Spielbericht Amateure

Auswärtsniederlage im Tempel ? Abstieg besiegelt

25.04.2010, 01:20 Uhr von:  Redaktion

Die Nord in LilaWer heute nicht in Nürnberg war und stattdessen das Westfalenstadion aufgesucht hatte, bekam die einmalige Gelegenheit, ein Auswärtsspiel von Borussia Dortmund im eigenen Tempel zu erleben. Das Spiel der Amateure gegen Osnabrück ging mal wieder nach einer Führung durch ein spätes Gegentor verloren und nur Fantasten können nun noch Hoffnung auf den Klassenerhalt haben. Zum Auswärtsspiel wurde die Partie durch die effektivste Kollektivstrafe des DFB für die Anhänger von Reserveteams: Die verfluchte Parallelansetzung.

Was ein echtes Highlight dieser Saison für die Fans der BVB Amateure hätte werden können, wurde ihnen ohne nachvollziehbaren Grund geklaut. Knapp 8.000 Niedersachsen hatten sich in die Westfalenmetropole aufgemacht und tauchten die Nordtribüne in ein unschönes Lila. Der VfL steht kurz vor der Rückkehr in die Zweite Liga und gutes Wetter und die relativ kurze Anreise taten ein Übriges, um die Reiselust zu wecken.

Leider hatte man beim DFB mal wieder alles dafür getan, um ein Fußballspiel in einem würdigen Rahmen zu verhindern. Das Saisonspiel der Amateure mit dem zahlenkräftigsten Gästebesuch fand weitgehend ohne Heimanhang statt. Die Südtribüne war nicht einmal geöffnet, so dass sich der kleine Haufen Dortmund Supporter auch noch im eigenen Stadion auf der Gegengeraden verstecken musste. Dort stand für jeden Anwesenden ein persönlicher Ansprechpartner in Grün bereit, so dass jede Lebensgefahr im Keim erstickt wurde. Schön, dass man sich beim Fußball heutzutage so sicher fühlen darf. Die leere Gelbe Wand bot einen gespenstischen Anblick. Auch die Westtribüne war komplett verwaist. Auf der Ost ging das Sicherheitskonzept hingegen nicht auf und die Fangruppen konnten nicht getrennt werden. Zwischenfälle wurden allerdings nicht bekannt. Fans beider Lager saßen relativ unbewacht, aber komischerweise trotzdem friedlich nebeneinander. Das ist gerade nochmal gut gegangen. Man sollte aber unbedingt über eine Aufstockung der Einsatzkräfte in diesem Bereich nachdenken. Denn absolute Sicherheit geht vor. Osnabrück machte zu Beginn ordentlich Rabatz. Auch der Oberrang und die Seiten der Nord zogen anfangs gut mit. Mangels Gegenwehr machten die Gäste einen lauten Eindruck, den der Hall im leeren Gemäuer weiter verstärkte. Dieses Niveau hielt man aber nicht das ganze Spiel über durch.

Theo Schneider hatte wieder eine neue Variante parat. Hille blieb auf der rechten Seite der Viererkette und Julian Koch durfte sich im defensiven Mittelfeld versuchen. Daniel Ginczek kehrte nach Gelbsperre ebenso in die Startelf zurück, wie Kapitän Uwe Hünemeier nach Verletzung. Mehmet Boztepe auf rechts und Yasin Öztekin links sollten Ginczek als Flügelzange unterstützen.

Erste Halbzeit

Ein Grüner für jeden GelbenUnsere Amateure waren von Beginn an bemüht, die Möglichkeiten, die ihnen der gute Rasen im Westfalenstadion bot, auszunutzen. Dass sie spielerisch ohne Probleme auch mit den besseren Teams der Dritten Liga mithalten können, hat der Saisonverlauf bereits gezeigt. Leider fehlte es zu oft an der Cleverness insbesondere im Abschluss und in den Schlussphasen der Spiele. Beides ist heute erneut unter Beweis gestellt worden. Doch dazu später mehr.

Zu Beginn der Partie ein großer Moment für die sg.de Amas-Crew: Der Fußballgott erschien im Pressebereich und grüßte uns freundlich. Sollte das ein gutes Omen auch für die Mannschaft sein? Der Fußballgott war ja in dieser Saison nun wahrlich nicht besonders häufig auf unserer Seite.

Die Amas anfangs trotz Auswärts-Atmo besser im Spiel als der Aufstiegskandidat von der Bremer Brücke. Zuletzt hatte man ja auswärts auch meist besser ausgesehen als zu Hause. Vielleicht half das ungewohnte Westfalenstadion und die Übermacht der lila Kühe auf den Tribünen den Jungs ja sogar dabei, ihre Nervosität in den Griff zu bekommen? Eine erste Torchance gab es nach einem Freistoß von Tyrala aus 35m, den ein OS-Verteidiger fast ins eigene Tor geköpft hätte. Dann zeigte sich auch der VfL das erste Mal im Angriff, doch Höttecke konnte den Schuss von Lindemann aus 17m problemlos parieren. Nach 10 Minuten war es erneut Lindemann, der einen Freistoss auf das Dortmunder Tor zirkelte, doch der ging knapp daneben. Öztekin zeigte sich ein paar Mal vor dem Osnabrücker Kasten, doch im Abschluss blieb er stets harmlos. Symptomatisch eine Szene aus der 27. Minute, als er 18 Meter vor dem Tor freigespielt wurde und überhastet daneben schoss. Auch Boztepe hatte seine Chance. Von Ginczek in Szene gesetzt, umdribbelte er im Strafraum einen Verteidiger, doch der Schuss rutschte ihm ab und ging weit daneben. Nach einer Flanke von Mehmet Boztepe aus dem Halbfeld kam Lukas Nottbeck zu einer Kopfballmöglichkeit, doch er konnte keinen Druck mehr hinter den Ball bekommen, so dass Berbig problemlos klären konnte.

Ginczek der vorne viele Bälle verteilte, aber selber kaum zum Abschluss kam, legte nach 32 Minuten für Öztekin auf. Endlich einmal ließ Yasin seine Gefährlichkeit aufblitzen und zwang Berbig aus 16 Metern zu einer Glanzparade. Die anschließende Ecke von Vrzogic wurde direkt vor die Füße von Sebastian Tyrala abgewehrt, der sich nicht zweimal bitten ließ und den Ball volley halbhoch im rechten Eck versenkte. Ein sehenswerter Treffer und eine bis dahin absolut verdiente Führung. Im Anschluss machte der VfL Druck. Nach einer Flanke von Tauer prüfte Kotuljac Höttecke mit einem Drehschuss. Doch Marcel zeigte erneut, dass er sich derzeit in einer ausgezeichneten Form befindet und wehrte den Ball zur Ecke ab. Bis auf den Ultrablock, der sich inzwischen weitgehend bauchfrei präsentierte, war die Stimmung bei den Gästen zu diesem Zeitpunkt ziemlich abgeflacht. Doch die Führung des BVB sollte nur sieben Minuten halten. Einen starken Schuss von Hansen konnte Höttecke nur nach vorne abwehren und Kutuljac staubte aus 5 Metern ab. Kurz darauf versuchte es Bencic mit einer Schwalbe und schon war wieder Stimmung im leeren Tempel. Doch Schiri Schalk fiel nicht darauf rein und pfiff kurze Zeit später zur Pause.

Die größeren Chancen in Halbzeit eins hatten definitiv die Amateure. Osnabrück war zumeist nur nach Standardsituationen gefährlich. Allein Lindemann und Torschütze Kotuljac fielen offensiv auf. Die Amateure hatten den Tabellenzweiten über weite Strecken im Griff. In der Abwehr machte sich die Rückkehr von Uwe Hünemeier positiv bemerkbar, der für viel Ruhe sorgte. Julian Koch kam im defensiven Mittelfeld nicht so zur Geltung. Auf der Außenbahn kann er seine Dynamik einfach besser ausspielen. Insgesamt ein gutes Spiel der Mannschaft bis hier, aber die verdiente Führung wurde mal wieder aus der Hand gegeben. Der bisherige Saisonverlauf und die äußeren Umstände drückten die Stimmung zudem erheblich.

Zweite Halbzeit

Zu Beginn der zweiten Halbzeit konnte der BVB nicht ganz an seine gute Leistung aus den ersten 45 Minuten anknüpfen. Osnabrück präsentierte sich nun stärker und die Amateure wurden vermehrt in die eigene Hälfte gedrängt. Ein erster Warnschuss von Heidrich ging knapp vorbei. Dortmund mit Kontergelegenheiten für Koch, Hille und Öztekin, die aber alle an der Osnabrücker Abwehr scheiterten. Nach 54 Minuten legte Heidrich den Ball am Fünfmeterraum auf Kotuljac zurück und der zog aus 11 Metern ab, doch Höttecke konnte gerade noch zur Ecke klären. Kurz darauf tauchte Siebert völlig frei vor ihm auf, doch seinen unplatzierten Schuss konnte Marcel mit dem linken Bein abwehren.

Die OS-Anhänger brachten mal wieder ihr Mantra von der amateurfreien Dritten Liga zu Gehör. Es ist einfach nur bitter, sich so etwas unwidersprochen anhören zu müssen, weil die zahlreichen Supporter unserer Amateure verhindert sind. Hier entstand der völlig falsche Eindruck, dass unser Reserveteam in Dortmund niemanden kümmert und schuld daran ist mal wieder nur diese elendige Parallelansetzung. Da blieb einem nur, die Faust in der Tasche zu ballen und einige Flüche in Richtung Frankfurt zu schicken. Auf Osnabrücker Seite konnte man sich jedenfalls bestätigt fühlen. Danke DFB!

Der VfL hielt den Druck hoch und erspielte sich ein deutliches Übergewicht. In der 79. Minute war es dann mal wieder so weit: Ein Kopfball des eingewechselten Schmidt sprang vom Innenpfosten direkt vor die Füße von Ricky Pinheiro. Der ebenfalls frisch eingewechselte Portugiese staubte trocken ab und die Amateure waren auf der Verliererstraße. Osnabrück zog sich nun zurück, blieb aber bei Kontern brandgefährlich. Dortmund nun nach vorne zu unpräzise und wenn sich doch mal eine Gelegenheit ergab, wie so oft unglücklich. So setzte Kullmann, der für Nottbeck gekommen war, nach einer Flanke von Piossek zum Flugkopfball an, um statt dem Ball nur die Grasnabe zu erwischen. Das tat beim Zuschauen schon weh.

Am Ende musste man fast froh sein, nicht noch höher verloren zu haben, obwohl man in der ersten Halbzeit überlegen und in der zweiten über weite Strecken gleichwertig gewesen war. Aber ohne Durchschlagskraft in der Offensive ist es nun mal schwer Spiele zu gewinnen.

Fazit

Versteckt auf der WesttribüneDer Abstieg ist nun endgültig besiegelt. Der Trainer klammerte sich zwar noch an die vage Hoffnung auf den 18. Platz und einen eventuellen Verzicht von Koblenz, aber selbst der dürfte schwer zu erreichen sein, bei einem Punkt Rückstand auf den WSV, der Dienstag noch ein Nachholspiel hat. Den Amateuren bleibt nur noch, sich Freitag gegen Regensburg ordentlich von ihren Fans zu verabschieden, denn das Spiel in Kiel läuft ja mal wieder parallel zu den Profis.

Diese Wettbewerbsverzerrung in einer Liga mit Reserveteams hat allein der DFB zu vertreten. Dagegen sollte der Protest sich richten und nicht gegen die Möglichkeit, Talenten in der Dritten Liga Wettkampfhärte beizubringen. Leider haben unsere Amateure eben diese zu oft vermissen lassen. Daher darf man sich auch nicht beschweren, wenn man nächste Saison in der Regionalliga antreten muss. Auch wenn viele Spiele unglücklich verlaufen sind, hat es letztlich nicht für die Dritte Liga gereicht. In der nächsten Saison wird die Mannschaft ein anderes Gesicht haben, denn viele Leistungsträger werden den BVB verlassen. Man darf gespannt sein, wie sich die runderneuerte Reserve in der nächsten Saison eine Klasse tiefer schlägt.

Statistik

BVB Amateure: Höttecke - Hille, Sobiech, Hünemeier, Vrzogic - Koch, Nottbeck (76. Kullmann) - Boztepe (60. Piossek), Tyrala, Öztekin – Ginczek, Trainer: Schneider

VfL Osnabrück: Berbig, Tauer, Nickenig, Bencik (68. Schmidt), Lindemann, Heidrich (75. Lejan), Schnetzler, Siegert, Kotuljac, Barletta, Hansen (70. Pinheiro), Trainer Baumann

Tore: 1:0 Tyrala (33.), 1:1 Kotuljac (40.), 1:2 Pinheiro (78.)

Schiedsrichter: Georg Schalk

Gelbe Karten: Tyrala (5. Gelbe), Vrzogic (5.), Ginczek – Schnetzler, Heidrich

Westfalenstadion 8603 Zuschauer

Ein Stimmungsvideo vom Spiel gibt es hier

Und den Live Ticker zum Nachlesen hier

Web 24.03+1.2010

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