Spielbericht Profis

Mainz blöd, Stimmung blöd, Meisterfeier blöd

20.03.2011, 18:51 Uhr von:  Redaktion

Das war nix - 1-1Es hätte so schön sein können. Die Sonne war da und der Frühling sagte schon einmal freundlich „Hallo!“. Schon zwei Stunden vor dem Spiel war die Strobelallee übermäßig gefüllt. Und weit mehr als zwei Stunden nach dem Spiel waren die Emotionen bei allen Beteiligten noch spürbar. Was war geschehen?

Das Spiel zweier Überraschungsmannschaften stand auf dem Programm. Samstagabend, 18.30. Dieses Topspiel versprach Spannung. Doch irgendwie hält sich die Lust auf Spiel gegen die Mainzer in Grenzen. 7 000 Gästefans hatten sich angekündigt. Eine skurrile Zahl. Immerhin waren bei Derby in Kaiserslautern gerade einmal 2 500 Mainzer. Umso erschreckender ist, wie leise sich ein Gästeanhang bei dieser Masse präsentieren kann.

Richtig laut wurde es auf Heimseite jedoch auch nicht. Nur die Gesänge für Leornardo Dede sorgten während des Aufwärmens für eine tolle Atmosphäre. Ein paar Minuten später herrschte wiederum Ruhe im größten Fußballstadion Deutschlands. 80 000 Zuschauer gedachten der Opfer des Erdbebens in Japan. So sehr man sich auch anstrengt, kann man sich wohl kaum vorstellen, was für ein Leid die Menschen in diesem Land ertragen müssen. Da ist Fußball natürlich unwichtig, aber es muss ja weitergehen.

1-0. Da war die Welt noch in OrdnungSofort wollten beide Mannschaften zeigen, warum sie so weit oben in der Tabelle stehen. Nach wenigen Minuten musste Roman Weidenfeller einen Freistoß von Andre Schürrle abwehren. Auf der anderen Seite klingelte es schon im Kasten des Ex-Schalkers Christian Wetklo. Nach einem Freistoß von Mario Götze brachte Mats Hummels mit seinem Rücken den Ball knapp hinter der Linie unter.

Endlich ging der BVB mal wieder früh in Führung. Spitzenreiter, Tor, 12 Punkte Vorsprung. Und was machte das Stadion? Nichts. Die üblichen Gesänge werden nacheinander abgehakt, während unten auf der Südtribüne pausenlos und spiel-unabhängig mit Fahnen gewedelt wird.

Was war das für eine Stimmung im Stadion, als wir vor zwei Jahren die Wiederauferstehung des schlafenden Riesen gefeiert haben? Das ganze Stadion schrie es sich aus dem Leib: „Der BVB ist wieder da!“. Zwei Jahre später, und nur sechs Jahre nach der drohenden Insolvenz, ist der BVB mit satten sieben, zehn oder mal zwölf Punkten Vorsprung Spitzenreiter. Stimmung kann man nicht herbei zwingen. Und: Stimmung ist Spiel-abhängig. Das ist normal und nichts schlimmes. Warum der Torjubel aber so emotionslos ausfällt, ist ein einziges Rätsel. Die Sitzplatztribünen „Ost“ und „West“ feuern die Mannschaft nicht ein einziges Mal an, wenn das Spiel nicht so recht läuft.

Das WETklo haält Nuris 11erDas ist einfach nur schade. Wer die Stimmung in München von der Heimseite erlebt hat, kennt damit ein mahnendes Beispiel. Und so langsam sieht man auch in Dortmund, wie schnell die Fans die schlechten Zeiten vergessen. Und, wie schnell man sich an Erfolg gewöhnen kann.

Einzig am Ende kam annähernd die Stimmung auf, die ausdrückt, dass der BVB Tabellenführer ist. Der Spielverlauf bis zu diesem Zeitpunkt ist schnell erzählt. Sahin verschießt seinen schwachen Elfmeter, Kuba wird nie ein Torjäger und ansonsten vergab der BVB keine Torchancen – weil es keine gab. Es war kein „Grottenkick“ seitens des BVB. Mainz frühstückst du aber eben nicht so einfach weg. Die Gäste waren in der Offensive alles andere als gefährlich. Ein Ausgleich ist bei so einem Spielverlauf aber trotzdem nicht überraschend. So, wie gegen Stuttgart, in Kaiserslautern und letzte Saison gegen Hoffenheim.

Das Stadion stand also, feierte endlich lautstark die bevorstehenden drei Punkte. Und dann passierte etwas, was im Fußball nicht unüblich ist. Neven Subotic bekam zuvor den Ball mit voller Wucht gegen seine Genitalien. Er lag vor Schmerzen am Boden. Trotzdem spielte kein Mainzer den Ball ins aus, sondern lieber ins BVB-Tor. Das ist kein gerechtes Spiel, aber auch kein „Skandal“. So hatte es nämlich Hans-Joachim Watzke bezeichnet. Der BVB fühlt sich natürlich benachteiligt, die Gäste freuen sich über den späten Ausgleich. So ist Fußball manchmal und Diskussionen darüber, gerade zwischen den beiden Trainern, erweisen sich prinzipiell als überflüssig.

Die knuffigen Mainzer bejubeln den AusgleichSuperheld Christian Wetklo konnte sich seine Freude nicht verkneifen. So provozierte er nach Abpfiff mit Jubelgesten tausende Borussen. Einerseits ist das natürlich ganz großer Sport des Mainzer Torwarts. Andererseits sollte man eines nicht vergessen: Wer für Leidenschaft bei Fußballspielern plädiert, sollte über diese Aktion stehen können.

Selbst bei den „Europapokal“-Gesängen nach Abpfiff waren die Mainzer richtig leise. Spiele gegen den FSV machen einfach keinen Spaß.


Stimmen zum Spiel:

Roman Weidenfeller: Wurde kaum geprüft. Hatte Glück, dass sein Patze beim Abseitstor unbestraft blieb. Note: 3

Zeigte eine starke Partie. Bis zum Gegentor hinten alles richtig gemacht und vorne Akzente gesetzt. Note: 2Marcel Schmelzer: Zeigte eine starke Partie. Bis zum Gegentor hinten alles richtig gemacht und vorne Akzente gesetzt. Note: 2

Mats Hummels: Wieder einmal mit einem Tor. Keine Torchancen für Mainz zugelassen. Note: 2

Neven Subotic: Dafür, dass er beim Gegentor fehlte, kann er ja nichts. Es war eine mehr als gute Leistung des Ex-Mainzers. Note: 1-

Lukasz Piszczek: Ebenfalls it großem Anteil daran, dass die Gäste kaum Chancen hatten. Note: 2-

Sven Bender: Wenn er da ist, hat die Abwehr noch weniger zu tun. Note: 2-

Nuri Sahin: Sehr unauffällig, ein schlechter Elfmeter. Nicht sein Tag. Note: 4

Kuba: Konnte seine Schnelligkeit nicht zeigen. Die Chance zu Beginn der zweiten Halbzeit hat er kläglich vergeben. Note: 4

Mario Götze: Kam gar nicht ins Spiel und schloss sich den Leistungen seiner Offensiv-Kollegen an. Note: 4

Selbst seine Laufbereitschaft war heute zu wenig. Note: 4Kevin Großkreutz: Selbst seine Laufbereitschaft war heute zu wenig. Note: 4

Lucas Barrios: Musste früh raus, deswegen ohne Bewertung.

Robert Lewandowski: Wurde für Barrios eingewechselt. Konnte das Offensiv-Spiel aber nicht beleben. Note: 4

Mohamed Zidan: Ein Totalausfall. Note: 5

Sebastian Kehl: Hat nur drei Minuten gespielt, deswegen ohne Bewertung.

Fakten:

BVB: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Bender, Sahin (87. Kehl) - Großkreutz, Götze, Kuba ( 70. Zidan) – Barrios (32. Lewandowski)

Nuri bleib bei unsFSV: Wetklo - Bungert, Svensson, Noveski, Fuchs – Polanski (87. Heller), Fathi, Soto – Holtby (76. Risse) Schürrle – Allagui (78. Sliskovic)

Tore: 1:0 Hummels (8., Freistoß Götze), 1:1 Sliskovic (89., Heller)

Schiedsrichter: Dr. Felix Brych (München)

Gelbe Karten: Subotic - Wetklo.

Zuschauer: 80.720 (ausverkauft)

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Sven, 20.3.2010

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