Eua Senf

Neven und seine Freunde

25.02.2011, 15:12 Uhr von:  Gastautor
Neven und seine Freunde

Neven ist mal wieder gestresst. Mit Mats und Nuri belädt er gerade sein Wohnmobil. Wie in jedem Spätsommer möchte der 22-jährige auch in diesem Jahr wieder zusammen mit seinen Dortmunder Freunden eine abenteuerliche Reise durch Deutschland antreten. "Diesmal werden wir nach vielen Jahren auch wieder ein paar Städte in anderen Ländern Europas besuchen", sagt Neven. Dabei leuchten seine Augen wie die eines kleinen Jungen beim Auspacken der Weihnachtsgeschenke.

Dank Reiseleiter Jürgen sind Neven und seine Freunde für den Trip gut gerüstet. "Die Jungs haben sich in diesem Sommer gut auf den Ausflug vorbereitet. Ich habe volles Vertrauen in die Truppe", so Jürgen. Beim Ausparken hat die Gruppe kleinere Schwierigkeiten, weil ein Apotheker aus Leverkusen das Wohnmobil zugeparkt hat. Nachdem der Apotheker seinen Wagen weggesetzt hat, kann es jedoch endlich losgehen – und wie! Das schwarzgelbe Wohnmobil flitzt durch die gesamte Bundesrepublik, durch Schwaben und Niedersachsen auch in der Nachbarregion im Ruhrgebiet rollen die Dortmunder unaufhaltsam.

Erst nach neun Wochen macht die Gruppe eine Pause. Im Kreichgau, in der Nähe Hoffenheims, halten die Dortmunder an einer Raststätte an. "Incredibile", sagt Lucas, "was für eine tolle Tour", so der Paraguayer, der sich ein breites Grinsen nicht verkneifen kann. Auch Shinji lächelt schüchtern. Als sie weiterfahren wollen, springt das Wohnmobil nicht an. 90 Minuten tüfteln die Jungs am Wagen. Weil die Dunkelheit bereits anbricht, überkommt den kleinen Mario ein unwohles Gefühl. Doch plötzlich hat Antonio die entscheidende Idee. Die alten Zündkerzen müssen unbedingt ausgewechselt werden. Gesagt, getan – und siehe da: der Motor läuft wieder.

Vorbei an Köln, wo ein paar Unterbelichtete das Wohnmobil mit Steinen bewerfen, fährt das Team nach Paris. Dort haben Jürgen und Co. einen wunderschönen Tag. Am Ende des Tages ist Jürgen dennoch nicht zufrieden. Denn Robert hat vergessen, das Öl im Wohnmobil zu wechseln. "Das ist nichts Neues, Nelson hat das damals auch öfters vergessen", sagt der Reiseleiter. "Aber ich will Robert keinen Vorwurf machen. Er kümmert sich ansonsten sehr sorgfaltig um seine Aufgaben, schmiert Brote, macht den Abwasch. Da kann es schon mal vorkommen, dass man den Ölwechsel vergisst", so Jürgen. Kevin ist noch nicht müde und rennt zur nächsten Tankstelle, um Öl zu besorgen.

Und wer glaubt, dass sich dieser Rückschlag negativ auf die Abenteuerlust der Gruppe auswirken würde, der irrt. Mit unglaublicher Hochgeschwindigkeit rasen die Dortmunder vorbei an Hannover und Mönchengladbach, auch Bremen und Hamburg lassen sie problemlos links liegen. In ganz Deutschland verbreitet sich schon das Gerücht, dass ein schwarzgelbes Wohnmobil, besetzt mit ein paar frechen Lausbuben, die Straßen unsicher macht.

Doch dann kam der erste kleine Schock für die Bande. Auf einer Reise durch Spanien platzte in Sevilla ein Reifen. "Wir haben gewusst, dass so was passieren kann", sagt Nuri, "zum Glück haben wir ein Ersatzrad dabei. Es wird schon weitergehen." Aber ein paar Tage später suchte die Dortmunder im Großraum Frankfurt das gleiche Unglück erneut heim. "So ein Mist", ärgert sich Sven, "wir haben keinen Ersatzreifen mehr." Aus Wut tritt Shinji gegen den Heckflügel und bricht sich dabei den Fuß. Nun entstehen die ersten kleineren Zweifel, ob die Fahrt weitergehen kann.

Doch zufällig fährt der Leverkusener Apotheker, der das Wohnmobil zu Beginn der Reise zugeparkt hatte, an den Jungs vorbei und hält, um zu helfen. "Ihr könnt gerne meinen Ersatzreifen haben", sagt der hilfsbereite Leverkusener. Reiseleiter Jürgen möchte sich aus Dank bei dem Apotheker revanchieren. "Wir sind auf dem Weg nach München, um dort mit einer anderen Truppe ein mehrwöchiges Etappenrennen zu veranstalten. Du scheinst auch viel unterwegs zu sein, möchtest Du nicht vielleicht beim Rennen mitmachen?". Ohne zu zögern antwortet der Leverkusener: "Gerne, ich bin dabei." Und schon fahren die beiden Wagen sudostwärts Richtung München.

Die Fahrt dorthin verzögert sich jedoch an der einen oder anderen Stelle. In Stuttgart vergisst Robert mal wieder, das Öl zu wechseln. In Nürnberg würgt der Leverkusener seinen Wagen ab. Und in Kaiserslautern müssen die Dortmunder kurz anhalten, weil sie hungrig sind. Die Gruppe verschlingt ein paar Hamburger und setzt die Reise fort. Neven hatte wohl einen Hamburger zu viel und übergibt das Steuer an Tele. Weil der Brasilianer wirklich sehr sicher fährt, würden ihn einige gerne öfter am Steuer sehen.

Gleich erreicht das schwarzgelbe Wohnmobil München. Vor dem Etappenrennen mit dem Team aus Bayern haben die Dortmunder großen Respekt. Auch wenn sie bei der Tour, die am 14. Mai am Borsigplatz enden soll, der Favorit sind, stapelt Reiseleiter Jürgen tief. "Wir schauen von Etappe zu Etappe.

Wir wollen so schnell fahren, wie wir können, und am Ende schauen wir, ob wir vor den Münchnern ankommen oder nicht." Besondere Beachtung gilt dem Münchner Arjen Robben. Als Holländer ist Robben natürlich ein sehr guter Wohnmobil-Fahrer. Doch Kevin ist sich sicher: "Die Bayern sind reif!". Wenn die Münchner die erste Etappe gewinnen sollten, werden bestimmt von Uli Hoeneß, dem bayrischen Reiseveranstalter, verbale Giftpfeile auf das Dortmunder Wohnmobil einprasseln. "Die Dortmunder werden ihr Ziel nicht erreichen", wird es dann wieder heißen. Doch diese Lust aufs Fahren, die die Dortmunder in den vergangenen Monaten entwickelt haben, wird auch dann nicht erlischen, wenn die Münchner die erste Etappe gewinnen. Neven und Co. werden ihr Ziel erreichen. Da bin ich mir ganz sicher.


geschrieben von ironMan70.8,

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