schwatzgelber Saisonrückblick

Saison 1984/85: Trainer, Vorstand, Tippenhauer raus - Das Desaster Teil 2

07.04.2010, 17:09 Uhr von:  CHS

Die Saison 1984/85 ist wohl einer der schwierigsten Spielzeiten des BVB. Nicht nur sportlich schrammt Dortmund am Abstieg vorbei, sondern auch finanziell geht es dem ehemaligen Zuschauerkrösus miserabel. Gerettet wird der BVB dank der Rückkehr vom Dr. Rauball. Auch das Experiment Manager scheitert, so dass der Ausruf der Fans zu einem Markenzeichen wird.

Das BVB-Logo
Die Saison beginnt mit der dritten namhaften Verpflichtung des BVB. Nach Andre Egli und Frank Pagelsdorf begrüßt man am Borsigplatz den ehemaligen 26jährigen KSC-Spieler Wolfgang Schüler. Die Verpflichtung vom Frankfurter Ronald Borchers scheitert hingegen. In der Roten Erde findet dann am 02.07.1984 das erste Training unter dem neuen BVB-Trainer Timo Konietzka statt. Der ehemalige BVB-Stürmer verspricht: „Ich werde die Löwen rauslassen" und droht: „Jeder hat seine Chance, aber wer nicht mitzieht, kann sich schnell verabschieden."


Mit einem BVB-like-Ergebnis endet das erste Testspiel von Borussia Dortmund bei Arminia Bielefeld. Am 4.07.1984 müssen die Arminien sich mit 0-9 geschlagen geben. Drei Tage später geht es dann in das elftägige Trainingslager nach Neheim-Hüsten, wo man am 10.07. die Auswahl Hohenlimburg mit 12-2 und einen Tag später den TuS Oeventrop mit 7-2 besiegt. Am 13.07. zeichnet sich Bernd Klotz als dreifacher Torschütze gegen den hessischen Bezirkslisten SC Willingen aus und der BVB gewinnt am Ende mit 8-2. Zwei Tage später besiegen die Westfalen den SuS Hüsten 09 mit 4-1 und am 17.07.1984 gibt es dann gegen den schottischen Erstligisten Dundee United in Hamm ein 1-1. Torschütze ist der Youngster Ingo Anderbrügge. Zurück in Dortmund folgt dann ein klarer 14-3-Sieg bei Teutonia Lanstrop.

Nur einen Tag später geht es auf zum zweiten Trainingslager, diesmal in die Schweiz. Am 22.07. spielt der BVB dort beim FC Aarau und gewinnt durch zwei Treffer des Neu-Dortmunder Egli klar mit 5-2. In Kriens findet dann zwei Tage später ein Turnier statt; erster Gegner ist der FC St. Gallen. Trainer Konietzka agiert dabei mit zwei Verteidiger und einem Libero vor der Abwehr. Am Ende der Spielzeit steht es dann 2-2 und das Fazit des Trainers: „Das Experiment ging völlig daneben, diese Taktik können wir vergessen." Trotzdem gewinnt der BVB noch mit 13-12 im Elfmeterschießen. Am 26.07. folgt dann das Finale und Dortmund geht mit 1-5 gegen den FC Luzern unter. Die erste Niederlage in der Vorbereitung kassiert der BVB vor allem durch eklatante Abwehrschwächen. Erneut zwei Tage später endet das Trainingslager in der Schweiz mit einem Spiel gegen den FC Basel. Dank des zweifachen Torschützen Pagelsdorf gewinnt man das Spiel mit 2-2.

Am 29.07.1984 wird der BVB endlich wieder Deutscher Meister. Zwar nicht bei den Profis, aber die B-Jugend siegt mit 1-0 gegen den TSV 1860 München. Torschütze ist Adrian Spyrka. Mit dabei sind Spieler wie Thorsten Fink und Maurice Banach. Zwei Tage später muss der BVB nach Tenhagen, Konopka, Reich und Hein den fünften Abgang verzeichnen. Für 700.000 DM wechselt Erdal Keser zum Jupp Derwall-Club Galatasaray Istanbul. Am 01.08.1984 trennt sich der BVB 3-3 vom VfL Osnabrück und drei Tage später verlieren die Dortmunder gegen den FC Liverpool mit 0-1. Nur dank eines glänzend aufgelegten Eike Immel kann der BVB die Niederlage in Grenzen halten. Die „Reds" zeigen die Schwächen der Borussen schonungslos auf.

Auch im Testspiel beim 1. FC Recklinghausen am 09.08.1984 kann der BVB beim 5-4 nicht überzeugen. Zwei Tage später geht es dann zum Kreisligisten Eintracht Oelde, der sein 25-jähriges Bestehen feiert. Die Dortmunder siegen dort klar mit 18-0 und allein Bernd Klotz kann sechs Treffer dazu beitragen. Beim Freundschaftsderby in Siegen drei Tage später kassieren die Dortmunder eine verdiente 1-2-Niederlage und es zeigt sich, dass es noch in allen Mannschaftsteilen klemmt. Am 18.08. geht es dann zum TSV Verden und der BVB kann endlich wieder Marcel Raducanu nach seiner langwierigen Achillessehnenverletzung einsetzen. Am Ende ist der BVB mit einem 4-0 siegreich. Im letzten Vorbereitungsspiel geht es dann zu Schwarz-Weiß Oldenburg und der BVB gewann klar mit 10-0.

Trotz einer starken Leistung beim Saisonauftakt am 25.08.84 im heimischen Westfalenstadion unterliegt der BVB dem Hamburger SV mit 1-2. Neben den beiden Neuzugängen Egli und Schüler feiert vor allem der 18jährige Daniel Simmes ein gelungenes Debüt. Viel Pech hat der BVB drei Tage später bei seiner Reise zu Bayer 05 Uerdingen. Wie schon gegen den HSV verlieren die Dortmunder in der Schlussphase die Partie mit 1-2. Auch die zu unrecht verhängte Rote Karte für Andre Egli sorgt nicht für Glücksgefühle. Der September beginnt mit der ersten Runde im DFB-Pokal. Eine halbe Stunde lang, kann der Saarländische Verein ASC Dudweiler von der Pokalsensation träumen, dann sorgen die Wegmann, Schüler (jeweils mit zwei Treffern) und Klotz für den 5-1-Endstand. Und dem BVB bleibt in diesem Monat die Fortuna wohlgesonnen, denn bei der DFB-Sportgerichtsverhandlung wird Andre Egli freigesprochen. In der Bundesliga sieht es dafür nicht so gut aus, denn auch das zweite Heimspiel, diesmal gegen den VfL Mönchengladbach, geht mit 2-3 verloren.

Auch sonst gibt es Probleme: Am 10.09.1984 wird Lothar Huber vereinsintern gesperrt. Er äußert sich nach dem Gladbachspiel kritisch über den Trainer Konietzka und muss zum Rapport antreten. Man legt ihm nahe, dass er den Verein verlassen soll, aber Huber will seine Trainingsbeteiligung notfalls per Anwalt erzwingen. Die Reise nach München verläuft ebenso erfolglos, der FC Bayern gewinnt mit 1-0. Am 21.09. kann der BVB seinen ersten Saisonsieg in der Bundesliga feiern. Im Heimspiel gegen den VfL Bochum gibt es ein klares 3-0, allerdings fallen diese Treffer durch zweimal Jürgen Wegmann und Marcel Raducanu erst ab der 79. Minute. Der Dämpfer folgt aber bereits acht Tage später in Köln. Nach dem Ausscheiden von Rolf Rüssmann zur Pause (Grippe) brechen bei den Dortmunder alle Dämme. Am Ende gewinnt der 1. FC mit 6-1, alleine Klaus Allofs erzielt vier Treffer.

Im Heimspiel gegen Bayer 04 Leverkusen am 05.10. gibt es nicht nur einen 2-1-Sieg zu feiern, zusätzlich avancierte der erst 18 jährige Daniel Simmes, der nicht nur nach einem sensationellen Solo das 1-0 erzielt, sondern auch den 2-1-Treffer für Klotz auflegt, zum Matchwinner. Trotz des Sieges fällt der BVB auf den letzten Platz zurück. Beim Auswärtsspiel in Stuttgart verliert der BVB nicht nur die Partie gegen den VfB mit 0-2, sondern muss auch den Ausfall von Meinolf Koch hinnehmen, der sich einen Schien- und Wadenbeinbruch zuzieht. Drei Tage später findet die 2. Runde im DFB-Pokal statt. Gegner im Heimspiel ist dort der Reviernachbar aus Gelsenkirchen. Nach Verlängerung kann der BVB glücklich durch ein Freistosstor Sekunden vor dem Abpfiff ein 1-1 erreichen und erzwingt ein Wiederholungsspiel in Gelsenkirchen.

Eine desolate Leistung bietet der BVB beim Heimspiel gegen den Karlsruher SC. Nur Eike Immel zeigt Normalform bei der 0-2-Niederlage und durchs Stadion hallt der Schlachtruf: „Vorstand, Trainer, Tippenhauer raus!". Die Fans proben den Aufstand und versuchen Trainer Konietzka und Manager Tippenhauer per Sitzblockade auf dem Weg zur Pressekonferenz aufzuhalten. Zur sportlichen Krise gesellt sich nun auch die administrative. Auf einer Sitzung des Wirtschaftsrates tritt der komplette Vorstand zurück. Als Nachfolger wird der Feuerwehrmann Dr. Reinhard Rauball gehandelt. Am 24.10.1984 bestimmte das Amtsgericht den neuen Vorstand um Interimspräsident Dr. Rauball. Neben Schatzmeister Vogt wird ein Unbekannter namens Dr. Gerd Niebaum, der zuerst gar nicht diesen Posten haben wollte, zum Vizepräsidenten gewählt. Aber Dr. Rauball überzeugt ihn mit den Worten: „Du bist doch Dortmunder, hast hier alles erlebt, dann kannst du nicht ‚ohne mich' sagen." Die erste Amtshandlung des neuen Präsidenten ist die Entlassung von Trainer Konietzka und Manager Tippenhauer. Das Training übernimmt Co-Trainer Saftig, während die Aufgaben des Managers vom ehemaligen Geschäftsführer Walter Maahs übernommen wird. Im Verein herrscht Chaos auf allen Ebenen, woran der ehemalige Vorstand um Frank Roring einen erheblichen Anteil hat.

Das erste Spiel nach Trainer Konietzka endet mit einem 2-1-Auswärtssieg bei Waldhof Mannheim. Trainer Saftig reaktiviert dabei die unter seinem Vorgänger aussortierten Spieler Huber und Pagelsdorf und kann einen eminent wichtigen Sieg feiern. Nur ein Tag später stellt Not-Präsident Rauball den neuen Trainer vor und sagt: „Wir freuen uns besonders, mit Ribbeck den verhinderten Nationaltrainer verpflichtet zu haben." Erick Ribbeck unterschreibt einen Vertrag bis zum Saisonende. Im Wiederholungsspiel in der 2. Runde des DFB-Pokal reist der BVB am 31.10.84 nach Gelsenkirchen und man verliert in einem typischen Pokalfight mit 2-3. Auch beim ersten Bundesligaauftritt unter dem neuen Trainer muss Dortmund eine bittere Heimniederlage hinnehmen. Der BVB verliert völlig verunsichert gegen den ebenfalls nicht überzeugenden 1. FC Kaiserslautern mit 0-3. „Es gibt noch einen Haufen Arbeit hier in Dortmund, aber ich bin nach wie vor optimistisch, dass wir den Klassenerhalt schaffen werden" erklärt Ribbeck nach dem Spiel.

Im Auswärtsspiel bei Fortuna Düsseldorf erreicht der BVB am 9.11. ein torloses Unentschieden. Vier Tage später kann Trainer Erich Ribbeck seinen ersten Sieg feiern. Im Kellerduell gegen Eintracht Braunschweig siegen die Dortmunder mit 3-1 durch Tore von Zorc (Elfmeter), Schüler und Egli. Durch diesen Heimsieg geben die Dortmunder die „Rote Laterne" an ihrem Gegner ab. Zwei Tage später findet in Dortmund die Hauptversammlung des BVB statt und Dr. Reinhard Rauball wird mit überwältigender Mehrheit in seine zweie Amtzeit gewählt. Allerdings muss der neu gewählte Präsident gleich eine Hiobsbotschaft verkünden, da der BVB einen Rekordschuldenstand von 8,3 Mio. DM hat. Durch Bankguthaben und Forderungen (die man allerdings nicht nutzen konnte) sinken die Verbindlichkeiten auf 4,3 Mio. DM. „Wir stehen vor schwierigen Entscheidungen, die von allen Beteiligten Opfer verlangen. Bei uns hilft nur ein spartanischer Sparkurs" erklärt Dr. Rauball vor der Versammlung.

Tragisch endet für Bernd Storck das Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt. Zuerst erzielt er die 1-0-Führung, aber mit einem Eigentor macht er die 1-2-Niederlage perfekt. Das Auswärtsspiel auf der Bielefelder Alm fällt dem starken Regen und orkanartigen Windböen zum Opfer, denn die Stadt Bielefeld sperrt das Stadion. Am 1. Dezember setzt sich der Aufwärtstrend bei den Borussen fort. Beim dritten Aufeinandertreffen des BVB gegen Schalke behalten diesmal die Dortmunder die Oberhand. Durch Tore von Wegmann, zweimal Schüler und Zorc schaffen die Borussen ein klares 4-1. Allerdings hat der BVB Glück, dass das 2-0 von Schüler überhaupt zählt, denn der hatte den Treffer im Stile der Handballabteilung vorbereitet. Aber Schiedsrichter Barnick und seine Linienrichter haben den Verstoß nicht gesehen.

Außerdem kann Präsident Dr. Rauball mitteilen, dass man durch verschiedene Hilfsmassnahmen den Schuldenstand um 2 Mio. Euro verringert hat. Diese Summe wird durch eine beispiellose Aktion der Mannschaft möglich. Sie verzichtet auf Punkt-Prämien und auf Teile ihres Gehaltes (Machte eine Mio. DM aus). Außerdem helfen die Dortmunder Brauereien und die Stadt Dortmund dem BVB. Die Kronenbrauerei erwirbt 1.000 Dauerkarten, DAB richtet das Benefiz-Hallenturnier aus und die Union-Brauerei veranstaltet die Weihnachtsfeier des BVB. Den Löwenanteil übernimmt die Stadt Dortmund, die für eine Saison auf die Stadionmiete verzichtet und die Einnahmen aus der Bandenwerbung dem Verein überlässt. Im letzten Bundesligaspiel im Jahr 1984 kommt der BVB bei Werder Bremen mit 0-6 unter die Räder. Vor allem Andre Egli muss bitteres Lehrgeld zahlen, denn sein Gegenspieler Rudi Völler erzielt alleine vier Treffer. Die Dortmunder beenden die Halbserie mit 11-21 Punkten und 20-33-Toren auf den sechzehnten Platz.

Am 28.12.1984 muss der BVB eine weitere Schreckensnachricht hinnehmen. Bei seinem Weihnachtsurlaub verletzt sich Andre Egli beim Skifahren und muss am Unterleib operiert werden. Zwei Tage später findet in Dortmund das Hallenturnier statt. Der BVB gewinnt, allerdings vor nur 4.000 Zuschauer, das Turnier durch einen 3-2-Sieg gegen Werder Bremen. Im letzten Spiel des Jahres zwei Tage später erreicht der BVB ein 1-1 bei 1. FC Bocholt.

Das neue Jahr beginnt mit einem Hallenturnier in Zürich. In der Vorrunde besiegt man FC St. Gallen (4-2), AS Rom (3-1) und NK Rijeka (7-4). Außerdem gibt es eine Niederlage gegen Grasshoppers Zürich, die dann auch der Gegner im Finale sind. Nach der regulären Zeit steht es 4-4. Das Siebenmeterschiessen gewinnen die Borussen dann mit 3-2. Im Anschluss steht dann das Essener Hallenturnier auf dem Programm. Wechselhaft beginnt die Vorrunde mit einer Niederlage gegen Schwarz-Weiß Essen, einem 3-3-Unendschieden gegen Schalke und einem 6-2-Sieg gegen den 1. FC Köln. Im Finale verlieren die Dortmunder mit 2-5 gegen den VfL Bochum. Am 07.01.85 fährt der BVB in ein einwöchiges Trainingslager in den Westerwald. Zur Vorbereitung bestreitet der BVB drei Testspiele. Die Dortmunder gewinnen gegen VfL Hamm (mit 4-0) und gegen Eintracht Haiger (10-1 mit drei Toren von Wolfgang Schüler). Im dritten Testspiel tritt der BVB auf einem Nebenplatz des Westfalenstadion auf dem VfL Bochum. Die Dortmunder gewinnen überzeugend bei minus zehn Grad, wobei man den Verteidiger Andre Egli als Stürmer testet. Um den BVB zu helfen, treten Bayern München, VfL Bochum und Werder Bremen kostenlos in einem Turnier in der Westfalenhalle an. Die Dortmunder verlieren ihre Partien und auch die Einnahmen bleiben bei 5.500 Zuschauern hinter den Erwartungen zurück. Am gleichen Tag wird in der ARD-Sportschau dass Tor von Daniel Simmes gegen Bayer Leverkusen am 05.10.84 zum Tor des Jahres gewählt. Der Dortmunder erhält 185.712 von 660.000 Stimmen Im letzten Freundschaftsspiel neun Tage später bei Alemannia Aachen verlieren die Borussen mit 0-1.

Am 02.02.85 findet dann der Rückrundenauftakt beim Hamburger SV statt. Der BVB zeichnet sich bei der 2-4-Niederlage vor allem durch katastrophale Abwehrfehler aus. Dank Torhüter Eike Immel kann eine höhere Niederlage verhindert werden. Das sechs Tage später stattfindende Spiel gegen Bayer Uerdingen muss wegen der schlechten Witterung abgesagt werden. Ein Debakel erleben die Borussen bei Union Solingen. Im Testspiel bei dem Zweitligisten unterliegen die Dortmunder klar mit 5-0 und wirken absolut lustlos. Auch das Bundesligaspiel bei Arminia Bielefeld bringt keinen Punktgewinn. Dortmund muss im Kellerduell eine 0-3-Niederlage hinnehmen und fällt auf den letzten Platz zurück. Präsident Rauball gibt jetzt ein neues Ziel vor: „Den drittletzten Tabellenplatz und damit die Ausscheidungsspiele erreichen." Um das schlechte Wetter in Deutschland zu umgehen, macht der BVB ein kurzfristiges, einwöchiges Trainingslager im spanischen Estepona. Mit dieser Maßnahme versucht Ribbeck die angeschlagene Dortmunder Mannschaft wieder aufzurichten.

Am 20.02. findet dann ein Freundschaftsspiel gegen den FC Kilchberg statt und die Dortmunder gewinnen mit 9-0. Am 02.03. empfängt der BVB den FC Bayern München. Vor allem die sehr gute Abwehrleistung beim 1-1 gegen den Spitzenreiter macht Hoffnung für die nächsten Aufgaben. Die Führung in der 7. Minute durch Anderbrügge per Freistoss gleicht Matthäus per Elfer acht Minuten später aus. Außerdem feiert Günter Kutowski sein Bundesliga-Debüt. Aber das gute Bild im Heimspiel macht das nächste Auswärtsspiel wieder zunichte. Beim Nachbarschaftsderby gegen den VfL Bochum verliert der BVB nach einer indiskutablen Vorstellung mit 1-4. Erneut ist Eike Immel bester Borusse. Das Heimspiel gegen den 1. FC Köln zeigt dann wieder eine andere Borussia. Angetrieben durch den überragenden Marcel Raducanu gewinnen die Dortmunder mit 2-0 und feiern den ersten Ligasieg im Jahr 1985. Nur eine Woche später können die Borussen den zweiten Auswärtssieg der Saison feiern. Acht Minuten vor dem Ende köpft Rolf Rüssmann einen Raducanu-Freistoss zum 1-0 Endstand bei Bayer 04 Leverkusen ein.

Dortmunds Siegesserie geht weiter. Im Freundschaftsspiel gegen die Deutsche Polizeiauswahl gewinnt der BVB mit 2-0. An 30.03. reist der VfB Stuttgart ins Westfalenstadion. Der BVB überzeugt nicht nur kämpferisch, sondern auch spielerisch und man gewinnt durch Tore von zweimal Simmes, Loose und Raducanu klar mit 4-1. Auch die Reise zum Karlsruher SC gestalten die Borussen erfolgreich. Durch den 4-2-Sieg beim Schlusslicht klettert der BVB erstmals im Jahr 1985 auf einen Nicht-Abstiegsplatz. Im Heimspiel gegen Bayer 05 Uerdingen gewinnen die Dortmunder mit 4-0 (unter anderem mit zwei Toren vom „Aushilfsstürmer" Andre Egli) und feiern den fünften Bundesligasieg in Folge. Dadurch vergrößert sich der Vorsprung zum 16. Platz auf fünf Punkte.

Am 15. April findet das Heimspiel gegen Waldhof Mannheim statt. Die Mannschaften trennen sich torlos. Aber das triste Spiel gerät im Hintergrund, denn auf der anschließenden Pressekonferenz teilt Erick Ribbeck mit, dass er für die kommende Saison einen Drei-Jahres-Vertrag bei Bayer Leverkusen unterzeichnet hat. Zwei Tage später erringt Ex-Manager Tippenhauer vor dem Arbeitsgericht in Dortmund einen Teilerfolg. Die Kündigung des BVB wird für unwirksam erklärt und der ehemalige Manager erhält eine Gehaltsnachzahlung von 57.700 DM. Auch das Auswärtsspiel am Betzenberg geht in die Hose. Der 1. FC Kaiserslautern gewinnt klar mit 5-0, da die Dortmunder Mannschaft ein Einstellungsproblem offenbart: Rolf Rüssmann sagt dazu: „Das war zu wenig, weil viele zu wenig getan haben."

Einen Teilerfolg können die Dortmunder beim Auswärtsspiel auf dem Böckelberg erringen. In der dritten Minute der Nachspielzeit erzielt Michael Zorc den 1-1-Endstand gegen Mönchengladbach. Ein Tag später steht der neue Trainer des BVB für die Saison 1985/86 fest. Pal Csernai, bei Benfica Lissabon unter Vertrag, unterschreibt einen Ein-Jahres-Vertrag bei den Borussen. Trotz der frühen Führung von Ralf Loose kommt keine Sicherheit in das Spiel und der BVB verliert sein Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf mit 1-2. Damit müssen die Dortmunder wieder um den Klassenerhalt zittern. Noch schlimmer ergeht es dem BVB am 06.05.1985. Der BVB erhält vom DFB einen Brief, in dem man den Dortmundern mitteilt, dass die Lizenzerteilung für die neue Saison höchst gefährdet ist. Innerhalb von 14 Tagen muss die Borussia ein Sanierungskonzept vorlegen.

Sportlich fährt der BVB beim Auswärtsspiel bei Eintracht Braunschweig besser. Beim 4-2-Sieg zeigen aber außer Immel und Rüßmann alle anderen Spieler nur eine Durchschnittspartie. In Überzahl (Pahl sieht die Rote Karte) erzielen Simmes und Schüler die Tore. Auch das Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt eine Woche später können die Dortmunder erfolgreich beenden. Den Führungstreffer erzielt Rolf Rüßmann in seinem 450. Bundesligaspiel. Den 2-1-Siegtreffer wird durch den überragenden Marcel Raducanu erzielt. Einen Dämpfer gibt es beim nächsten Heimspiel. Dortmund verliert geben Arminia Bielefeld klar mit 1-3 und der Vorsprung auf den 16. Tabellenplatz beträgt nur noch einen Punkt. Beim Spiel ist der neue Trainer Pal Csernai im Stadion und kann so erstmalig seine neue Mannschaft „bewundern".

Am 1.06. steht das Derby in Gelsenkirchen auf dem Spielplan. Nachdem Schüler den Anschlusstreffer erzielt, drängen die Dortmunder auf den Ausgleich, aber in der 90. Minute erzielt der FCS den 1-3-Endstand. Nun folgt ein echtes Endspiel! Eine Woche später hat dann das Zittern ein Ende. Der BVB empfängt Werder Bremen, zwei so genannte Fehleinkäufe (Wolfgang Schüler und Andre Egli) erzielen den 2-0-Sieg und sichern so den Klassenerhalt. Das wird in Dortmund gefeiert wie eine Meisterschaft. Die BVB-Fans stürmen den Platz und feiern überschwänglich. Auch Präsident Rauball und Trainer Ribbeck umarmen jeden einzelnen Spieler. In der Kabine knallen dann die Sektkorken, die Relegation kann gerade so abgewendet werden. Der BVB belegt in der Endabrechnung den 14. Platz mit 30-38-Punkten und 51-65-Toren.

Direkt nach der Feier für den Klassenerhalt gehen die Spieler in den dreiwöchigen Sommerurlaub. Am 11.06. erklärt Rolf Rüßmann das Ende seiner aktiven Karriere: „Das Angebot des BVB war für mich nicht akzeptabel. Ich wäre nur geblieben, wenn ich für übernächstes Jahr einen Manager-Angebot bekommen hätte." Nachfolger wird der Bielefelder Manndecker Dirk Hupe, der eine Woche später verpflichtet wird. Außerdem wird der Vertrag mit dem Schweizer Andre Egli nach nur einem Jahr aufgelöst und er kehrt zurück zu den Grasshoppers Zürich. Dadurch spart der BVB 250.000 DM Gehalt und 350.000 DM Restablöse.

Der Kader der Saison 1984/85

Fazit:

Sportlich eine Offenbarung, finanziell am Ende und die Vereinsführung ein Tollhaus, so präsentierte sich der BVB in der Saison 1984/85. Fangen wir mal sportlich an. Der BVB, mit Trainer Konietzka und Manager Tippenhauer, zeichnete sich während ihrer Amtszeit vor allem durch handfeste Fehler aus. Es wurden verdiente Spieler ausgemustert oder unter Wert verkauft, andere Spieler überteuert eingekauft. Auch sonst gab es viele Fehler. So berichtete Kapitän Rüssmann: „Ich erinnere mich, dass wir im Zuge der Saisonvorbereitung in einem Hotel waren und Sonntag Abend ging der Trainer mit dem Manager essen. Die Mannschaft wurde schlicht vergessen, die bekam nämlich nichts zu essen." Die sportliche Substanz wurde abgegeben und der Ersatz konnte nicht ansatzweise die Erwartungen erfüllen. So erreichte man mit Konietzka gerade einmal vier Punkte in neun Spielen, während Ribbeck es auf fünf Punkte in nur 6 Spielen brachte. Gerade mit Ribbeck konnte der BVB in der Rückrunde ein positives Punktekonto vorweisen (19-15), aber dank der Vorgabe aus der Hinrunde musste man bis zum Ende zittern. Leider verließ er den Verein zum Ende der Saison und wurde durch Pal Csernai ersetzt. Wie sich zeigte, war das nicht die beste Wahl.

Der nächste Problemfall war die Vereinsführung. Die Führung unter Frank Roring und seinem Königsmacher Friedhelm Cramer zeichnete sich vor allem durch handwerkliche Fehler aus. Man verließ sich zu sehr auf die Entscheidungen des Managers. Ein weiterer Fehler war, dass der Verein mehr Geld ausgab, als er einnahm. Die Schuldenlast stieg auf eine für damalige Verhältnisse astronomische Höhe von 8,3 Mio. DM. Nur dank der Mannschaft, den Dortmunder Brauereien und der Stadt Dortmund konnte der BVB mit wackeligen Beinen überleben und den Lizenzentzug verhindern. Wieder musste Rauball als Not-Präsident einspringen und er schaffte wieder einmal die Rettung. Rauball meinte damals: „Damals anzutreten, war wie russisches Roulette." Und es zeigte sich, welche Macht die Zuschauer im Westfalenstadion hatten. Der Ausruf „Vorstand, Trainer, Tippenhauer Raus" hallte nach der Niederlage gegen den KSC durchs Westfalenstadion. Der Trainer bzw. der Manager mussten durch eine Sitzblockade der Fan und kamen nur mit Polizeischutz zur Pressekonferenz. All dies sorgte dann für den Wechsel im Verein. Rauball damals: „Der blanke Hass blitzte den Verantwortlichen des BVB zu dieser Zeit durch den Stadionzaun entgegen."

Fakt ist, die Mischung aus unfähigem Management und inkompetenter Vereinsführung richtete damals den Verein fast zu Grunde. Man fragt sich, wie man den Verein in nur zwei Jahre so runterwirtschaften konnte. Bei dem Zwang, den Verein zu professionalisieren, wurden erneut die falschen Entscheidungen getroffen. Am Ende bewahrheitete sich der Ausspruch von Rauball, den er mittlerweile schon dreimal ansetzen konnte: „Einen Bundesliga-Verein aufzubauen, dauert sehr lange - ihn zu ruinieren, geht von heute auf morgen!"

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