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Football Factory at Legends New York

14.12.2011, 23:19 Uhr von:  Redaktion

Fanschals im LegendsVielleicht erinnern sich einige noch an die New York-Artikel hier auf schwatzgelb vor fast genau einem Jahr. Da gab es zum einen den Bericht von Tim über die New Yorker Fußballbar „Nevada Smith‘s“ und bereits zwei Wochen vorher, einen Artikel, in dem ich ebenfalls über meinen Besuch in dieser tollen Sportsbar berichtete. Ein Besuch, der sich im Dezember 2010 auf alle Fälle gelohnt hatte, denn neben dem live am TV erlebten BVB Sieg in Nürnberg (2:0), lernten wir, d.h. meine Frau Cornelia, Schwager Wolfgang und ich auch noch die in New York lebende Japanerin Chikako kennen, bekennender BVB- und natürlich auch Shinji Kagawa-Fan.

Da wir in diesem Jahr erneut eine New York-Reise gebucht hatten, war es ein echter Tiefschlag, als Chikako mir wenige Tage vor unserem Abflug mailte, daß Nevada Smith‘s, die für uns bis dato beste New Yorker Sportsbar, wegen Renovierungsarbeiten geschlossen wäre. Der absolute Horror, denn die Live TV-Übertragungen des Bundesligaspiels unseres BVB in Gladbach und die Champions League-Partie gegen Marseille waren verständlich-erweise feste Programmpunkte unseres New York-Aufenthaltes gewesen. Was also jetzt tun? Natürlich kann man auf SMS und Anrufe aus der Heimat warten, aber jeder weiß, daß diese Warterei am Spieltag, fernab vom Westfalenstadion die reinste Quälerei ist! Also begann noch zu Hause die fieberhafte Suche nach alternativen Sportsbars im Internet. Leider nur mit mäßigem Erfolg, es sei denn, man interessiert sich für Baseball, oder American Football, was natürlich rund um die Uhr im US-Fernsehen verfolgt werden kann. Glücklicherweise traf während meiner Internet-Recherchen kurze Zeit später erneut eine Mail von Chikako ein, die eine Adresse enthielt, die sich jeder BVB- bzw. Fußballfan merken sollte, der eine New York-Reise plant: „The Football Factory at LEGENDS“ - 6 West, 33rd Street

Chikako aus JapanUnd beim lt. Visitenkarte „Director of Football“ der Football Factory handelt es sich um niemand anderen als Jack Keane, vorher im oben erwähnten Nevada Smith‘s verantwortlich für die Ausstrahlung der Spiele der weltweit einzig wahren Sportart. Und das ist und bleibt nun mal eben Fußball und heißt definitiv nicht wie in den USA „Soccer“! Jack Keane, gebürtiger Ire, hat es vor rd. 20 Jahren in die „city that never sleeps“ verschlagen. Als Manchester United Fan hat er die Marktlücke Fußball erkannt und sein Angebot mit ausgestrahlten Fußballspielen der verschiedensten Ligen im Laufe der Jahre immer mehr ausgeweitet. Eine gute und vor allem richtige Entscheidung, wofür Jack Keane aus unserer Sicht auf Lebenszeit den „New York Marketing Award“ verdient hat, falls es sowas gibt. Und sein Angebot hat sich mit dem Umzug an den neuen Standort zudem auch noch deutlich verbessert! Während das „Nevada Smith’s“ etwas abseits vom Zentrum Manhattans in der 3rd Avenue lag, findet man die sehr geräumige und gemütlich eingerichtete Football Factory in einer Querstraße der berühmten 5th Avenue gegenüber vom Empire State Building. In unserem Fall nur 2 Blocks oder 5 Minuten Fußweg vom Hotel entfernt.

Um sicher zu gehen, ob die für uns neue Sportsbar auch an den BVB-Spieltagen geöffnet ist, hatte ich den Kontakt zur Football Factory per Mail vor unserem Abflug hergestellt. Aus dem auf der Internetseite der Factory ersichtlichen Plan war zu sehen, daß u.a. neben der Übertragung Newcastle – Chelsea, die Bundesliga-Konferenz und Bayern – Bremen live gezeigt werden sollten. Robert Kennerney, der geschäftsführende Manager mailte mir, daß BVB – Gladbach ebenfalls live zu sehen wäre, sein Pub am Samstag bereits um 7 Uhr morgens geöffnet sei und das auch die Möglichkeit bestünde, in der Factory zu frühstücken! Kann es eine bessere Nachricht für einen Borussen-Fan in New York geben? Unser Entschluss stand fest: Jack, Robert und alle aus der Football Factory, wir werden uns Samstag pünktlich zum Anpfiff sehen! Und wir könnten uns sicherlich auch „überwinden“, aufgrund der Zeitverschiebung das erste Bier um 9:30 New Yorker Zeit, morgens zu trinken! Natürlich war es keine Frage, daß so viel Service und Freundlichkeit der Jungs von der Football Factory mit einer kleinen Aufmerksamkeit belohnt werden sollten. Also wanderte ein BVB-Wimpel mit in den Koffer. Für Chikako, die mir mailte wegen beruflicher Termine leider nur Borussia – Marseille mit uns schauen zu können, wurde natürlich auch noch ein BVB-Schal eingepackt. Dazu noch zwei auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt erworbene blinkende Anstecknadeln, auf denen der Schriftzug „Dortmund“ durch an- und ausgehende Dioden leuchtete. Mit Sicherheit kein offizielles und autorisiertes Souvenir, aber Hauptsache schwarz und gelb, den absoluten Trendfarben für die nächsten hundert Jahre!

Samstag, 3. Dezember

Wimpelübergabe im LegendsSo konnten wir es also der Football Factory verdanken, daß wir zunächst am Samstag das Spiel der großen Borussia bei der kleinen Borussia verfolgen konnten. Es war einfach ein schönes Gefühl, beim Herabsteigen der Stufen zu den Fernsehschirmen im Basement von zahlreichen englischen Fußballfans mit Schulterklopfern und vielen netten Worten begrüßt zu werden. Der Mann am Zapfhahn war Jack Keane. Jack drückte uns die Hand, schaute auf unsere BVB-Schals und Kappen und sagte: „Welcome Borussia Dortmund! I will always remember Lars Ricken, he shot out Manchester United in 1997“! Muss man so eine Begrüßung noch weiter kommentieren? Weltklasse! Und das mitten in New York, über 6000 km von Dortmund entfernt. Da der große Raum vor dem Tresen rappelvoll mit Engländern war, hatte Jack für uns Germans mit einem Vorhang einen zusätzlichen Raum geschaffen. Gemeinsam mit einigen Bayern-Fans und einem einsamen Gladbach-Fan, die es alle hierher verschlagen hatte, frühstückten wir ausgiebig und schauten gespannt auf die Fernsehbilder. Zwischenzeitlich kam bei uns leichte Freude über den Bremer Ausgleich in München auf sowie natürlich Jubel über Lewandowskis Tor. Danach wieder erneute Bayern-Freude über die Tore von Ribery und Robben und letztlich dann ein vom Stuhl hochspringender Gladbach-Fan der das Ausgleichstor seiner Mannschaft bejubelte. Na ja, zwar war der BVB nicht mehr Tabellenführer, aber sehen wir es positiv, es hatte eben jeder etwas zu Jubeln an diesem New Yorker Morgen. Beim Bezahlen unserer Rechnung (übrigens sehr faire Preise für eine Bar mitten in Manhattan!) bedankten wir uns noch mal bei Jack sowie Robert, der sich ebenfalls zur Begrüßung an unseren Tisch gesetzt hatte. Unter dem Beifall zahlreicher englischer Fans überreichte ich Jack unseren BVB-Wimpel, der unverzüglich an der Bar neben einem Wimpel der Blackburn Rovers aufgehängt wurde. Beim Rausgehen entdecke ich mit Schaudern den Schal eines blauweißen Vorortclubs von der Decke baumeln. Eins war klar: da musste schnell ein schwarzgelbes Gegengift her! Aber wir hatten ja noch das Spiel gegen Marseille.

Dienstag, 6. Dezember

"Exit"Vielleicht hatte es symbolischen Charakter, daß über dem Fernseher, auf dem der BVB um die letzte Chance zum Verbleib in der CL kämpfte, das Schild „EXIT“ hing. Es ist auch überflüssig, jetzt noch einmal über den Spielverlauf und das Ergebnis Dortmund – Marseille zu philosophieren, das haben schon genug richtige oder selbsternannte „Experten“ getan. Dennoch war der Abend – abgesehen vom Ergebnis – noch mal ein tolles Erlebnis. Unsere japanische Freundin Chikako war extra im – in Tokio gekauften – schwarzgelben Trikot erschienen. Sie fand zum Schluss die richtigen Worte. „Next time Borussia will be much better in the CL!“ Sehr richtig! Wir sind aktuell Tabellenzweiter und haben alle Chancen für ein erfolgreiches Saisonende in der Bundesliga! Und all die Meckerköppe und Besserwisser können uns mal! „Sorry, but that‘s football“, ergänzten Jack und Robert. Wie wahr! Noch ein letztes Frustbier und dann sollte es wieder hinausgehen in das mittlerweile in der Abenddämmerung liegende New York. Doch STOP! Da gab es noch etwas zu erledigen! Ich gab Jack noch meinen BVB-Schal, er bestieg unverzüglich einen Stuhl und befestigte ihn an einem Balken vor der Bar, in gebührendem Abstand zu dem blauweißen Schal eines Clubs, der seit über 50 Jahren in meisterlicher Abstinenz lebt.

Was bleibt nachdem wir mittlerweile wieder seit einer Woche nach Dortmund zurückgekehrt sind? Auf alle Fälle die Erinnerungen an zwei BVB-Spiele, die wir fern von Dortmund in einer tollen Atmosphäre, mit netten und sehr gastfreundlichen Leuten erleben durften! Thank you Jack, thank you Robert and all at the Football Factory! Und wer demnächst nach New York kommt, dem sei der Besuch der Football Factory wärmstens ans schwarzgelbe Herz gelegt! Den Grund für einen erneuten New York-Besuch im kommenden Jahr haben wir auf alle Fälle schon: Werden BVB-Wimpel und Schal dann noch in der Football Factory hängen? Ich behaupte mal „Yes!“

Hier geht es zur Reportage über das Nevada Smith‘s.

Henry, 14.12.2011

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