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Im Schatten des Spiels: Rassismus und Randale im Fußball

26.06.2011, 19:44 Uhr von:  Redaktion

Im Schatten des SpielsDen Phänomenen Gewalt und Rassismus im Fußball versucht sich Ronny Blaschke in diesem Buch auf 235 Seiten zu nähern. Der gebürtige Rostocker arbeitet als freier Journalist u.a. für die Süddeutsche Zeitung, Berliner Zeitung, Taz und das Magazin 11Freunde. Daneben betreibt er ein Blog, in dem er sich ebenfalls überwiegend zu fußballerische Themen widmet. Dabei merkt man ihm seinen Hang zu Themen rund um Rassismus und Antisemitismus im Fußball an.

Das Buch nähert sich dem Thema mit der Erzählung eines ehemaligen Hooligans über seine aktive Zeit. Der authentische Bericht gibt einen Einblick in die Zeit der Ur-Hooligans, wobei auch eine klare Trennung zwischen den Hooligans und Rechtsradikalen gezogen wird. Es wird deutlich, dass Hooliganismus und Rassismus sich nicht gegenseitig bedingen, anders als es häufig in den Massenmedien transportiert wird. Im Folgenden werden die Aspekte des Gewaltproblems im Osten, die Bedeutung der Fanprojekte und der Einfluss der neuen Hochsicherheitsstadien thematisiert. Hierbei werden sachlich die Entwicklungen in den letzten zwei Jahrzehnten aufgearbeitet. Gerade der Artikel über die Ausstattung von Fanprojekten sollte jedem zu denken geben, was dem Staat Deutschland Sozialarbeit wert ist. Leider wird bei den Themen auch die große Schwäche des Buches deutlich: es ist nicht wirklich tiefgründig. Viele Probleme werden benannt, aber damit hat es sich dann. Eine wirklich eingehendere Beschäftigung findet leider nicht statt.

Danach kommt Blaschke auf Polizei und Ultras zu sprechen. Zunächst lässt er anonym einen szenekundigen Beamten zu Wort kommen. Diese Form des Journalismus ist sicherlich streitbar, zumal es kaum harte Fakten für die Aussagen des Polizisten gibt - die Behauptungen sind allerdings nicht unplausibel. Anschließend wird auf die Subkultur Ultrà eingegangen. Blaschke kommt zu dem Schluss, dass in der Beziehung zwischen Ultras und Polizei das gefährlichste aktuelle Konfliktpotential im Fußball liegt. Dabei appelliert er an die besonnen Leute auf beiden Seiten, die Spirale nicht weiter hoch zu drehen. Angenehm ist, dass Blaschke eine eigene Meinung entwickelt, die fern ab von Parolen und Hau-drauf-Lösungen liegt, welche ja mitunter auch von den Printmedien gefordert werden.

Der zweite Schwerpunkt, Rassismus, wurde schon durch Umfragen innerhalb der Ultragruppen eingeführt. In dem folgenden Artikel wird die Gesellschaft, das Verhalten des DFB und das Randthema Homophobie genauer untersucht. Hierbei räumt Blaschke dem Dokumentieren von Vorfällen und ihrem Vor- und Nachspiel sehr viel Raum ein und lässt dabei auch die Betroffenen zu Wort kommen. Abgeschlossen wird dieser Themenkomplex durch ein Interview mit dem Sportsoziologen Gunter Gebauer, der versucht, die beobachteten Zustände und Verhaltensweisen wissenschaftlich zu erklären. Abschließend gibt Blaschke noch einen kurzen Einblick auf die Situation in England, Italien, Holland, Polen, den USA und Argentinien. Gerade beim Thema England würde man sich etwas mehr kritischen Journalismus wünschen. Abgesehen von den horrenden Eintrittspreisen wird die Entwicklung in England recht kritiklos dargestellt. Gerade bei der Bewertung der Katastrophen von Heysel und Hillsborough werden zwar das Versagen von Organisation und Polizei angesprochen, aber die Frage nach den richtigen Konsequenzen aus den Vorfällen wird nicht gestellt.

Diese fehlende Tiefe kennzeichnet das ganze Buch. Immer wieder hat man das Gefühl, nur eine Zusammenstellung guter Zeitungsartikel der letzten 10 Jahre zu lesen. Wer sich generell schon sehr mit der Thematik Fussball, Fankultur, Rassismus und Gewalt beschäftigt, für den stellt dieses Buch keinen Mehrwert dar. Es ist halt von einem Zeitungsjournalisten und so liest es sich auch. Mittlerweile macht sich auch das Alter des Buches bemerkbar, es ist einfach schon vier Jahre alt und nicht wirklich aktuell. Eine Überarbeitung wäre dringend notwendig, um den Preis von rund 16,90 € zu rechtfertigen.
Wenn man allerdings einen kritischen Überblick über die Entwicklungen der letzten 20 Jahre haben möchte und nicht tiefer in der Materie drinsteckt, ist diese Buch eine gute Wahl. Als Einstieg in die Thematik fernab von der Schwarzweiß-Denken taugt es alle Mal. Herrn Wendt als Nachtlektüre wäre es auf jeden Fall zu wünschen.

240 Seiten, Paperback, Fotos
ISBN 978-3-89533-555-6
Euro 16,90 / sFr 29,70

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mrg, 26.06.2011

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