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Vier Wochen in Südafrika (Teil 6) - Tröööööt: Elefant - Vuvuzela 2:0

25.06.2010, 00:00 Uhr von:  Rene
Lesezeit: ca. 6 Minuten
Vier Wochen in Südafrika (Teil 6) - Tröööööt: Elefant - Vuvuzela 2:0
Vier Wochen Südafrika

Die lange Rückfahrt mit dem Bus nach Pretoria haben wir René überlassen und uns stattdessen noch einen schönen Tag in Port Elisabeth gemacht. Mit dem Flieger ging es dann abends recht günstig zurück. Die Bus-Tour an sich war aber auskunftsgemäß ereignislos... leider erst nachdem man morgens einen Umweg über die Polizei gemacht hat. Der Bus wurde in der Nacht über das nicht verschließbare Fahrerfenster geentert.

Neben ein paar Jacken und Taschen wurde auch das komplette Entertainmentsystem entfernt. Leider auch die Steuerung für Klimaanlage, sodass wir ab nun ohne unterwegs sind. Irgendwas ist halt immer mit der Möhre.

Nach einer kurzen Nacht mit 4 Mann im Doppelzimmer sollte um sieben Uhr planmäßige Abfahrt sein. Es sah bereits alles danach aus, als ob es zum ersten Mal pünktlich losgehen würde. Der Bus und alle Mitreisenden standen pünktlich vor der Tür. Leider waren Fahrer und Tourguide nirgends zu finden. Sie dachten nämlich, es ginge erst eineinhalb Stunden später los. Kurzer Weck-Anruf und mit der inzwischen üblichen knappen Stunde Verspätung ging es auf den Weg Richtung Nelspruit. So langsam haben wir die deutsche Pünktlichkeit zu Lasten der afrikanischen Gelassenheit eingetauscht, notgedrungen allerdings.

Stadion in Nelspruit

Die Fahrt führte uns zunächst durch steppenähnliche, recht karge Landschaften, die allmählich in bergiges und auch deutlich grüneres Gebiet führten. Vorbei an einigen Zitrusplantagen konnte man sogar einige Giraffen und Antilopen bestaunen. Die afrikanische Landschaft überrascht jede Fahrt aufs neue mit einer unglaublich abwechselungsreichen und interessanten Mischung aus Ebenen, Gebirgen sowie Tier- und Pflanzenwelt. Erwähnenswert sind auch die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht hier im Winter. Bei der Abfahrt hatten wir etwa null Grad. Die erste Stunde im Bus war demnach recht kalt. Die Sonne knallte dann aber ganz gut und bis Mittag dürften wir um die 25 Grad erreicht haben. Schwierig für solche Schwankungen die richtigen Klamotten einzuplanen.

Nelspruit selbst ist eher unspektakulär. Eine Kleinstadt inmitten der Steppe ohne große Sehenswürdigkeiten. An einer Mall stärken wir uns kurz mit Spaghetti, passend zum Spiel heute. Die Fahrt von der Mall zum Stadion funktioniert anschließend tadellos im vorhandenen Park&Ride System mit kleinen Shuttlebussen. Das Stadion besticht durch seine Architektur und passt sich quasi der Landschaft an. Die Masten der Dachkonstruktion sind Giraffen nachempfunden und die Bestuhlung erinnert farblich an Zebras. Nur um das Stadion herrscht noch Wüste. Hastig wurde kurz vor der WM versucht an einigen Stellen etwas grün anzupflanzen. Trotzdem und auch wenn ein sinnvoller Verwendungszweck mit dieser Dimension nach der WM in dieser Gegend fraglich erscheint: Eine schöne Sportstätte.

Fanwagen Südafrikanischer Art

Wenn da nur nicht diese Vuvuzelas wären. Irgendwie scheinen diese heute zahlreicher als sonst, lauter und auch deutlich näher. Im 6. Spiel im 6. Stadion hat sich meine Meinung diesbezüglich umgekehrt, ich fand es heute extrem störend, obwohl sogar die halbe Kurve rhythmisch mitmacht. Aber wiederkehrende 6x kurz und 1x lang findet nicht nur der Westfale zum Kotzen. Interessant die offenbar unterschiedlichen Anweisungen an das Ordnungspersonal in den Stadien. Die Ordner lehnen heute jegliche Beflaggung (auch kleine Fahnen an den Oberrängen) konsequent ab. Borsti hängt in der ersten Halbzeit 2 Minuten, in der Zweiten ist nach fünf Minuten die Geduld der Ordner zu Ende. Während des gesamten Spiels sind immer wieder Ordner zu beobachten, die sämtliche Fahnen entfernen. Sterilität olé.

Der Spielverlauf ist schnell erzählt, die Italiener gehen früh in Rückstand und lassen sich bei jedem Allerweltsfoul in der ersten Halbzeit theatralisch fallen und sterben. Zeitgleich umringen 2-5 Mann den Schiri und zeigen ihm, was er denn alles so nicht gesehen hat. Ätzend! Immerhin gelingt es Ihnen dadurch, 2 gelbe Karten zu schinden und den Sturm der Neuseeländer faktisch zu blockieren. Ob der Elfmeter berechtigt war, kann ich nicht beurteilen, die heftigen Proteste der Neuseeländer lassen aber Böses erahnen. In der zweiten Halbzeit wirkt Italien deutlich stärker, die Abwehr der Kiwi's steht aber gut und der Torwart strahlt eine unglaubliche Ruhe aus. Die Fans feiern ordentlich, sind aber leider nur optisch wahrzunehmen, der sonore Sound der Tröten ist heute leider übermächtig. Das Ergebnis ist gar nicht unverdient und für die Italiener wird es gegen Slowenien dann hoffentlich schwer. Der Fußball, den sie bei dieser WM wieder zeigen, ist wenig ansehnlich und die Schauspielerei ist einfach nur nervig und unsportlich. Ich jedenfalls hätte nichts dagegen, wenn sich Paraguay und die Kiwi's in der Gruppe durchsetzen.

Nun geht es mit dem Bus weiter nach Hazyview, der Abend klingt bei einem traditionellen Mahl mit Chicken Mosambique und Gnu-Gulasch aus dem DutchOven aus.

Stadion im Zebra-Look

Am nächsten Morgen fahren wir um 6 Uhr in einen zu allen Seiten (auch vorne!) offenen Geländewagen in den Kruger-Nationalpark auf Safari. Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt sind wir jeder mit mindestens 3 Lagen Kleidung und in eine Bundeswehrdecke eingemummelt. Hilft aber nix: nach 3 Stunden eisigem Fahrtwind sind wir bis auf die Knochen durchgefroren. Der Sonnenaufgang und erste unspektakuläre Tiersichtungen entschädigen nur bedingt. Erst der Kaffee und eine heiße Schokolade bessert die Laune merklich auf. Die Jeeps verteilen sich in unterschiedliche Richtungen des Parks, halten sich aber per CB-Funk auf dem Laufenden. Neben diversen Antilopenarten, die es hier wie Tauben auf einem Kirchplatz gibt, sehen wir zunächst ein paar Flusspferde, die gemächlich in der Sonne glänzen. Der erste Büffel ist da schon spannender. Es ist das gefährlichste Tier, wenn man in Südafrika zu Fuß jagen geht. Recht griesgrämige Zeitgenossen, dem Gesichtsausdruck nach zu urteilen.

Die Guides kennen sich gut aus und haben echte Adleraugen. Urplötzlich halten sie an, zeigen in eine Richtung und erkennen auch auf weite Distanzen irgendwelches Getier. Ziemlich beeindruckend. Leider sind die Nashörner so weit weg, dass wir sie nicht wirklich identifizieren. Es könnten auch Steine gewesen sein. Unseren weiteren Weg kreuzen Giraffen, Warzenschweine, Kudu's und einige Zebras. Das Highlight sind aber sicher die Elefanten. Zunächst eine größere Herde mit vermutlich 8-12 Tieren in ca. 100m Entfernung. Beeindruckende Tiere und ein ungewohntes Bild, diese mit kompletten Stoßzähnen zu sehen. Etwas später begegnen wir wieder einer diesmal kleineren Herde mit einem Muttertier mit deren 4 Töchtern.

Kruger-Nationalpark

Gemächlich futtern sie keine 10 Meter von uns entfernt ein wenig Gras, um dann die Straße zu überqueren. Klasse! Auf dem Rückweg dann noch einmal Aufregung: über Funk wird durchgegeben, dass Wildhunde eine Antilope angreifen. Mit Vollgas geht’s dorthin und wir sehen gerade noch, wie eine Herde Gnu's einen der Hunde vertreibt. Dieser hat es aber auf eine einzelne Antilope abgesehen und jagt diese bis an den Horizont. Ein gelungener Abschluss der Safari.

In einem Dorf des Shangaan Stammes endet der Abend bei einem traditionellen Mahl und Tänzen, die uns die Geschichte der Ureinwohner näher bringen. Der Rückweg morgen führt über ein paar Sehenswürdigkeiten ins bekannte Pretoria. Ein Tag später heißt es dann Daumen drücken für die Deutschen im Soccer City in Johannesburg.

Weitere Impressionen

Text: Mirko

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