Spielbericht Jugend

Borussia Dortmund verteilt Adventsgeschenke

28.11.2010, 15:57 Uhr von:  Redaktion

Was gibt es besseres, um die gestrige Siegestrunkenheit aus den Gliedern zu schütteln, als bei winterlichen Temperaturen ein Fußballspiel zu besuchen? Wie könnte man seine Euphorie besser dämpfen, als durch das Umschalten von Meisterschaftskampf in der Bundesliga auf Abstiegskampf in der A-Jugend Bundesliga? Der Entschluss, den ersten Advent in Brackel einzuläuten und dem Borussenderby noch das Westfalen-Ostwestfalenderby folgen zu lassen, war schnell gefasst. Die Umsetzung kostete dann doch eine gewisse Überwindung. Denn zu strahlendem Sonnenschein hatte sich klirrende Kälte gesellt und da fiel es doch etwas schwer, am Sonntagmorgen das muckelige Wohnzimmer zu verlassen.

Ausgangslage

Doch nachdem die Scheiben vom Eis befreit waren, ging es über Borsigplatz und Weisse Wiese gen Trainingszentrum, wo der Kunstrasen ein winterliches Weiß zeigte, da wohl über Nacht die (Kunst-)Rasenheizung ausgefallen war. Jetzt lief sie zwar, doch der Platz schien ziemlich rutschig zu sein und eher nicht für technisch anspruchsvollen Fußball geeignet. Nach der Niederlage gegen Spitzenreiter Leverkusen unter der Woche war der BVB in der Tabelle hinter die heutigen Gäste aus Bielefeld auf Rang 8 abgerutscht und Coach Hannes Wolf hatte den Klassenerhalt zum einzigen Saisonziel seiner im Umbruch befindlichen Mannschaft ausgerufen. Angesichts von nur 3 Punkten Vorsprung auf die Bochumer auf dem ersten Abstiegsplatz, ist es sicher richtig, den Blick nach unten zu lenken.

Zerfahrener Beginn

Hannes Wolf musste auf Innenverteidiger Antonio Rüdiger verzichten, der von Menendez ersetzt wurde. Ansonsten trat der BVB in der gleichen Besetzung an wie gegen Leverkusen. Wolf setzte auf das von den Profis bekannte 4-2-3-1 System, wobei in vorderster Front U17-Goalgetter Marvin Duksch für Gefahr vor dem Bielefelder Kasten sorgen sollte. Zum Advent hatten sich im Wesentlichen Freunde und Verwandte der Spieler nach Brackel aufgerafft, die Gesichter bekannter Scouts oder sonstiger ehemaliger Größen suchte man heute vergebens im Publikum.

Da das Schiedsrichtergespann die interessante Idee hatte, zu einem Spiel in Dortmund in gelben Trikots und schwarzen Hosen anzutreten, musste der BVB auf das schwarze Ausweichtrikot zurückgreifen. Da die Gäste in dunklem Bordeux-Rot antraten, waren die Spieler in der tiefstehenden Wintersonne nur schwer zu unterscheiden. Das kann man sicher besser lösen. Auch der Coach der Bielefelder, der Ex-Blaue Jörg Böhme maulte zu Spielbeginn, dass er überhaupt nichts sehen würde. Beide Mannschaften machten heute von Beginn an deutlich, dass hier nicht mit einem Fußballfest zu rechnen sein würde. Insbesondere der BVB immer wieder mit haarsträubenden Fehlern im Spielaufbau, die dazu führten, dass Bielefeld sich in der ersten Halbzeit eine deutliche Feldüberlegenheit erarbeiten konnte.

Chancen sprangen auf beiden Seiten nur wenige bei den Angriffsbemühungen heraus. Nach sieben Minuten prüfte Duksch mal die Aufmerksamkeit von Hund im Bielefelder Tor, als er nach einer Kombination mit Eisfeld eine verunglückte Flanke direkt aufs Tor zog. Nach 18 Minuten war das Spiel für U17 Nationalspieler Koray Günter schon wieder beendet. Nach einem Rempler im eigenen Strafraum fiel er unglücklich und musste gegen Onur Cenik ausgetauscht werden. Kurz darauf sorgte Ensar Enes Baykar, heute einer der auffälligsten Gästespieler, mit einer Einzelaktion für Gefahr. Seinen Schuss konnte BVB-Schlussmann Heuer Fernandez erst im Nachfassen zur Ecke klären. Ansonsten spielte sich die Begegnung hauptsächlich im Mittelfeld ab, wo es von beiden Seiten eine Vielzahl von Fehlpässen und Stockfehlern zu bewundern gab.

In der 33. Minute gingen die Gäste dann in Führung. Einen Freistoß aus halblinker Position brachte Baykan als Flanke vor das Tor, Heuer Fernandez segelte unglücklich unter dem Ball durch und Grieswelle köpfte ein. Kurz vor der Pause dann noch eine Schrecksekunde für die Dortmunder Anhänger, als Baus den Ball in der eigenen Hälfte an Grieswelle verlor, der frei auf das Dortmunder Tor zu lief, aber glücklicherweise daneben schoss.

Mach hoch die Tür, die Tor mach weit

Hannes Wolf schien seinen Jungs in der Halbzeit deutlich gemacht zu haben, dass man so als Heimmannschaft nicht auftreten darf, denn der BVB spielte nun mutiger nach vorn. Doch mehr als ein paar halbwegs gefährliche Aktionen von Eisfeld und Duksch sprang leider nicht bei den Offensivbemühungen heraus. Duksch wurde nun langsam ungehalten und holte sich beim Schiri die Gelbe wegen Meckerns ab. Dabei hätte er viel mehr Grund gehabt, sich bei seinen Teamkollegen zu beschweren, die die Bälle immer wieder hoch und weit in seine Richtung schlugen anstatt ihn mit vernünftigen Zuspielen zu füttern. In der 73. Minute gelang Bielefeld dann die Vorentscheidung. Ein Abpraller landet vor den Füßen von Przybylko der den Ball vom rechten Strafraumeck unhaltbar in den Winkel jagte. Nur vier Minuten später war der Drops dann endgültig gelutscht, als nach einem schnellen Bielefelder Konter Baykan frei auf das Tor zu lief und überlegt einschob. Der BVB hatte nun nichts mehr entgegen zu setzen und ergab sich in die Niederlage. Den Schlusspunkt setzten die Bielefelder dann 5 Minuten vor dem Ende nach einem weiteren Konter. Przybylko legte den Ball im Strafraum quer auf den eingewechselten Przybylko (die Verwandtschaftsverhältnisse konnten von uns nicht mehr geklärt werden), der den Ball nur noch ins Tor schieben musste.

Der Sieg der Gäste geht sicher in Ordnung, auch wenn er letztlich um ein, zwei Tore zu hoch ausfiel. Die Dortmunder U19 wirkte nicht eingespielt und offenbarte eklatante Schwächen im Spiel nach vorne. Von einem geordneten Spielaufbau war wenig zu sehen. Stattdessen gab es viele Fehlpässe im Mittelfeld und viel zu viele planlos nach vorne geschlagene Bälle, die eine leichte Beute für die Bielefelder Abwehr waren. Nach dem 2:0 nahmen sich die Borussen dann wohl das alte Adventslied zu Herzen und ließen die Bielefelder als gute Gastgeber etwas für das Torverhältnis tun. Hannes Wolf hat noch viel Arbeit vor sich, wenn er mit seinem Team nicht bis zum Ender der Saison um den Klassenerhalt zittern möchte.

Mannschaftsaufstellung BVB (4-2-3-1): Heuer Fernandes - Kübel, Günter (18. Cenik), Menendez, Piontek (69. Deiters) - Baus (46. Mustic), Unzola - Hölscher (63. Daglar), Silaj, Eisfeld (83. Mustic) - Duksch

Tore: 0:1 Grieswelle (33.), 0:2 Kacper Przybylko (73.), 0:3 Baykan (77.), 0:4 Jacub Przybylko (85.)

Gelbe Karten: Duksch, Piontek

Web 28.11.2010

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