Warmlaufen

Projekt 81 geht weiter - Die Schlacht am Betonmischer

30.01.2010, 11:07 Uhr von:  Redaktion
Projekt 81 geht weiter - Die Schlacht am Betonmischer
„Ey, Mats, hilf mal dem Neven da drüben“

"Ey, Mats, hilf mal dem Neven da drüben", ruft Projektleiter Kloppo und beugt sich über seinen Bauplan. Mit einem Zollstock zieht er Linien auf dem Plan nach, murmelt immer wieder etwas unverständliches von "aggressiv gegen den Vorschlaghammer". Der BVB, die Baufirma vom Borsigplatz, arbeitet mit Feuereifer an seinem neuesten Bauvorhaben, besser bekannt unter dem Namen "Projekt 81".

Etwas gelangweilt schlendert Marcel die Baustelle entlang. Er pfeift vor sich hin, es scheint die Melodie vom A-Team zu sein. „Ey, Schmelle, wo willse hin?“, fragt Projektleiter Klopp. „Bier“, antwortet der junge Bauarbeiter. Klopp krammt an seiner Tasche vom Blaumann, zieht einen Fuffi hervor „Sehr gut. Bring mal ne ordentliche Batterie mit“, sagt er. „Aber nicht wieder so eine Veltins-Plörre wie der Praktikant aus Gelsenkirchen letzte Woche.“ „Klar“, brummelt Marcel und denkt sich: Veltins, pah, seh ich etwa so aus, als ob ich mir die Buchse mit der Kneifzange zu mache?

Klopp ruft seine Bauleiter Nuri und Owo zu sich. Es geht um ein ziemlich kompliziertes Bauvorhaben. „Also“, sagt der Projektleiter, „heute muss der Bau bis zum 39. Stock hochgezogen werden.“ Nuri: „Is schon klar, Chef“. Owo wippt schon ungeduldig hin und her. Klopp: „Ich verlass mich da voll auf euch, dass ihr nichts anbrennen lässt. Wir arbeiten hier mit jungen Lehrlingen, die teilweise zum ersten Mal an so einem Projekt mitarbeiten.“ Owo nickt: „Wir kriegen das schon hin, Chef.“ Klopp guckt die beiden Bauleiter mit ernstem Blick an. „Vielleicht kommt heute noch der Leonardo dazu und hilft, kann ich aber nicht versprechen. Der Sven ist auf keinen Fall dabei, der hat sich beim Beton mischen eine Zerrung zugezogen.“ Klopps Blick verfinstert sich: „Roman hat auch noch einen Schein, genau wie der Kehli. Tamas hilft vielleicht mit.“

Gerüstbauer Marc Ziegler
Gerüstbauer Marc Ziegler

Der Blick des Projektleiters schweift umher, er sieht sich seine Truppe an. So hat er sich seinen Bautrupp mit Sicherheit nicht vorgestellt, als er im Sommer 2009 das Projekt 102, das zwischenzeitlich in Projekt 81 korrigiert wurde, angegangen ist. Da ist zum einen der erfahrene Gerüstbauer Marc Ziegler, der schon auf vielen Baustellen eingesetzt wurde. Er steht für absolute Verlässlichkeit und kümmert sich um die jungen Stifte und Lehrlinge. Betonmischer Mats und Maurer Neven arbeiten jetzt seit einem Jahr zusammen. Sie haben sich bewährt, die Mauern, die sie bauen, sind bombensicher. Owo ist ein erfahrener Bauleiter, der sowohl mit der Speiskelle als auch mit dem Kugelschreiber umgehen kann. Marcel, der gerade Bier holt, gehört zu den jungen Maurerlehrlingen.

Kuba aus Polen arbeitet blitzschnell. Keiner verlegt elektrische Leitungen so flink wie er. Und Bauleiter Nuri ist zwar noch sehr jung, hat sich aber auf den bekanntermaßen komplexen Baustellen in Holland (bau mal eine Windmühle, dann weißt du, wie einfach so ein Hochhaus zu bauen ist) Erfahrung geholt. Er ist in diesem Jahr zum Bauleiter aufgestiegen. Nelson und der Panther, die beiden südamerikanischen Bauarbeiter, geben jeden Tag auf der Baustelle alles. Nelson schleppt die Steine an, die der Panther mit der Mörtelkelle elegant verarbeitet.

Kevin, der Lokalmatador
Kevin, der Lokalmatador

Und dann wäre da noch Kevin, der Lokalmatador, Stift im ersten Lehrjahr. Immer mit vollem Einsatz dabei, manchmal mit etwas Übereifer. „Kevin, was ist los?“, brüllt Projektleiter Klopp über die Baustelle. Kevin versucht gerade den Bauzaun zur gegenüberliegenden Baustelle zu erklimmen. „Der hat mich als Blauer beschimpft“, ruft Kevin zurück. „Den setz ich jetzt in den Mörteleimer.“ Klopp rennt rüber. „Mensch, Kevin, lass den doch brüllen und komm wieder runter.“ Der junge Lehrling guckt den Projektleiter an, guckt dann noch mal über den Zaun auf die andere Baustelle, wo sich ein Bauarbeiter mit leicht ängstlicher Miene hinter einer Betonmischmaschine versteckt. Und klettert wieder runter.

In diesem Moment kehrt Marcel auf die Baustelle zurück. „Hier, Pilsetten am Start.“ Das Team jubelt. „Dortmunder Pils, sehr gut, Schmelle.“ Im nächsten Moment hört man mehrere Kronkorken zischen. Und dann ein mehrstimmiges Gluck, gluck! Marcel hat noch eine Überraschung für alle mitgebracht: Mettbrötchen. „Mit ordentlich Zwiebeln drauf“, lacht Schmelle. „Das fördert die Verdauung, die Dixie-Klos sollen ja auch was zu tun kriegen.“ Das junge Baustellenteam lacht und haut richtig rein.

„So, Schluss“, brüllt plötzlich Nuri. „Jetzt wird weitergearbeitet hier.“ Projektleiter Klopp schaut zufrieden auf seinen jungen Bauleiter. Den hab ich gut hingekriegt, denkt er. Nuri gibt weiter Anweisungen: „Also, wir ziehen heute das Gebäude bis zum 39. Stock hoch, also drei Stockwerke noch. Ihr habt noch genau 90 Minuten Zeit dafür.“ Owo guckt auf seine Uhr: „Na, sagen wir 92 Minuten.“ Auf der Stelle machen sich alle Mitarbeiter an die Arbeit.

Nuri und Owo gehen mit zur Baustelle
Nuri und Owo gehen mit zur Baustelle

Nuri und Owo gehen mit zur Baustelle. „Und denkt dran, die Flitzpiepen da drüben wollen uns sabotieren, die wollen uns die Früchte unserer Arbeit wegnehmen.“ Mit „die Flitzpiepen da drüben“ meint Nuri einen Bautrupp aus dem Schwabenländle, genauer gesagt aus Stuttgart. Arrogante Emporkömmlinge, die schon einen bedauernswerten Projektleiter aufgrund der eigenen katastrophalen Arbeit verschlissen haben und nun unter einem Schweizer mit dem Kampfnamen „Bau-Hai“ durch Deutschland ziehen und anderen Baustellentrupps die Arbeit madig machen wollen. „Ja, ich hab die schon gesehen, einem wollte ich gerade eine pfeffern“, sagt Kevin. Nuri geht zu seinem Baukollegen. „Lass mal, wir schaffen das auch mit fairen Mitteln, ok? Hat doch die letzten Wochen auch so gut geklappt.“

Im nächsten Moment geht jeder Bauarbeiter des BVB ans Werk, die Arbeit klappt wie an der Schnur gezogen. „Hierher“, ruft Ziegler und im nächsten Moment fallen mehrere Dachpfannen das Gerüst herunter. Der erfahrene Arbeiter fängt sie alle sicher auf. „Festere Mauern“, ruft Owo und schon rühren Neven und Mats einen Beton an, der den Nobelpreis für Statik verdient hätte, wenn es diesen Preis geben würde. Kuba flitzt hin und her, bringt Kellen, Hämmer, Steine, Schüppen und anderes Baumaterial. „Schleppst Du da gerade zehn Säcke Bindemittel gleichzeitig?“, fragt Nuri ungläubig. „Ja sicher, muss doch schnell gehen“, antwortet Kuba.

„Vorsicht, Angriff von links“, ruft Kevin und wehrt einige Matschbrocken ab, die der Stuttgarter Bautrupp rüber wirft. „Sehr gut“, lobt Nuri und dreht den Betonmischer. Nach 45 Minuten steht das Haus bis zum 37. Stockwerks. „Pause“, ruft Owo. Plöpp, plöpp, die Korken fliegen. „Pausentee, lecker“, grinst Neven und nimmt einen kräftigen Schluck aus der Kanne. Projektleiter Klopp eilt herbei. „Bis jetzt läuft es gut. Aber Vorsicht, ich glaube, die Stuttgarter stellen ihren Trupp um und versuchen jetzt über rechts, unseren Bau einstürzen zu lassen.“

Plötzlich springt Kuba auf und rennt zur Baustelle
Plötzlich springt Kuba auf und rennt zur Baustelle

Plötzlich springt Kuba auf und rennt zur Baustelle. „Hau ab da, Du Vogel“, ruft er. Ein Stuttgarter Bauarbeiter war gerade dabei, Vanillepulver in den Mörtel zu schütten. Ein anderer schraubt am Gerüst rum. Die anderen BVB-ler hinterher. „Gibts doch nicht, die greifen sogar in der Pause an“, wundert sich Nuri. „Aber jetzt wisst ihr, worauf ihr euch gefasst machen müsst.“ Und weiter geht es. Nachdem der Mörtel frisch angerührt und das Gerüst wieder ordnungsgemäß verschraubt ist, läuft es wieder. Stein um Stein zieht der BVB-Trupp das Gebäude nach oben. Sie machen sich gerade an Stockwerk 38, als die Mauer zusammenbricht.

„Verdammt“, ruft Owo. „Da hat einer manipuliert. „Den hol ich mir“, ruft Kevin und geht wutschnaubend auf den Bauzaun zu. Dahinter lachen sich die Stuttgarter kaputt. Nuri hält ihn gerade noch zurück. „Los, wir haben noch genug Zeit, alles wieder aufzubauen.“ Beide drehen sich um klettern das Gerüst hoch. „Mehr Mörtel“, ruft Nuri. Mats und Neven eilen herbei mit mehreren Eimern frisch angerührtem Speis. „Das ging ja schnell“, wundert sich Owo. Mats grinst: „Antizipation nennt man das.“ Alle anderen gucken verständnislos. „Watt?“, rufen sie im Chor. „Jetzt hört auf, hier Fremdwörter zu raten und arbeitet weiter“, ruft Projektleiter Klopp von weit hinten. Der Anpfiff saß, wie aus einem Guss klatschen die einen den Mörtel auf die Steine, die andere legen die Felsbrocken drauf und streichen den an der Seite raus quillenden Mörtel ab. Gleichzeitig passen Neven, Owo, Mats und Schmelle auf, dass die Stuttgarter mit ihren Sabotageangriffen nicht mehr durchkommen. Höher und höher zieht der Bautrupp das Gebäude. Die Stuttgarter werden immer nervöser, bei ihnen klappt es nicht so. Sie haben vergessen, genug Bindemittel mitzunehmen. „38. Stock ist fertig“, ruft Kevin. „Wie lange haben wir noch?“ Nuri guckt auf die Uhr, „Viertelstunde. Da geht noch was.“

Auftritt 2008/09 im Neckarstadion
Auftritt 2008/09 im Neckarstadion
Die Dortmunder schwingen die Kellen. Lucas und Nelson bauen, als ginge es um den Weltmeistertitel, Kuba rast hin und her und versorgt alle mit dem nötigen Baumaterial. Nuri und Owo haben alles im Griff und achten darauf, dass alles sicher steht. Und Mats und Neven bereitet es inzwischen keinerlei Probleme mehr, den Stuttgarter Bautrupp in Schach zu halten. Auf der gegenüberliegenden Baustelle sieht es immer düsterer aus. Offensichtlich machen sich die technischen Mängel bei den Schwaben nun bemerkbar.


Plötzlich reißt Kevin die Arme hoch. „Fertig“, ruft er. „Und noch fünf Minuten Zeit haben wir.“ Nuri und Owo geben sich die Hand. „Die restlichen Minuten schaukeln wir jetzt hier oben auf dem Gerüst locker über die Bühne.“ Während die BVB-Arbeiter auf dem Gerüst sitzen und mit nicht wenig Stolz das Produkt ihrer Arbeit bewundern, hört man von gegenüber wildes Gefluche. Das Gebäude der Stuttgarter ist eingestürzt, offensichtlich hat man sich zu viel Mühe gegeben, die Dortmunder bei der Arbeit zu stören, anstatt mal auf das eigene Werk zu schauen. Auf der Dortmunder Seite allerdings steht das Gebäude bombenfest. Projekt 81 geht weiter.

geschrieben von DvB

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