Spielbericht Profis

Marsch, Marsch weiter fort

25.09.2010, 21:30 Uhr von:  Nicolai
Marsch, Marsch weiter fort
Samstag 15:30 nach Hamburg auf den Kiez fahren - es gibt schlechtere Ziele und Ansetzungen. So machte sich schon in den Morgenstunden ein erheblicher WET Mob auf in Richtung in Hansestadt. Über Minden und Hannover ging es nach Hamburg. Nach einer kurzen S-Bahnfahrt zur Reeperbahn und anschließendem Fussmarsch erreichte man den Gästezugang des Millerntors. Erfreulich dabei die sehr freundliche und zurückhaltende Polizei. Der Zugführer informierte sich nach der Ankunft direkt, ob man mit dem Zug direkt an den Gästeblock fahren möchte (inkl. Umsteigen) oder lieber laufen würde. Auch die begleitende Polizei war sehr nett, und nach kurzer Zeit wurden die Helme auch wieder abgesetzt. So etwas schafft eine sehr entspannte Atmosphäre.

Während sich die große Zahl der Ticketlosen auf dem Kiez verteilte, enterte der Rest den Gästeblock. Dank des aus dem Westfalenstadion bekannten St. Pauli Konzeptes war den Fans nichts außer Pyrotechnik verboten. So erstrahlte der Block in schwarz und gelb und auch ein großes Banner mit der Aufschrift "Borussia wir lieben dich so sehr, Borussia, schwarz-gelbes Fahnenmeer". Auf Seiten der Fans von den Kiezkickern können vor allem die vielen Fahnen im ganzen Stadion überzeugen. Während des Aufwärmprogramms wird für die Gästefans „Heja BVB" gespielt, nett aber an sich unnötig. Zum Spielbeginn steigt dann eine ordentliche Menge gelben Rauchs auf. Sieht zwar gut aus, fraglich nur, ob man es in einem Stadion machen sollte, in dem so liberale Bestimmungen für Gästefans gelten.Das Spiel beginnt mit Anstoß für die Borussen aus Dortmund. In den ersten 20 Minuten gestaltet sich das Spiel sehr zähflüssig, mit vielen Auseinandersetzungen im Mittelfeld. Beide Mannschaften rennen jedem Ball nach und so kann keine Mannschaft in den ersten Minuten deutliche Akzente setzen. Gerade St. Pauli beginnt sich ein leichtes Übergewicht zu erarbeiten, da schlagen die Borussen in Person von Kevin Großkreutz zu. Eine schöne Kombination über Barrios und Kagawa landet bei Kevin, der sich aus dem Rücken des Verteidigers stiehlt und den Ball aus ca. einem Meter mit der Stirn über die Linie drückt. Nach der Führung ziehen sich die Borussen zurück und lassen Pauli wieder mehr raum. Hauptsächlich über die linke Verteidigerseite der Borussen kommen die Hamburger immer wieder gefährlich durch.

In der 26. Minute macht sich dieser Druck dann bezahlt und Hennings, der erst kurzfristig für Asamoah starten durfte, markiert den Ausgleich. Vorhergegangen war eine wirklich gelungene Kombination von Bartels und Takyi. Nach diesem Tor ist der BVB teilweise von der Rolle. Der FC St. Pauli agiert danach sehr überlegen und die Dortmunder wissen sich nur noch durch hohe Bälle zu helfen. Bis zur Halbzeit können sich die Borussen bei den Gegenspielern und Weidenfeller bedanken, dass man mit einem Unentschieden in die Halbzeit gehen kann. Takyi, Ebbers, Bartels und Hennings sorgten für mächtig Unruhe in der Dortmunder Hintermannschaft.

Der Halbzeitpfiff war da wie eine Erlösung für die mitgereisten BVB Fans. In der zweiten Halbzeit starteten dann beide Teams ohne Wechsel. In der 49. Minute waren wieder Fortuna und Weidenfeller auf dem Posten und verhinderten die Führung für die Paulianer. Zwei Minuten später wurde dann der Verlauf eine bisschen auf den Kopf gestellt. Der Bärenstarke Barrios setzt klasse dem Ball nach, spielt einen Zuckerpass auf Götze, der rechts durch ist und den Ball in den Rücken der Abwehr auf Kagawa legt und der kleine Japaner knallt den Ball sicher in die Maschen.

Das Tor beruhigt aber nicht das Spiel der Borussen. Mittlerweile kommen die Hamburger auch über die rechte Seite besser durch. Sowohl St. Pauli wie auch der BVB leben von ihrer Einsatzbereitschaft und so wird verbissen um jeden Ball gekämpft. In der 60. Minute fasst sich Sahin ein Herz und hämmert einen Ball auf das Tor. Kessler kann den Ball mit Mühe noch gegen die Latte lenken. Im Anschluss dann aber wieder der BVB und Großkreutz macht sein zweites Tor an diesem Tag. Diesmal steht er einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort und kann den Abklatscher von Torwart Kessler locker einschieben. Der Junge hat zur Zeit zumindest vorne einen Lauf. Das dritte Tor sollte der Borussia etwas mehr Sicherheit geben. Doch die Spieler von St. Pauli haben nicht aufgesteckt und versuchen weiter, ein Tor zu machen. Die Angriffe werden allerdings planloser und das Mittel des hohen Balls bereitet den Dortmunder Verteidigern deutlich weniger Probleme als ihren Gegenparts auf der Heimseite.

In der 68. Minute kommt dann doch Asamoah für Charles Takyi. Eine Minute später wechselt auch Jürgen Klopp und bringt für Kagawa Lewandowski. Das Spiel ist immer noch von viel Einsatz geprägt, doch der BVB hat den Gegner nun weitestgehend im Griff. In der 80. Minute hat Lewandowski dann die Möglichkeit zur Entscheidung, doch ist sein Schuss etwas zu lässig, so dass Kessler den Ball noch abwehren kann. Danach passiert nicht mehr viel. Stanislawski bringt noch Schultz für Hennings und Jürgen Klopp gibt Markus Feulner ein bisschen Spielzeit und holt dafür den Dortmunder Jungen vom Platz. Auffallend ist nur noch, dass in dieser sehr fairen Partie Asamoah ziemlich oft am Boden liegt. So bekommt St. Pauli in der 88. Minute noch einen Freistoß, zentral vor dem Tor. Der Schuss bleibt allerdings in der Mauer hängen. Die letzten Spielminuten sind recht kurzweilig, da sich Pauli-Spieler und Fans mit Weidenfeller kleine private Fehden liefern. Sicher ist wohl, dass Weidenfeller und Asamoah in diesem Leben keine Freunde mehr werden.

Als die St. Pauli-Fans lautstark You'll never walk alone anstimmen, ist das Spiel gelaufen. Die Borussen spielen die letzten Minütchen sicher runter und schließlich pfeift der unauffällige Schiedsrichter Wolfgang Stark ab, ohne eine einzige Karte gezogen zu haben.

Einzelkritik

Roman Weidenfeller: Machte seine Sache ganz gut und rettet hin und wieder sehr stark. 2

Patrick Owomoyela: Spielt auf der sicheren Verteidigungsseite. Ließ nicht allzu viel anbrennen, war aber nach vorne schon aktiver. 3

Neven Subotic: Rettet häufiger in höchster Not, hatte aber auch alle Hände voll zu tun. 3,5

Mats Hummels: Ähnlich wie Subotic hatte er viel zu tun und die Abwehr wirkte insgesamt nicht allzu stabil. 3,5

Marcel Schmelzer: Über seine Seite liefen in der ersten Halbzeit die meisten Angriffe des FC St. Pauli. Sah manchmal unglücklich aus. 3,5

Sven Bender: Nicht so souverän wie gewohnt, bekam aber auch wieder ordentlich was ab. 3

Nuri Sahin: Im Moment der absolute Leader im Mittelfeld. Spielt wieder ganz starke Pässe und hatte auch einen schönen Schuss ausgepackt. Leider etwas abgetaucht in der Strum und Drangphase von St. Pauli. 2,5

Mario Götze: Kämpfte um jeden Ball und war auch an den Toren beteiligt. Ließ sich kaum von Fouls stoppen und war immer gefährlich. 2
Kevin Großkreutz: Der Mann mit dem puren Willen. Heute hat er den BVB gerettet. Ansonsten nicht ganz so auffällig, aber zwei Tore muss man erstmal machen. 1,5
Lucas Barrios: In der Offensive der Aktivposten. Schon ziemlich stark, was er aus den ganzen hohen Bällen immer noch machen konnte. War von den Verteidigern nie unter Kontrolle zu bringen. 2 +

Shinji Kagawa: Nicht ganz so auffällig wie zuletzt, dafür aber im Entscheidenden Moment wieder auf dem Posten und dann eiskalt. 2 +

Robert Lewandowski: Wieder in der 70. Minute eingewechselt, hatte er wieder ein Tor auf dem Fuss – doch diesmal zu lässig. Ansonsten eher unauffällig. 3

Blaszczykowski und Feulner waren zu kurz im Spiel für eine angemessene Bewertung.

-mrg, 25.09.2010

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