vorfeld schon fast denken, dass die Schale nach dem Nürnberg-Spiel endlich wieder nach Dortmund gehören wird. Aber als es dann so weit war, wollten viele ihr Glück dennoch nicht fassen.

Der Reihe nach: Für die New Yorker Fraktion began der (Meister)Tag um 8.00 Uhr am Morgen. Aufstehen (geweckt von "Heja BVB..."), duschen (denn man wollte ja gut riechen bei der Schalenübergabe), anziehen (Trikot, Schal,...) und auf ins nächste Breakfast-Lokal, um sich mit einem nahrhaften Frühstück aus Bageln, Eiern und Bacon die Grundlage für viele Vormittagsbiere zu schaffen. Dann ab in die U-Bahn und auf zum Union Square. Von da noch ungefähr drei Minuten Fußweg bis in die 3rd Avenue. Tür auf und rein ins Nevada Smiths, die wahrscheinlich kultigste Fußballkneipe außerhalb Europas (schwatzgelb.de berichtete bereits im Januar). Beim Betreten leuchteten einem in der dunklen Atmosphäre schon die schönsten Farben der Welt entgegen. Deutsch war die Sprache, die an diesem Morgen am Tresen deutlich überwog. Ein frisch Gezapftes und es konnte losgehen.

Meisterfeier am Big AppleHalb zehn dann endlich der Anpfiff. Kurz nach zehn der erste große Jubel, gefolgt von ersten "Deutschen Meister wird nur der BVB"-Rufen. Wenige Minuten später, nach dem 2:0, stand für alle fest, dass unsere Jungs ihre Aufgabe erfüllt hatten. Ab da hieß es: Warten auf den Torschrei aus Köln. Und er kam. Ein Aufschrei, wie ihn das Nevada Smiths warhscheinlich selten erlebt hatte, fegte durch die Bar. Zwei, drei kölsche Jungs erkannten die Nicht-Abstiegs-Chance für ihren FC und erhoben gemeinsam mit den Schwatzgelben ihre Gläser. Die ersten englischen Fans betraten die Kneipe, das London-Derby Chelsea gegen Tottenham stand auf dem Plan. Dann das 2:0 durch den FC und alle Nicht-Borussen schauten auf die 10-er Gruppe, die mehr als nur lautstark "Wer ist Deutscher Meister..." intonierte. Es war geschafft, die Party konnte tatsächlich steigen. Kurz vor halb zwölf dann die Gewissheit, Abpfiff in allen Stadien. Ab da stand der Zapfhahn dann nicht mehr still. Deutscher Meister 2010/11: Borussia Dortmund. Ungläubiges Augenreiben, auch wenn alle in den letzten Wochen und sogar Monaten mehr als nur genug Zeit hatten sich darauf einzustellen. Die Biergläser wurden erhoben und die Gesänge fanden kein Ende. Englische Fans hatten teilweise Schwierigkeiten, den Geschehnissen des Chelsea-Spieles zu folgen, denn viel interessanter waren doch die Deutschen, die da gerade eine Meisterschaft bejubelten. Die Feier-Bilder aus dem Westfalenstadion gingen runter wie warmes Öl und lösten veständlicherweise auch Heimweh aus.

Meisterfeier am Big AppleAlso raus aus der Bar und rein in die Sonne (mit zusammengekniffenen Augen, nach fünf Stunden Bier und Dunkelheit). Ab ins nächste Deutsche-Küche-Restaurant, für Bratwurst und Pils. Mit der U-Bahn zum Times Square und den Menschen dort die frohe Kunde überbringen. Alles blitzte und blinkte. Na klar, es war ja auch der Times Square in New York City. Und trotzdem dachten in dem Moment alle Dortmunder dasselbe: Es blitzte und blinkte an diesem Tag nur für den BVB. Große Augen machten alle, als eine Gruppe von "African Americans" in gelben Jacken plötzlich rief: "Ah, Borussia Dortmund. Deutscher Meister!" Da musste man mal nachhaken. Warum kannten Amerikaner denn den BVB? Es stellte sich heraus, dass die Jungs aus Ghana sind, und einer von ihnen sogar der Bruder von Bashiru Gambo. Ja, ja, na klar, dachten sich alle. Das wird natürlich der Bruder eines Ex-Borussen sein. Als die Jungs dann aber den Kader von damals runterbeteten, wurde es schon merkwürdig. Erst recht, als "Gambos Bruder" sein Smartphone zückte, in seiner Kontaktliste den Kontakt "Bashi Gambo" zum Vorschein brachte und dann auch noch seinen Pass präsentierte. Vielleicht war er es ja wirklich. Ein Foto wurde gemacht. Die große Rolle spielte es ja eigentlich nicht. Aber es rundete den Tag doch irgendwie treffend ab. Denn alles schien so unwirklich für Dortmund-Fans, glücklich, zufrieden und erleichtert. Geschafft, am Ziel, egal wo man gerade war. Endlich wieder Deutscher Meister!!!

Tim, 05.052011

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