Unsa Senf

Hochsicherheitstrakt Rote Erde

18.09.2010, 11:25 Uhr von:  Redaktion

Rote ErdeNach fieberhafter Arbeit und langem Hin und Her musste das geplante Public Viewing zum Derby als Ersatz für die vielen Unterstützer des Derbyboykotts im Rahmen des „Kein Zwanni für nen Steher"-Protestes leider abgesagt werden. Letzendlich hing es nicht einmal an den Rechten der Übertragung oder an einem Einspruch der DFL, sondern an einer geradezu wahnwitzigen Sicherheitsvorgabe für die Veranstaltung in der Roten Erde.

Eine Genehmigung für eine Veranstaltung mit bis zu 5.000 Teilnehmer wurde durch die Stadt erteilt. Eine Zahl, die mit Sicherheit problemlos erreicht worden wäre und die ein tolles Bild des Protestes gegen überzogene Ticketpreise abgegeben hätte. Aber auch eine Zahl, für die die Polizei 125 Ordner forderte. Das wäre wahrscheinlich auch mit dem Einsatz ehrenamtlicher Fanordner machbar gewesen. Leider ging die Vorgabe noch weiter: diese 125 Ordner mussten geschult, sprich von einem regulären Ordnungsdienst gestellt sein. Ein Unterfangen, das in der Kürze der Zeit und angesichts eines vollen Veranstaltungsprogramms in NRW an diesem Wochenende nicht erfüllbar war. Von den dafür entstehenden Kosten ganz zu schweigen.

Geht man nur von den geschulten Ordnern aus, hat die Polizei also einen Ordner für 40 Zuschauer gefordert. Wie grotesk die Zahl ist, wird deutlich, wenn man sie ins Verhältnis setzt. Die große Westfalenhalle hat ein Fassungsvermögen von 14.000 Zuschauern, was einer Ordnerzahl von 350 entspräche. Ein mit 81.000 Zuschauern ausverkauftes Westfalenstadion käme auf die stolze Zahl von 2.025 Ordnern. Hoffen wir mal für alle Veranstalter, dass Deutschland niemals wieder bei einer Fußball-WM teilnimmt. Bei den letzten beiden Weltmeisterschaften wurden in Berlin 750.000 Besucher auf der Fanmeile gezählt. Die Verantwortlichen würden dafür stattliche 18.750 Ordner einfordern. Eine Vorstellung, die der Sicherheitsbranche Freudentränen in die Augen treiben würde.

Sicherlich könnte man diese Vorgabe vor dem Hintergrund des Unglücks auf der Loveparade sehen, aber die Gegebenheiten sind gänzlich unterschiedlich. Bei der Roten Erde handelt es sich um einen offiziellen Veranstaltungsort mit einem Fassungsvermögen von 25.000 Zuschauern. Flucht- und Rettungspläne müssen zwingend vorhanden sein. Entfluchtungsmöglichkeiten gibt es zuhauf. Sei es durch den Haupteingang, das Marathontor, die Eingänge im Gästebereich oder durch den Durchgang zum Westfalenstadion. Ein Vergleich zu Duisburg verbietet sich grundsätzlich und kann keine schlüssige Erklärung für einen derartigen Sicherheitsstandard sein.

Möglich auch, dass die traurigen Ausschreitungen im Rahmen der Geburtstagsfeier am 19.12.2009 ein Grund sind. Aber die Leute, die damals ausgetickt sind, können überall sein. Im Stadion, in den Kneipen oder sonstwo. Sicherlich hat das damals ein ziemlich schlechtes Bild auf uns geworfen, aber endgültige Sicherheit gibt es nicht und die Fans des BVB haben oft genug an anderer Stelle bewiesen, dass sie sich tadellos benehmen und den BVB und die Stadt Dortmund durchweg positiv repräsentieren können.

Letztendlich ist es schade, dass der harte, zeitaufwändige und ehrenamtliche Aufwand der letzten Tage durch eine derartige Vorgabe zunichte gemacht wurde. An dieser Stelle noch einmal ein aufrichtiges Dankeschön für den enormen Einsatz. Auch sei dem BVB für seine Hilfe und seinen Einsatz gedankt. Es ist schade, dass man offenbar leichter bei einem Rechteverwerter und der DFL auf Verständnis und Unterstüzung stößt, als bei der Dortmunder Polizei.

Wenn man gegen eine derartige Veranstaltung ist, soll man das offen und ehrlich sagen. Eine Verhinderung durch eine derart schikanöse Vorgabe hinterlässt einen mehr als faden Beigeschmack.

Sascha, 18.09.2010

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