Im Gespräch mit...

Sahr Senesie: "Die Fans sind eine Macht"

18.11.2010, 15:59 Uhr von:  Redaktion

Sahr im DribblingLange Zeit galt Sahr Senesie als hoffnungsvolles Sturmtalent beim BVB. Zwischen 2002 und 2008 – unterbrochen von Leihgeschäften nach Zürich und Hoffenheim – absolvierte der in Sierra Leone geborene Angreifer 82 Spiele für die Zweite Mannschaft der Borussia. Dabei gelangen ihm 25 Tore. In seinen 24 Partien für die Profimannschaft, in denen Senesie meist spät eingewechselt wurde, erzielte er keinen Treffer. Und hadert deshalb manchmal noch heute mit den Schiedsrichtern. Auch Verletzungen behinderten immer wieder die Entwicklung des talentierten Stürmers, der mittlerweile 25 Jahre alt ist.

Am Wochenende nun kommt es zum Wiedersehen mit den alten Bekannten. Senesie ist mittlerweile beim FC Homburg gelandet und führt die Mannschaft als erfahrene Säule im Kampf gegen den Abstieg an. Und der ehemalige U21-Spieler (4 Spiele, 1 Tor) freut sich – besonders auf Trainer Theo Schneider, den er immer noch sehr schätzt.

Im Interview mit schwatzgelb.de hat Senesie viel zu erzählen. Er skizziert seine eigene Karriereplanung und schwelgt in Erinnerungen an seine Zeit beim BVB. Außerdem erfahrt ihr, warum er Theo Schneider für einen der besten Trainer in Dortmund hält.

sg.de: Hallo Sahr, du bist in dieser Saison beim FC 08 Homburg gelandet, was hat den Ausschlag für deinen Wechsel von Trier dorthin gegeben? Ist das für dich in der Entwicklung nicht ein Schritt zurück?

Mir lag ja schon ein Vertrag von Regensburg vor. Aber da wurde mir dann erzählt, der Sponsor kann das nicht zahlen. Zu dem Zeitpunkt als ich mich dafür entschieden habe, war Trier in der Oberliga. Und ich konnte mir nicht vorstellen, in der Oberliga zu spielen. Deshalb habe ich mich dann für Regensburg entschieden. Aber dann war es so, dass der Sponsor angeblich abgesprungen ist und ich nichts hatte. Und beim FC Homburg kannte ich den Trainer – Alfred Kaminski – schon und habe mich dann mit ihm getroffen. Und da er sich für mich interessiert hat, habe ich mich dann für Homburg entschieden.

Senesie auf dem Rasensg.de: Wie verlief die private und sportliche Integration?

Absolut gut. Ich wurde super aufgenommen. Ich denke, das zeigt sich auch in meinem Saisonverlauf, der sehr ordentlich ist. Natürlich ist noch Luft nach oben, aber die Integration und das Ganze – sowohl privat als auch sportlich – verlief sehr, sehr gut.

sg.de: Von den „Westfälischen Nachrichten“ wurdest du zuletzt als „Leitwolf der Saarländer“ betitelt, giltst zudem als Dreh- und Angelpunkt in deiner Mannschaft. Auch deine Torquote ist bisher mehr als ordentlich. Bist Du zufrieden mit Deiner Rolle im Team?

Ja, klar. Ich bin der Erfahrenste dort, habe in der ersten Liga gespielt und auch schon viele Jugendnationalspiele gemacht. Das versuche ich täglich einzubringen. Unser Ziel ist ganz klar der Klassenerhalt und da versuche ich mit meiner Erfahrung zu helfen, dass wir das auch zeitig genug schaffen.

sg.de: Was glaubst du, könnt ihr in dieser Saison erreichen? Ihr seid ja leider trotz deinen Toren nicht so gut gestartet in den ersten Spielen. Reicht die Qualität der Mannschaft, um die Klasse zu halten?

Ja, ich glaube die Qualität reicht auf jeden Fall. Vielleicht müssen wir uns auf ein bis zwei Positionen noch verstärken, das muss aber jetzt der neue Trainer Christian Hock entscheiden. Sicher können wir uns überall noch verbessern, aber ich denke wir haben das Potential für den Klassenerhalt.

Senesie: Letztes Bundesligaspiel gegen Bielefeldsg.de: Hast du dir für diese Saison eine bestimmte Torausbeute zum Ziel gesetzt?

Absolut nicht. Das klingt immer so famos, wenn man sagt, ich mache 20 Tore. Daran wird man im Laufe der Saison immer gemessen. Vielleicht sollte man einfach ein Stück weit Understatement zeigen und einfach nur Gas geben.

sg.de: Vor mehr als einem Jahr – damals noch als Spieler von Trier - meintest Du in einem Interview, Du würdest in Zukunft noch für Furore sorgen können. „Viele werden sich noch wundern“, war damals Deine Aussage. Bist Du im Hinblick darauf zufrieden mit Deiner Entwicklung?

Ich möchte einfach in den bezahlten Fußball, das Ziel habe ich weiterhin. Das hat ja nichts mit Realitätsverlust oder dergleichen zu tun. Ich traue mir das ganz klar zu. Ich benötige für meine Leistung nur eine gewisse Konstanz und das ist jetzt der Fall. Endlich bin ich auch mal für eine längere Zeit verletzungsfrei und habe meinen Rhythmus gefunden. Das sieht man auch in den Spielen.

sg.de: Sind deine vielen Verletzungen mit ein Grund dafür, dass du den endgültigen Durchbruch trotz namhafter Stationen wie Dortmund, Zürich oder Hoffenheim noch nicht geschafft hast?

Es ist eben schwierig zu sagen: „Nur wegen den Verletzungen habe ich den Durchbruch noch nicht geschafft.“ Sicherlich hat es auch an mir selbst gelegen, aber natürlich konnte ich mein Potential selten abrufen, weil ich immer kleine Wehwehchen hatte. Dadurch hat mir oft der Rhythmus gefehlt. Jetzt ist das der Fall und nun muss man schauen. Mein Ziel ist es, 34 Spiele zu machen in der Saison, also alle und dabei möglichst auch gute Leistungen zu bringen.

Gratulation an Weidenfellersg.de: Kommen wir auf Dortmund zu sprechen: Welche Erinnerungen hast du noch an den BVB und sein Umfeld? Woran erinnerst du dich gerne zurück, was war weniger schön?

Oh, ich habe sehr gute Erinnerungen. Ich verfolge Dortmund, seitdem ich dort weggegangen bin. Damals als ich mich für Dortmund entschieden habe, war das auch die Gelegenheit. Heute noch bin ich ein Riesenfan vom BVB und habe Kontakt zu Roman Weidenfeller. Außerdem spielt mein Bruder noch in Dortmund.

sg.de: Erinnerst du dich noch an dein Profi-Debüt? Schildere uns doch bitte einmal, wie du dieses erlebt hast.

Das war gegen Freiburg. Da wurde ich eingewechselt in der 55. Minute. Das war ein überwältigendes Gefühl. Wahnsinn vor solch einer Kulisse zu spielen. Das vergisst man nie im Leben.

sg.de: Was war das für ein Gefühl, als du nach deinem erste Bundesliga-Tor fälschlicherweise wegen Abseits zurückgepfiffen wurdest? Bedauerst du diesen Moment noch heute? Trotz 24 (Kurz-)Einsätzen für Borussia Dortmund gelang dir auch deshalb noch kein Bundesliga-Tor.

Ja, ich denke manchmal daran, was wäre, wenn das gezählt hätte. Es waren ja sogar zwei Tore. Einmal gegen Freiburg und einmal in Frankfurt. Schade, es war nämlich kein Abseits. Aber okay, man soll auch nicht immer zurückschauen. Aber ich würde gerne einmal wissen, was heute wäre, wenn die beiden Treffer gegeben worden wären. Aber das ist alles hypothetisch, ich muss positiv denken und nach vorne schauen.

Theo Schneider mit klarem Konzeptsg.de: Laut früheren Aussagen war Theo Schneider immer sehr überzeugt von dir und hat an dich geglaubt. Hat dir das Vertrauen beim damaligen Coach der ersten Mannschaft, Bert van Marwijk, manchmal gefehlt? Hättest du einfach mehr Einsätze benötigt?

Ich halte Theo für einen der besten Trainer in Dortmund. Das sieht man auch in seiner Arbeit, seine Handschrift ist immer zu erkennen. Noch am Wochenende habe ich mich hier mit ihm getroffen, er hat mich in Homburg besucht. Ich habe nach wie vor ein super Verhältnis zu ihm. Das wird auch immer so bleiben. Auf das Spiel gegen die Zweite vom BVB am Samstag freue ich mich deswegen auch ungemein.

Ich denke, Bert van Marwijk hat eher nicht so auf mich gesetzt. Er hat mir nicht so viele Chancen gegeben. Aber das ist auch nicht so wichtig. Da haben eben andere Stürmer gespielt. Das ist aber auch nicht interessant, da jetzt nach den Gründen zu suchen und zu spekulieren. Für mich bleiben die guten Erinnerungen an den Verein, den BVB.

sg.de: Wie intensiv verfolgst Du die Entwicklung bei Deinem ehemaligen Verein noch?

Ich gratuliere Roman immer zu den Siegen und das war ja in den letzten zwei Monaten sehr oft der Fall (lacht). Ich zähle den BVB schon zum Favoritenkreis auf die Deutsche Meisterschaft. Ich denke drei Mannschaften werden es unter sich ausmachen, das sind Bayer Leverkusen, die Bayern und Dortmund. Aber ich schätze den BVB als die stabilste Mannschaft ein. Im Gefühl hatte ich das schon vor der Saison, man hat das schon ansatzweise – auch im Großteil der letzten Saison - gesehen. Da dachte ich: Oh, die Mannschaft ist gefestigt. Da passt eben alles zusammen, der Trainer leistet hervorragende Arbeit. Das ist für einen wie mich, der Dortmund liebt, schön zu sehen. Jetzt ist Struktur da.

Fans sind eine Machtsg.de: Du traust dem BVB also durchaus auch die Meisterschaft zu?

Ich traue dem BVB zu tausend Prozent die Meisterschaft zu.

sg.de: Was sagt du zu den Fans in Dortmund? Haben die auch einen Einfluss auf die gute Leistung der Mannschaft.

Auf jeden Fall. Die Fans sind eine Macht, das ist Macht. Sie sind die besten der Welt. Und das ist keine Floskel, das ist so. Ich habe es ja selber erlebt. Die Südtribüne ist einfach hammergeil.

sg.de: Wo landet Homburg in dieser Saison, wo die Zweite von Borussia Dortmund?

Ich denke, die zweite Mannschaft vom BVB landet unter den ersten drei und wir zwischen Platz 10 und 13. In dem Bereich sehe ich die beiden Mannschaften im Moment.

Vielen Dank, Sahr, für das Interview. schwatzgelb.de wünscht Dir und dem Homburg viel Erfolg in dieser Saison.

Daniel R., 18.11.2010

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