Unsa Senf

Zehn-Punkte Plan für mehr Sicherheit

04.05.2010, 19:14 Uhr von:  Redaktion

Für den Fußball - gegen PauschalurteileAm 23. April 2010 fand auf Einladung des Bundesinnenministers, Dr. Thomas de Maizière, und des Vorsitzenden der Ständigen Konferenz der Innenminister und -senatoren der Länder, des Hamburger Innensenators Christoph Ahlhaus, ein Runder Tisch zum Thema „Fußball und Gewalt“ im Bundesministerium des Innern in Berlin statt.

De Maizière und Ahlhaus sowie der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, Dr. Theo Zwanziger, und der Präsident des Ligaverbandes, Dr. Reinhard Rauball, erörterten gemeinsam mit staatlichen Verantwortungsträgern, den Kommunalen Spitzenverbänden sowie dem Vertreter der Koordinationsstelle Fanprojekte die aktuelle Problematik von Gewalteskalationen im Zusammenhang mit Fußballspielen und diskutierten über mögliche Lösungswege. Nachdem bereits einzelne Punkte des Maßnahmenkatalogs durch die Medien veröffentlicht wurden, stellt sich heute der oft angesprochene, aber nie vollständig veröffentlichte 10-Punkte-Plan für Sicherheit im Fußball wie folgt dar:

1. Verbesserung der strukturellen Kommunikation

Der Fußball wird weiter intensiv daran arbeiten, die Belastungsspitzen der Polizei durch Ausbau der Absprachen in der Spielplanung zu reduzieren und hierzu mit allen Beteiligten - also gerade auch der Bundespolizei, den Vertretern von Kommunen, den Ländern und des Bundes und der Bahn - auf einem kontinuierlichen Dialog setzen.

2. Intensivierung der atmosphärischen Kommunikation (Fandialog)

Oberste Priorität hat für uns der Dialog zwischen Fan-Gruppierungen, vor allem der Ultra-Bewegung, und der Polizei. Diesen Dialog, der in den vergangenen Jahren zum Erliegen gekommen ist, gilt es neu zu beleben. Und wir als Fußball wollen dazu aktiv als Moderator beitragen.

Polizeieinsatz in Bochum3. Ausbau der Fanarbeit („Fanprojekte-Pool“)

Wir werden uns ab kommender Spielzeit noch stärker in der präventiven Fanarbeit engagieren. Hier leistet der Fußball einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der öffentlichen Kriminalprävention. Wir wollen die Arbeit der Fanprojekte, der Fanbeauftragten wie die übergreifende Fanarbeit weiter qualifizieren und ausbauen.

4. Qualifizierungsoffensive

Wir werden dafür sorgen, dass die Sicherheits- und Fanbeauftragten künftig hauptberuflich ihren Tätigkeiten nachgehen. Die Weiterentwicklung der Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Funktionsgruppen und den Garanten der öffentlichen Sicherheit wird entschieden voran getrieben.

5. Wissenschaftliche Begleitung

Mit der Ausrichtung von Konferenzen und Workshops werden wir für einen wissenschaftlichen Wirksamkeitsdialog und somit zur Herstellung eines Theorie-Praxis-Transfers Verantwortung übernehmen. Darüber hinaus wird ein wissenschaftlicher Beirat bei der DFL mit hochkarätigen Experten eingesetzt. Sie sollen eine größtmögliche Prozessqualität für alle Maßnahmen zur Optimierung der Sicherheit unserer Zuschauer garantieren. Fortlaufende Untersuchungen und Analysen von Fanverhalten sollen künftig stetig durchgeführt werden.

6. Flexibilisierung und Abwicklung von Risiko-Spielen

Vor dem Hintergrund der jeweiligen Gefahrenlage werden Möglichkeiten zur Reduzierung von Kartenkontingenten zwischen den Clubs, von DFB und DFL in Erwägung gezogen. Wir werden die Begleitung der Auswärtsfans durch vereinseigenes Ordnungsdienstpersonal als Standard festlegen.

Risikospiele finden gerne bei Dunkelheit statt7. Verzicht auf Profifußball am 1. Mai 2011

Da wir wissen, welch hohe Anstrengungen alljährlich zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit unternommen werden müssen, werden wir am 1. Mai 2011 keine Spiele ansetzen und den Tag komplett spielfrei halten. Somit leisten wir einen weiteren aktiven Part zur Herstellung größtmöglicher Planungssicherheit für die Polizeien von Bund und Ländern.

8. Progressiver Ausbau der Frühprävention

Wir denken bereits heute an die Fans von morgen. Der Fußball wird erheblich in Kids-Clubs und Familienangebote investieren sowie die Frühprävention als festen Bestandteil in der Trainer- und Jugendgruppenleiterausbildung verankern – beispielsweise durch die Herausgabe eines Handbuchs zur Frühprävention und den Ausbau der Lernzentren. Zudem wird es zu einer Intensivierung der Kooperation zwischen Clubs und Schulen durch gezielte
und langfristige Angebote (Bolzplätze, Mädchen- und Schulfußball u.a.) kommen.

9. Öffentliche Ächtung von Fehlverhalten durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit

Wir werden mit gezielten öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen zur Ächtung von Gewalt beitragen. Darüber hinaus wollen wir eine zeitgemäße Medien-Kampagne zum Thema und einen klaren Kodex für alle Fans entwickeln.

10. Bewährungsmodelle bei Stadionverboten

Mit Blick auf die Fans können wir uns vorstellen, Stadionverbote nach Verbüßen der Hälfte oder zwei Drittel des vorgesehenen Zeitraums auf Bewährung auszusetzen – in Anlehnung an die Handhabung im Strafrecht. Voraussetzung ist aber ein nachgewiesenes bewährungswürdiges Verhalten. Über Einzelheiten muss noch diskutiert werden.

Redaktion, 04.05.2010

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