Spielbericht Profis

Auf Kurs

07.03.2010, 14:10 Uhr von:  Redaktion Malte S.
Auf Kurs
Matchwinner unter sich: Barrios, Zidan und Kehl

Die erste gute Meldung gab es an diesem frühen Abend bereits vor dem Spiel gegen 17.15 Uhr: Werder Bremen hatte ein 0:2 zur Halbzeit gegen den VfB Stuttgart noch aufgeholt. Das 2:2 an der Weser passte richtig gut ins Konzept. Knapp eine Stunde vor dem Anpfiff gab es das Wunschergebnis quasi frei Haus. Schöner Auftakt.

Bei wieder einmal eisigen Temperaturen konnte man sich dann noch eine Stunde gepflegt einsingen. Die Mönchengladbacher überraschten uns dabei doch tatsächlich mit ihrem Niederrhein-Klassiker "BVB-....". Wer hätte das gedacht? Immer noch keinen neue Scheibe im Plattenschrank. Auf das Liedgut kommen wir aber später noch einmal zu sprechen.

Der äußere Rahmen trotzte der eisigen Kälte. Um 18:30 Uhr hatten sich knapp 80.000 Zuschauer im Westfalenstadion eingefunden. 6.000-7.000 davon mit einem leeren Plattenschrank.

Nach einem eher verhaltenen Beginn durfte man dann in der 13. Minute bereits das 1:0 für Borussia bejubeln. Mo Zidan hatte auf der linken Seite ordentlich Tempo aufgenommen und mustergültig auf Kevin Großkreutz in der Mitte gepasst. Angestachelt durch den lautstarken Dortmunder Jubel wühlte man auf der Nordtribüne hektisch im Plattenschrank (Den Suchtreffer können wir uns an dieser Stelle schenken. Kann man sich eh denken).

Protest gegen Repressionen und Co. der Fanszene Dortmund
Protest gegen Repressionen und Co. der Fanszene Dortmund

Im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit konnte man die Möglichkeiten immer wieder auf Dortmunder Seite verzeichnen. In der 35. Minute hatte Schmelzer auf halblinks die Riesenchance zum vorentscheidenen 2:0. Das war mehr als knapp, Bailly war aber auch noch am Ball. Die Mönchengladbacher wirkten zu diesem Zeitpunkt seltsam verhalten. Da war nichts zu spüren vom erarbeiteten Spielwitz der vergangenen Wochen. Das Ergebnis bis zur Pause war ein harmloser Kopfball von Colautti (38. Minute)

Zu Beginn der zweiten Halbzeit gab es ein fast identisches Programm. Bevor sich die Mönchengladbacher richtig sortiert hatten, gab es in der 54. Minute die Vorentscheidung mit dem 2:0 durch Moooooooo Zidan. Was ein Treffer, was eine Vorentscheidung. Prädikat: Tor des Monats. Dabei blitzte die ganze fußballerische Klasse des kleinen Ägypters auf. Für kurze Zeit stand das Westfalenstadion Kopf. Das ganze Westfalenstadion? Na ja, fast. In den nördlichen Regionen hatte man sich mittlerweile mit dem tristen Plattenschrank arrangiert. Die eigene Mannschaft wollte man offenbar nicht unterstützen, warum sollte man also das Liedgut variieren? Unnötig.

Torschützen unter sich: Zidan und Kevin
Torschützen unter sich: Zidan und Kevin

Das Spiel war nach dem 2:0 entschieden. Ein Nachbar auf der Tribüne: "Wenn die Gladbacher hier heute noch was holen, rede ich nie wieder ein Wort über das Thema Fußball." (Ich muss gestehen: Für einen Sekundenbruchteil habe ich mir die Vorteile eines 2:2 in den schönsten Farben ausgemalt.)

Das Sahnehäubchen des Abends dann wieder durch den Mann des Abends. Die geniale Vorarbeit durch Lucas Barrios (der sich mit dieser Szene seine Note rettete) verwandelte Zidan zum überlegten 3:0 ins lange Eck. Perfekt.

13 Minuten vor dem Ende gönnte Trainer Jürgen Klopp seinem kleinen Techniker noch einen rauschenden Abgang. Mo Zidan verließ den Platz unter Standing Ovations. Bemerkenswert noch: In der 85. Minute wurde der 19-jährige Julian Koch für Kevin Großkreutz eingewechselt. Dortmunder Jungs unter sich. Für den Blondschopf das erste Bundesligaspiel für den BVB.

Fazit: Ein hochverdienter Sieg der Dortmunder Borussia gegen eine erschreckend schwache Elf vom Niederrhein. Kaum wurde auf Dortmunder Seite das Tempo angezogen, wurden die Probleme des Gegners offenbart. Für Mönchengladbach ist die Saison bereits seit einigen Wochen beendet, nach unten brennt da auch nichts mehr an.

Weidenfeller hatte nichts zu tun
Weidenfeller hatte nichts zu tun

Der Kurs in Dortmund ist klar: Mit 42 Punkten ist bereits Land in Sicht. Am Horizont sieht man schon schemenhaft die dünnen Küstenlinien Europas.

Die Spieler in der Einzelkritik

Weidenfeller: Gegen überaus harmlose Gladbacher nie richtig gefordert. Bei einem Kopfball in der ersten Halbzeit auf dem Posten. Insgesamt ein ruhiger und bitterkalter Abend. 3,0

Subotic: Wirkte etwas gefestigter als in den letzten Wochen. Das kann aber auch am Gegner gelegen haben. In der ersten Halbzeit mit zwei haarsträubenden Bällen im Aufbauspiel. 3,5

Kehl: Fügte sich nach seiner gefühlten Endlospause beinahe ohne Probleme ins Team ein. Mal mit Überblick, mal als Lautsprecher. Für den Kapitän kommen aber auch noch andere Prüfsteine und Mannschaften. Nächste Woche in Bochum wird es weitere Aufschlüsse geben. 3,0

Sahin: Der junge Türke hatte nicht seinen stärksten Abend. Ab und an unkonzentriert. Da kam nicht sehr viel im Aufbau. Von seinen Geistesblitzen war an diesem Abend nichts zu sehen. 4,0

Kehl gab sein Comeback
Kehl gab sein Comeback

Zidan: Das war sein Spiel. Den ersten Treffer hat er mustergültig über die linke Seite vorbereitet. Zwei Tore krönten sein überragendes Spiel. Besonders das 2:0 wird noch einige Zeit in Erinnerung bleiben. Fußballerisch war das ganz große Klasse. 1,5

Kuba: Naja, der kleine Pole kann einfach mehr. Auf seiner rechten Seite war nicht viel los. Unauffälliges Versteckspiel. 4,0

Barrios: Seine Note wird durch die richtig guten Zuspiele zum 2:0/3:0 gerettet. Sonst war nämlich an diesem Abend nicht viel von ihm zu sehen. Ein Abend im Schatten von Mo. 3,5

Großkreutz: Der Dortmunder Junge mit dem enorm wichtigen Führungstreffer zum 1:0 in der 13. Minute. Überzeugte im weiteren Spielverlauf auch durch enorme Laufarbeit. Kevin, das war ein guter Auftritt. 2,5

Owomoyela: Da wollte man in der ersten Halbzeit gerade den Rotstift ansetzen, da präsentierte Owo auf seiner Seite ein paar bärenstarke Szenen. Gutes Zweikampfverhalten in der eigenen Hälfte, sein Nachsetzen in der gegnerischen Zone bis hin zum fälligen Eckball. Rotstift wieder eingepackt. Da ist zwar noch etwas Luft nach oben, aber ingesamt recht solide. 3,5

Zidan hatte Grund zum Jubeln
Zidan hatte Grund zum Jubeln

Santana: Abwehrstratege meets Bruder Leichtfuß. Felipe bringt auf seiner Position unglaublich viel mit. Verstecken wir seine Leichtsinnigkeit einfach in seinem prall gefüllten Talentkoffer. 3,0

Schmelzer: Mit einer großen Chance zur frühzeitigen Entscheidung. Zweikampfstarker und ruhiger Auftritt. Wurde aber auch vor wenig Probleme gestellt. Eine ordentliche 3,5

Die Auswechselspieler ab Minute 75 (Dede, Hajnal und Koch) können nicht mehr in die Bewertung einfließen. Da war das Spiel mit 3:0 bereits entschieden und wartete nur noch auf den Schlußpfiff.

Die Startaufstellungen der Teams um 18.30 Uhr

Borussia Dortmund: Weidenfeller, Subotic, Kehl (C), Sahin, Zidan, Kuba, Barrios, Großkreutz, Owomoyela, Santana, Schmelzer

Trainer: Jürgen Klopp

Die Wechsel auf Dortmunder Seite:

Dede für Kuba (75.), Hajnal für Zidan (77.), Koch für Großkreutz (85.)

Borussia Mönchengladbach: Bailly, Daems, Brouwers, Meeuwis, Colautti, Bobadilla, Reus, Arango, Levels, Bradley, Dante (C)

Trainer: Michael Frontzeck

Die Welle nach Schlusspfiff vor der Süd
Die Welle nach Schlusspfiff vor der Süd

Die Wechsel auf Mönchengladbacher Seite:

Friend für Colautti, Matmour für Bradley (beide 63.), Jantschke für Reus (75.)

Sonst noch dabei

Schiedsrichter der Begegnung: Michael Weiner (SR), Thomas Frank (A), Norbert Grudzinski (A), Harm Osmers (Vierter Offizieller)


Die Zuschauerzahl am heutigen Tag: 79.800 zahlende Zuschauer (darunter ca. 6.000 Fans der Mönchengladbacher Borussia)

Zum Stimmungsvideo

geschrieben von Rolf / MalteS

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