Eua Senf

Pyroverzicht sonst knallt's!

28.07.2011, 23:40 Uhr von:  Gastautor
Pyroverzicht sonst knallt's!

In den letzten Jahren hat die Pyrotechnik wieder vermehrt Einzug in das Westfalenstadion gehalten. Lange Zeit galt sie bei uns als verpönt, man wollte dem Verein nicht schaden. Im Zuge der Kampagne "Pyrotechnik legalisieren - Emotionen respektieren" will man sich für den kontrollierten Einsatz von Pyrotechnik einsetzen. Diese Idee habe ich, als Pyrogegner, befürwortet, sollte doch durch Gespräche und Aufklärung eine Lockerung der aktuellen Regeln angestrebt werden.

Wer sich vernünftig dafür einsetzt und sein Anliegen bei den entsprechenden Stellen vorträgt, steht nicht in der Schusslinie. In diese sind die Leute geraten, die sich nicht an die Vereinbarung gehalten haben und seit dem Start dieser Kampagne glauben, sie könnten im Stadion wieder rumzündeln. Überall auf der Südtribüne konnte man in den letzten Spielen einzelne Bengalos sehen. Auch im Umfeld von TU wurden Bengalos und Rauchbomben gezündet. Pyrotechnik scheint wieder in Mode gekommen und dabei wird jeglicher Wille zur ernsten Diskussion über die bestehenden Verbote einfach über Bord geworfen und man vergisst die Wirkung die Pyrotechnik auf andere Fans, neutrale Zuschauer und Pyromanen hat.

Pyrotechnik in Gladbach
Pyrotechnik in Gladbach

"Die Stimmung würde beim Einsatz von Bengalos besser.", so argumentieren viele Befürworter von Pyrotechnik. In der vergangenen Saison war mehrfach zu erleben, dass dies überhaupt nicht stimmt. Ich nehme als Beispiele das Auswärtsspiel in Gladbach und das Heimspiel gegen Frankfurt. In beiden Fällen war keine Verbesserung der Stimmung erkennbar und es wäre zudem auch sehr merkwürdig, wenn Leute sich erst von Bangalos animiert fühlen. In der Hinsicht muss man dem Verein und Pyrogegnern also nicht zeigen, wie toll die Stimmung doch wird, man kann es nämlich nicht. Gegen Frankfurt wurde zudem mächtig Rauch über den Süden verbreitet, was daran nun toll aussehen soll, dürfte den meisten Leuten ein Rätsel sein. Ich konnte jedenfalls kaum mehr atmen und auch die Sicht auf das Spielfeld war versperrt (und ich stehe bekanntlich direkt am Zaun zum Spielfeld). Der Anpfiff der 2. Halbzeit verzögerte sich womit man natürlich erstmal im Mittelpunkt stand und als dann die Frankfurter ihrerseits zündelten, da waren es z.T. genau die Leute, die bei uns gezündelt haben, die sich am lautesten aufregten. Auch im Stadionumfeld waren vor dem Spiel immer wieder Böller zu hören. Womit wir beim nächsten Punkt wären. Es gibt in unserm Tempel viele verschiedene Menschen und Ansichten. Wie schon gesagt, man kann sich gerne für die Legalisierung einsetzen, aber nicht in dem man sich über die Verbote hinwegsetzt und damit auch anderen Zuschauern das Stadionerlebnis vermiest. Ich beispielsweise habe bei Pyrotechnik immer ein ungutes Gefühl und mein Blick schweift immer wieder nach hinten. Leute die ihren Bierbecher (teilweise gefüllt) nicht in der Hand halten können, denen soll ich bei Pyrotechnik vertrauen? Nein, das kann und will ich nicht. Meine Ansicht wird von vielen Fans vertreten und darauf haben die Pyrobefürworter Rücksicht zu nehmen. Es kann nicht sein, dass sich über Verbote hinweggesetzt wird und damit auch den Fans, die sich eben gegen Pyro aussprechen und mit dem Verbot auch geschützt sein sollten, in den Arsch getreten wird. Wer ernst genommen werden will, der sollte auch andere Leute ernst nehmen.

Pyrotechnik in Dortmund
Pyrotechnik in Dortmund
Nochmal zurück zu den Becherwürfen. Diese sind total überflüssig und sollten endlich mal unterlassen werden. Aber beim Supercup in der hässlichen Turnhalle gab es ein weiteres unschönes Erlebnis. Da flogen doch tatsächlich Böller auf Menschen. Die Dinger waren im TV zu hören und wenn so einer neben dir hoch geht, dann gnade dir Gott. Was sind das bitte für Menschen die sowas machen? Vielleicht stellt sich jetzt manch einer die Frage, was hat das mit meinem Artikel zum Thema Pyrotechnik zu tun. Meiner Meinung nach einiges. Durch die Zündelei, die in den letzten Jahren wieder deutlich zugenommen hat, scheinen einige Idioten motiviert zu sein, auch Knallkörper mit ins Stadion zu nehmen und diese auch noch, wie die Bierbecher, durch die Gegend zu schleudern. Hier wird die Gesundheit von Menschen auf's Spiel gesetzt und die Angst von vielen Pyrogegnern bestätigt. Der verantwortungsvolle Umgang mit dem heißen Stoff ist nicht zu kontrollieren. Es wird immer ein paar Spinner geben, die sich besonders motiviert sehen und nicht verstehen, warum nur eine bestimmte Auswahl an Leuten zündeln darf. Die gibt es zwar auch mit Verbot, aber solang Pyro verpöhnt ist, wird man diese Leute schnell aus dem Stadion verbannen können. Ist Pyro legalisiert, werden sich diese Leute womöglich besser in der Masse verstecken können. So ist dann auch die Überschrift meines Artikels zu verstehen, "Pyroverzicht sonst knallt's".

Zum Abschluss ziehe ich ein Fazit: Das aktuelle Verbot ist gut begründet und wird nur schwer aufzuheben sein. Viele Fans sind gegen Pyrotechnik und unterstützen somit die aktuelle Regelung. Wer sich für den kontrollierten Einsatz von Pyrotechnik einsetzen will solll dies tun, aber andere Fans bitte respektieren und auf den Einsatz von Bengalos und Co. verzichten. Der Weg zur Legalisierung mag hart und steinig sein, aber so ist das im Leben. Setzt euch vernünftig, mit Argumenten und Geduld, dafür ein und geht den steinigen Weg für zukünftige Generationen. An der Stelle könnt ihr Vorbild sein. Hört auf dem Verein bewusst zu schaden und anderen Fans die Freude am Spiel zu nehmen. Ein Fan der ins Stadion geht erwartet, dass Regeln eingehalten werden und es eben nicht zum Einsatz von Pyro kommt. Und es soll sogar Menschen geben, die können aufgrund von Behinderung o.Ä. nicht einschätzen was da um sie herum passiert. Da hilft dann ein lapidarer Kommentar wie "geh doch nicht auf die Süd" auch nicht weiter, die Leute müssen nicht damit rechnen, dass einige Fans gegen das Pyroverbot verstoßen und eben keine Rücksicht nehmen.

Mein Apell: HALTET PYROTECHNIK IN DER NEUEN SAISON AUS DEM WESTFALENSTADION!


geschrieben von Pilstim

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