Spielbericht Profis

Der Elferfluch hält an

24.07.2011, 22:35 Uhr von:  Redaktion

Mal wieder kein Glück vom PunktDie freundliche Aufforderung eines Fans an Jürgen Klopp während des Meistercorsos, doch bitte einmal Elfmeter üben zu lassen, scheint leider nicht gefruchtet zu haben. Nach Fehlschüssen von Kevin Großkreutz und Ivan Perisic verlor der BVB das letzte Testspiel (von Manchen auch Supercupfinale genannt) beim Erzrivalen. Die Partie konnte dennoch durchaus Vorfreude auf den nahenden Saisonbeginn wecken, denn über weite Strecken war Borussia das spielbestimmende Team und zeigte sogar phasenweise den offensiven Tiqui-Taca-Fußball mit dem die Mannschaft in der letzten Saison die Fans begeistert und den Titel gewonnen hat. Leider zeigte die Borussia auch die zweite Schwäche, die man im letzten Spieljahr bemängeln konnte und ging äußerst verschwenderisch mit ihren Tormöglichkeiten um. Ansonsten wäre man nämlich kaum in die Verlegenheit geraten, zum Elfmeterschießen anzutreten.

Ausgangslage und Vorspiel

Nachdem der BVB zuletzt ein Vorbereitungsturnier gewonnen hatte und dafür auch einen Pokal überreicht bekam, wunderte man sich schon ein wenig, als das nun anstehende Spiel in Gelsenkirchen als „der erste Titel der Saison“ angepriesen wurde. Der Vergleich zwischen Meister und Pokalsieger hat in Deutschland ja nicht ansatzweise die Bedeutung wie in anderen Ländern, was wohl auch daran liegt, dass er nur unregelmäßig als „offizielles Spiel“ ausgetragen wurde. Immerhin hatte der BVB ihn schon dreimal gewinnen können (89, 95, 96) und daher die einmalige Chance sich zum alleinigen Rekordsieger aufzuschwingen. Der Name des Pokalsiegers verlieh dem Spiel zusätzlich eine gewisse Würze, so dass die Spieler auch einigermaßen glaubhaft versichern konnten, diesen „Titel“ unbedingt gewinnen zu wollen.

Böller sorgen für Unmut in der KurveAnders als bei Bundesligapartien stand dem BVB ein Kartenkontingent von 10.000 Tickets zur Verfügung, die auch alle ihre Abnehmer fanden. So machte sich eine einigermaßen fröhliche Karawane aus der Bierstadt auf, um sich mal wieder das Elend westlich von Herne live und in Farbe anzuschauen. Begrüßt wurden sie mit freudigen Gesängen der Einheimischen, einem toll organisierten Polizeikessel im pittoresken Hauptbahnhof und dem allseits beliebten Shuttlebustransfer direkt zur Turnhalle an deren Zeltplane noch deutlich die notdürftig geflickten Folgen der letzten harten Winter zu sehen waren.

Was so ein echtes Finale ist, kommt im modernen Fußball natürlich nicht ohne eine Eröffnungsshow aus und so donnerte plötzlich Bombastmusik aus den Lautsprechern, die aus einem Leni-Riefenstahl-Frühwerk entnommen zu sein schien und zwar in einer ohrenbetäubenden Lautstärke. Dazu rannten einige Kinder munter über den Platz und entrollten schließlich die Vereinswappen der Kontrahenten. Sinnigerweise wurde das Dortmunder Banner auf der Nordseite entrollt und umgekehrt, so dass entsprechende Begeisterungsstürme der jeweiligen Fans die Folge waren. Daraufhin wurden die Spieler einzeln auf den Platz gerufen, wie man das sonst eher aus dem U.S. Basketball kennt. Dabei paarten sich leichte Rechtschreibprobleme auf dem Videowürfel („Matz Hummels“) mit sportlichem Detailwissen des „Dortmunder“ Stadionsprechers („Der Neuzugang für die Innenverteidigung der Borussia: Ilkay Gündogan“). Norbert Dickel hatte sich trotz Einladung standhaft geweigert, den Vogelkäfig zu betreten und wurde daher von einem „DFL-Experten“ vertreten. Gut so! Man muss sich auch nicht für jeden Mist hergeben.

Raul gegen KagawaDie Fans starteten dann ihr eigenes Eröffnungsprogramm: Auf Dortmunder Seite wurden zwei Fackeln gezündet, die Leider bis in die Schweigeminute für die norwegischen Terroropfer hinein brannten und auf Gelsenkirchener Seite antwortete man mit einem ersten Böller. Im weiteren Verlauf des Abends wurden weitere Knallkörper aber eher von Knallkörpern im Dortmunder Block gezündet und wohl auch aus dem Oberrang auf die darunter Stehenden geworfen. Man kann ja zu Pyrotechnik stehen wie man will, aber diese nervigen und sinnlosen Böller gehen überhaupt nicht. Bestenfalls sind sie störend statt anfeuernd und im miesesten Fall (wie offenbar auch hier) gefährden sie massiv die Gesundheit anderer Stadionbesucher, die auch noch die eigenen Farben tragen. Immer wieder bitter zu erleben, dass einige ihr Gehirn scheinbar zu Hause lassen, wenn sie zu Auswärtsspielen fahren.

Erste Halbzeit

Dann stand endlich die Saisonvorbereitung im Mittelpunkt und es wurde Fußball gespielt. Direkt nach dem Anpfiff wuselte sich Kagawa in den blauen Strafraum, sein Querpass wurde aber leider abgefangen. Die Dortmunder Fans erinnerten dann gleich mal daran, wer Deutscher Meister ist und wer das niemals werden wird. Die Mannschaft wollte sich scheinbar auch als würdiger Meister präsentieren und machte weiter Druck. Nach einer Kagawa Ecke schickte Kehl einen Kopfball Richtung Tor und Fährmann konnte ihn nur noch mit Mühe an den kurzen Pfosten lenken. Kurz darauf trat Matz Hummels nach einem weiteren Eckball ein wunderschönes Luftloch statt das 1:0 zu machen.

Götze gegen FuchsDie Gelsenkirchener konnten sich nach 10 Minuten das erste Mal befreien, als Höwedes einen Kopfball knapp über den Kasten setzte. Dabei riss er sich scheinbar seine zarte Haut an der rauen Oberfläche der neuen Torfabrik auf und spielte fortan mit einer lustigen blauen Schlumpfmütze weiter. Kurz darauf zeigte Großkreutz Baumjohann das erste Mal die Welt des Schmerzes. Die beiden sollten auch im weiteren Verlauf der Begegnung keine dicken Freunde mehr werden. Nun kam sogar mal kurzfristig so etwas wie Derbyatmosphäre auf, während man sonst auf den Tribünen eher in entspannter Feierlaune zu sein schien.

Dann verflachte das Spiel kurzzeitig. Die Dortmunder verloren ein wenig den Faden und es kamen die einzigen Minuten der ersten Halbzeit in denen sich zwei gleichwertige Gegner gegenüber zu stehen schienen. Die waren aber auch wieder vorbei als Piszczek schön auf Großkreutz flankte, der aber leider keinen Druck hinter seinen Kopfball bekam, so dass Fährmann erneut parieren konnte. Nach einer schnellen Kombination über Kehl und Großkreutz konnte dann Neuzugang Chris „Luchs“ Löwe seine Offensivqualitäten andeuten, doch seine scharfe Hereingabe wurde von Kagawa knapp verpasst. Borussia nun mit Torchancen im Minutentakt und das Dortmunder Offensivspiel schien ein wenig zu schnell für die Gelsenkirchener Abwehr zu sein, die kräftig schwamm. Leider fehlte im Sturm die letzte Entschlossenheit, oft wurde ein Schnörkel oder Querpass zu viel gespielt, anstatt konsequent den Abschluss zu suchen.

Die dickste Chance hatte dann kurz vor der Pause Lewandowski nach einem schönen Steilpass von Gündogan.Die dickste Chance hatte dann kurz vor der Pause Lewandowski nach einem schönen Steilpass von Gündogan. Er lief allein auf Fährmann zu, konnte diesen aber nicht überwinden. An seinen Vollstreckerqualitäten muss der Pole noch etwas feilen. Insgesamt war der BVB deutlich überlegen und hätte eigentlich führen müssen. Leider kann man sich für „eigentlich“ im Fußballsport nichts kaufen.

Zweite Halbzeit

Wieder startete der BVB wie die Feuerwehr: Götze steckte wunderbar auf Lewandowski durch, doch der schaffte es erneut nicht, den Ball freistehend im Tor unterzubringen. Diesmal schoss er aus 14 Metern am langen Eck vorbei. Borussia blieb weiter gefährlich und der ansonsten vorzügliche Götze hätte nach einer Stunde die Führung erzielen müssen. Kagawa narrte die gesamte Abwehr mit einem Dribbling, legte wunderbar quer, doch erneut bleibt Fährmann Sieger. Die Kombination Kagawa-Götze in der Offensive bietet ein unfassbares Potential. Es macht einfach nur Spaß den Beiden beim Spielen zuzuschauen.

Kehl mal wieder in der StartelfDann holte sich Kevin sein Derbysouvenir ab und bekam endlich Gelb, nachdem er es schon länger darauf angelegt hatte. Kurz darauf durfte Huntelaar duschen, der bei Matz Hummels und dem bärenstarken Santana komplett abgemeldet war. Raul wechselte in die Sturmspitze. Der eingewechselte Moravek hatte fünf Minuten später die dickste Chance der Blauen im gesamten Spiel. Er kam frei vor dem ansonsten beinahe beschäftigungslosen Weidenfeller zum Schuss, doch der packte eine klasse Fußabwehr aus und klärte die Situation. Der deutlich formverbesserte Kehl hatte dann ebenso wie Götze Feierabend. Sie wurden von Bender bzw. Perisic ersetzt. Kurz darauf ging dann auch Löwe, der ein sehr ordentliches Spiel gemacht hatte und ähnliche Anlagen wie Schmelzer mitzubringen scheint. Leitner übernahm nun den rechten offensiven Flügel, Perisic wechselte nach Links und Großkreutz in die Abwehr, wo er sich weiter an Baumjohann abarbeitete. Der ließ seine Aggressionen fünf Minuten vor Schluss an Gündogan aus und senste ihn brutal von hinten um. Es war wohl nur dem Testspielcharakter der Begegnung geschuldet, dass Knut Kircher in dieser Szene die rote Karte stecken ließ. Leitner zeigte dann noch einen netten Fernschuss nach Pass des agilen Perisic und dann war Schluss.

Elferschießen

Ausgerechnet Kevin verschoss seinen ElferJedem war klar, dass die Chancen der Borussen in dieser Disziplin denkbar schlecht sind und so klammerte man sich an die Hoffnung, dass die Fehlschützen der jüngeren Vergangenheit (Barrios, Sahin) nicht zugegen waren. Gündogan und Hummels verwandelten auch recht locker, doch dann lief Kevin Richtung Punkt. Ein orkanartiges Pfeifkonzert brandete auf und davon ließ er sich scheinbar beeindrucken. Er brachte nur ein lahmes Schüsschen zustande, mit dem Fährmann keinerlei Probleme hatte. Leitner machte es besser, doch Perisic nicht. Er verzögerte den Anlauf und brachte damit eher sich als den Torwart aus dem Konzept. Da Weidenfeller bekannterweise kein Elferkiller ist, war es das dann. Gelsenkirchen freute sich über den Supercup der ja zumindest zur Hälfte symbolisch auf die Meisterschale anspielen soll. So nah dran an der ersehnten Schüssel war man ja schon seit Generationen nicht mehr gewesen und von daher ist der Jubel auch nachvollziehbar. Aber auch als BVB Fan konnte man mit einem guten Gefühl nach Hause fahren: Wenn die Borussen in der nächsten Saison die gleichen Stärken und Schwächen zeigen wie in der letzten, sind das ja nicht gerade die schlechtesten Aussichten. Die Vorfreude auf richtigen Fußball steigt. Wird Zeit, dass es endlich losgeht.

Statistik

Zumindest konnte man danach wieder lachenBlue Man Group: Fährmann – Höger, Höwedes, Papadopoulos, Fuchs – Matip, Holtby – Baumjohann (89. Edu), Raul, Draxler (46. Draxler) – Huntelaar (68. Moravek)

BVB: Weidenfeller – Piszczek, Hummels, Santana, Löwe (77. Leitner) – Kehl (75. Bender), Gündogan – Götze (75. Perisic), Kagawa, Großkreutz - Lewandowski

Tore: -

Elfmeterschießen: 0:1 Gündogan, 1:1 Holtby, 1:2 Hummels, 2:2 Edu, Großkreutz verschießt, 3:2 Höwedes, 3:3 Leitner, 4:3 Jurado, Perisic verschießt

Schiedsrichter: Knut Kircher (Rottenburg)

Zuschauer: 61.673 (ausverkauft)

Gelbe Karten: Baumjohann / Großkreutz

Web 24.07.2011

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