Spielbericht Amateure

Auftakt zum Pfalzwochenende versemmelt ? BVB II ? Lautern II 0:2

12.02.2011, 09:09 Uhr von:  Redaktion

Eggert (l.) und Bakalorz können es nicht fassenWenig unterhaltsames wurde den Besuchern der Roten Erde von den Zweitvertretungen des BVB und des 1.F.C. Kaiserslautern geboten. Spielerisch lieferten beide Zweitvertretungen eher Magerkost ab. Von zwei ähnlich harmlosen Mannschaften gewann heute Abend die mit dem besseren Torhüter. Während Johannes Focher zweimal patzte, konnte Kevin Trapp die spärlichen Versuche der BVB-Offensive sämtlich entschärfen und hielt damit den letztlich nicht unverdienten Sieg seiner Mannschaft fest.

Ausgangslage

Heute trafen in der Roten Erde Tabellennachbarn aufeinander. Der FCK II war vor Spielbeginn mit 4 Punkten Vorsprung auf die Amateure vom BVB 09 bei einem absolvierten Spiel mehr Tabellensechster. Der siebte Platz ist sicher zu wenig für die Ansprüche von Borussias U23, allerdings bestand bei drei Siegen noch die Möglichkeit mit den momentan Zweitplatzierten Sportfreunden vom Autobahnkreuz Lotte/Osnabrück gleichzuziehen. Wenn man die Aufstiegsträume, die Coach Theo Schneider immer noch hegte, am Leben erhalten wollte, wurde es aber auch langsam mal Zeit für eine Siegesserie.

Vor allem in der zweiten Halbzeit ein richtig guter AuftrittDie Aufholjagd musste leider ohne einige Stützen der Mannschaft angetreten werden. Neben Top-Torjäger Daniel Ginczek, der mit einem Innenbandriss längerfristig ausfällt, mussten auch noch Abwehr-Allrounder Marc Hornschuh (Rückenprobleme) sowie Kapitän Nedim Hasanbegovic (Blinddarm-OP) ersetzt werden. Zudem wurde auch noch Marco Stiepermann, der laut Theo Schneider definitiv für die Anfangsformation eingeplant war, kurzfristig zu den Profis abkommandiert. Obwohl der gerade von einer Grippe genesene Christian Eggert in der Innenverteidigung auflief, wurde so eine Aufstellung der Zwoten präsentiert, die auch regelmäßigen Besuchern der Amas ziemlich neu sein dürfte.
Mit dem A-Jugendlichen Onur Cenik auf der 6, dem langzeitverletzten Ivan Paurevic sowie Mehmet Boztepe hatte Theo Schneider schon einige unerwartete Alternativen gezogen, die größte Überraschung war aber sicher das Startelfdebüt von Martin Zakrzewski. Der polnische Jugendnationalspieler hatte seit seinen zwei Kreuzbandrissen eigentlich keine größere Rolle mehr beim BVB gespielt. Demgegenüber blieb der Neuzugang aus Mainz Mario Vrancic, dessen Bruder Damir Fans der BVB Amateure noch in guter Erinnerung sein sollte, zunächst auf der Bank.

Cenik und Eggert im ZweikampfDie Akteure der Zwoten vom 1.F.C.K. sind wohl nur Intimkennern der Pfälzer Fußballszene ein Begriff. Neben U21 Torhüter Kevin Trapp aus der berühmt-berüchtigten Gerry Ehrmann Schule (sein Lehrmeister war selbst vor Ort und konnte immer noch beeindruckende Maße zur Schau tragen) fiel insbesondere der rechte Innenverteidiger ins Auge: Boris Becker. Jedoch konnte er weder die beeindruckenden Aufschläge noch die gefürchteten Netzattacken seines berühmten Namensvetters präsentieren, sondern lieferte eine für einen Innenverteidiger ordentliche Leistung ab, indem er nicht weiter negativ auffiel.

Erste Halbzeit

Bei frühlingshaften Temperaturen und Flutlichtatmosphäre hatten sich leider nur 758 Zuschauer in die altehrwürdige Kampfbahn verirrt. Die roten Teufelchen mussten leider komplett ohne Support auskommen, so dass der Bierstand im verwaisten Gästeblock bereits nach einer Viertelstunde wieder geschlossen werden konnte. Auf Dortmunder Seite präsentierte sich der Stimmungsblock gut gefüllt, so dass man gleich mit dem bekannten Rote-Erde-Singsang begrüßt wurde. „Forza BVB“! Mann was hatte man das in der langen Winterpause vermisst. Für Kurzentschlossene bietet sich bereits am nächsten Dienstag die Gelegenheit die Rote Erde im Dunkeln zu erleben, wenn sich um 19:00 Uhr der Ponynachwuchs die Ehre gibt.

Unschöne SzenenDen besseren Start in die Partie erwischten allerdings trotzdem die Gäste, die einen ziemlich unorganisiert aufspielenden BVB sofort durch schnelle Konter unter Druck setzten. Eine erste Chance von Wooten nach 3 Minuten konnte Focher noch entschärfen. Kurze Zeit später forderten die Gäste einen Elfmeter doch der Schiedsrichter entschied auf Handspiel des Lauterer Stürmers.
Nach 12 Minuten tauchte der BVB erstmals gefährlich vor dem Lauterer Tor auf. Einen Fernschuss von Bakalorz konnte Trapp nur zur Ecke klären und diese köpfte Damien Le Tallec aufs Tor, doch Boris Becker konnte für seinen geschlagenen Torwart auf der Linie klären.
Ansonsten lief aber in der neuformierten Sturmreihe des BVB wenig zusammen. Paurevic zog es zu häufig vom Flügel in die Mitte, wo er sich mit Le Tallec den Platz wegnahm und auch Boztepe konnte über die rechte Flanke nur selten für Gefahr sorgen.

Eine weitere Standardsituation brachte dann doch beinahe die Führung für die Borussia: Eggert zirkelte einen schönen Freistoss Richtung Torwinkel, den Trapp nur nach vorne abklatschen konnte, doch Damien Le Tallec brachte den Nachschuss aus wenigen Metern nicht im Tor unter und traf nur den Pfosten.
Kalle Eggert im ZweikampfBesser machte das auf der anderen Seite kurze Zeit später Hendrick Zuck. Einen eigentlich harmlosen Fernschuss von Himmel wehrte Focher nach vorne ab, Zuck schaltete am schnellsten und schob den Ball mühelos ins Netz. 03+1 Minute danach kam Sevdail Selmani gegen seinen Gegenspieler deutlich zu spät und senste ihn einfach um. Dafür kassierte er völlig zu recht die gelbe Karte. Den fälligen Freistoss von Hammann unterlief der nun total verunsicherte Focher, so dass Wooten den Ball aus zwei Metern nur noch ins leere Tor schieben musste.

Der BVB agierte weiter planlos im Spiel nach vorn. Anstatt den Ball durch die eigenen Reihen laufen zu lassen wurde er ständig hoch und weit über den Platz gebolzt und landete zumeist beim Gegner. Die ordnende Hand von Kapitän Nedim Hasanbegovic wurde im Mittelfeld schmerzlich vermisst.
Insgesamt eine rabenschwarze erste Halbzeit des BVB II: Nach vorne ging wenig bis gar nichts zusammen, hinten dafür Focher mit zwei totalen Blackouts. So lag man gegen eigentlich harmlose Teufelchen völlig zu recht mit 0:2 hinten.

Zweite Halbzeit

Theo Schneider dokumentierte seine Meinung über die Leistung seiner Mannschaft mit einem Dreifachwechsel nach der Pause. Cenik, Zakrzewski und Paurevic mussten für Neumeister, Treude und Vrancic weichen. Eggert rückte ins defensive Mittelfeld vor und Jörn Neumeister übernahm seinen Part als Innenverteidiger. Mario Vrancic präsentierte die zuletzt von Yasin Öztekin getragene Nummer 36 und übernahm für Bakalorz die Rolle im zentralen offensiven Mittelfeld.

Jörn Neumeister kam in der zweiten Halbzeit ins SpelIn der 49. Minute dann der vermeintliche Anschlusstreffer durch Eggert, der nach einer vergebenen Chance von Damien Le Tallec im Nachsetzen abstaubte, doch der Linienrichter hatte ihn im Abseits gesehen.
Der BVB nun mit einem etwas strukturierteren Spiel in die Spitze. Vrancic konnte gleich einige Akzente setzen, auch wenn ihm noch nicht alles gelang. Großartige Chancen sprangen jedoch immer noch nicht heraus. Lautern beschränkte sich nun zunehmend darauf, die eigene Führung zu verwalten. Wenn einmal ein Ball auf das Lauterer Tor kam, zeigte sich Trapp stets auf dem Posten. So parierte er Kopfbälle von Sobiech und Eggert ohne größere Probleme. Die größte Gefahr beschwor noch eine verunglückte Flanke von Boztepe herauf, die er unabsichtlich direkt auf das Tor zog. Der überraschte Trapp konnte nur abklatschen, doch der Nachschuss wurde von Treude freistehend vergeben.

Nach einer guten Stunde verlor auch das schwatzgelb.de Netbook die Lust und schaltete einfach ab. Den Lesern unseres Tickers sollte trotzdem nichts entgehen, denn die kopflosen Angriffe der Borussen sorgten kaum mehr für wirkliche Gefahr, so dass sich Lautern ohne größere Mühe dem Sieg entgegen mauern konnte.

Fazit

Hängende Köpfe bei Kandziorra und Co.Wer auch immer noch vom Rennen um den Aufstieg geträumt hatte (wie Coach Theo Schneider zuletzt in einigen Interviews), der dürfte spätestens heute unsanft erwacht sein. Die BVB Amateure dürfen sich auf eine weitere Saison in der Regionalliga freuen. Mit der Leistung von heute ist man auch dort nur bestenfalls Mittelmaß und hat im Profifußball der dritten Liga nun wirklich nichts verloren.
Hoffentlich besinnt sich die Mannschaft bis Dienstag auf ihre Stärken und betreibt gegen MGII Wiedergutmachung.

Trainerstimmen

Alois Schwartz: Die Vorzeichen vor diesem Spiel waren so, dass Dortmund noch eine Aufholjagd Richtung Tabellenspitze starten wollte, was man ja auch der Presse entnehmen konnte. Das hat diese Mannschaft auch durchaus drin. Ich habe der Mannschaft gesagt, dass uns hier eine spielstarke Truppe erwartet. Ich denke, dass wir besser ins Spiel rein gekommen sind. Die ersten zehn bis fünfzehn Minuten haben ein bisschen uns gehört. Ich hätte mir in der einen oder anderen Szene einen Pfiff des Schiedsrichters gewünscht, aber der kam leider nicht.

Die erste richtige Chance hatte Dortmund nach einem Feistoß, als der Ball abgewehrt und im Anschluss der Pfosten getroffen wurde. Ich glaube aber, wenn man das alles zusammenzählt, sind wir verdient mit einer Führung in die Pause gegangen. Es gab noch die ein oder andere kleine Möglichkeit für uns, aber auch Dortmund hatte noch eine Chance, wo der Ball auf der Linie geklärt wurde. Kurz vor der Pause hätten wir den Dortmundern den Genickschuss setzen können, wenn wir in einer Szene vernünftig quer gepasst hätten. Das ist uns nicht gelungen.

Da wussten wir, dass die zweite Halbzeit schwer für uns wird, auf dem Boden sowieso. Wir haben sehr viel investiert in die ersten 45 Minuten. Dann ist das Spiel natürlich ein bisschen in Richtung unseres Tores gelaufen. Wir haben nicht mehr so gut verteidigt und nicht mehr so gut mit dem Ball nach vorne gespielt, obwohl die Möglichkeiten da waren und waren sehr unruhig am Ball. Der Gegner hat immer mehr Möglichkeiten bekommen. Aber wie die Mannschaft sich dagegen gestemmt hat, freut mich. Da war der Siegeswille und die richtige Körpersprache zu erkennen. Um unbedingt den Sieg nach Hause zu bringen und unbedingt die drei Punkte hier mitzunehmen hat die Mannschaft bis zum Schluss gefightet. Zum Schluß hätten wir vielleicht noch ein drittes Tor mit einem Konter machen können. Das ist uns nicht gelungen. Aber ich denke insgesamt haben wir uns die drei Punkte hier verdient. Danke.

Theo Schneider: Der Alois hat den Spielverlauf eigentlich schon treffend analysiert. Ich hatte mir sicherlich heute mehr erhofft. Trotz unserer zahlreichen Ausfälle hatte ich eigentlich ein gutes Gefühl. Wir hatten eine ordentliche Vorbereitung gespielt. Ich bin sicherlich bei der Aufstellung ein gewisses Risiko eingegangen, mit Martin Zakrzewski, der heute sein erstes Spiel gemacht hat und Ivan Paurevic, der diese Saison noch nicht gespielt hat. Ich habe nach den Leistungen in der Vorbereitung aufgestellt.

Leider Gottes sind wir überhaupt nicht ins Spiel gekommen. Kaiserslautern war von Beginn an präsent, hat uns den Schneid abgekauft und war auch die klar bessere Mannschaft bis zur Halbzeit. Auch mit der 2:0-Führung die absolut in Ordnung ging. Ich habe zur Halbzeit drei Korrekturen vorgenommen und die Mannschaft nochmal eingeschworen, dass was sie in der ersten Halbzeit abgeliefert hat, absolut nichts war und dass die Mannschaft es viel besser kann. Ich wollte die entsprechende Reaktion sehen.

In der zweiten Halbzeit war es ein Spiel in Richtung des Lauterer Tores. Wir haben uns eine Menge Torchancen erspielt und sie teilweise vergeben. Andererseits hat der Torwart auch sehr gut gehalten. Unter dem Strich ist die Niederlage für uns sehr, sehr ärgerlich, weil wir uns viel vorgenommen haben. Andersrum muß man auch realistisch bleiben. Ich kann natürlich diese Ausfälle, die wir momentan haben, nicht gleichwertig ersetzten. Ich hatte es natürlich irgendwie gehofft, aber die Realität sah leider anders aus. Lautern hat nicht von ungefähr zuvor drei Spiele in Folge gewonnen. Die Mannschaft hat sich hier voller Selbstvertrauen präsentiert und dann auch letztlich verdient gewonnen.

Borussia Dortmund II: Johannes Focher - Sevdail Selmani, Lasse Sobiech, Christian Eggert, Marcel Kandziora - Onur Cenik (46. Jörn Neumeister), Marvin Bakalorz - Mehmet Boztepe, Martin Zakrzewski (46. Tim Treude) - Damien Le Tallec, Ivan Paurevic (46. Mario Vrancic)

1. FC Kaiserslautern II: Kevin Trapp, Boris Becker, Alan Stulin, Denis Linsmayer, Marcel Correira (61. G. Modica), Benjamin Himmel, Nico Hammann, Jonas Marz, Patrick Freyer (89. Mathias Tillschneider), Andrew Wooten, Hendrick Zuck (90. Marco Gietzen)

Tore: 0:1 Zuck (22.), 0:2 Wooten (27.

Gelbe Karten: Selmani (26.), Bakalorz (67.) / Himmel (72.)

Zuschauer: 758

Schiedsrichter: Ehsan Amirian

Web 11.02.2011

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