Im Gespräch mit...

Martin Amedick: Ein Ex-Borusse auf dem Weg zurück in Liga eins

15.03.2010, 07:00 Uhr von:  Redaktion

Amedick StuttgartZwei Jahre lang streifte sich Martin Amedick Spieltag für Spieltag das schwarzgelbe Trikot über. Von Braunschweig gekommen, bescheinigten ihm viele Fachleute großes Talent und trauten Amedick durchaus zu, sich in Liga eins durchzusetzen. Im Endeffekt reichte es nach einigem Auf und Ab dann doch nicht ganz. Dennoch schaut Amedick im Interview mit schwatzgelb.de wohlgesonnen zurück auf seine Vergangenheit beim BVB und blickt durchaus ebenso hoffnungsfroh in die Zukunft mit dem 1. FC Kaiserslautern. Die Chancen für die 1. Liga stehen gut.

schwatzgelb.de: Herr Amedick, Sie spielten zwischen 2006 und 2008 beim BVB. Wie stark ist ihre Verbindung zu Dortmund noch? Haben Sie Kontakt zu ehemaligen Mitspielern oder Funktionären?

Martin Amedick (MA): Besonders guten Kontakt habe ich noch zu Nelson Valdez, mit ihm und seiner Frau haben wir uns erst Anfang März getroffen und einen tollen Tag verbracht. Zu einigen anderen Spielern habe ich noch lockeren SMS-Kontakt.

schwatzgelb.de: Was haben Sie aus Ihrer Zeit im Ruhrpott noch besonders positiv in Erinnerung und was hat Ihnen weniger gefallen?

MA: Das Stadion bleibt natürlich immer in besonderer Erinnerung, besonders die Südtribüne, die ich vorher nur mit Blick aufs Spielfeld kannte. Es ist traumhaft, auf der anderen Seite zu stehen und zu spielen und zu den Fans hochschauen zu dürfen. In der Bundesliga zu spielen ist grundsätzlich ein unvergessliches Erlebnis und das wollen wir hier auf dem Betze auch wieder erleben. Außerdem habe ich viele tolle Charaktere und Persönlichkeiten kennengelernt. Christian Wörns, Sebastian Kehl oder Christoph Metzelder zähle ich neben einigen anderen dazu.

In der Rückschau ist es schade, dass wir unsere sportlichen Ziele nicht erreicht haben, obwohl wir eine gute Truppe waren.

schwatzgelb.de: Der BVB tritt unter Jürgen Klopp deutlich stabiler auf als in früheren Zeiten. Bereuen Sie Ihren Wechsel nach Kaiserslautern bereits?Amedick gegen Dzeko

MA: Aus der Ferne betrachtet, lässt sich das Potential nur schwer beurteilen, aber ich denke, dass der BVB eine junge Mannschaft hat, die die klare Möglichkeit hat, in die Europaliga zu kommen, denn da gehört ein Verein wie der BVB eigentlich hin. In Dortmund hat man damals nicht mehr mit mir geplant, also war eine Trennung folgerichtig.

Ich habe meinen Wechsel aber noch kein einziges Mal bereut. Wir fühlen uns in Kaiserslautern sehr wohl und ich habe hier ein ganz neues Projekt begonnen. Wir wollen zurück in die Bundesliga und daran arbeiten wir mit aller Kraft.

schwatzgelb.de: Inwiefern unterscheiden Sie sich von den derzeitigen Dortmundern Innenverteidigern wie Hummels, Subotic oder Santana? Was sind Stärken, was Schwächen in Ihrem Spiel?

MA: Das sind drei gute Innenverteidiger. Aber die Frage nach dem Unterschied stellt sich aktuell nicht, denn wir messen uns nicht – spielen leider noch in unterschiedlichen Ligen. Ich hoffe, dass wir das für die Zukunft ändern können…

schwatzgelb.de: Weshalb gelang Ihnen der endgültige Durchbruch in Dortmund trotz bester Anlagen nicht?

MA: Darüber mache ich mir letztlich keine ernsthaften Gedanken mehr. Auch aus dieser Erfahrung habe ich etwas Positives für meine Karriere gezogen und schaue jetzt ausschließlich nach vorn. Wir haben hier beim FCK einiges vor und nur darauf konzentriere ich mich.

schwatzgelb.de: Wären Sie ohne die Phase unter Thomas Doll, in der es allgemein schlecht lief, noch beim BVB?

Amedick trifftMA: Das lässt sich nicht oder nur hypothetisch beantworten. Wichtig ist, dass ich den Wechsel noch nie bereut habe und mich bei den Roten Teufeln sehr wohl fühle.

schwatzgelb.de: Was waren die Gründe für den Wechsel zu Kaiserslautern? Welches Konzept macht den 1. FCK im Moment so erfolgreich?

MA: Wir sind ein echtes Kollektiv, mannschaftlich sehr geschlossen und zudem diszipliniert und lernwillig. Dafür, dass wir die jüngste Mannschaft der Liga stellen, treten wir zudem sehr dominant und konstant auf. Unser Trainer Marco Kurz arbeitet sehr hart und intensiv mit uns, findet aber den richtigen Mix in der Ansprache und Trainingsarbeit. Zudem führt Stefan Kuntz den Verein mit einem klaren Konzept. Es herrscht Aufbruchsstimmung und der Club wurde und wird auf allen Ebenen wettbewerbsfähig aufgestellt. Das spürt man und das begeistert nicht nur das Umfeld. Letztlich hat mich das schon in den ersten Gesprächen mit Stefan Kuntz überzeugt und war ausschlaggebend für den Wechsel.

schwatzgelb.de: Sie stehen mit Ihrem Verein mit dreizehn Punkten Vorsprung auf Platz vier an der Tabellenspitze. Was sind die Gründe dafür?

MA: Eigentlich alles, was ich schon in der vorangegangenen Frage beantwortet habe. Hinzu muss man sicher noch die unglaubliche Unterstützung von den Rängen zählen. Wir haben mit weitem Abstand die meisten Zuschauer in der zweiten Liga, die bei Heim- und Auswärtsspielen bedingungslos hinter der Mannschaft stehen.

schwatzgelb.de: Sind Sie schon so gut wie sicher aufgestiegen?

MA: Ganz sicher nicht. Mit aktuell 57 Punkten haben wir uns eine sehr gute Ausgangsposition erarbeitet, Amedick gegen Charisteasaber wir dürfen keinesfalls nachlassen. Wir sind bisher sehr gut damit gefahren, uns immer nur auf die vor uns liegende Partie zu konzentrieren. Wenn wir anfangen, Hochrechnungen zu veranstalten, machen wir den ersten Fehler.

schwatzgelb.de: Sie sind absoluter Stammspieler, mittlerweile sogar Kapitän bei den „Roten Teufeln“. Sind sie zufrieden mit ihrer derzeitigen persönlichen Entwicklung? Welche Ziele haben Sie sich für Ihre Karriere noch gesetzt?

MA: Ich will Bundesliga spielen und das am liebsten mit dem FCK. Über alles andere mache ich mir keine Gedanken. Natürlich will ich mich als Spieler und als Persönlichkeit weiterentwickeln und arbeite stetig an mir, aber konkrete sportliche Ziele über den Aufstieg mit dem FCK hinaus, setze ich mir erst wieder, wenn wir das erreicht haben.

schwatzgelb.de: Wie beurteilen sie die Arbeit von Coach Kurz? Welcher Trainertyp ist er?

MA: Ich habe Marco Kurz ja vorhin schon beschrieben. Er spricht viel mit seinen Spielern und ist zudem ein akribischer Arbeiter, der jeden Morgen als allererster am Stadion ist und abends als letzter geht. Unser Training ist anspruchsvoll, abwechslungsreich und intensiv, aber ebenso wohl dosiert. Belastungen und Regeneration sind gut gesetzt, was auch der geringe Verletztenstand über die Saison widerspiegelt. Wir sind außerdem sehr gut auf jeden Gegner vorbereitet und haben eine klare Spielidee, die er uns prägnant vermittelt.

schwatzgelb.de: Wo landet der BVB, wo landet der 1. FCK am Ende der Saison?

MA: Dem BVB wünsche ich einen Platz in einem europäischen Wettbewerb. Unsere Platz werde ich nicht tippen, aber wir werden alles unternehmen, um unsere aktuelle Position nicht mehr herzugeben.

Daniel R., 15.03.2010

Unterstütze uns mit steady