Spielbericht Profis

Meister schlägt Karnevalsfraktion

05.03.2011, 14:47 Uhr von:  Redaktion

Eine ereignisreiche Woche liegt hinter uns. Dem grandiosen Erfolg im Bajuwarenland am vergangenen Wochenende folgten lebhafte Diskussionen über geplante Meisterschaftsfestivitäten und potentielle Transfer-Begehrlichkeiten fremder Clubs. Klar, die Meisterschaft ist nach Adam Ries gelaufen, doch warum in die Ferne schweifen, wenn es im Hier und Jetzt so schön ist?

So oder so ähnlich dachten sich das wohl auch die 80.720 Zuschauer am Freitagabend im ausverkauften Westfalenstadion, die gekommen waren, um sich an einem weiteren Spiel unseres BVB in dieser unvergesslichen Saison zu erfreuen. Obgleich Flutlichtspiele gegen den Ersten Effzeh aus Köln für Borussia-Fans mit schwachen Nerven in letzter Zeit oft Grund genug waren, das Spiel ab der 80. Minute am Bierstand mit einer extra Ration Pils zu verfolgen. Wohlgemerkt Pils, keine Kölsch-Plörre.

Apropos Kölsch: Weil der Kölner im Karneval – anderes Wort für Feiern und Fröhlichsein auf Knopfdruck – ja bekanntlich dazu neigt, komische Dinge zu tun, wunderte es kaum einen Schwatzgelben am Freitagabend, rund ums Stadion Gästefans in feschen Tiger-, Eisbären- oder Rabbi-Kostümen zu erblicken. Mit 7.000 Mann waren die Kölner in die Westfalenmetropole gekommen, was aufgrund der geringen Anreise an einem Freitagabend etwas wenig scheint. Aber, wie gesagt: Ist ja Karneval! Mit dieser Erkenntnis geht es rauf auf den Platz.

Erste Halbzeit

Dort betreten die Borussen mit zwei Änderungen im Vergleich zum glorreichen München-Sieg den Platz: Der verlässliche Tele Santana ersetzt Mats Hummels, der wegen einer Bauchmuskelzerrung kurzfristig passen muss, und Roman Weidenfeller feiert seine Rückkehr ins schwatzgelbe Tor für den lautstark umjubelten Mitch Langerak. Pünktlich zum Einlauf der beiden Teams werden in Block drölf 6.000 farbige Wunderkerzen - vollkommen legal – gezündet, versehen mit dem Spruchband „Auf dem Weg zum Ziel, keiner kann uns halten“. Das war nicht nur ein geiler Anblick, sondern soll im Rahmen der Kampagne „Pyrotechnik legalisieren – Emotionen respektieren“ auch dafür sorgen, das schlechte Bild von Pyrotechnik in der Öffentlichkeit nachhaltig zu verbessern. Den Kölnern gelingt letzteres unverständlicherweise nicht. Durch das Abbrennen einiger Pyrofackeln sorgen sie in bester Lemming-Manier dafür, dass der Gästeblock des Effzeh in der nächsten Saison zumindest optisch ziemlich karg wirken wird. Schade drum. (Nachtrag dazu unten.)

Der Beginn des Spiels ist sehr zäh, weil die bissigen Kölner, angetrieben vom Höhenflug unter Trainer Frank Schaefer und zuletzt vier Spielen ohne Niederlage, die Zweikämpfe suchen und den BVB trotz höherer Spielanteile nicht zur vollen Entfaltung seines Offensivpotentials kommen lassen. Nach sieben Minuten kann Marcel Schmelzer mit einem klasse Flankenlauf die rote Abwehr erstmals durchbrechen, doch in der Mitte können weder Barrios noch Lewandowski die Kugel kontrollieren und aufs Tor bringen. Im Gegenzug prüft Milivoje Novakovic mit seinem Schuss von der Strafraumkante Roman Weidenfeller. Die zehnte Minute steht ganz im Zeichen der Erkenntnis, dass Neven Subotic anscheinend doch Freistöße schießen kann. Rensing klärt einen präzisen Freistoß unseres Verteidigers aus ganzen 30 Metern mit etwas Mühe zur Ecke.

Nach 17 Minuten leitet Manni Bender – wie so oft in dieser Saison - mit einer starken Balleroberung einen ansehnlichen Angriff ein. Manni marschiert, spielt genau im richtigen Moment zu Großkreutz, der den Ball stark auf Barrios ablegt. Letzterer muss die Kugel nur noch ins Tor schieben, doch Pezzoni klärt seinen harmlosen Kullerball auf der Linie. Für den Panther beginnt damit ein unglücklicher Arbeitstag, in dessen Verlauf ihm vor dem Kölner Tor auch weiterhin nicht viel gelingen wird.

Währenddessen legen beide Fanlager stimmungsmäßig gut los und sorgen für eine hörenswerte Flutlichtatmosphäre. Die Kölner Kostümfraktion zeigt, zumindest im ersten Durchgang, einen der besseren Auswärtsauftritte dieser Saison im Westfalenstadion und auch der Süden präsentiert, übrigens mit neu ausgerichteten Lautsprechermasten in Block drölf, das abwechslungsreiche Liedgut deutlich lauter und kraftvoller als noch zwei Wochen zuvor im Heimspiel gegen St. Pauli.

Das Geschehen auf dem Rasen hingegen verflacht in den folgenden Minuten zusehends und wird zu einem Geduldsspiel, was nicht zuletzt daran liegt, dass die Kölner in der Defensive solide stehen. Meist sind alle elf Mann in der eigenen Hälfte. Besonders Martin Lanig fährt bei BVB-Angriffen immer wieder hart dazwischen und hätte sich nach gut einer halben Stunde die erste Gelbe Karte durchaus verdient. Schiri Perl lässt den Karton aber stecken. Immerhin kommt die Borussia durch Standards zu weiteren hochkarätigen Chancen. Santanas Kopfball aus fünf Metern nach einer Götze-Ecke kann der einst aus dem Bajuwarenland verscheuchte Keeper Rensing mit einer Weltklasse-Parade halten, bevor Lewandowski den Ball eine Minute später – wiederum nach einem Eckball von Mario Götze – knapp neben das Gehäuse köpft. So erarbeitet sich der BVB ein Chancenübergewicht, auch ohne den Gegner an die Wand zu spielen.

Kurz vor dem Halbzeitpfiff ist es dann auch der gut aufgelegte Lewandowski, der dafür sorgt, dass alle Borussen beruhigt in die Pause gehen können. Aus 16 Metern markiert er mit einem ansehnlichen Volleyschuss endlich das wichtige 1:0, was aufgrund des Spielverlaufs auch völlig verdient ist. Hochstimmung zum Pausentee und Borussia weiterhin auf Meisterkurs.

Zweite Halbzeit

Vor Beginn des zweiten Durchgangs präsentieren sowohl die Köln- als auch die BVB-Fans Spruchbänder im Rahmen der Kein-Zwanni-Kampagne („Fußball muss bezahlbar sein“ und „Kein Zwanni für nen Steher“). Außerdem fordert die Südtribüne die Kennzeichnungspflicht für Polizisten und im Gästeblock wird man Zeuge einer weiteren jeckischen Tat: „Kölle alaaf You“ heißt es dort auf einem Spruchband, umgeben von knapp 40 kleinen Doppelhaltern und Luftballons. Ganz niedlich.

Auf dem Spielfeld beginnen die Domstädter allerdings recht frech und bringen den zukünftigen Meister in Minute 50 in Bredouille, als Subotic seinen eigenen Mann anschießt und der Ball im Strafraum bei Novakovic landet. Doch bevor der überraschte Slowene den Ball gefährlich aufs Dortmunder Tor bringen kann, haut Tele die Kugel einfach weg. Es ist der Auftakt einer rasanten zweiten Halbzeit. Eine Minute später pariert der starke Rensing einen Schuss von Kevin Großkreutz aus 16 Metern. Der Effzeh-Schlussman schickt sich an, bester Mann des Gegners zu werden. Wie so viele Torhüter, die in letzter Zeit gegen den BVB spielten.

Während beim BVB die Angriffe über Regisseur Sahin und den umtriebigen Dribbelkünstler Götze laufen, versuchen es die Gäste immer wieder mit dem gleichen Muster: Steilpässe aus dem Halbfeld auf Novakovic, den gefährlichsten Kölner an diesem Tag. Meist wird dieser Opfer der schwatzgelben Abseitsfalle, doch in der 56. Minute erscheint der Angreifer tatsächlich frei vor Weidenfellers Tor und setzt den Ball ganz knapp am rechten Pfosten vorbei. Einmal pennten die sonst aufmerksamen Innenverteidiger. Doch damit sollte es auch vorbei sein mit der Kölner Herrlichkeit. Was folgt, ist ein weiteres Dortmunder Chancenfeuerwerk.

Zuerst pariert Ex-Bayer Rensing abermals in großartiger Manier einen Kopfball nach einer Ecke (57.), dann schießt Sahin aus 20 Metern knapp vorbei (66.), bevor gefühlte drölf Kölner in der 71. Minute den Ball, wieder mal nach einem Eckstoß, vor der Linie klären. Immer wieder wird die Borussia vom großartigen Mario Götze angetrieben. Das 2:0 wäre hier langsam fällig, zumal im Mittelfeld ein Ball nach dem anderen erobert wird. So auch in der 74. Minute, als der schwatzgelbe Express erneut volle Fahrt aufnimmt, Barrios den am Boden liegenden Kölner Keeper eigentlich schon überwunden hat, doch der Teufelskerl Rensing noch seine Finger zwischen Ball und Kasten bekommt.

Fünf Zeigerumdrehungen später scheitert Lucas nach einer wundervollen Kombination von Götze und Sahin aus sechs Metern an der Latte und schafft es zusammen mit Lewandowski in der der 84. Spielminute nicht, gemeinsam den einzigen ihnen noch im Weg stehenden Innenverteidiger gekonnt auszuspielen. Den letzten von sage und schreibe 27 Torschüssen zwirbelt Nuri am linken Strafraumeck gefühlvoll an die Latte. Es ist schon bemerkenswert und erfüllt die BVB-Herzen dieser Tage wirklich mit Stolz, wie das junge und hungrige Team auch in den letzten Minuten auf der Jagd nach dem nächsten Tor alles nach vorne wirft. Respekt! So kann auch die kölsche Mini-Schlussoffensive den hochverdienten Sieg unserer Borussia nicht mehr gefährden. „Deutscher Meister wird nur der BVB!“ hallt es einmal mehr durchs ganze Stadion, das in der Schlussphase und den sicheren Sieg vor Augen stimmungsmäßig ordentlich einen draufgesetzt hat.

Fazit

Obwohl sich der Effzeh deutlich engagierter als manch anderer Gast in der Bierhauptstadt präsentierte, war der Sieg unserer Borussia nur die logische Konsequenz an diesem Abend. Den Kölnern sei an dieser Stelle noch viel Spaß bei ihren Karnevalsfeierlichkeiten gewünscht. Wir in Dortmund haben ja die Borussia, an deren Spiel wir uns Woche für Woche erfreuen können. (Nur?) noch 09 Spiele dürfen genossen werden!

Nachtrag zur Wunderkerzen-Aktion: Leider wurde nach Spielende von einigen BVB-Fans in unserem Forum berichtet, dass die Funken der Wunderkerzen für etliche unangenehme Brandflecken auf Haut und Kleidung gesorgt haben.

Statistik

Borussia Dortmund: Weidenfeller – Schmelzer, Santana, Subotic, Piszczek – Sahin (90. Kehl), Bender – Großkreutz (73. Kuba), Lewandowski, Götze (90. da Silva) – Barrios.

Erster Effzeh: Rensing – Eichner, Pezzoni, Mohamad, Brecko – Petit (76. Ionita), Lanig – Clemens (81. Freis), Podolski (54. Ehret), Jajalo – Novakovic.

Torschüsse: 27 – 7, Ecken: 10 – 3, Flanken: 17 – 3, Ballbesitz: 59% - 41%, gewonnene Zweikämpfe: 56% - 44%, Fouls: 16 – 17, Abseits: 3 – 5.

Noten

Weidenfeller: Kaum geprüft und zur Stelle, wenn es sein musste. Ein sicherer Rückhalt. Note 2,5.

Schmelzer: War der zweikampfstärkste Spieler an diesem Abend (90% gewonnene Zweikämpfe) und überzeuge das ein oder andere mal in der Offensive. Note 2,5.

Santana: Es ist schön zu wissen, mit Tele einen solch starken Innenverteidiger auf der Bank sitzen zu haben. Ersetzte den verletzten Hummels fast makellos. Note 2.

Subotic: Pennte zweimal, als er Novakovic gemeinsam mit Santana entwischen (56.) ließ und den Slowenen durch eine Unachtsamkeit in Schussposition brachte (50.). Sonst gewohnt solide. Note 2,5.

Piszczek: Wie Schmelzer sowohl hinten als auch vorne souverän. Note 2,5.

Sahin: Der unbestrittene Regisseur lenkte auch heute wieder das Spiel unserer Borussia und war an so manch schöner Kombination beteiligt. Hatte Pech mit seinem Lattenschuss kurz vor Schluss. Note 1,5.

Bender: Ermöglichte mit seinen starken Zweikämpfen im Mittelfeld gefährliche Angriffe und schaltete sich gut ins Offensivspiel ein. Note 2.

Großkreutz: War oft dabei, wenn der BVB-Express Richtung Kölner Tor rollte. Sehr engagierte Leistung. Note 2,5.

Lewandowski: Der Pole findet sich mehr und mehr auf der Position hinter den Spitzen zurecht. Erzielte das entscheidende 1:0 (44.) und stellte sich auch in der Rückwärtsbewegung in den Dienst der Mannschaft. Kleinen Abzug dafür, dass er trotzdem einige Chancen liegen ließ. Note 2.

Götze: Ganz viele Angriffe liefen im zweiten Durchgang über ihn. Immer umtriebig, immer mit Übersicht, immer gefährlich. Note 1,5.

Barrios: Erwischte heute einen seiner unglücklichen Tage. Hätte die ein oder andere Bude machen können, doch direkt vor dem Tor gelang ihm leider kaum etwas. Note 3.5.

Kuba, Kehl und da Silva spielten nicht lange genug, um ihnen eine Note geben zu können.

Stimmen

Robert Lewandowski: „Ich freue mich sehr, dass ich das Tor gemacht habe, was am Ende zum Sieg geführt hat. Auch wenn ich natürlich einige Chancen vergeben habe. Gegen Bayern habe ich auf der Position hinter den Spitzen noch defensiver gespielt, da waren die Aufgaben anders verteilt. Heute war das sehr offensiv und ich fühle mich auf der Position immer wohler. Aber eigentlich bin ich Stürmer und würde dort auch gerne spielen. Doch in erster Linie zählt es, mich in den Dienst der Mannschaft zu stellen.“

Milivoje Novakovic: „Ich glaube, die zweite Halbzeit war von uns ein bisschen besser. Wir haben mehr Druck nach vorne gemacht und auch unsere Chance gekriegt. Dortmund war deutlich stärker und es ist sehr schwer, gegen sie zu verteidigen. Aber trotzdem haben wir ein gutes Spiel gemacht und werden unseren Weg weitergehen. Ich glaube, Dortmund wird Meister."

Frank Schaefer: „Es gibt keine zwei Meinungen, Dortmund hat dieses Spiel verdient gewonnen. Wenn du hier was Zählbares mitnehmen willst, dann muss wirklich alles optimal passen. Deshalb trauern wir zwei Szenen hinterher: Dem Treffer zum 1:0, der sowohl vom Zeitpunkt als auch von der Entstehung sehr unglücklich für uns war, und der Möglichkeit von Nova in der 56. Minute, die wir nicht genutzt haben. Gegen so einen Gegner musst du die wenigen Momente, die du bekommst, in einen Lucky Punch umsetzen. Der BVB hatte dann eine Fülle von Chancen, wo uns Michael Rensing im Spiel gehalten hat.“

Jürgen Klopp: „Die erste Halbzeit ist so gelaufen, wie wir das erwartet hatten. Der Gegner stand sehr gut gestaffelt und war selbstbewusst. Wir haben Robert Lewandowski da zu selten ins eigene Spiel mit einbezogen. Es war ein Geduldsspiel, was natürlich absolut in Ordnung war und in der zweiten Halbzeit haben wir den Druck noch einmal deutlich erhöht. Zum Thema Chancenverwertung muss man sagen: Das ist unser Weg, der uns hierhin geführt hat und wenn eine Mannschaft wie meine in der zweiten Halbzeit das Tempo ständig hoch hält, dann spricht das dafür, dass wir unser Ding durchgezogen haben. Daraus haben sich unglaublich viele Torchancen und ein 1:0-Sieg entwickelt, der sehr ansehnlich war.“

Hier findet ihr die Videos zum Spiel.

MalteS, 05.03.2011

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