Warmlaufen

Serientäter gesucht!

26.11.2010, 15:46 Uhr von:  Redaktion

Was wir beim Betreten des kleinen Büros im Dortmunder Polizeipräsidium vorfinden, ist ein Bild des Jammers. Eingeengt von kargen, grauen Wänden kauern die beiden Beamten Koslowski und Schulte, zwei Mittfünfziger im Spätherbst ihrer Dienstzeit, auf engstem Raum an ihren Schreibtischen. Von der Decke strahlt ein grelles, kaltes Licht und im Hintergrund rauscht WDR 4 durch das Radio. Die Flure des Gebäudes sind verwaist, menschenleer. Ein Szenario, wie es RTL kaum besser inszenieren könnte.

Koslowski und Schulze wirken unruhig, scheinen mit ihren Nerven am Ende. Auf ihren Schreibtischen stapeln sich massenweise Akten, jede von ihnen beschriftet mit dicken, roten Lettern. „BVB 2010/11“ ist zu lesen.

Mit einem Fingerzeig auf seinen gewaltigen Aktenberg beginnt Koslowski von den Erlebnissen der letzten Monate zu erzählen: „Seit dem 29. August (Kennern fällt auf: An diesem Tag begann die Bundesligasaison 2010/11; die Red.) jagen wa diese Borussia-Bande quer durche ganze Republik. Woche für Woche schlagen se zu, plündern die Stadien und entführen einen Punkt nachem anderen.“ Die Stimme des Polizeibeamten klingt gebrochen, sein Blick leer.

Nun ergreift auch Kollege Schulze das Wort: „Dat is unglaublich, die Kerle kriegste einfach nich zu fassen! Letzte Woche sind wa denen bis nach Freiburch gefolgt und hatten sie glatt bei den Eiern. Aber glaubste, die ergeben sich freiwillich? Wir wollen getz nich sagen, dat die in allen Bereichen fehlerlos arbeiten, doch dat grenzt teilweise schon anne Perfektion.“

Sein Blick schweift zu der Flip Chart in der Ecke des kleinen Büros. Sie ist von oben bis unten beschriftet und bestückt mit den Konterfeis der einzelnen Bandenmitglieder. Links unten in der Ecke, fast unbemerkt, steht die Täterbeschreibung: „Die Personenstärke der Gruppe liegt zwischen elf und 35. Alle Täter sind männlich und zwischen 18 und 32 Jahre alt. Die Abschöpfung ihrer Beute erfolgt einmal pro Woche, wobei die Täter immer dem gleichen Tatmuster folgen: Der Druck auf das Opfer wird in dessen eigenem Territorium früh erhöht, bis der Weg frei ist für schnelle, präzise und tödliche Angriffe. Die Polizei bittet um Hinweise unter der 0231-090909.“

Während Schulze sich erstmal eine Kippe anzündet, zeigt sein Kollege auf eines der Täterportraits auf der Flip Chart. „Den da“, berichtet Koslowski nun mit etwas mehr Leben in der Stimme, „den hätten wa am Montachmorgen fast gekriecht!“ Das Bild zeigt einen Mann mit hellblonden Haaren, markanten Gesichtszügen und einer Knubbelnase. „Der stand doch tatsächlich um viertel vor Sechs mit nem Ballnetz anne B1 und hat auf die Milchlaster geschossen.“ Trotz Verfolgungsjagd im Streifenwagen ist er ihnen entwischt, er war einfach zu schnell. "Gerannt wie ein Irrer", erinnert sich Koslowski. „Und den Kleinen da ham se extra aus Japan eingeflogen. Die ham doch echt einen anne Schatulle“, ergänzt Schulze kopfschüttelnd und drückt seinen Zigarettenstummel im bis an den Rand gefüllten Aschenbecher aus.

Die beiden Beamten sind ratlos, nicht mal mehr das Feierabendbier schmeckt ihnen zur Zeit. Vielmehr scheinen sie gegen diese Serientäter einfach machtlos. „Wat solln wir auch machen? Alle anderen Kollegen jagen auffem Weihnachtsmarkt die Kofferbomber.“ Zack, das hat gesessen. Koslowski haut seine Faust so feste auf den Schreibtisch, dass der sich darauf befindende Aktenberg gehörig ins Schwanken gerät: „Ach wat: Kofferbomber jagen! Glühwein saufen se, während wir uns hier den Arsch platt sitzen!“

Einmal da haben sie tatsächlich Verstärkung gekriegt. „Son ganz junger Spund aus Gelsenkirchen, vollkommen übermotiviert. Anscheinend hatte der da, wo er wechkommt, nich viel zu tun“, erinnert sich Schulze. „Armer Kerl, ist mit der ganzen Situation hier nicht fettich geworden. Irgendwann isser durchgedreht und dann ham se ihn wechgesperrt.“

Am Samstag werden die beiden Polizisten, wie an jedem Wochenende, wieder in höchster Alarmbereitschaft sein. Schließlich verdichten sich die Hinweise, dass die gefürchtete Borussia-Bande ihre Tatserie fortsetzen wird: „Wie wir aus sicherer Quelle erfahren haben, lautet ihr Codewort diesmal 'Fohlenjagd'. Fracht nich, wat dat nun schon wieder zu bedeuten hat." Einmal mehr sieht es nach einem ereignisreichen Samstag für Koslowski und Schulze aus. Und wenn sie Pech haben, dann enden ihre Ermittlungen erst im Mai. Auf dem Friedensplatz.

Ein Dank an Fabian für die Comicbilder.


Alle Infos zur Fohlenjagd

BVB-Bande: Roman (Anführer) - Lukasz, Neven, Mats, Schmelle - Manni, Nuri - Mario, Shinji, Kevin - Panther.

Aus dem Hinterhalt: Mitch - Leonardo, Felipe, Markus, Kuba, Toni, Robert.

Fohlen: Heimeroth - Levels, Anderson, Daems, Wissing - Reus, Marx, Bradley, Herrmann - de Camargo, Bobadilla.

Im Stall: ter Stegen - Schachten, Callsen-Bracker, Neustädter, Meeuwis, Arango, Matmour.

Pfeife: Manuel Gräfe - Markus Häcker, Bastian Dankert - Tobias Welz.

Und dann war da noch: Ganz viel Konfetti zum Einlaufen der Mannschaften. Damit Ärger bei den Einlasskontrollen erspart bleibt, sollte das Konfetti (Pilskragen, Papierrollen und Papierschnipsel) in 1-Liter Tüten umgepackt werden, da nur solche Handmengen erlaubt sind.

MalteS, 26.11.2010

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