Serie

Dembowski und die Meisterschalmafia

26.03.2011, 00:00 Uhr von:  Redaktion

Es gab nur eine Jahreszeit, die Dembowski mehr hasste als den Winter – den Frühling! Sobald die Tage länger, die Röcke kürzer und die Ausschnitte tiefer wurden, sobald die Freiberufler sich Latte Macchiato schlürfend hinter Sonnenbrillen und ihren iPads in den Straßencafés der Stadt versteckten, sobald die sogenannten ersten Sonnenstrahlen nach dem härtesten Winter aller Zeiten das Allgemeinwohlbefinden verbesserten, sobald die Allerfeinsten die Grillsaison einläuteten, sobald die Damen an den Ausfallstraßen sich zurücklehnten und im Frühlingssonnenlicht an England dachten, sobald die Waghalsigsten bereits einen Sprung in das Kanalbecken wagten und die Russen ihnen in ihren vodkaumnebelten Träumen zujubelten, zog sich Dembowski in seine Wohnung zurück. Seine Erdgeschosswohnung war nun eine Wohltat, die Rollos wurden nunmehr nicht mehr bewegt, in seinem Domizil blieb es dunkel. Hin und wieder wagte er sich auf einen Absacker in die Kneipe, ansonsten trieb ihn nichts mehr nach draußen.

Dembowski brauchte dringend Urlaub, die letzten Wochen und vor allen Dingen die schleppenden Ermittlungen in der IGLU-Sache machten ihm schwer zu schaffen. Doch im Moment konnte er seine Arbeit nicht im Stich lassen, zu groß war die Gefahr, seine bisherigen Resultate würden in den nächsten sieben Wochen pulverisiert werden. Doch was war seine Arbeit noch wert? Ein Telefon, der Computer, die Beobachtungen in der Tagespresse und im TV, die Sachen, die er aus Büchern über das Verhalten von Menschen unter Druck wusste, reichte das noch aus? Waren seine Bemühungen nicht ohnehin zum Scheitern verurteilt? Bis auf Reiser waren all seine Kontakte zur Außenwelt abgebrochen und die Informationen, die zu ihm durchdrangen waren spärlich. „Immerhin“, dachte Dembowski „immerhin geht es mir nicht wirklich schlimmer als der Bundesregierung“. Doch die Bedrohung war für ihn noch lange nicht gebannt. Dembowski brauchte dringend Kohle. Im Netz blinkte eine Rote 1 über dem Nachrichtensymbol.

„dembowski, ich habe leider auch nichts für dich. es sieht mau aus. unser projekt läuft doch ganz gut an, wir können aber erst in zwei wochen weiter stimmung machen. martin ist cc, der kann dir vielleicht helfen und uns in der folge dann auch helfen. martin, bist du so lieb und erklärst dembowski alles weitere? reiser“

Das hörte sich schon einmal gut an. Dembowski erinnerte sich an den Weihnachtsfeierdeal, der ihn letztendlich doch nach Sevilla hatte reisen lassen. Natürlich, danach waren die Dinge aus dem Ruder gelaufen, doch die lauschigen Sonnenstunden in der Altstadt waren ein Rettungsanker. Er brauchte diese Anker im deutschen Frühling. Das gekünstelte Zuschaustellen des eigenen Wohlbefindens, nicht die Sonne an sich, störte ihn an dieser Jahreszeit. So wanderten seine Blicke jetzt immer häufiger von den Politdiskussionen auf N24 rüber auf seinen Laptop. Wer würde dieser mysteriöse Martin sein und wie würde dieser Martin ihm aus seiner Lage befreien können, ohne dass er sich den Frühling da draußen antun musste, fragte Dembowski sich abwechselnd. Er blätterte in seinen Unterlagen und stieß wieder auf seinen kläglichen Exkurs in die sogenannte Hochkultur. „… dann fährst du mir wieder den Kopf ab, wie schon im letzten Sommer“, waren die letzten Worte seiner Aufzeichnungen die Apokalypse über Mühlacker betreffend gewesen. Kein Wunder, dass ihm Reiser den Kopf gewaschen hatte. „Damit kommst Du nicht mal bei Straus durch“ waren damals seine Worte gewesen und während er sich über ein weiteres First in seinem Trübsal verlor, blinkte da wieder die Rote 1.

„dembowski. martin hier. ich mach es kurz. ich leite einen punkrockmailorder in st.pauli. aber auch im punkrock muss man heutzutage jeden euro dreimal umdrehen. die kids wollen die kohle einfach nicht mehr raushauen. jetzt erzählte mir reiser, den ich aus gemeinsamen popperzeiten kenne (davon kein wort;) von deinen verbindungen nach dortmund. wir machen ja eher so in musik, also so linkes punkrockzeuch, deswegen wäre uns das schon wichtig. wir haben da so meisterfanschals. geile teile. saulimitiert und so. die wollen wir loswerden. und in diesem jahr werden die dortmunder meister, hörte ich neulich beim stammtisch. im musikbereich, also im punkmusikbereich, da wissen wir wie wir agieren müssen, hier ja nicht. um es kurz zu machen, wir wollen deine streetcredibility einkaufen. biste dabei? ich schließe mit den worten meines lieblingsautors, der mir so aus dem herzen spricht. „neues schaffen heißt widerstand leisten. widerstand leisten heißt neues schaffen“. verstehste, ne? martin“

Dembowski verstand die abschließenden Worte nicht, aber dafür hatte er die Mail auch nicht gelesen. Er verstand das Wort „Credibility“ und dachte gleich „Profit“. Ein paar Rote 1en später war der Deal eingetütet. Ein feiner Profit inclusive und er musste dafür nicht einmal das Haus verlassen. Innerhalb weniger Stunden waren die Fanclublisten in sein Massenmailer eingefügt, jetzt feilte er noch an den richtigen Worten. Das „M-Wort“, so Reiser, sollte er in der ersten Mail besser vermeiden, die Fanclubs würden schon von allein drauf kommen. Und dann, so gegen Mitte April, würde er ne richtige schöne Story haben, erklärte Reiser. Die Headline war bereits geschrieben: „Die Meisterversager“. Das aber war Zukunftsmusik und nicht sein Bier. Er musste nicht einmal das Haus verlassen. Dembowski drückte auf "Absenden".

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DEMBOWSKI“

dembowski, 26.03.2011

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