Spielbericht Profis

Die Serientäter haben wieder zugeschlagen!

28.11.2010, 01:47 Uhr von:  Redaktion

Bekannte Bilder auch gestern AbendVor wenigen Sekunden erreichte uns folgende Eilmeldung: Die Borussia-Bande hat wieder zugeschlagen. Opfer der Serientäter aus dem Ruhrpott waren am vergangenen Abend ein gutes Dutzend handzahmer Fohlen. Die unbarmherzigen Täter machten kurzen Prozess, die Polizeibeamten Koslowski und Schulze hatten auch dieses Mal das Nachsehen.

Klarer konnten die Vorzeichen an jenem verschneiten Samstagabend nicht sein. Bei klirrender Kälte im schneebedeckten Westfalenstadion traf immerhin der Tabellenführer aus dem Ruhrpott auf das Tabellenschlusslicht vom Niederrhein. Oder anders gesagt: Die Torfabrik in Schwarz-Gelb empfing die grün-weiße Schießbude aus Gladbach. Etwas zurückhaltender äußerte sich der Übungsleiter, der zwei Tage zuvor unter dem Jubel der BVB-Anhänger seine Vertragsverlängerung bis 2014 bekannt gegeben hatte: „Wenn wir mit maximaler Konzentration in die Partie gehen, sind wir ein unangenehmer Gegner.“ Trotz dieser Aussage: Auch am 14. Spieltag hatte sich der mit 31 erzielten Treffern beste Angriff der Liga ganz sicher wieder vorgenommen, die schlechteste Abwehr der Liga vor unlösbare Aufgaben zu stellen.

Konfetti-Tag auf der SüdtribüneDiese Vorhaben sollte mit der bestmöglichen Formation in die Tat umgesetzt werden. Doch ob Jürgen Klopp seine Elf im Gegensatz zu den letzten Spielen unverändert an den Start gehen lassen konnte, war lange fraglich. Unter der Woche hatte Klopp seinem Linksverteidiger und Neu-Nationalspieler Marcel Schmelzer nach den Strapazen der letzten Wochen eine kleine Trainingspause gegönnt, ebenso durfte Lukasz Piszczek, der als Vertreter von Owomoyela einen guten Job gemacht hatte, kürzer treten. Noch kurz vor der Partie war man aber unsicher, ob der Pole von Beginn an auflaufen konnte oder wegen Muskelproblemen passen musste. Das gleiche Schicksal ereilte den Torjäger Lucas Barrios. Auch der Argentinier mit paraguayanischen Pass war nach einigen verpassten Trainingseinheiten wegen einer Schleimbeutelentzündung fraglich, Edel-Reservist Lewandowski stand als Vertreter bereits in den Startlöchern.

Letzten Endes konnte der BVB dann doch auf alle Spieler zurückgreifen, wechselte aber dennoch. Der „Chancentod“ von Freiburg, Jakub Blaszczykowski, durfte von Beginn an ran, weichen musste dafür Kevin Großkreutz. Mario Götze und Kuba sollten ständig rochieren, sich auf links und rechts abwechseln. Ganz im Gegensatz dazu hatten die Fohlen aus Gladbach erhebliche Verletzungssorgen. Gerade in der Abwehr musste das Team von Michael Frontzeck mehr als improvisieren. Mit Brouwers (Faserriss), Dante (Innenband-Teilriss) und Jaures (Knie) fehlten gleich drei Innenverteidiger, so dass Michael Frontzeck einmal mehr improvisieren musste. Callsen-Bracker und Daems ersetzten die Invaliden.

Anpfiff

Die Gladbacher Ultragruppen wussten nur in der ersten halbzeit zu gefallenDer BVB machte von Anfang an deutlich, wer Tabellenführer und Herr im Hause war. 72 % Ballbesitz zur Halbzeit belegten die schwarz-gelbe Dominanz deutlich. Was zeitweise fehlte, war der letzte Zug zum Tor. So konnte sich der BVB in den ersten 45 Minuten nur drei gute Chancen herausspielen. Doch die hatten es in sich. Es war allein Heimeroth zu verdanken, dass die Gladbacher zunächst keinen Gegentreffer schlucken mussten. Gegen Barrios (19.), Hummels (22.) und Kagawa (30.) parierte der Schlussmann mit der dunklen Vergangenheit alle Versuche, die Abwehrtaten waren dabei souverän bis weltklasse. Das gleiche Prädikat verdiente sich auch das Tor von Marco Reus (33.). Ausgerechnet der ehemalige BVB’ler und Freund von Kevin Großkreutz narrte die Dortmunder Abwehr-Zentrale in Person von Hummels und Subotic und ließ auch Schlussmann Roman Weidenfeller keine Chance. Das überraschende 0:1 für die Mannschaft von Michael Frontzeck! Die Dortmunder wiederum waren noch nicht zu dem Tor-Ungeheuer mutiert, das bei 31 Saisontoren allen bekannt sein sollte.

Mats Hummels im ZweikampfBis dahin hatte die Elf von Jürgen Klopp die Partie nach Belieben dominiert, wahrscheinlich mehr als 80 % Ballbesitz gehabt. Was fehlte, war die Genauigkeit im Abschluss. Dass immerhin noch der mehr als verdiente Ausgleich vor der Pause fallen sollte, war der Tatsache geschuldet, dass das Team von Jürgen Klopp den roten Faden gerade rechtzeitig vor dem Halbzeitpfiff wiedergefunden hatte. So ließ sich der freistehende Subotic nach einer Ecke von Jung-Nationalspieler Götze nicht zweimal bitten und köpfte ein (45.). Keine Chance für Heimeroth, mit einer weiteren Großtat auch diese BVB-Möglichkeit zunichte zu machen. 1:1 lautete dann auch das Halbzeitergebnis, das dennoch nicht viel über die wahren Kräfteverhältnisse aussagte. Zu selten trauten sich die Gladbacher dafür noch vorne, trugen sich neben dem Sonntagsschuss am Samstagabend nur mit einem weiteren harmlosen Torschuss von Idrissou in die Statistik ein und konzentrierten sich vor allem auf die arg ersatzgeschwächte und ohnehin gebeutelte Defensive.

Die Fans auf beiden Seiten rundeten die durchaus unterhaltsame Partie in Halbzeit eins ab. Die Südtribüne unterstützte nach dem Geburtstagsständchen für Nobby Dickel die Bemühungen ihres Teams in weiten Teilen des Spiels lautstark und musste sich eigentlich nur nach dem Gegentor kurz sammeln. Genau in jener Phase kamen die rund 7.000 Gladbach-Fans im Gefühl des sportlichen Erfolges am lautesten auf. Akustisch bewegte sich der Auftritt der Gäste jedenfalls im oberen Mittelmaß, optisch wurde von den Fohlen aber allzu wenig geboten. Schade.

Torjubel zum Gladbacher FührunstrefferDer optisch anspruchsvolle Teil des Abends kam daher auch aus Richtung Süden. Sowohl vor der ersten als auch vor der zweiten Halbzeit schmissen die Fans am Konfetti-Tag alle möglichen mitgebrachten Schnipsel und Bierkränze in die Luft. Das gab ein richtig gutes, leider nur kurz anhaltendes Bild. Das dürfte für den ein oder anderen Fotografen zu schnell gegangen sein.

Halbzeit zwei

Die von Manuel Gräfe geleitete Partie startete in Halbzeit zwei durchaus offen, weil sich auch die in der Offensive ohnehin viel stärker besetzten Fohlen endlich mehr trauten. Das führte auch auf der anderen Seite zu einer Reihe von Chancen, von denen eine Kagawa (50.) nutzen konnte und die Weichen damit auf Sieg stellen sollte.

Ein Extralob an dieser Stelle verdient sich Mario Götze, der in der ersten Halbzeit noch hauptsächlich durch präzise Diagonalpässe die ein oder andere Möglichkeit initiiert hatte und in den darauf folgenden 45 Minuten noch stärker auftrumpfte. Höhepunkt dabei eben jene Szene, die dem Tor von Kagawa vorangegangen war. Der 18 Jahre alte Mittelfeldspieler spielte einen traumhaften Pass genau in die Schnittstelle, der die Abwehr der Gladbacher im Alleingang aushebelte.

Torjubel durch KagawaIn der Folge gewann der BVB einen Schuss Souveränität hinzu und auch die Fans auf allen Tribünen zogen nun wunderbar mit, avancierten teilweise zum 12. Mann. Schön war auch das große Liederrepertoire, das Spaß brachte. Nicht nur Gesänge wie „Leuchtturm“, der BVB-Walzer oder „Wer wird Deutscher Meister“ wurden angestimmt, sondern noch viel mehr. Sehr abwechslungsreich. Die Gladbach-Fans wiederum bauten im Verlauf supportmäßig ab, vorläufiger Höhepunkt dabei die zaghaft vorgetragenen Schmähparolen gegen den Gegner, die mit Blick auf den Spielstand allerdings auf Seiten der wahren Borussia nur ein müdes Lächeln hervorrief.

Durch den Führungstreffer begünstigt war auch der Zug zum Tor deutlich ausgeprägter, der BVB kombinierte sich nun von Mal zu Mal durch die Abwehrreihe des Gegners – oder durch das, was davon nun noch übrig war. Resultat: Zwei weitere wunderbar herausgespielte Treffer von Großkreutz (77.) und Barrios (88.). Dabei war vor allem das 4:1, das da Silva wunderbar vorbereitet hatte, für den Stürmer mit der Nummer 18 wichtig. Legte Barrios in der 77. noch mustergültig per Hacke auf den Torschützen ab, schien er bei seinem Treffer endgültig erleichtert. Eine Chance hatte er auf dem Weg zum Gladbacher Tor zwanzig Minuten vorher noch liegen gelassen, weil Heimeroth einmal mehr glänzend parierte. Letzten Endes blieb es trotz kleineren Möglichkeiten auf beiden Seiten bei dem Ergebnis.

Kevin mahnt zur Ruhe nach dem 3-1Mit dem Sieg gegen die Elf vom Niederrhein konnten die Serientäter auch am vergangenen Abend nicht gestoppt werden. Die Borussia-Bande eilt weiter von Sieg zu Sieg, hat mit 37 Zählern nun ein noch größeres Punkte-Polster auf die Verfolger. Sieben Zähler auf Mainz, elf auf Bayer und 14 auf den Rekordmeister – das sind Zahlen, die imponieren. Am kommenden Wochenende erwarten die Nürnberger die Punkte-Diebe aus dem Ruhrpott. Im Frankenland kann der Rekord mit dem achten Auswärtssieg noch ausgebaut werden. Vor dem Bundesligaspiel empfängt das Team von Jürgen Klopp Karpaty Lviw.

Die Stimmen folgen.

Noten

Weidenfeller: War nur in zwei Szenen gefordert. Dabei ein sicherer Rückhalt, der bei dem Gegentreffer von Marco Reus ohne Chance war. Note 3

Piszcek: Eine konstant gute Partie ohne große Ausreißer nach vorne oder nach hinten. Note 3

Hummels: Gute Partie vom Verteidiger, bekam in der ersten Halbzeit Standing Ovations für seinen kämpferischen Einsatz. War allerdings beim Tor etwas zu passiv. Note 2,5

Bender gegen IndrissouSubotic: Der Serbe zeigte Licht und Schatten. War zunächst wie Hummels am Gegentreffer beteiligt, erzielte dann den Ausgleich, hatte in den zweiten 45 Minuten aber noch ein bis zwei Wackler. Note 3

Schmelzer: Ordentlich, immer kämpfend, auch mit Akzenten in der Offensive. Note 2,5

Bender: Stark, wie Bender antizipiert und immer noch seinen Fuß dazwischen. Trotz zwei, drei unnötigen Fehlpässen wieder ein starker Auftritt des Sechsers. Note 2

Sahin: Guter Spielleiter, mit einem gefährlichen Schuss über das Tor und einigen strukturierenden Pässen. Note 2,5

Kuba: In den ersten Halbzeit machte er viel Dampf, war an einigen gefährlichen Situationen beteiligt, baute aber in Halbzeit zwei etwas ab. Note 3

Kagawa: Wieder ein Tor des Japaners. Damit kommt er schon auf sieben Treffer. Wie immer wuselig, technisch stark und stets anspielbereit. Note 2

Stark, wie das Talent auftrumpfte. Starke Seitenverlagerungen und Pässe, traute sich viel.Götze: Stark, wie das Talent auftrumpfte. Starke Seitenverlagerungen und Pässe, traute sich viel. Auch wenn nicht jedes Dribbling erfolgreich war, mehr als eine Bereicherung. Spielentscheidend. Note 1,5

Barrios: Ein Tor, eine Torvorlage und auch die anderen statistischen Werte sprechen für ihn. Note 2

Großkreutz: Erzielte einen Treffer, machte nochmal etwas Druck nach vorne. Note 2,5

Lewandowski: Kam erst in der 78.Minute, war zu kurz in der Partie, trotz einmal mehr guter Ansätze. Keine Note

Da Silva: Kam kurz vor Schluss und spielte wieder einmal einen Traumpass. Mittlerweile ist man das von ihm gewohnt. Keine Note

Statistik

Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Bender, Sahin – Götze (83. da Silva), Kagawa (78. Lewandowski), Kuba (62. Großkreutz) - Barrios.

Schwatzgelber Jubel nach AbpfiffBorussia Mönchengladbach: Heimeroth - Levels, Anderson, Callsen-Bracker, Daems - Bradley, Marx – Herrmann (65.Matmour), Reus - de Camargo (65. Bobadilla), Idrissou

Tore: 1:0 Reus (33.), 1:1 Subotic (45., Götze), 2:1 Kagawa (50., Götze), 3:1 Großkreutz (77., Barrios), 4:1 Barrios (88., da Silva)

Schiedsrichter: Manuel Gräfe (Berlin) – Eine unaufgeregt gute Partie des Schiedsrichters. Keine entscheidenden Fehler in einer eher leicht zu leitenden Partie.

Gelbe Karten: Levels - Subotic

Zuschauer: 79.200

Daniel R., 27.11.2010

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