Spielbericht Profis

Westfalenstadion 4 Qurbanov 0

20.08.2010, 09:09 Uhr von:  Redaktion

Das hatte sich Agdam-Coach Qurban Qurbanov sicher anders vorgestellt. „Mit jedem erdenklichen Hilfsmittel“ bereitete er das Team aus dem äußersten Südosten der UEFA-Besatzungszone auf den Auftritt im Westfalenstadion vor. So trainierten die im Bakuer Exil spielenden Bergkarabacher u.a. zu den Geräuschen und Sounds des Westfalenstadions. Nobby Dickel jedoch hatte einen Plan. Erst ersetzte er das altbekannte und vielgeschmähte Heja BVB-Intro "I Came For You" durch AC/DCs Gassenhauer Thunderstruck und behielt sich dann die große Überraschung doch bis weit in die zweite Hälfte auf. Das, was gegen Mitte der zweiten Halbzeit auf die vergeblich gut vorbereiteten Agdamer zukam, war auch für einen Großteil des heimischen Publikums ein willkommener Weckruf: Minutenlanges Feedback schlich sich durch die Gehörgänge in die Ohren der Zuschauer und Spieler. 47.800 Menschen vereint in Schmerz und Furcht. Waren die Zuschauer ungewollt Zeuge eines Testversuchs einer akustischen Geheimwaffe? Konnte nur so der Angriff von Thomas Wark aus Mainz abgewehrt werden? Die Antwort werden wir so schnell nicht bekommen.

Aber auch so hatte es sich Qurbanov sicher anders vorgestellt. Die um den 109fachen lettischen Auswahlspieler Andrej Rubins, den 29jährigen Georgier Adamia und die beiden albanischen Wandervögel Admir Teli (4 A-Länderspiele) sowie Ansi Agolli (17 A-Länderspiele) ergänzte aserbaidschanische Ländervertretung musste bereits nach der ersten Halbzeit von der Gruppenphase Abschied nehmen. Zu dominant trat das Klopp-Team bei seinem ersten Europapokalheimspiel seit zwei Jahren auf. Nach einer etwas unruhigen Anfangsphase, in der der eingangs erwähnte Rubins und der quirlige George George Adamia zweimal für Gefahr sorgten, übernahm Borussia nach gut zehn Minuten das Ruder und gab es nicht mehr aus der Hand. Die Schwatzgelben ersetzen den wegen einer Magen-Darm-Grippe außer Gefecht gesetzten Owomoyela durch Neuzugan Piszczek und traten ansonten mit der Elf an, die am Wochenende gegen Burghausen zu überzeugen wußte. Angetrieben von Sahin und befeuert von Kagawa und Barrios gelang es den Schwatzgelben bereits vor der Halbzeit einen beruhigenden 4-0 Vorsprung herauszuschießen. Dabei durften sich Barrios und Kagawa je zweimal in die Torschützenliste eintragen. Beide einmal mit dem Fuß von außerhalb des Strafraums und einmal mit dem Kopf aus kurzer Distanz. Bei drei der vier Gegentore zeichnete sich im Tor Farhad Valiyev, der 29fache Nationalspieler Aserbaidschans, aus. Seine Bewerbungsmappe für einen Kasten in der ersten englischen Liga kann er nach diesen ersten 45 Minuten getrost abschicken, auf der Insel dürfte ein Platz für ihn freigehalten werden. Nach einem Viertel der Qualifikationsrunde hatte Borussia also die Gruppenphase bereits im Sack.

Dementsprechend ruhig ließ man es dann in der zweiten Halbzeit auch angehen. Ein, zwei Angriffe in Richtung Süd, ansonsten zeigte die um Bender, Götze und Lewandowski (für Kehl, Kuba und Kagawa) ergänzte Mannschaft eine abgeklärte Leistung. Nach hinten brannte nichts an, der nahezu beschäftigungslose Weidenfeller stolzierte dementsprechend dann auch mit seinem weißen Trikot vom Platz; vorne sorgte das rumänische Schiedsrichtergespann für ein wenig Aufregung. Pavel Christian Bajal verwehrte sowohl Kagawa als auch Barrios den ersten europäischen Dreierpack. Zweimal wurde auf Abseits entschieden, zweimal hätte man durchaus auch auf Tor entscheiden dürfen. Dafür konnten sich beide Innenverteidiger und der junge Bender im Laufe der zweiten Halbzeit ihre, zumindest für Hummels und Subotic verdienten, Gelben Karten abholen. Doch nur eine Dummheit in Baku könnte diese zum Thema für die Gruppenphase machen. Sämtliche Karten werden nach Abschluß der Qualifikation gelöscht.

So war gerade in der zweiten Halbzeit viel Zeit für Blicke in das viel zu lange nicht besuchte schönste Stadion der Welt und über dessen Tribünen. Wenig Veränderung in den fast vier Monate seit dem letzten Pflichtspiel gegen Wolfsburg. Nicht genug Zeit, um die Atmosphäre in der Erinnerung auszulöschen, aber dringend an der Zeit, diese Erinnerung wieder aufzufrischen. Und so standen die 47.800 Zuschauer, bis auf die knapp 250 unter der Flagge Aserbeidschans angereisten, erstmals gemeinsam in der 38.Minute. Man erfreute sich an Wechselgesängen. In der wenig aufregenden zweiten Halbzeit feierte sich die Tribüne erst selbst, dann, nach dem Geheimwaffentestlauf und dem anschließenden Ausfall der Soundanlage, den gewieften Norbert Dickel mit dem Anfang des Wer Wird Deutscher Meister Lieds, also mit "und jedes mal da sind wir wieder da, vor ausverkauftem Haus und Norbert ruft die Spieler aus", der die Welle mit der Süd nur zu gerne annahm und schlussendlich und immer wieder Farhad Valiyev, der bei jedem Ballkontakt frenetisch bejubelt wurde und so angespornt vor der Süd ohne Gegentreffer blieb. Erfreulich: Die vereinzelten Schmähgesänge in Richtung Sonnenstaat West gingen in einem kurzen, wirksamen Pfeifkonzert unter.

Qurban Qurbanov zeigte sich auf der Pressekonferenz beeindruckt vom jungen Dortmunder Team, machte wenig optimistisch den Bundesligastart als Schwachstelle aus. Agdam, die bereits am Wochenende pausierten, setzen auch am kommenden Spieltag aus und bereiten sich auf das Spiel am kommenden Donnerstag vor. Das alles bereitet Jürgen Klopp jedoch keine größeren Sorgen. Der sichtlich gut gelaunte Wunderheiler blickte auf der Pressekonferenz optimistisch in die Zukunft. Das sollten wir auch tun. Auf den äußersten Südosten folgt die Gruppenphase, so viel ist seit heute sicher. Das Spiel in Baku könnte zum Schaulaufen des „B-Teams“ werden, die Reise für die gut 400 Borussen wird eine entspannte werden.


BVB: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Kehl (66. Bender), Sahin -Kuba (49. Götze), Kagawa (70. Lewandowski), Großkreutz - Barrios
Qarabag: Valiyev - Medvedev, Teli (70. Hashimov), R. F. Sadigov, Agolli - Imamaliyev (46. Nadirov), Abasov, R. A. Sadigov, Rubins - Adamia - Aliyev (46. Yusifov)
Tore: 1:0 Kagawa (13.), 2:0 Barrios (20.), 3:0 Barrios (29.), 4:0 Kagawa (41.)

Zuschauer: 47.800

Noten:
Die durchweg gute, in der zweiten Halbzeit kräfteschonende Leistung belohnen wir mit einer guten 3 für alle Spieler. Allein Barrios und Kagawa scheiterten auch hier an der Dreierhürde und verdienten sich eine 2.

Eindrücke von der Stimmung und die Spielerstimmen findet ihr hier.

steph, 20.08.2010

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