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Vier Wochen in Südafrika (Teil 7) - Deutschland legt vor, Lucas und Nelson ziehen nach

30.06.2010, 00:00 Uhr von:  Rene
Lesezeit: ca. 7 Minuten
Vier Wochen in Südafrika (Teil 7) - Deutschland legt vor, Lucas und Nelson ziehen nach
Vier Wochen Südafrika

Auf der Rückfahrt vom Kruger Park steht lediglich etwas Sightseeing an. Wir halten zunächst an einigen Wasserfällen und Aussichtspunkten, bevor wir zum Blyde Canyon kommen. Erinnerungen an den Grand Canyon in den USA werden wach. An jeder Station findet man übrigens lokale Händler, die immer die gleichen schönen handgearbeiteten Souvenirs anbieten. Diese sehen wir auch immer wieder entlang des Weges.

Die ca. 400 km Fahrstrecke werden natürlich ausgiebig genutzt, um die Chancen der deutschen Mannschaft morgen zu diskutieren. Die Angst des Vorrunden-Aus liegt dabei deutlich spürbar in der Luft. Pünktlich zu den Abendspielen erreichen wir dann Pretoria und sehen den Einzug der Argentinier und Südkoreaner in das Achtelfinale. Hoffentlich klappt es auch morgen bei uns.

Markt

Bevor wir nun zum zweiten Mal nach dem Eröffnungsspiel zum Soccer-City-Stadion fahren, werden morgens um 9 Uhr noch ein lokaler Markt und einige Sehenswürdigkeiten im Stadtteil Soweto (South Western Township) in Johannesburg besichtigt. Heute sind wir mit drei Bussen unterwegs. Dummerweise sind Bus eins und zwei auf einmal weg, so dass wir im dritten Bus im Township erstmal umherirren. Nach 15 Minuten ist die Gruppe aber wieder vereint. Abschließend steht noch eine Brauereibesichtigung in der SAB World of Beer auf dem Programm. Da unsere Reiseleitung nach der schlechten Erfahrung bei der Anreise dieses Mal übervorsichtig ist, wird die 90-Minuten Tour mal eben auf 15 Minuten zusammen gestrichen. Naja, viel gab es eh nicht zu sehen, da die Tour hauptsächlich aus Videovorträgen bestand.

Fanfest

Während unsere Nervosität immer weiter steigt, schauen wir auf einem nahen Fanfest noch die Begegnungen am Nachmittag. Auch hier wieder das gleiche Bild wie in Port Elizabeth: Es ist kaum jemand da. Dieses mal sind die Einheimischen allerdings klar in der Überzahl. Von den 20 Kühlschränken am Getränkestand sind gerade mal drei gefüllt. Mehr ist auch nicht nötig, da kaum jemand etwas kauft. Eigentlich schade, dass der Zuspruch so gering ist, da neben den Fußballspielen auch ein ordentliches Rahmenprogramm geboten wird. Meist sind es lokale Musikgruppen, die hier auftreten. Ein Fernsehteam ist auch vor Ort. Spontan wird eine Szene für das Vorprogramm eines lokalen Senders gedreht.

Unsere Reisegruppe verlässt bereits zur Halbzeit das Fanfest. Die Angst vor dem Verkehr in Johannesburg ist vielen noch anzumerken. Bei noch 9 km zum Stadion erscheint uns eine Abfahrt knapp vier Stunden vor Spielbeginn aber verfrüht. Wir setzen wieder auf öffentliche Verkehrsmittel. So sehen wir noch das Tor der US-Boys in der Nachspielzeit. Damit steht dann auch unser Gegner fest, falls wir das Spiel heute Abend gewinnen sollten. England heißt er. Nach 15 Minuten zur Busstation und 10 Minuten Fahrt, erreichen wir das Stadion um 18:30 Uhr. Im Gegensatz zum Eröffnungsspiel können dieses Mal sogar einige brauchbare, warme Speisen erworben werden.

Schland - Ghana

Zum Spiel brauche ich wohl nicht viel zu schreiben: Ghana mit einigen Chancen, Deutschland gerade in der ersten Hälfte sehr zurückhaltend. Wir erkennen auch recht schnell, für wen die Herzen der Südafrikaner heute schlagen. Bei jedem Angriff von Ghana steigt der Geräuschpegel im Stadion deutlich und ganze Blöcke springen hektisch auf. Einer guten Chance für Ghana in Halbzeit zwei folgt dann recht schnell das Tor für Deutschland. Der ganze Block ist in Feierlaune. Hier denkt keiner mehr an ein Ausscheiden, zumal durch die Führung von Australien mittlerweile auch ein Unentschieden reicht. So genießen wir die letzten Spielminuten in unserem Block und feiern den Einzug ins Achtelfinale. Mit dem Bus erreichen wir unser Hotel dann gegen Mitternacht. Nach dem langen Tag fallen wir auch sofort ins Bett.

Nach einer etwas längeren Nacht steht nun die Fahrt nach Polokwane auf dem Programm. Paraguay gegen Neuseeland heißt die heutige Begegnung. Mittlerweile hat sich auch alles etwas eingespielt, so dass wir ohne weitere Zwischenfälle das Peter-Mokaba-Stadion erreichen. Hier werden wir auch gleich von kreischenden Schulkindern begrüßt. Nach drei Autogrammen auf die Schuluniformen und einigen Fotos kann ich entfliehen, während der Rest unserer Gruppe noch belagert wird. Auf dem Weg zum Stadion kann ich mindestens ein halbes Dutzend verschiedene Uniformen identifizieren.

Stadion

Die FIFA und ein großer Brausehersteller haben heute eine Menge Karten samt Essensgutscheinen an Schulen verschenkt. In den Blöcken erkennt man so immer wieder größere Gruppen mit gleicher Kleidung. Für die Kinder und Jugendlichen sicher ein einmaliges Erlebnis.

Auch heute erwartet uns wieder ein Neubau. Es zeichnet sich das gleiche Bild wie in Nelspruit: Das Stadion ist top, aber drumherum ist viel Nichts. Die 16 Uhr Spiele sind übrigens Kleidungstechnisch ein echtes Problem. Beim Anpfiff haben wir T-Shirt-Wetter bei strahlendem Sonnenschein. In der zweiten Halbzeit ist die Sonne weg und mit Pullover und Sommerjacke ist es doch schon sehr kalt. Dieses ständige hin und her zwischen warm und kalt hat uns allen mittlerweile eine leichte Grippe beschert.

Schulkinder

Das Spiel gestaltet sich recht langweilig. Neuseeland braucht einen Sieg, bring spielerisch aber kaum etwas zu Stande. Paraguay spielt sehr verhalten. Ein Unentschieden reicht hier um die nächste Runde zu erreichen. Nelson kann sich in den ersten 70 Minuten kaum auszeichnen. Erst als Lucas für ihn eingewechselt wird, kommt Paraguay zu einigen besseren Chancen. Trotzdem reicht es nicht mehr für ein Tor. Auf den Tribünen kann man Tänze der Schulklassen beobachten. Sie lassen sich das Erlebnis durch das langweilige Spiel nicht verderben. Auch unsere Stimmung ist durch das Ergebnis des zeitgleichen Spiels der Italiener gegen die Slowakei bestens.

Die 250 km Rückfahrt verlaufen nach einem kurzen Stopp am „Liquor Store“ feucht fröhlich. Es dauert jedoch auch wieder eine Stunde bevor wir dem Verkehrschaos in Polokwane entfliehen können.

Leicht verkatert geht es am nächsten Morgen zur Wiege der Menschheit („Cradle of Humankind“) in der Nähe von Pretoria. Da hier einige Primaten-Fossilien gefunden wurden, hat man gleich ein Museum zur Entstehung von Leben auf der Erde gebaut. Neben dem Museum wird auch noch eine Ausgrabungsstätte besichtigt. Ist ganz nett gemacht, aber wohl eher was für jüngere Generationen.

USA - Ghana

Am Abend steht dann das Spiel zwischen Spanien und Chile auf dem Programm. Bevor es los geht, wird unser Bus allerdings von zehn zum Großteil weiblichen Fans aus Chile geentert. Mit einigen Chi-Chi-Chi Le-Le-Le Gesängen geht es zum Stadion. Dieses Mal finden wir keinen Neubau vor. Das Loftus-Versfeld ist ein älteres Stadion, dass für die WM lediglich etwas modernisiert wurde. Viele Zugänge sind auf Grund der vielen VIP-Bereiche abgesperrt, so dass wir uns den Weg zum Block mehrfach erfragen müssen. Etwas chaotisch, aber das sind wir ja schon gewohnt. Im Stadion sitzen wir direkt neben der Pressetribüne auf dem Oberrang der Haupttribüne. Allgemein können wir uns über die Plätze in den Stadien bis jetzt nicht beschweren. Wir haben immer die günstigen Karten der Kategorie 3 bestellt. Im Vergleich zur WM 2006 in Deutschland haben wir aber meist wesentlich bessere Plätze bekommen.

Bevor das Spiel beginnt, dürfen wir noch beobachten, wie einige Ordner hinter einem Tor alle Zaunfahnen hochklappen. Auf der anderen Seite ist aber jegliche Beflaggung erlaubt. Zum Anpfiff hängen dann aber auf beiden Seiten wieder alle Fahnen. Dortmund ist mit Borsti, Detmold und Selm City auch wieder gut vertreten. Allgemein sind heute viele deutsche Fahnen zu sehen. Das Spiel selbst wird von den Spaniern geprägt. Mit Hochdruck geht es immer wieder auf das Chilenische Tor. Die Südamerikaner wissen sich meist nur mit Fouls zu helfen und kassieren eine Karte nach der anderen. Folgerichtig führt Spanien zur Halbzeit mit 2:0 und Chile muss den Rest des Spiels mit zehn Mann bestreiten. Nach dem glücklichen Anschlusstreffer der Chilenen verflacht die Partie etwas. Beide Mannschaften wissen, dass sie mit dem Ergebnis ins Achtelfinale einziehen.

In der zweiten Halbzeit bin ich dann irgendwie im VIP-Bereich gelandet. Eigentlich wollte ich nur die Tribüne wechseln um ein paar Fotos zu machen. Ohne Kontrolle ging es dann in eine der Suiten. Nun ja, wenn man schon mal da ist... So kann parallel das Spiel der Schweizer gegen Honduras beobachtet werden. Mehr als ein 0:0 ist aber nicht drin. Schade für Alex Frei, ich hätte ihm ein Weiterkommen gegönnt.

Morgen geht es noch in den Lion Park zum Löwenstreicheln, bevor die Achtelfinals beginnen. Bei uns steht zunächst USA-Ghana in Rustenburg auf dem Programm, bevor der Höhepunkt der Tour kommt: Deutschland gegen England. Wir dürfen auf ordentlich Stimmung im Stadion hoffen.

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