Helden in schwatzgelb

Danke, Feierbiest!

04.06.2011, 19:09 Uhr von:  Scherben

Im letztem Jahrtausend, als ein veritabler Innenverteidiger noch Schnauzbärte besaß und seine fußballerische Qualität sich auf das elegante Dreschen des Balles auf die Haupttribüne beschränkte, konnte man seine Leistung anhand eines einzigen Kriteriums bemessen: Wie oft ist er mir negativ aufgefallen?

Subotic als Torschütze gegen Wacker
Subotic als Torschütze gegen Wacker

Ich habe das mal für Neven Subotic gemacht und aus dem Kopf runtergeschrieben, in welchen Situationen ich mich über ihn geärgert habe.

  1. In Lemberg, natürlich. Aber das betraf erstens die gesamte Abwehr, und zweitens waren die größten Böcke gar nicht seine.
  2. In der ersten Halbzeit gegen den FC Bayern. Auch wenn er meistens gegen Mario Gomez gespielt hatte, wurde er das ein oder andere Mal zu einfach abgekocht.
  3. Beim blödesten Eigentor der Saison. Pass Neven, Tor Mats oder so. Aber damit hatte Neven ja eigentlich auch gar nicht rechnen können, denn Mats kann ja nun eimmal keine Eigentore schießen...
  4. In Mönchengladbach. Klar, gegen einen Champions-League-Spieler kann man mal einen Zweikampf verlieren, aber vor dem Gegentor muss der Ball auf die Tribüne und sonst nirgendwo hin.
Subotic und Co. mit der Meistermedaille
Subotic und Co. mit der Meistermedaille

Nicht auf dieser Liste vertreten sind bewusst der Elfmeter in Mainz, der zwar in der Statistik als Foul von Subotic an Szalai auftaucht, bei dem Neven aber den Ball gespielt hat, und die beiden Sperren, die er sich in dieser Saison abgeholt hat. Weder durfte man seine fünfte Gelbe Karte in Wolfsburg geben, noch war Gelb-Rot in Kaiserslautern berechtigt. (Damit war Neven Subotic übrigens der einziger Dortmunder überhaupt, der in dieser Saison wegen Sperren pausieren musste. Ein weiterer Beleg dafür, auf welche Art der BVB den Titel errungen hat!)

Nun sind die Achtziger Jahre zum Glück längst vorbei, und auch ein Innenverteidiger muss mittlerweile mehr auf dem Kasten haben als zu rennen und zu grätschen, aber das ist und bleibt das Kerngeschäft in diesem Job. Und Neven Subotic ist tatsächlich so etwas wie der Prototyp eines beinharten, aber fairen Gegenspielers. Stark im Zweikampf generell (62% gewonnene Zweikämpfe sind innerhalb der Bundesliga ein Spitzenwert und auch besser als bei seinen drei Kollegen in der Dortmunder Viererkette), gleich gut in der Luft und am Boden, konditionsstark, schnell und immer hoch konzentriert. Auch wenn die Sammlung von oben bestimmt nicht vollständig ist und ich wahrscheinlich auch gnädig war, wenn ein anderer Spieler einen Lapsus von Neven ausgebügelt hat, bestätigt sie gerade diesen letzten Punkt. Es fällt einem praktisch keine Situation ein, in der man Neven so etwas wie Nachlässigkeit vorwerfen könnte.

Subotic gegen Bremens Naldo
Subotic gegen Bremens Naldo

Und was ist mit den anderen Eigenschaften eines modernen Innenverteidigers? Man täte Neven Subotic Unrecht, wenn man ihn in dieser Hinsicht an Mats Hummels messen würde. Letzterer war gerade auch wegen seiner Qualitäten im Spiel nach vorn der Innenverteidiger dieser Saison, und entsprechend kann Neven in diesem Bereich gar nicht glänzen. An Tore, die durch lange Pässe seinerseits vorbereitet wurden, wie es Mats reihenweise in dieser Saison gelungen ist, kann ich mich tatsächlich nicht erinnern, aber das trifft auch auf jeden anderen Manndecker in der Bundesliga zu und bedeutet eben nicht, dass Neven in diesem Bereich keine Stärken vorzuweisen hat. Auch in der Spieleröffnung gehört er zu den besten Innenverteidigern Deutschlands, und sowieso ist die Stärke des BVB im schnellen Umschalten von Abwehr auf Angriff eine Qualität der gesamten Mannschaft und kaum an einem Spieler festzumachen.

Dennoch bleibt ein Bereich übrig, im dem es durchaus Anlass zu Kritik an Neven Subotic gibt. Um es mit den charmanten Worten von Mats Hummels zu sagen: "Ich finde eigentlich, dass Neven besser ist im Offensivkopfball, aber er weiß leider selten, wo der Ball hinfliegt." Gemessen an der Vielzahl an Standardsituationen, die wir uns in dieser Saison erarbeitet haben, sind zwei Kopfballtore (eins gegen Mönchengladbach und eins in Sevilla) wohl etwas zu wenig, aber in puncto Chancenverwertung reiht er sich da gut in den Rest der Mannschaft ein. Dennoch würde ich meinen alten Trick, bei Ecken für den BVB laut "Tor Subotic!" zu brüllen, gern zur neuen Saison wieder reaktivieren, zumal ich immer noch fassungslos darüber bin, dass ein Innenverteidiger es tatsächlich geschafft hat, in seinen ersten vier Bundesligaspielen dreimal einzunetzen. Wenn Neven Subotic daran wieder anknüpfen kann, könnte der Wettbewerb um den besten Manndecker der Bundesliga im nächsten Jahr richtig spannend werden...

Subotic das Feierbiest
Subotic das Feierbiest
Apropos "fassungslos", übrigens: Was Neven Subotic in den zwei Wochen zwischen Nürnberg und Frankfurt auf die Straßen Dortmunds gezaubert hat, treibt mir immer noch ein spontanes Grinsen aufs Gesicht. Ganz groß bereits als Opfer der berühmten Stiepermannschen Grätsche noch auf dem Rasen des Westfalenstadions, und zwei Stunden später dann "Gib ihm!" im Kreuzviertel, im Fanbus und an der Bushaltestelle. Völlig zurecht ist er heute der einzige Mensch mit Exklusivparkrecht mitten auf der Lindemannstraße, und wie er zwei Wochen später (trotz Angina, muhahaha!) Arm in Arm mit Kevin Großkreutz im Sportstudio "Kommst du abends besoffen nach Haus..." intonierte, wird auf ewig unvergessen bleiben. Dass ich diese Szenen am Sonntagmorgen nach dem letzten Spiel mit einem Schädel wie noch was sehen durfte, waren übrigens der Grund für mich, doch wieder nach Dortmund zu fahren, um bei der Meisterfeier dabei zu sein. Allein deshalb und für alles andere auch:

Danke, Feierbiest!

PS: Wir warten übrigens noch auf die Videos vom Korso durch die Stadt, die du dem Menschen von der ARD noch auf dem Wagen vollmundig versprochen hast. Das Abonnement des YouTube-Channels von "Neven7" muss sich doch schließlich lohnen!

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